Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 36 (2.9.1932)
- Date
- 1932-09-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 VOBNEHflE FAMILIEN - PENSION?*g||Pf^ täglich 5-Uhr-Tee ■^■mmMmm - ^Siifämm^A SSEMNEMN6 TELEPHON 11 (Hochstraße 43 neben Hotel Panhans S Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.—aufwärts g Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser §= in jedem Zimmer. I Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer Kriege der Deutschenhaß. Wenn man dieses Werk studiert, so findet man, daß auch noch heute fast wörtlich dieselben Vorwürfe von deutscher Seite gegen die Juden erhoben werden, wie sie von den Feinden Deutschlands gegen die Deutschen erhoben worden sind. Man begreift, wie die Psychose des Hasses auf ganz andere Motive zurückzuführen ist, als es bei dem landläufigen Judenhaß auch vielfach die jüdischnationale Auffassung verkündet. Dieses Werk ist geradezu ein Quellenwerk für alle Zeiten. Es sollte nie vergessen werden, denn es enthält — auch vom jüdischen Standpunkt abgesehen — Wahrheiten, die in sich nur durchdringen können, wenn man ihre psychologischen Grundlagen beherrscht und weiß, wie die Haßpsychose entstanden ist, wie sie sich auswirkt und wie sie allein durch psychologische Erkenntnis des Wesens des Hasses bekämpft werden kann. Viele Folgerungen, die der Wahrheitssucher Constantin Brunner, nebenbei der Enkel eines berühmten Oberrabbiners, in seiner unbedingten Ehrlichkeit gezogen hat. werden uns und unsere Gesamtheit keineswegs als seine Parteigänger erscheinen lassen; aber alle werden ihm in einem recht geben, nämlich in der Verurteilung des Lippeniudentums, das Dinge für sich in Anspruch nimmt, die es innerlich nicht anerkennt und erarbeitet hat Auch viele von uns werden nicht alles billigen, was Brunner dem Zionismus vorhält; aber auch hier spricht er Dinge aus. die jeder überdenken sollte, um so mehr, als sie von einem reinen und vorzüglichen Geiste erfaßt und geschrieben wurden. Gerade bei der Beurteilung der Brunnerschen Schriften zeigt sich die höchste Blüte der Toleranz: einen reinen Willen, einen klugen Verstand und eine vorzügliche Persönlichkeit auch dann zu würdigen, wenn man in vielen ihrer Gedankengänge nicht der Weisheit letzten Schluß sieht Darum begrüßen wir Constantin Brunner als eine lichte Erscheinung in einer trüben Zeit. Ludwig Holländer. Berlin. äMUfflHD 1 -IW3 Restaurant Billet t Auswanderung aus Palästina nach Biro-Bidschan. Neuestens wird unter der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas eine starke Propaganda entfaltet, um sie zur Auswanderung nach Biro-Bidschan, dem von Sowjetrußland errichtetem jüdischen Rayon im Fernen Osten zu bewegen. Die intensiv geführte Propaganda hat schon einige Erfolge zu verzeichnen. Die Polizei in Tel Awiw hat Dokumente beschlagnahmt, aus denen hervorgeht, daß ein geheimes Komitee in Palästina eine systematische Werbung unter den palästinensischen Juden für Auswanderung nach Biro-Bidschan führt Das Komitee hat eine Liste von 300 angeblich Auswanderunigswilligen nach Moskau geschickt und für 140 bereits die Etnwanderungserlaubnis erhalten. Die ersten nach Biro-Bidschan reisenden Auswanderer aus Palästina, eine aus 25 Personen, i8 Erwachsenen und 7 Kindern, bestehende Gruppe ist kürzlich in der Sowjetunion eingetroffen. In Odessa wurde den jüdischen Arbeitern aus Palästina ein offizieller Empfang bereitet, bei dem der Sprecher der Arbeitergruppe