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Die Wahrheit · 1932-08-26 · Heft 35 (26.8.1932) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 35 (26.8.1932)
Date
1932-08-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Konkurs. Bei dem Israelitischen Synagogenverein „B e t h -1 s r a e 1" in Wien gelangt für die hohen Feiertage die Stelle eines Chordirigenten zur Besetzung. Bewerber für diesen Posten, nur österreichische Bundesbürger, welche nachweisbar ein jüdisch-religiöses Leben führen und durch Zeugnisse den Nachweis über ihre musikalische Ausbildung, sowie Kenntnis der hebräischen Liturgie, welche sie zum Dirigentenposten befähigen, erbringen, wollen ihre schriftliche Offerte unter Bei- ■schluß ihrer Zeugnisabschriften (nicht Originale) und unter Angabe ihrer Ansprüche spätestens bis 8. September 1932 an den genannten Verein in Wien II., Leopoldsgasse 29, einsenden. die Anwendung der Minderheitenverträge au! die polnischen Juden käme praktisch nicht in Frage, seitens der jüdischen Minderheit sei niemals eine Petition dem Völkerbund unterbreitet worden. Der Vorwurf Kohlers, betreffend die Besteuerung sei unfair, denn die höhere Besteuerung dier Juden rühre daher, daß sie eine vorwiegend industrielle Bevölkerung bilden und als solche die für die Industrie vorgesehenen Steuern zu entrichten haben. Amerika, du hast es besser ... Der vor kurzem verstorbene Richter am Obersten Gerichtshof Waley Placek, ein Christ, hat folgenden jüdischen Institutionen Beträge von je 1000 Dollar testamentarisch hinterlassen: dem jüdisch-theologischen Seminar, der jüdisch-historischenGesell schaff, zwei jüdischen Spitäler«, dem jüdischen J ugend verband und dem Verband der jüdischen philanthropischen Gesellschaften. _ Jttaßenfo eus mm Wewik Ein Trauertag der Judenschaft von Jassy. Am Txscha b'Aw wurden in Jassy die R e s t e der zehn Thorarollen, die bei der Devastierung der Jassyer Synagoge durch Mitglieder der „Eisernen Garde" im März d. J. zerrissen, geschändet und zum Teil verbrannt worden waren, feierlich bestattet. An der Bestattungsf e i e r nahmen viele Tausende Juden teil. Die Thorareste wurden in Seidenhüllen gewickelt, mit schwarzen Leichentüchern umhüllt und von den Rabbinern der Stadt und Umgebung auf den Friedhof getragen. Von 12 Uhr mittags an, dem Beginn der Trauerfeier, waren in Jassy alle jüdischen Geschäfte und Büros geschlossen. Braunhemden in Spanien unerwünscht. Die von dem bekannten spanischen Abgeordneten und philosophischen Schriftsteller Don Jose Ortega y Gasset herausgegebene Madrider republikanische Abendzeitung „L u z" veröffentlicht einen gegen die antisemitische Hitler- Bewegung in Deutschland gerichteten Artikel, in dem besonders dagegen protestiert wird, daß deutsche Nationalsozialisten, die Spanien besuchen, dort Uniformen und Hakenkreuzabzeichen tragen. Die Invasion dieser Herolde des Antisemitismus, AntiSozialismus und der Xenophobie in die spanische Halbinsel, schreibt das Blatt, wird nachgerade unerträglich. In Spanien sind Besucher aus allen Ländern willkommen, aber es kann ihnen nicht gestattet werden, die Gastfreundschaft zu mißbrauchen. Das Zur-Schau-stellen antisemitischer Embleme ist eine Beleidigung für unsere jüdischen Bürger und für die in unserem Lande lebenden ausländischen Juden, sowie für uns alle, für ganz Spanien. Das sind die polnischen Huligans .... Polnische Huligans überfielen in der Nacht zum Dienstag, den 16. August, die von der „Jüdischen Landbau - Gesellschaft" in J a s z c z u d u w ka i n der Nähe des Kurortes Z akopane eingerichtete Sommerkolonie, nachdem sie zuvor die telephonische Verbindung mit der Kolonie durchgeschnitten hatten. Die Huligans eröffneten ein Steinbombardement gegen die Häuser der Kolonie, so daß alle Fensterscheiben zersplitterten und mehrere der im Schlaf über- 8f2l)$l(iB(£i££i!£! Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, KftU in I. lOT, Tel. U 18-0-85 raschten Kolonisten mehr oder weniger erheblichverletzt wurden. Der Führer der Kolonie, Herr Pines, erstattete bei der Behörde Anzeige. Der Polizeikommandant von Zakopane leitete eine Untersuchung ein. Antijüdische Boykottpropaganda in Antwerpen. In Belgien hat eine antijüdische Boykottpropaganda eingesetzt. In den Straßen von Antwerpen wurden Anschläge angebracht, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, von den Juden, die „das belgische Leben vergiften", nichts zu kaufen. Diese Boykottpropaganda ist geeignet, die wirtschaftliche Notlage der jüdischen Bevölkerung zu verstärken, die von der allgemeinen Wirtschaftskrise in Belgien besonders hart getroffen ist, weil sie bisher hauptsächlich in der Juwelenindustrie und Diamantenschleiferei, zwei Berufszweigen, die fast vollständig zugrundegegangen sind, tätig war. Tausende Juden sind dadurch arbeitslos geworden und können im Hinblick auf die allgemeine Arbeitslosigkeit in Belgien keine neue Beschäftigung finden. CBOSZGEMEINPEN (Besondere Gelegenheit) Namiufter, akidemischmusikalischer Oberkantor, bsstmnjnvniert, klangvolle, geschulte Tenorstimmi, Meister-ftH, Hebräisch, für hohe Feiertage frei. ' Zuschriften: Habermann, Budapesr,Szövetsegut.22 Gemeinde - tfhvonik Warschau. Die jüdische Kooperativbank „U d z i e 1 o w y" in S z e dl 1 e t z, eine der ältesten und größten jüdischen Genossenschaftsbanken, die etwa 2000 Mitglieder zählte, ist z usammengebrochen. Die Bank wurde vor etwa 26 Jahren begründet und erfreute sich des besten Rufes in den Kreisen der jüdischen Handwerker und Kleinhändler, die durch den unerwarteten Zusammenbruch schwer betroff e n sind. Das Defizit beträgt 100.000 Zloty. Die Schließung der Bank, ein weiteres Symptom der schweren jüdischen Wirtschaftskrise in Polen, hat in der jüdischen Oeffentlichkeit, insbesondere in den Kreisen der Kooperativbewegung, außerordentliches Aufsehen erregt. 70. Geburtstag. Samstag, den 20. August vorm., fand in dem schönen Hietzinger Tempe 1 ein Festgottesdienst zur Feier des 70. Geburtstages des allseits verehrten früheren Präsidenten des Hietzinger Tempelvereines, Herrn Zahnarztes Hermann K u n e r, statt. Der Vorstandsitz des Jubilars war reichlich mit einem hübschen Blumenarrangement geschmückt. Nach einem wirkungsvollen H a 11 e 1 u j a, vorgetragen durch den prächtigen Chor, richtete Rabbiner Dr. A. L e w i n an Herrn Kuner eine Ansprache, die, wie man deutlich merkte, aus vollstem Herzen kam. Der Festredner pries die seltene Hingabe, deren sich Herr Hermann Kuner bei seinem weit ausgebreiteten jüdischen Wirken stets befleißigt hatte. Er hob besonders lobend sein starkes soziales Gefühl hervor, das ihn zu seiner eifrigen Tätigkeit in der „E i n h e i t" gedrängt habe und das er auch als umsichtiger Präsident der Chewra Kadischa. XII—XV., bekunde, in der er unermüdlich tätig sei. Inbesondere aber würdigte Dr. Lewin die unendlich großen Verdienste, die sich Herr Kuner um die Hietzinger Judenschaft und ihren Tempel erworben habe. Seinem rastlosen Eifer ist in Gemeinschaft mit anderen edelgesinnten Glaubensgenossen des Bezirkes die Errichtung des schönen Gotteshauses unter den schwersten Opfern zu danken. Besonders anerkennenswert ist der Umstand, daß Herr Kuner, der vor einiger Zeit die 27 Jahre lang inne gehabte Präsidentenwürde trotz aller Bitten seiner Vorstandskollegen niedergelegt habe, dem Vorstand auch weiterhin seine bewährte Kraft schenkt. Mit den herzlichsten Wünschen für die Zukunft schloß der Festredner seine eindrucksvolle Ansprache. Der Jubilar wurde außerdem von dem im Namen der Kultusgemeinde erschienenen Vizepräsidenten Dr. J. O r n s t e i n. von dem neuen Präsidenten des Hietzinger Tempelvereines Dr. Maurus B a n y a i und dem Vizepräsidenten des Ver- GROSSFLEISCHHAUEREI «EGM. KORNMEHL ««■•■■■■»*■■■■■■•■■■■«■■■■■■ WIEN IX., BERGGASSS MR. 1» FILIALE i XViai., WAHRING2RSTRASSE »T Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalt«» ÄbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehm. Rabbinatea dar lar. Kultusgemeind» Wen. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen eines Generaldirektor Siegfried Kubie, sowie dem Vertreter der Chewra Kadischa XU—XV., Herrn Bernhard Kohn herzlichst beglückwünscht Alle Reden enthielten lobende Schilderungen des ersprießlichen Wirkens des Jubilars in den verschiedenen Körperschaften, in denen er mit echt jüdischem Herzen stets unermüdlich tätig ist Der Festgottesdienst selbst war ein sehr würdiger, die kantorale Funktion des Herrn Oberkanor E i nh o r n, unterstützt von dem treiilichen I. Kantor Stern, sehr eindrucksvoll. Verlobungen. Dieser Tage hat sich Fräulein Lilly Reiß, Tochter des bestbekannten Ehepaares Adolf und Else Reiß (Tuchhaus Adolf Reiß, Wien I.), mit Herrn Dr. Heinrich R ü b n e r, Sohn des Herrn Alfred Louis Riibncr, verlobt. — Fräulein Rosl Fürst. Tochter des Herrn Nathan Fürst IL, Glockengasse 8a, hat sich mit Herrn Adolf S c h e p s dieser Tage verlobt. Die „J ugend-Union" gratuliert dem Brautpaare, das zu ihren eifrigen Mitgliedern zählt, auf das herzlichste. „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", Wien IL, Aspernbrückengasse 2. Jüdische Frontsoldaten, welche ihren Frontdienst, bzw. ihre Auszeichnungen oder Verwundungen dokumentarisch nachweisen können, wollen sofort ihren Beitritt zum Bunde anmelden. Verein „Ferienheim" (Präsidentin Sofie Grünfeld). Die Schulen sind gesperrt, die Tore sind weit geöffnet für die Schuljugend, die nach langer Schulzeit Erholung, Freude und Munterkeit in den bereitstehenden Ferienheimen finden sollen. In das seit 40 Jahren bestehende Ferienheim für jüdische Kinder, welches sein herrliches Heim in Bad Vöslau (Mühlhoi) besitzt, führte der Verein am 1. Juli 72 von den Aerzten wegen ihres schwächlichen Gesundheitszustandes gewählte Mädchen hinaus, welche von dem Vorstandsmitglied Frau Oberrabbiner Dr. Güdemann in mütterlicher Weise behütet und von pädagogisch gebildeten Lehrkräften umgeben sind, die den Kindern in ihren Spielen und Zerstreuungen Anregung und Freude geben. Fünf kräftige Mahlzeiten werden täglich mit Jubel begrüßt und heben das Körpergewicht, welches bei manchen durch Unterernährung dem Alter nicht entspricht Der große Park ist der Tummelplatz iür Spiel und Tanz. Die Kleinen spielen am Sandhauien. die Großen singen und treiben Allotria. Mitgebrachtes Können und dort Erlerntes werden von den Lehrkräften geläutert und zu einem Erheiterungsplan entworfen, dessen Programm am Schlußtag den eingeladenen Eltern und einigen Gästen vorgeführt wurde. Unter diesen bemerkte man Frau Gräfin Ilka Kinsky-Palmay, die vor Jahren im Theater an der Wien zu Gunsten des Vereines ..Mamsell Nitouche" spielte, Frau Rabbiner Dr. Rosenmann, Frau v. Ohdenal. Frau Dir. Haardt, die Funktionäre des Vereines mit seiner Präsidentin. Es war ein Kinderjube! und ein Stolz der Eltern, wenn so ein kleiner Kerl in einem von den Kindern selbst verfertigten Papierkostüm in Wort, Lied oder Tanz auitrat und frenetischen Beifall erntete! Ein entzückender, nicht schablonenmäßiger Prolog zeigte die auftretenden Gemüsesorten in bildhafter Reihenfolge mit bezug auf die Tageseinteilung im Speisezettel der Kolonie. Der Schlußtag wurde auch durch eine ieistliche Mahlzeit gefeiert, zu welcher ein Gönner des Vereines den Gänsebraten spendete. Wie leicht kann ein Kind glücklich gemacht werden! So schieden wir von der wirklich entzückenden Kinderschar und erwarten in wenigen Tagen wiedr 72 Knaben, die ihrer Erholung entgegengehen, die wir ihnen vom ganzen Herzen wünschen! Rabbinerinstallation. Im Bethause des Vereines der Kleingewerbetreibenden fand Dienstag, den 16. August, die feierliche Installation des neugewählten Rabbiners M. Gerstel, Absolvent des Rabbinerseminars und der Universität, statt. Unter den erschienen Gästen bemerkte man u. a. den Großrabbiner S. Friedmann. Rabbiner Benedikt, Rabbiner Blech, Rabbiner Stein. Rabbiner Ochs, die Herren Kultusvorsteher Prof. Rath. Dr. J. Klaber, die Absolventen des Rabbinerseminars Babad, Frostig und Margules und Vertreter verschiedener Betu5i¥iwijiE wflHBÜIiri

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