Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 37 (9.9.1932)
- Date
- 1932-09-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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T ■ DIE WAHRHEIT___s==========^==_===__Seite 5 |wimiwiiiaiiiiiM An die Leser derWohvheiV I ^iiiiiuiuiiiiiiuuuHiuiuuiuiuimummiiuiiiuimmuiuuiuuiiiiiiiiiiiuuiiuuuiuiiiiiiiiiiiiiuiuiiii!!iiiuiii>> vorkeime rmum - Pension i iHEStauration.Raff Behaus | täglich 5-Uhr-Tee §§ CMPIERIN«! TELEPHON 11 §§ Hochstraße 431 _ neben Hotel Panhans j| H Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.—auf wärts H |§ Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser § g in jedem Zimmer. =3 I Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer I sieht zu nehmen. Es gilt, alle Kräfte anzuspannen, um gerade auf dem Gebiete des Fürsorgewesens mehr noch leisten zu können, als bisher schon geleistet wurde. Es müssen alle Juden mithelfen und mitschaffen können an diesem Werke der Kultusgemeinde und das ist nur möglich, wenn diejenigen, die mithelfen wollen, auch Rechte erhalten, die ihnen die Möglichkeit bieten, in den einzelnen Fällen der Fürsorge ein Wort mitreden zu können. Die Institution der Fürsorgeräte hat versagt, sie hat vor allem deshalb versagt, weil der Fürsorgerat der Kultusgemeinde sich vom Fürsorgerat der Gemeinde Wien dadurch unterscheidet, daß er kein Mitbestimmungsrecht bei der Befürsorgung seiner Pfleglinge hat. Es wird sich niemand dauernd finden, der aus Idealismus nur Dienste der Kultusgemeinde erweist, ohne zu wissen, daß seine Opfer an Zeit auch dadurch vergolten werden, daß er sieht, wie er selbst an dem Werke der Nächstenliebe mithilft und mitschafft. Der Referent besprach im einzelnen einige notwendige Aenderungen auf dem Gebiete des Kultus und Unterricht, wobei er die in den letzten vier Jahren erzielten Erfolge mit Worten großer Anerkennung erwähnte. Eine Forderung muß entschieden vertreten werden: Alle Parteipolitik und Parteilichkeit muß aus dem Beamtenkörper der Kultusgemeinde ausgeschaltet werden, es dürfen nicht Beamte der Kultusgemeinde offen die eine oder andere politische Partei außerhalb der Gemeinde bekämpfen. Denn auch die Vertreter der anderen Partei sind, gemeinsam mit ihren Parteigegnern, in der Gesamtheit Vorgesetzte, die man nicht öffentlich befehden darf. Es gibt wohl selten eine öffentliche Institution, deren Angestellte offen für die eine oder andere politische Parteischattierung bewußt ihre eigenen Vorgesetzten der anderen Parteirichtung bekämpfen. Es soll im künftigen Kultusvorstand die Devise gelten, alle jene Gerüchte, die zum Schaden der Kultusgemeinde und zu Unrecht über die Beamtenschaft verbreitet werden, zum Stillschweigen zu bringen. Die hervorragenden Leistungen dieses Beamtenkörpers, den diejenigen, die ihn an seiner Arbeit sehen, zu bewundern Gelegenheit haben, sollen auch nach außenhin Anerkennung finden und diese Anerkennung muß den Beamten der Kultusvorstand verschaffen. Den Weg zur Anerkennung aber zu bahnen, ist Sache der Beamtenschaft. Es wird in diesem Kultuswahlkampfe die Affäre Popper vielleicht von der einen oder anderen Partei aufgerollt werden. Ein anständiger Jude, und nur ein solcher kann als Mandatar der Kultusgemeinde in Frage kommen, muß jeden Versuch, diese Affäre zum Schaden der Kultusgemeinde, zum Schaden der Beamtenschaft, zum Schaden des Judentums auszunützen, energisch zurückweisen. Die Ausnützung der Affäre für parteipolitische Zwecke ist ein Unrecht am Judentum. Die versuchte Verbindung dieser Affäre mit den Leistungen der Beamtenschaft der Kultusgemeinde ist eine bewußte Entstellung von Tatsachen und eine bewußte Unanständigkeit gegenüber Menschen, die ihre Pflicht tun. Der Referent besprach schließlich die Fragen der Förderung von Kreditkassen zur Stützung niederbrechender Existenzen, der Herstellung eines engen Kontaktes zwischen Kultusvorstand und Mitgliedern der Kultusgemeinde, die Frage der Staatssubvention und dergleichen mehr. An das mit großem Beifall aufgenommene Referat schloß sich eine