Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 38 (16.9.1932)
- Date
- 1932-09-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 VORKCIME FAMILIEN - PENSION täglich 5-Uhr-Tee SENMEMNG TELEPHON 11 B Hochstraße 43 | neben Hotel Panhans J | Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.— aufwärts § Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser g g in jedem Zimmer. 3 §| Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer || lim«™ düng von der Möglichkeit des Wirkens. Die Kette ist gleichgültig. Sie glänzt prächtig, hat aber sonst wenig gemein mit Nathans Ringen. Sie ist eine 14karätige qualite negligeable. Wichtiger als sie ist die Tatsache, daß zu Albert Einsteins Lebzeiten Männer seines Blutes und von dargetaner Befähigung um dieses Blutes willen für Lebzeiten zur Unterweisung von Klippschülern verurteilt sind. Es soll in Prag etliche geben. Diese Qaleerenkette ist wichtiger als das Halsband eines akademischen Würdenträger s." Ein cuzistischer Senator als Pferdedieb. Der rumänische Senat hat beschlossen, das Mandat des in Balti, Bessarabien, auf der Liste des Antisemiten Cuza gewähltenNovitzkyfür ungültig zu erklären, da sich aus den Akten herausgestellt hat, daß Novitzky wegen Pferdediebstahls, Dokutnentenfälschung und Betruges vorbestraft ist. Novitzky war in früheren Jahren auch Führer eines antijüdischen Pogroms und Agent der zarischen 0 c h r a n a. Die antisemitische Berliner Funkstunde verurteilt. Vor dem Berliner Arbeitsgericht wurde die Klage des bisherigen Redakteurs der aktuellen Abteilung der Funkstunde A.-Q., Dr. Arthur Kürschner, gegen die Funkstunde verhandelt. Dr. Kürschner war am Tage nach dem Amtsantritt des neuen Rundfunkkommissars, des zum Nationalsozialismus übergetretenen Doktor Scholtz, fristlos entlassen worden. Die Entlassung war, wie von der Funkstunde zugegeben wurde, aus politischen und Rassegründen erfolgt. Dr. Kürschner ist jüdischer Abstammung, wurde in Ungarn geboren und soll liberal eingestellt sein. Eine Entlassung lediglich aus politischen Gründen ist nach dem Betriebsrätegesetz unzulässig. Der Vertreter der Funkstunde Dr. Karstensen erklärte, der Rundfunk sei ein Tendenzbetrieb und könne als solcher auch Entlassungen aus politischen Gründen vornehmen. Die Entlassung sei erfolgt, weil „auf Wunsch der leitenden Stellen hin der Rundfunk mehr als bisher Träger und Mittier deutscher Kultur und deutschen Geistes sein solle und der Kläger deshalb für den Posten nicht mehr geeignet sei". Dr. Kürschner erklärte, er habe sein Amt stets unparteiisch verwaltet, er sei eingebürgerter Deutscher, während sein Nachfolger Arndt Bronnen (der jetzt dem Nationalsozialismus nahestehende von einem jüdischen Vater abstammende Schriftsteller, die Red.) noch Oesterreicher sei. Das Arbeitsgericht gab der Klage Kürschners statt und verurteilte die Funkstunde, den Kläger entweder weiter zu beschäftigen oder ihm eine 3000 Mark zu gewähren. In klärte Assessor Schmilinsky, aus politischen r e c h t i g t. Es sei Juden abstammt. Der Großvater Duesterbergs soll noch die Vornamen Selig Abraham getragen haben und am 26. Juni 1818, als er als Arzt angestellt wurde, noch nicht getauft gewesen sein. Die Großmutter Duesterbergs, die Frau des erwähnten Abraham Selig Duesterberg, soll eine geborene Caspary und gleichfalls jüdischer Abstammung gewesen sein. Der Urgroßvater Duesterbergs, der am 14. Mai 1824 in Paderborn gestorben ist, war daselbst Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde. „Angriff" stellt fest, daß dieser Stammbaum Duesterbergs wiederholt veröffentlicht, aber bisher unwidersprochen geblieben war. Die „V 0 s s i s c h e Z e i t u n g" teilt mit, daß die Behauptungen des „Angriff" stimmen und bisher bereits einem kleinen Kreise bekannt