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Die Wahrheit · 1932-09-09 · Heft 37 (9.9.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 37 (9.9.1932)
Date
1932-09-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT GROSZGEMEINPEN (Besondere Gelegenheit) Namhafter, akademisch - musikalischer Oberkantor, bestrenomtmert, klangvolle, geschulte Tenorstimme, Meister-m Hebräisch, für hohe Feiertage frei. Zuschriften: Habermann, Budapest,Szövets6gut.22 forzBglldier forDeler Baal-Tokea, Baal-Koreh (event auch Predigt), empfiehlt sich für die hohen Feiertage. Klangvolle Stimme, streng religiöser Charakter. Auch in der Provinz. Auskunft erteilt aus Gefälligkeit: Ol. BlOdl, XX., Rafaelgasse 1 Oberstaatsanwalt Sturm, vor Bekannten zu erklären: „Nun scheinen ja Ihre Nazis auch hier Bomben zu werfen." Die Nationalsozialisten fragen nun im Anschluß an diese Behauptung das Staatsministerium, ob es «diese Aeußerung eines zu Objektivität verpflichteten Beamten billige, ferner, ob das Staatsministerium nunmehr erkenne, daß es in Preußen zahlreiche Oberstaatsanwälte und Staatsanwälte gebe, die ohne jeden Grund bei jedem Vergehen oder Verbrechen sofort die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei und deren Angehörige beschimpfen und beschuldigen. In einer anderen Anfrage weisen die Nationalsozialisten darauf hin, daß der Oberstaatsanwalt Sturm in Cottbus anläßlich der Ermordung des nationalsozialistischen Arbeiters Walter Gornatowski durch Kommunisten eine Belohnung von 500 Mark für die Ergreifung der Täter ausgesetzt habe. Der gleiche Oberstaatsanwalt habe bei dem Sprengstoffattentat in Groß-Gaglow die Summe von 1000 Mark für die Ergreifung der Täter ausgesetzt Es ergebe sich also die Tatsache, so sagen die Fragesteller, daß das Leben eines ermordeten Nationalsozialisten für die Justiz der Herren von Papen und Dr. Bracht in Preußen halb so viel wert sei wie ein im Rohbau befindliches Haus jüdischer Siedler. Das Staatsministerium wird angefragt, was es angesichts dieser „herausfordernden Haltung der Oberstaatsanwaltschaft in Cottbus gegenüber der nationalsozialistischen Bevölkerung" gegen diese Oberstaatsanwaltschaft zu unternehmen gedenke. Hitlers Geist Im Rahmen einer von Friedensorganisationen vor dem Grabe1 Briands in Cocharel veranstalteten Kundgebung zogen auch einige hundert deutsche, französische, englische, österreichische und armenische Kinder an dem Grabhügel vorbei, wobei sie mit den Worten: „Für den Frieden in der Welt!" Blumen an dem Grabmal des großen Pazifisten niederlegten. Die urteutonische, bereits vollkommen aufgenordete „Dötz" bemerkt dazu in ihrer Ausgabe vom 26. August: „Es wäre interessant zu wissen, von welcher Seite dieser widerliche Mißbrauch von Kindern für freimaurerische (sie!) Zwecke ausgegangen ist." Ein Kommentar zu dieser widerlichen Bemerkung überflüssig. Auch das Hirn verduftet... Der französische Parfümfabrikant und Antisemit Francois C o t y erklärt in seiner Zeitung „Ami du Peuple", er habe sich eine Leibwache anschaffen müssen, die ihn vor gedungenen Mördern schützen soll. Er führe seit acht Monaten einen Kampf gegen jüdische Weltherrschaftsbestrebungem, weshaäb die New Yorker Bankfirma Kuhn, Loeb & Co., „Finanziers, die die Welt führen", ihm den Tod geschworen hat. Politisches Gift. Vor dem Hause eines Viehhändlers und auf den Treppen des Hauses in Bad Homburg war kürzlich Giftgestreut worden. Als das Dienstmädchen morgens das gestreute Pulver zusammenkehrte, erlitt es einen Ohnmachtsanfall und mußte in das Krankenhaus gebracht werden, wo eine Störung der Atmungsorgane festgestellt wurde. Vor einiger Zeit war die gleiche Giftmasse vor der Synagoge gefunden worden. Damals war das Gift infolge des in der Nacht gefallenen Regens unschädlich geworden. Gemeinde - "Chronik 200.000 polnische Juden verschwunden! Tatsächlich! Ueber 200.000 polnische Juden sind vollkommen verloren gegangen, obwohl kein Erdbeben, keine Seuche und kein Pogrom zu verzeichnen waren. Die soeben veröffentlichten offiziellen Volkszählungsziffera geben eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung um 200.000 Seelen seit der Volkszählung im Jahre 1921 an. Damals betrug die polnische Bevölkerung 27 Millionen Seelen, unter ihnen 3,200.000 Juden, während jetzt in Polen über 32 Millionen Seelen, unter ihnen weniger als 3 Millionen Juden, gezählt wurden. Die Abnahme ist ein Ergebnis des Volkszählungsfragebogens, der die Sprache, nicht die Religion zur Grundlage der Nationalität machte, wodurch nur Juden, die jiddiscli oder hebräisch als ihre Umgangssprache angaben, als Juden gezählt wurden. Wieder eine Segnung der nationalen Minderheitspolitik. Der Nachfolger von Rabbi Sonnenfeld. Zum Rabbiner der der Agudas Jisroel nahestehenden orthodoxen jüdischen Gemeinde Jerusalems wurde — als Nachfolger des vor einigen Monaten verstorbenen