lebhafte, interessante Debatte. Der Sommer geht zu Ende, die Urlaube finden allgemein in den nächsten Tagen ihren Abschluß. Die tristen wirtschaftlichen Verhältnisse und die eine Auslandsreise meistens erschwerenden Devisenvorschriften haben es im heurigen Jahre mit sich gebracht, daß, wenn man sich überhaupt zu einem Landaufenthalt entschloß, diesen gewöhnlich in österreichischen Sommerfrischen und Kurorten nahm. So lernte der Oesterreicher, der sonst — es ist dies nicht nur eine österreichische Eigenart — gerne über die Grenzpfähle blickte, wieder einmal sein Vaterland kennen und, begeistert von den Naturschönheiten dieses herrlichen Landes, gewiß auch lieben. Aber nicht nur Land, auch Leute lernte man kennen und es ist möglich, daß unsere Leser da manche bezeichnende Erfahrungen gemacht haben dürften. Im allgemeinen ist wohl zu konstatieren, daß der Sommerfrischenantisemitismus der früheren Jahre heuer eine starke Einbuße erlitten hat und daß viele Gaststätten, die ehedem stramm „judenrein" waren und es zu bleiben wünschten, dieses Jahr trotz des unleugbaren Fortschreitens der nationalsozialistischen Bewegung ihre antisemitische Gesinnung verbargen und Juden nicht nur aufnahmen, sondern auch gastfreundlich behandelten. Vorfälle, wie die von G a r s und H a r d e g g, wo sich zu Beginn der Saison kleine judenfeindlche Ausschreitungen ereigneten, die für beide Orte peinliche Folgen hatten, gehörten zu den Seltenheiten, auch der Fall von S e e b e nstein, wo die Nazis ihre Propaganda für Ausweisung der Juden aus der Sommerfrische recht drastisch betrieben, dürfte ziemlich vereinzelt dastehen. Diese Zurückhaltung hat, das wissen wir genau, hauptsächlich materielle, nicht ideelle Gründe. Die Gefahr des Leerstehens von Sommerwohnungen drohte und da nahm man auch Juden auf, denn jüdisches Geld riecht bekanntlich ebenfalls nicht. Immerhin wäre es recht Interessant, die Erfahrungen unserer Leser und Freunde auf diesem Gebiete kennenzulernen, und wir richten deshalb an alle das Ersuchen, uns darüber näheres zu berichten. „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", Wien IL, Aspernbrückengasse 2. Jüdische Frontsoldaten, welche ihren Frontdienst, bzw. ihre Auszeichnungen oder Verwundungen dokumentarisch nachweisen können, wollen sofort ihren Beitritt zum Bunde anmelden. m -iot Restaurant Billet "TOT Untenriditf in Klavier- und Orgelspiel. Harmonielehre. Kontrapunkt, Instrumentenkunde und Chorgesang erteilt Prof. H. Ehrlich Wien IL. Krummbaumgasse 10—14. $ifm. Hansi Niese. „Frau Lehmanns Töchter". Das mit großer Spannung erwartete neue Hansi Niese- Meisterlustspiel „Frau Lehmanns Töchter" läuft nun in den Luxpremierentheatern Opern-, Imperial-. Löwem-, Maria Theresien- und Flieger-Kino. Bekanntlich spielt Hansi Niese, die beliebteste Wiener Bühnenkünstlerin und seit einiger Zeit auch Filmstar, hier eine ihrer schauspielerischen Persönlichkeit besonders liegende Rolle. Außer der Niese wirken in den Hauptrollen mit: Else Elster, Hertha Thiele, Carla C a r 1 s e n, Fritz K a in p e r s und Anton Pointn e r. Die Regie führte Carl Heinz W o 1 f f, die Musik, ''iisbesondere auch der große von Hansi Niese kreierte Schlager „Das Glück — es kommt, das Glück — es geht" ist von dem eriogreichen Tonfilmkomponisten Franz D o e 11 e. Hansi Nieses großartiges Spiel führt zu Tränen des Lachens und der Rührung. „Quick" — Albers-Harvey. Die große, interessanteste Starvereinigung der Saison bildet ohne Zweifel die Partnerschaft Lilian Harvays und Hans Albers in dem Großfilm der Ufa ..Quick". Die beiden auf der Höhe ihres Ruhmes und Könnens stehenden Künstler spielen hier zum ersten und wohl für lange Zeit zum letzten Male zusammen. „Quick" ist die nächste Uraufführung der Ufa im Gartenbau-, Ufaton-, Wienzeile-, Stafa- und Kolosseum-Kino. Mikrophon auf Reisen, eine österreichische Tonfilmreportage, gelangt ab Dienstag, den 13. d. M., in der Urania und im Margaretner Volksbildungshaus zur Uraufführung. 1 Bastranommierte Küche im naui rBffneten 1 GASSENLOKAL 1 ll.t Hammer-Purgstallgasse Nr, 3 fiiiniimnmiiMimM^ .