waren. Duesterberg habe erklärt, von der Religionszugehörigkeit seiner Großeltern erst jetzt erfahren zu haben, er habe sofort seine Aemter zur Verfügung gestellt, die Stahlhelm-Bundesleitung habe davon jedoch keinen Gebrauch gemacht. „Der ganze Vorgang", schließt die „Vossische Zeitung", ..ist nur um deswillen wichtig, weil hier an einer Persönlichkeit, die vor wenigen Monaten von deutschnationaler Seite für den höchsten Posten der Nation präsentiert wurde, offenbar weil man sie intellektuell und charakterlich für höchst geeignet hielt, kraß nachgewiesen wird, daß d i e Rassenlehre ein brauchbares Selektionsprinzip nicht darstell t." Die Hitlerei schadet den lettländischen Deutschen. In Lettland hat sich eine Nationalsozialistische Partei gebildet, die Hitiers Programm genau übernimmt, aber an dessen Spitze die extrem-nationalstaatliche Forderung „Lettland den Letten" stellt, die sich ebensosehr gegen die Deutschen wie gegen die Juden richtet. In einer Volksversammlung der lettischen nationalsozialistischen Partei legte der lettische Hitler, der den deutschen Namen Stellmacher trägt, das Programm der jungen Partei vor. Seine Rede gipfelte in der Forderung, alle Nichtletten in Lettland zu Bürgern zweiter Klasse zu degradieren: die Staatsgewalt dürfe lediglich in den Händen von Letten liegen, im Parlament sollten in Zukunft nur äginuiunnui Entschädigung von der Begründung ereine Entlassung Gründen sei unbegerichtsbekannt, daß der Rundtunk nach seiner Umstellung bemüht sei, sich den Zielen der Rechtsparteien anzupassen. Nach der eigenen Kündigungsbegründung der Funkstunde sei es ganz deutlich, daß man Kürschner entlassen habe, weil er Jude gewesen oder politisch anders eingestellt sei. Dazu wäre nach dem Gesetz nur ein politischer Tendenzbetrieb berechtigt; das aber könne die Funkstunde nicht sein. Auch der „Stahlhelm" verjudet! Um den in Berlin stattgehabten Stahlhelmtag zu kompromittieren, erzählt der „Angriff", daß der zweite Bundesführer des Stahlhelm und frühere Ka nd idatauf de nReichspräsidente nposten, Oberstleutnant Duesterberg, von Zu Rosch-Haichonoh gratulieren Sie allen Ihien Verwandten, Freunden, Bekannten, . Kunden und Gasten in der Neujahrsfestnummer der „WAHRHEIT" Sie ersparen damit Mähe, Porto und Zeitaufwand! Da im vorigen Jahre infolge verspäteten Einlangens viele Aufträge keinen Raum mehr finden konnten, bitten wir, uns die geschätzten Auftrüge sofort zu erteilen. Muster: Anläßlich des Rosch-Haschonoh-Festes entbieten hiermit ihren Verwandten und Freunden die herzlichsten Glückwünsche (Einfaches Feld) Eugen Rottmann und Familie HL, Marxergasse 6 Um allen jenen, die durch „Die Wahrheit" gratulieren, die Gewißheit zu geben, daß ihre Gratulation auch alle jene Familien oder Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der GratulationsbesteUuriK aufgegeben werden, je ein Exemplar der Festnummer kostenfrei zusenden. ---Ausschneiden! —-------- An die Administration „DIE WAHRHEIT", Wien IL, Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-GIückwunsch *) Einfaches Feld zum Preise von S 6 — *) Doppelfeld zum Preise von S 11 — welchen Betrag ich Ihnen gleichzeitig übersende *) Nichtzutreffendes bitte streichen. Textangabe:.................................. Unterschrift: |-^RestaurantBHtet^ 1 Bestrenornmierta Küche In neueröffnete» 1 GASSENLOKAL | II., Hammer-Purgstallgasse Nr. 9 mmwim n Letten sitzen, keine Deutschen oder Juden. Stellmacher betonte die Notwendigkeit, sich der „internationalen antisemitischen Bewegung anzuschließen". Er beruft sich auf Hitler, der für Deutschland die gleiche nationalstaatliche Forderung aufgestellt hat wie er, Stellmacher, für Lettland. Unter den Deutschen in Lettland besteht Besorgnis im Hinblick auf die Möglichkeit, daß die junge Nationalsozialistische