erklärte, diese sei nur der Vortrupp für viele andere jüdische Arbeiter in Palästina, die bereit seien, nach Biro-Bidschan auszuwandern. In Moskau wurde anläßlich des Eintreffens der Arbeitergruppe im Lokal des Arbeiterklubs „Kommunist" eine Kundgebung veranstaltet, bei der Redner von Ozet und Komzet den Beginn der Auswanderung jüdischer Arbeiter aus Palästina nach Biro-Bidschan als Beweis für das Scheitern des zionistischen Experiments hinstellten. Ein arabischer Kommunist namens Alimarov erklärte, die arabischen Arbeiter Palästinas begännen immer mehr einzusehen, daß nicht die jüdischen Arbeiter ihre Feinde seien, sondern die britischen Machthaber, sowie die arabische und zionistische Bourgoisie. Diese Erkenntnis führe zum gemeinsamen Kampf der jüdischen und arabischen Arbeiter gegen ihre Klassenfeinde aus allen nationalen Lagern. Im Namen der jüdischen Auswanderer sprachen deren Führer Herzig und ein zweiter Arbeiter. Die Aufbauarbeit in Palästina bezeichneten sie .als „14jährigen Schwindel mit der Balfour-Deklaration" und schilderten die palästinensischen Verhältnisse in den düstersten Farben. Die arabische Bewegung gegen Juden und Engländer sei im ständigen Anwachsen begriffen. Die nach Rußland gekommenen jüdischen Arbeiter seien glücklich, beim Aufbau von Biro-Bidschan mitwirken zu können. Ischias, Rheuma, Gicht Utägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefei-, Sool-, Fichten-, Koblensaurebader, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8-6 Uhr* HeilanstaH „Thermia" I., Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer «tHiMtiwwi mmmmmm wwMtwi»mmmmmtMM>M> Die Judengesetzgebung der Kaiserin Maria Theresia und das Toleranzpatent Kaiser Josef IL Festrede des Präsidenten Dr. Jakob Ornstein. (Fortsetzung.) c) Die Begünstigungen des Toleranzpatentes. In diesem dritten, für die Judenschaft der damaligen Zeit und der folgenden Jahrzehnte bedeutsamsten Teil des Patentes werden in den mit Ziffer 8 beginnenden Punkten die den Juden verliehenen Rechte und Befugnisse, durch welche ihre Gleichstellung mit den der herrschenden Religion zugehörigen Mitbürgern angebahnt wurde, einzeln aufgezählt. Diese Bedeutsamkeit der eine völlige Veränderung der bisherigen Rechtslage der Juden bewirkenden neuen Rechte kennzeichnet sich schon durch die Einleitung, in welcher, gewissermaßen als Feuerzeichen, das den nun eröffneten neuen Weg in die Zukunft der Wiener Judenschait beleuchten soll, die schmachvolle Judenordnung vom Jahre 1764 außer Kraft gesetzt wird. In dieser, so überaus wichtigen Verfügung wird die Entscheidung des Kaisers in seiner Resolution vom 7. Oktober 1781. daß es „von der Judenordnung von 1764 gänzlich abzukommen hat", wiederholt. Kaiser Josef ging mit dieser gänzlichen Aufhebung der Judenordnung von 1764 weit über den Vorschlag der nofkanzlei in ihrem Vortrage vom 7. September 1781 hinaus; denn diese wollte die Judenordnung aufrecht erhalten, es solle „aus solcher nur das Unanständige weggelassen werden". Kaiser Josef aber, der Sohn einer neuen Zeit dürfte wohl von der Anschauung ausgegangen sein, daß diese Judenordnung, der letzte Ausful eLner einen Teil der Bevölkerung durch viele Jahrhunderte, nur um des Glaubens willen entrechtenden und in grausamster Weise bedrückenden Gesetzgebung, in allen ihren Teilen nur ausschließlich „Unanständigkeiten" enthalte, welche mit seinen Absichten, eine gründliche Verbesserung der Rechtslage der Juden herbeizuführen, im schärfsten Widerspruch stehen, und so entschloß sich der edle Kaiser, diese vom finsteren Geiste vergangener Jahrhunderte erfüllte Judenordnung mit einem Federzuge außer Kraft zu setzen. 