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Die Wahrheit · 1932-09-09 · Heft 37 (9.9.1932) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 37 (9.9.1932)
Date
1932-09-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Marienbad iÄ Franzensbad •jts/ ......->SKÄ., ^srsvrs^' »•viäffjs' Gold. Schlüssel w Rest. Fürstenhof SIMON RAAB Den wirtschafflichen Verhältnissen angemessen, bedeutend ermäßigte Preise. Mißverhältnis in der Zahl und des Raumes hätte von den Herausgebern immerhin dadurch etwas ausgeglichen werden können, daß man die Beiträge in bunter Folge aneinandergereiht hätte, so idaß mach Herrn Reventlow vielleicht Heinrich Mann, nach Feder vielleicht Zielenziger zu Wort gekommen wären. Und nun zum eigentlichen Inhalt. Inhalt? Ja, da müßt« ja zumindest bei unseren Gegnern immerhin so etwas wie eine gemeinsame Linie des Angriffs zu erkennen sein. Daß wir uns leider in der Frage der Abwehr auch nicht immer einig sind und daß wir in unseren Reihen die Zukunft des deutschen Judentums verschieden beurteilen, braucht uns in diesem Zusammenhang nicht zu kümmern. Nur in einem sind sich die Herren von Fieder bis Dinter einig: im Judenhaß. Aber die Gründe? Bitte, wir können uns aussuchen. Dinter hält mach wie vor bei der Religion, Passarge bei der Rasse, Wolzogen ficht mit dem Charakter, Feder mit dem dem Marxismus . . . genug! Es ist vollkommen unmöglich, dagegen anzukämpfen. Denn so viele Methoden ausgeklügelt wurden, auf so vielen und noch viel mehr Lügen basieren sie. Main müßte jedem Leser den „Anti-Anti" in die Hand drücken, damit er auf jeder Seite eine längst widerlegte Lüge selbst als Lüge festnageln könnte. Nur 'als Beispiel seien wahllos ein paar Blüten vom Baume dieser antisemitischen Erkenntnisse gebrochen: In verschiedenen Beiträgen wird das Purimfest besonders hergenommen. Dieser Zynismus, der den Sieg und das Hinschlachten von Tausenden und aber Tausenden durch die Jahrhunderte feiere. Ja, meine Herren, haben Sie schon einmal einen Krieg ohne Tote gesehen? Und kennen Sie ein Volk, das seine Siege über den Feind nicht feiert? Und wie steht es mit dem Nibelungenepos, dem deutschesten aller deutschen Heldengesänge? Wird da nicht verraten und' Treue gebrochen und Meineid geschworen, und werden da nicht die Gegner hingemetzelt zu Tausenden? — „Eines aber stellt einwandfrei und unwiderleglich die Weltgeschichte fest..., daß das jüdische Volk sich niemals selbst eine geschlossene Form zu geben, daß es niemals einen Volksstaat zu biliJen vermocht hat", orakelt Herr Reventlow. Woher kommt ihm diese Wissenschaft? Hat er andere Quellen als die Bibel? „Es hat niemals eigenvölkische Ideen zu entwickeln vermocht", was ist es denn dann, Herr Reventlow, was uns in den Augen Ihrer Freunde zum „Gastvolk" im Wirtsvolk stempelt? „Wir bedürfen gar nicht des Begriffs der Minderwertigkeit oder Nichtminderwertigkeit der Juden als Rasse und können uns mit der geschichtlichen Tatsache begnügen, daß die Juden immer . . . auf Kosten der anderen in ihnen gelebt haben und leben." Eine schöne Behauptung, rund1 und glatt, aber die Beweise, Herr Reventlow? Daß es von Worten wie Schmarotzer, Aussauger, Minderwertigkeit, Perversion u. ä. nur so wimmelt, muß es besonders betont werden? Herr von Wolzogen ist im Ton immerhin etwas milder, wenn auch Schmarotzer und Ausbeuter bei ihm zur ständigen Nomenklatur gehören. Aber, Herr von Wolzogen, Sie sollten es Ihren Lesern nicht gar zu leicht machen, die Brüchigkeit Ihrer kühnen Behauptungen zu erkennen! Da erzählen Sie die höchst abscheuliche Geschichte von jenem jüdischen Pächter, der zur Zeit der Römerherrschaft am Rhein (das Gut eines reichen Römers bewirtschaftete und sich seinem Herrn gegenüber, als er einmal zur Besichtigung kommt, höchst ungebührlich benimmt und keine Abgaben zahlen will. Gewiß keine schöne Handlungsweise. Sie soll aber auch schon einmal bei einem deutschen Pächter seinem Gutsherrn gegenüber vorgekommen sein. Nur, glauben wir, ist dann noch niemand auf die Idee gekommen, daraus zu folgern, daß die deutschen Gutspächter sich überall