*.! Zirkus Renz. Das Eröffnungsprogramm ist sanz ausgezeichnet. Im Mittelpunkt steht Joe Breitbart, der Bruder des unvergeßlichen unglücklichen Siegmund Breitbart, dessen kraitvolle Darbietungen das Märchen von der jüdischen Minderwertigkeit in körperlicher Hinsicht glänzend widerlegten. Der Bruder Joe kommt seinem Vorgänger fast nahe. Seine Leistungen erregen Staunen und Beifall. Den Rahmen für seine gediegene Produktion bietet eine prunkvolle Manege-Schau „Römische Spiele", deren heiteren Teil Armin Springer und Adolf GI i n g e r gut bestreiten, während tür erstklassige Tanzkunst die Gruppe Gisa Geert sorgt. Das sonstige Programm ist sehr sehenswert. Hakenkreuz am Wewfc Piui Teuiel! Die „Nationalpost", die als Ersatz für den „Angriff" während der Zeit seines Verbotes bis zum 31. August erschien, betrieb eine ununterbrochene Judenhetze im Geiste des letzten „Angriff-Artikels von Dr. Josef Goebbels „Die J uden sind schuld!", um dessentwillen der „Angriff" verboten wurde. Da aber das Verbot nicht mit der im Artikel vorgenommenen antijüdischen Pogromhetze, sondern nur mit Verächtlichmachung der Regierung (Goebbels hatte geschrieben, daß der Reichskanzler kurz nach dem Mordurteil in Beuthen einer Premiere im Admiralspalast beigewohnt hat, wo eine ungarische Jüdin, Gitta Alpar, sang und schöne Beine zeigte) begründet wurde, vermied die „Nationalpost" zwar Angriffe auf die Regierung, hetzte aber darum um so zügelloser gegen die Juden, „dieses volksfremde Lumpenpack, dessen Stunden hoffentlich bald gezählt sein werden". Die „Nationalpost" berichtete unter anderem unter der Ueberschrift „Mit gutem Beispiel vorangegangen" in folgender Weise über den Selbstmord des Schriftstellers Alexander Gergely: „Der ungarische Jude Alexander Gergely, der sich Bildhauer nannte und Herausgeber der schmierigen Sudelzeitschrift „Die neue Revue" war — dieser Typ von einem geifernden Schmarotzer (im Original gesperrt gedruckt) — hat gestern, offenbar aus Ekel vor seinen eigenen Schweinereien, seinen Lebensfaden abgerissen, indem er sich mit Gas vergiftete." Ein Urteil der „Daily Express" über Goebbels. Der Londoner „Daily Express", bekanntlich ein Blatt, das Hitlers Weg bisher mit Sympathie verfolgt hat, führt in einem „Doktor Goebbels" überschriebenen Leitartikel aus: „Dieser wütende Zwerg (truculent dwarf) weiß besser als jeder andere, Hitler ausgenommen, den unartikulierten Zorn enormer Massen gegen die .Novemberverräter', gegen die .größenwahnsinnigen Bourgeois', die nun das Reich kontrollieren, und vor allem gegen die Juden auszudrücken. Die Beuthener Verurteilten nannte Goebbels naive und einfache Leute. Woher nahmen diese .einfachen Leute' ihren Glauben, der es ihnen als ein würdiges Ding erscheinen ließ, schlafende Männer zu Tode zu schlagen? Sie lernten es von den Rednern und Flugblattverfassern, die ihnen ihre unartikulierten Leidenschaften einflößten und ganz brutale Verbrechen als höchst heldische Taten erscheinen ließen. Unter diesen Schreibern ist Goebbels der vorderste; seine lange Kampagne wütender Aufreizung macht ihn schuldiger als die ungebildeten Rauhbeine, die seine willigen Werkzeuge sin d." Was Cuza alles will. In der letzten Sitzung der rumänischen Kammer forderte der Antisemit Professor Cuza im Namen der Christlichen Liga die vollkommene Entrechtung der Juden in Rumänien, die Einführung des Numerus clausus für jüdische Studierende, sowie die Entlassung der jüdischen staatlichen Angestellten und Offiziere. Haltet den Dieb!!! In zwei großen Anfragen, die soeben dem Preußischen Landtag zugegangen sind, beschäftigen sich die Nationalsozialisten mit dem Sprengstoffattentat, das in der jüdischen Siedlung in Groß-Gaglow verübt worden ist. In der einen Anfrage sagen die Nationalsozialisten: In Cottbus ist der Oberstaatsanwalt Sturm tätig. Als kürzlich, wahrscheinlich von entlassenen Arbeitern (?), ein Haus der jüdischen Siedlungsgemeinschaft in Groß-Gaglow durch ein Sprengstoffattentat zerstört worden ist,- erlaubte sich der