1. An die Spitze der Begünstigungen stellt Josef II. in den Punkten 8 und 9 des Toleranzpatentes die Schulreformen, durch welche den Juden die ihnen bisher nicht gestattete Teilnahme an dem allgemeinen Unterrichte, und zwar in allen Stufen desselben von Gesetzes wegen ermöglicht werden soll. Der Kaiser gibt vor Eingehen in diese beiden Punkte, gleich wie in seinem programmatischen Handschreiben vom 13. Mai 1781 (H. T.-A.) als Zweck seiner Reformen an, daß er sich zum Ziele nehme, „die jüdische Nation dem Staate nützlicher und brauchbarer zu machen", und da er in seinem oberwähnten Handschreiben anerkennt, daß „die Glieder der jüdischen Nation bei den ihnen nicht zulänglich verstatteten Aufklärungsmitteln dem Staate bisher nicht nützlicher werden konnten", so bezeichnete er auch sofort das Mittel, durch welches er sein Ziel erreichen wollte, „daß er nämlich die jüdische Nation durch bessere Unterrichtung und Aufklärung ihrer Jugend und ihre Verwendung auf Wissenschaft und Künste" für den Staat nützlicher und brauchbarer machen wollte. Aus dem dem Patente vorhergehenden Verhandlungen können wir noch weitere Gründe für die I Bsstranomnihrts Küche Im nauerBffneten 1 GASSENLOKAL S3 ■^■^■■■B^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^» | II., Hammer-Purgstallgaase Nr. 3 ¥«HMMinilBM^ Inangriffnahme dieser Schulreform entnehmen, welche Gründe zugleich ein Streiflicht auf die Auffassung der damaligen Zeit in Ansehung der jüdischen Mentalität werten. Der Vortrag der Hofkanzlei vom 7. September 1781 erwartet von der Errichtung der Schulen, daß die „Judenschaft hierdurch aufgekläret und zugleich auch in ihren, der bürgerlichen Gesellschaft so schädlichen Begriffen verbessert" werden könnte. Wohl anerkennt die Hofkanzlei, daß die Ursachen der von Juden „mehrmalen verübten Betrügereien und unredlichen Handlungen" nicht nur in ihnen selbst gelegen sind. Not. Armut, Unterdrückung und Mangel der Nahrungswege verleiten sie zu solchen Handlungen; und so wird in einem Staatsakte das vollgeriittelte Maß der Schuld vergangener Jahrhunderte und der der Thronbesteigung des Kaisers unmittelbar vorhergegangenen Jahrzehnte festgestellt Die grausame und ungerechte Gesetzgebung, die verbrecherischen ununterbrochenen Gewalttaten, die fortgesetzte qualvolle Bedrückung, die vollständige Abschließung von ihren andersgläubigen Mitbürgern haben die Not. die Armut und das Elend des weitaus überwiegenden Teiles der jüdischen Bevölkerung erzeugt und Not und Armut haben im Laufe der menschlichen Geschichte nicht nur manchen Juden, sondern auch viele Andersgläubige vom rechten Wege abweichen lassen, aber die Männer der Hofkanzlei fanden noch andere Gründe für solche „unredliche Handlungen der Juedn." „Die Grundursachen seien auch in ihrer Religion anzutreffen, da ihre Rabbiner durch Anwendung und ungleiche Auslegung der Geschichte des alten Testamentes ihnen solche Lehrsätze beibrächten". Wir begegnen an dieser Stelle neuerlich dem schon früher einmal (II. T.- B.