des Geldgeschäftes und des Zwischenhandels bemächtigt hätten und als Ackerbauern nicht zu verwenden seien. Das aber folgern Sie im Falle des jüdischen Pächters, der vor nahezu 2000 Jahren am Rhein seinen Wein und seinen Kohl baute. Wir sind der Meinung, idiaß dieses Beispiel viel eher den Römer als den Finanzmann enthüllt und daß es klar und deutlich die Verbundenheit des deutschen Judentums mit dem iJeutschen Boden zeigt. Sie behaupten weiter, daß die „jüdische" Presse nach Zahl, Verbreitung und Auflage die „deutsche" bei weitem übertreffe. Die Beweise dafür möchten wir gerne sehen! Sie wissen sicher so gut wie wir, daß Sie sie schuldig bleiben müssen. Und da unsere Gegner ja nicht sehr zart besaitet sind, so wollen auch wir einmal liier etwas deutlicher werden. Ist es nicht auffällig, wenn Wolzogen wie Schaukal und auch andere immler wieder durchblicken Dassen, daß sie erst in dem Augenblick zum Antisemitismus übergeschwenkt seien, in dem sie von den jüdischen Kreisen, in denen sie vorher verkehrten, fallengelassen wurden. Sie glauben natürlich, daß der Neid über Erfolge oder das Mißverstehen Ihrer Werke die Ursache dazu gewesen sei. Wir aber glauben etwas viel näher Liegendes, nämlich, daß sich diese Kreise deswegen von Ihnen abwandten, weil sie den Gesinnungswandel merkten und wie.il Hand in Hand damit auch ein geistiger Abstieg ging. Von den verschiedensten Seiten ist ja schon darauf hingewiesen worden, daß es in der Geschichte keine Persönlichkeit von Bedeutung gibt, die sich dem Judenhaß verschrieben hätte. Und wer, wie wir, gewohnt ist, sich mit den Geistesprqdukten, dem Geistessumpf unserer Gegner zu befassen, der versteht es recht wohl, warum in dieser stickigen Atmosphäre die Kunst, d. h. die Wahrheit leiden muß. Auffallend für alle Leopoidstaater Tempelverein „ACSCnCL AWBOHOM", IL, Pazmanitengasse 6,—Telephon Nr. R 47-8-63. Zur Erinnerung an die Einweihung des Tempels findet am 1. Selichot-Tage (25. September) eine Stiftungstrauung für Walsen im Tempel, II., Pazmanitengasse 6, statt Bewerber wollen ihre Gesuche an die Tempelkanzlei bis 15. September einsenden. Der Vorstand. Koryphäen des Braunen Hauses aber ist es, wie stark sie im Zitieren sind. Aus den ältesten und entlegensten Schriften, Büchern umd1 Blättern zitieren sie die Aeußerungen unbekanntester Männer, Juden oder Nichtjuden, aber die Quellen, die Grundlagen des Judentums, seine Geschichte, seine Ethik und sein Wollen, die kennen sie nicht und wollen sie nicht kennen. Dies Buch, in die Hand: kritischer Leser gelegt, könnte unendlichen Segen stiften. Denn diese Leser müßten mit Entsetzen merken, wohin der Judenhaß Deutschland treibt. Sie würden voll Schrecken daran denken, wie man Deutschland 1914 bis 1918 in der Welt verfemt hat Bei den abgehackten Kinderhänden angefangen und bei den geblendeten Frauen aufgehört. Sie müßten erkennen, in welchen geistigen Niederungen sich der Nationalsozialismus bewegt, solange er u. a. den Judenhaß in seinen Reihen duldet. Aber wir fürchten, die Kritik wird bei den wenigsten wach werden, ja nur möglich sein. Und deshalb trifft den Verlag eine große Verantwortung. Als er dieses Werk zu planen begann, mußte er sich über 'die Folgen und Möglichkeiten klär sein. Eine fruchtbringende1 Diskussion kann nur zwischen gleichwertigen Gegnern stattfinden. Die Auswahl derer, die an dem Werk beteiligt sein sollten, war fast wichtiger als das, was schließlich geschrieben wendien würde. Man hat bei der Lektüre bis auf wenige Ausnahmen (Blüher, Stapel, Lettow-Vorbeck„ Sombairt, Bahr) das Gefühl, daß ein Boxer gegen einen Geistlichen kämpft, das soll heißen, die Gewalt gegen den Geist. Und weil das so ist, deswegen haben wir es hier mit einem unsachlichen und unmöglichen Buch zu tun. Hans Oppenheimer, Berlin. Veröffentlichungen der „Union" Am 31. August hielt die „Union österreichischer Juden" unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. 