geistigen Führers dieser Gemeinde Rabbi Sonnenfeld — Rabbi Duschinski aus der Slowakei ernannt. Volle gute Pension bei Fabrikantenfamilie VI-, Mariahilf erstraße. für einen Studenten (in) mit Klavierbenützung, Bad. — Anfragen unter Telephon B 28-8-37 Budapest Am 28. Juli wurde dem Vorsteher des Tempels in der Rombach-ucca; Julius Weisz, eine wertvolle Thorarolle gestolilen. Dem Dieb, Josef Bagyanik, begegneten, als er sich mit seiner Beute entfernte, zwei Gläubige, denen es auffiel, daß er eine T h o r a, in Widerspruch zu den religiösen Vorschriften, unbedeckten Hauptes trage. Sie riefen einen Wachmann, der Bagyanik verhaftete. Bei der Verhandlung vor dem Schirilla-Senat des Strafgerichtshofes wurde der Angeklagte zu 15 Monaten rechtskräftig verurteilt. Madrid. Das spanische Parlament hatte, wie schon mitgeteilt, auf Antrag des Deputierten Antonio Jean, Direktors des Cordova-Lyzeums, beschlossen, die vor kurzem in Cordova ausgegrabene, aus dem 14. Jahrhundert stammende flQglcnlsdies HOnldsIlcht tiliii« Seit vielenjahren dasa..erkannl beste tt^-riötM Man achte auf die ges. gesch. Harke „Hysien. Könfgslfcht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R J3-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt.!! Jüdische Mädchen vor der Berufswahl!! Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscheerzeugung mit Öffentlichkeitsrecht Staatsgültige Zeugnisse Einjährige Koch- und Haushaltungsschule mit erweitertem Lehrplan für allgemeine Bildung, streng rituell Dr. Nrogertieim, n., Malzgasse 7 Tel. A 48-0-77 Internat. Samstag schulfrei. Berufsberatung täglich von ll bis 12 Uhr. schöne Synagoge den Juden zurückzugeben. Nunmehr hat die Altertumskommission des ... Unterrichtsministeriums einen Schiedsrichterspruch erwirkt, wonach der Parlamentsbeschluß als wirkungslos erklärt wird. Die Synagoge wird nicht der jüdischen Gemeinde zurückgegeben, sondern der Altertumskommission unterstellt. Personalnachricht. Der Bundespräsident hat Frau Sophie Wa 11uch den Titel eines Bundesstaatlichen Fürsorgerates verliehen. Frau Sophie Waltuch ist seit mehr als 30 Jahren auf dem Gebiete der Fürsorge aufopfernd tätig und hat durch ihre Hilfsbereitschaft manche Träne getrocknet. Die Anerkennug dieser Fürsorgetätigkeit durcli den Staat ist eine verdiente Ehrung dieser Frau. 50. Geburtstag. Kammerrat Ing. Hugo Kod i t s c h e k feierte dieser Tage seinen 50. Geburtstag. Der Jubilar, ein in seiner Branche höchst angesehener Gewerbetreibender, betätigt sich seit vielen Jahren auch eifrig auf jüdischem Gebiete. So ist er Obmannstellvertreter des Bethausvereines III., Untere Viaduktgasse und Obmann d'er Bezirksorganisarion der „Union österreichischer Juden", in deren Zentralvorstand er fleißig mitarbeitet. Sein reges jüdisches Interesse hat ihm viele Freunde erworben, die ihm zu seinem Jubeltage herzlichst gratulieren. Trauung. Sonntag, den 4. d. M., fand die Vermählung des Fräulein Hedy B u c h w a I d, Tochter des Herrn und Frau Kommerzialrat B. Buchwald, mit Herrn Oskar B u n z 1 statt. Silberne Hochzeit. Wie wir erfahren, hat der Inhaber und Begründer der weltberühmten Perücken-Kunstwerkstätte, Herr Kommerzialrat Othmar Schiff, Wien I., Kärntnerring 6, am 18. August d. J. mit seiner Gattin Gisela das Fest der Silbernen Hochzeit in Pörtschach am wunderschönen Wörthersee gefeiert, woselbst Herr Kommerzialrat Schiff gleichfalls zwei große Filialbetriebe besitzt. Aus diesem Anlaß wurden HeTrn Kommerzialrat Schiff sowohl aus Fachkreisen, als auch von zahlreichen hervorragenden Persönlichkeiten des In- und Auslandes vielfache Glückwünsche und Ehrungen dargebracht. Angesehene Körperschaften entsandten Delegierte nach Pörtschlach, um dem Jubelpaare, das mit Blumenarrangements überhäuft wurde, ihre Sympathie und Wertschätzung an diesem Freudentage entgegenzubringen. Auch die Redaktion der „Wahrheit" schließt sich den zahlreichen Gratulanten auf das herzlichste an. 75. Geburtstag. Der berühmte Archäologe Dr. Emanuei Loewy, emerit. Professor an der Wiener Universität und wirkliches Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften, vollendete am 1. September das 75. Lebensjahr. Prof. Loewy studierte bei A. Conze, O. Benndorf, O. Hirschfeld und H. Brunn. 1882 nahm er an der österreichischen archäologischen Expedition nach Kleinasien teil', unternahm später Studienreisen in Kleinasien, Griechenland und Ifailen, habilitierte sich 1884 an der Wiener Universität, wirkte von 1889 bis 1905 als Professor der Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Rom und von 1918 bis zu seiner 1928 erfolgten Emeritierung an der Universität Wien. Dem Archäologischen Institut des Deutschen Reiches gehört Loewy als ordentliches Mitglied an, ferner ist er u. a. Ehrenmitglied der Romana Accad. Pontificia di Aren, in Rom, auswärtiges

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