-b. a) geäußerten Vorurteile gegen die Rabbiner, diese Träger der mosaischen Religion, welche an zahlreichen Stellen der Heiligen Schriften ihren Bekennern Redlichkeit in Handel und Wandel als religiöses Gebot vorschreibt. Aus welcher Quelle schöpften nun die Ratgeber des Kaisers ihre Anschauung? Aus einer sehr trüben Quelle; aus einem „von einem, in der jüdischen Religion wohl informierten Neophiten verfaßten Auszuge einiger Stellen aus dem Talmud, aus den Gebetern und Gesetzbüchern." Die marter- und tränenvolle Geschichte des jüdischen Volkes kennt gar viele entsetzliche Katastrophen, welche die eigenen Söhne, die dem väterlichen Glauben untreu geworden sind, durch gewissenlose Fälschungen und Verleumdungen herbeigeführt haben. Ein solcher verächtlicher Renegat war offenbar auch dieser namenlose Neophit. Die Notwendigkeit, auch die Judenkinder an dem allgemeinen Unterrichte teilnehmen zu lassen, begründete die Hofkanzlei mit der weiteren Erwägung, „daß bei dem meisten Teil der Juden keine Erziehung anzutreffen sei und auch die Vermöglicheren ihre Kinder außer dem Studio der Religion in übrigen natürlichen und vernünftigen Lehrsätzen nicht unterrichten ließen". Die Hofkanzlei konnte allerdings mangels jeder näheren Kenntnis des Lebens des Ghettos nicht erkennen, welcher Schatz von Kenntnissen durch dieses, seit undenklichen Zeiten, auch in der kleinsten jüdischen Gemeinde, so ernst betriebene Studium der Gotteslehre ihren Jüngern vermittelt wurde. Der Punkt 8. befaßt sich nun mit der Grundlage jedes Unterrichtes: nämlich der Normalschule, an.f welcher die Kinder wenigstens in der Kenntnis des! Schreibens, Lesens und Rechnens unterwiesen werden sollen. Zunächst wurde die Frage behandelt, ob die Kinder der Juden diesen Unterricht an den allgemeinen Normalschulen oder an für sie besonders zu errichtenden Schulen, genießen sollen. Die Regierung beantragte im Einvernehmen mit dem Probste Felbiger. dem Generaldirektor des österreichischen Schulwesens die Errichtung besonderer Schulen, „weil sie einer ganz besonders für sie geeigneten Lehre und, um sie in ihrer Religion nicht zu beirren, auch anderer Bücher bedürfen"; auch würde eine solche Koedukation der Jugend beider Bekenntnisse auf beiden Seiten, bei den Juden insbesondere auch, „wegen der vielfältigen Bekehrungen" schädliches Mißtrauen erregen; auch Kaiser Josef hat in seinem Handschreiben vom 13. Mai 1781 sich zunächst für die Errichtung solcher Schulen in Verbindung mit den „bestehenden Hauptsynagogen jedes Landes entschieden; es solle also bei diesen Synagogen eine nach der Normallehrart eingerichtete Schule, ohne mindeste Beirrung ihres Gottesdienstes und Glaubens" eingeführt werden; auch der mehrfach genannte Hotrat v. Greiner gab für diese Anschauung ein Separatvotum ab, daß die jüdischen Kinder die allgemeinen Schulen wegen der in denselben verwendeten Lesebücher, da sie durchwegs von Neuem Testament und der christlichen Moral handeln, nicht besuchen können, selbst wenn „von den übrigen Unanständigkeiten, die zwischen jüdischen und christlichen Kindern wenigstens jetzt noch erfolgen dürften", abgesehen werden wollte. Da jedoch nach dem Vortrage der Hofkanzlei eine öffentliche Synagoge nicht bestehen durfte, demnach eine Verbindung „zwischen einer Hauptsynagoge und einer Normalschule" nicht hätte hergestellt werden können, so wurde in dem Entwürfe des Toleranzpatentes, welcher vom 16. bis 30. November der Beratung unterzogen wurde, den Juden in Wien gestattet, „daß sie auch hier, obschon sie keine eigentliche Synagoge haben, doch eine eigene Normalschule auf ihre eigenen Kosten errichten dürfen". Diese Bestimmung des Entwurfes wurde dann auch in das Toleranzpatent aufgenommen. _ (Fortsetzung folgt.)