0 r n s t e i n ihre erste Versammlung in der neuen Kampagne ab. Der Referent Dr. Feldsberg führte ungefähr folgendes aus: Als wir vor vier Jahren in den Kultuswahlkampf eintraten, da konnten wir uns noch mit Details der Kultusgemeindeverwaltung befassen. Wir konnten noch von einer antisemitischen Welle sprechen, die als schleichendes Uebel uns Juden in unserem wirtschaftlichen Fortkommen immer mehr behinderte. Wir hatten noch keine Ahnung, daß die noch in den Kinderschuhen steckende nationalsozialistische Bewegung in so kurzer Zeit wie eine Seuche sich ausbreiten und einen großen Teil der Bevölkerung Deutschlands und Oesterreichs mit sich reißen werde. Heute, wo wir vor neuen Kultuswahlen stehen, beschäftigt uns alle vornehmlich ein Problem: Der Existenzkampf der Wiener Judenschaft gegen die vom Nationalsozialismus geplante Entrechtung. Heute kann jeder von uns in den Straßen den Kampfruf „Juda verrecke!" hören. Wir müssen mitansehen, wie man unter Duldung der öffentlichen Gewalt versucht, Juden wirtschaftlich und politisch zu entrechten, wie Juden, die harmlos in den Straßen gehen, überfallen und verprügelt werden. Wir müssen erkennen, daß die Zukunft für uns trauriger ist als in den schwersten Zeiten des Luegerischen Antisemitismus. Der Nationalismus, jene reaktionäre Idee, hat wieder einmal der Welt gezeigt, daß er nur Unheil für die Menschheit in seinem Gefolge haben kann, Chauvinismus und Fanatismus sind die Fackelträger dieser Idee, die gegen die allgemeinen menschlichen Ideen der Gleichheit aller in einem Jahrhundert des Fortschrittes Sturm laufen. Es muß jedem Juden gerade in dieser Zeit zu Bewußtsein kommen, daß die tief im Judentum wurzelnde Idee der Demokratie, der Gleichberechtigung aller Menschen die einzig mögliche Plattform ist, auf der ein Volk gesunden kann. Es muß von allen Juden rückhaltslos jede nationalistische Idee als Schädling in der freien Entwicklung moderner Kultur bekämpft werden, ohne Rücksicht darauf, wer der Verfechter einer nationalen Idee ist. Der Kampf, den die Wiener Judenschaft für ihre eigene Existenz zu führen gezwungen ist, ist in gleichem Ausmaße als Kampf gegen alle jene jüdischen Ideen zu führen, die durch die Nationalisierung der jüdischen Bevölkerung Oel in die Maschinen des Hitlertums gießen. Wenn wir selbst der Oeffentlichkeit bekennen, daß wir ein Volk in politischem Sinne sind, dessen eigentliche Heimat fern von diesem Staate sich befindet, daß Oesterreich nur unser „Adoptiv-Vaterland" sei, wenn wir uns selbst unter Aufrechterhaltung der Forderung nach bürgerlicher Gleichberechtigung als fremdes Volk in diesem Sta'aite bekennen, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns die Schergen des Antisemitismus aus unseren Wohnungen jagen und in diesem Staate entrechten wollen. Die Wiener Judenschaft wird zu entscheiden haben, ob sie in der Wiener Kultusgemeinde die Repräsentanz des gesamten österreichischen Judentums anzuerkennen gewillt ist, oder ob sie aus der Kultusgemeinde eine nationale Volksgemeinde machen will, die schon dem Wortlaute ihres Namens nach nicht mehr die Repräsentanz aller Juden sein kann. Es wird von jüdischnationaler Seite alles in Bewegung gesetzt, um der jüdischen Bevölkerung klar zu machen, daß der Nationalismus Hitlers nur durch den Nationalismus der Juden bekämpft werden kann. Der Gewalt soll Gegengewalt gegenübergestellt werden. Dieser Irrtum kann nicht stark genug bekämpft werden. Dem Nationalismus, der Reaktion, der Unduldsamkeit kann nur die Idee der Gleichberechtigung entgegengehalten werden. Sache der Wiener Judenschaft wid es sein, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden. Außer dieser politischen Krise, die uns Juden mehr denn je bedroht, drückt uns alle die Wirtschaftskrise fast zu Boden nieder. Wir wissen nur zu genau, daß die Steuerkraft der Juden in Wien, daß die Leistungen jedes Einzelnen für die jüdische Institution von Tag zu Tag zurückgehen, wir alle wissen, welch verzweifelten Kampf die Kultusgemeinde um die Erhaltung des finanziellen Gleichgewichtes führt Es wird Sache des künftigen Kultusvorstandes sein, auf die allgemeine Pauperisierung der Wiener Judenschaft besondere Rück-

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