Partei erstarken und den Boden für die Entrechtung sowohl der Deutschen als auch der Juden in Lettland bereiten könnte. Numerus ntillus in Leitland. An der medizinischen Fakultät der lettischen S t a a t s 11 n i v e r s i t ä t in Riga wurde zu Semesterbeginn nur ein einziger Jude aufgenommen. Gemeldet hatten sich 39 Juden, unter ihnen 10 bereits im Auslände, ausgebildete Aerzte. die. um in der Heimat praktizieren zu können, den Ranzen Studiengang noch einmal durchmachen wollten, auch einer, der in der lettländischen Armee als Arzt-Oifizier ku dient hatte. In jüdischen Kreisen Lettlands herrscht große Entrüstung über die Zurücksetzung der Juden, die von der Fakultät damit begründet wird, daß der medizinische Beruf übertüllt sei. Man verweist darauf, daß sich die Sperre einzig und allein gegen die Juden auswirkt, denn es wurden auch in diesem Semester 53 Nichtjuden immatrikuliert. £ifm. Die Paramount-Filmgesetts&aft — Großinserentin einer nationalsozialistischen Filmzeitung. Aus Kreisen der Filmindustrie wird der Berliner „C. V. - Z c i t u n g" geschrieben: Seit einigen Monaten erscheint in Berlin, herausgegeben von der NSDAP., Abteilung Film, ein Blatt, „Der Deutsche Film", ausdrücklich bezeichnet als „Nationalsozialistische Fitmiachz e i t u n g", das übrigens auch in Oesterreich Eingang gefunden hat. Irgendwelche diskutablen neuen Ideen, irgendwelche konstruktiven Vorschläge hat man bisher darin nicht entdecken können. Wäre der deutsche Film wie „Der Deutsche Film", so hätte er niemals seine heutige kulturelle Bedeutung, seine Weltgeltung erlangen können. Das Blatt beschränkt sich ausschließlich auf Skandalartikel antisemitischer Prägung: es überschlägt sich förmlich vor Judenieindschait. Gewiß gibt es in der Filmindustrie manches und manchen, die zu sachlicher Kritik herausfordern: dort aber wird nur im unsachlichen, ja unflätigsten Ton, ohne jede Unterscheidung und ott mit nachweislicher Unwahrscheinliehkeiten jeder Jude innerhalb der Filmindustrie zu vernichten gesucht. Die Filmindustrie selbst ist ohne Unterschied der politischen oder religiösen Anschauungen ihrer Mitglieder erfreulicherweise ausnahmslos von diesem traurigen Erzeugnis abgerückt. Nicht ein Filmunternehmen, begonnen mit der Ufa bis zum kleinsten Filmfabrikanten oder Verleiher, hat bisher von seinem Erscheinen Notiz genommen eder die Zeitung gar durch Vergebung von Anzeige» unterstützt. Die letzte Ausgabe des „Deutschen Film" bringt die erste Ausnahme. Keine deutsche Firma, aber das Tochterunternehmen des amerikanischen Paramount- Konzerns, die Deutsche P a r a m o u n t A. - G., kann den traurigen Ruhm für sich;n Anspruch nehmen, durch eine Anzeige von zwei ganzen Seiten die Existenz des antisemitischen Filmblattes entscheidend unterstützt zu haben. Diese Tatsache verdient festgenagelt zu werden. Als kennzeichnende Begleitmusik bringt die gleiche Nummer des Blattes auf der ersten Seite einen großen Artikel „Wer ist die amerikanische Filmproduktion?" Hier wird eine Reihe von bekannten amerikanischen Firmen und Direktoren aufgezählt und zum Schluß heißt es: „Von diesen acht Filmherstellungsmagnaten sind sieben Juden. Und von diesen Herrschern, die auf die gesamte Produktion in den U. S. A. den größten Einfluß haben, sind fünf eingewanderte Ostjudenstämmlinge." Wer aber in dieser Auizählung — seltsamerweise — fehlt, ist eine der größten amerikanischen Firmen, eben die P a r a m o u n t, die Gründung des jüdischen Ungarn Adolphe Zu kor, ihres Präsidenten, und Jesse L. Laskys; die Firma, deren Verwaltung an maßgebenden Stellen die Herren Sam Katz und Emanuel Cohen angehören, die Firma, deren europäische Interessen und damit auch die Deutsche Paramount Film A.-G. dem Generalrepräsentanten Ike Blumenthal unterstellt sind . . .