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Die Wahrheit · 1932-08-19 · Heft 34 (19.8.1932) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 34 (19.8.1932)
Date
1932-08-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 m des IVORNEHflE FAMILIEN - PENSION )Restaapiti0D,RaffB8haBS täglich 5-Uhr-Tee SENMER1NG TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhans Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.—aufwärts Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer | Parkmusik. Und Abend war's. Ein kühler Wind strich durch die Bäume leicht und lind. Im Garten an den Tischen saß ein Schwärm von Menschen. Manches Glas ward da geleert, manch' fröhlich' Wort von einem flog zum andern dort, -wo schöne Frau'n voll Duft und Glanz sich neigten wie der Blüten Kranz. Ihr silbern Lachen süß verklingt im Geigenspiel, das schmelzend singt, im Harfenzittern, Baßgetön voll Kraft und Fülle, tief und schön. — Sacht streicht der Wind der Blätter Pracht. — Ein Walzer lockt, ein Walzer lacht. Die Pause dann . . . Und jetzt ein Ton wie Gottes Ruf, — ein seltsam Droh'n. wie Engelsstimmen wunderkräftig, so herzbezwingend, zaubermächtig, mit selt'ner Anmut, doch bestrickend und jedes Menschen Ohr berückend! Tiefernst die Klänge, mahnend zieh'n, daß Lust und Scherz von dannen flieh'n. — Und auf tut sich der Garten! — Drinnen scheint ein Tempel licht — Es seufzt und weint die Seele einsam, — reuerfüllt. Ein Schluchzen wild der Brust entquillt. In müden Augen, tränenlos -wächst Schuld und Sünde riesengroß! — Ganz still ist's jetzt — Kein Lüftchen regt den Flügel zart und unbewegt, die Menge harrt — Da — wieder klingt ein heißes Fleh'n! Die Hände ringt der Sünder, schreit in tiefster Not in wilder Qual zu seinem Gott: „O hilf mir Herr! Laß mich nicht sterben, um meine Schuld mich nicht verderben!" Das Kleid der Unschuld, weiß und rein, es soll der Reue Merkmal sein. Er bückt sich tief und tiefer noch: „0 hilf mir, Herr! O hilf mir doch!" — Sternklar die Nacht Ein Rauschen geht durch's Baumgeäst, wie Frieden weht am Jaum ha kippur in den Hallen, •dahin die Beter büßend wallen. — Und wie der Töne Wellen weicher an Innigkeit und Wohllaut reicher, sich Herz und Ohr anschmiegen sacht, die süße Stimme wieder wacht. Und in der Klänge selt'ner Harmonie ertönt noch einmal uns die Melodie: Kol nidre — der jahrtausendalte Sang, des Juden tiefempfund'ner Sehnsuchtsklang, der mitten uns in Lust und Fröhlichkeit des Lebens dunkle Tore öffnet weit und weist mit rätselvollem Angesicht zum letzten unerforschlichen Gericht. — Verhallt der Töne Flut, verstummt das Spiel . . . Jetzt kost der Wind ums Antlitz sanft und kühl Glühwürmchen zauberisch im Dunklen glüh'n durchs Laubgewirr, dort wo die Lichter flieh'n. . . . Und aufrauscht jetzt ein Beifall ohne Gleichen, als wollte jeder seine Spende reichen. Dem Meerestosen, wilder Wogen Spiel gleicht dieser Aufruhr innerstem Gefühl, bis auch der letzte Gruß erstirbt im Lachen, das irgendwo will perlend neu erwachen, und in dem Scherzwort, das ein froher Mund Gleich einem Bildchen zeichnet, hell und bunt. Anna Mandel-Friedmann. isdiias, Rheuma, öidit 14tägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-» Sool-, Flehten-, KoblensSnrebSder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8—6 Uhr, BeUansioU „Ttaermla" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer Der Reichsverband der deutschen Juden in Gründung. Eine Beratung der Finanzdezernenten der größeren Landesverbände. Die Pressestelle des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden teilt mit: Am 7. August d. J. trafen sich die Finanzdezernenten der größeren Landesverbände in Oberhof zu einer gemeinsamen Aussprache, um einen Ueberblick über die Lasten, die eine Reichsorganisation der deutschen Juden zu tragen haben würde, zu gewinnen. Es kann als ein erfreuliches Zeichen für die nahe Verwirklichung der Reichsverbandsidee angesehen werden, daß man sich nunmehr auch der Beratung der Spezialf ragen zuwendet Bei der Fülle der Probleme, um deren Lösung man jahrelang verhandelt und gestritten hat, um eine Basis für die Schaffung einer Reichsorganisation zu finden, traten die rein praktischen Fragen zunächst in den Hintergrund. Zwar spielten die finanziellen Aufgaben, die ein Reichsverband zu erfüllen haben würde, schon in den früheren Beratungen eine Rolle, doch hatten sie zunächst nur eine untergeordnete Bedeutung gegenüber den religiösen und politischen Meinungsverschiedenheiten, deren Beilegung im Vordergrunde aller bisherigen Verhandlungen stand. Der preußische Landesverband jüdischer Gemeinden war bei der Beratung durch seine Schatzmeister Kareski und Woyda, der Verband bayrischer israelitischer Gemeinden durch Justizrat Dr. Straus, München, dieser zugleich für den Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens, und Kommerzienrat Rosenzweig, Nürnberg, der Oberrat der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs und der Oberrat der Israeliten, Karlsruhe, durch Ministerialrat Doktor Hirsch, Stuttgart, und der Sächsische israelitische Gemeindeverband durch seinen Vorsitzenden Carl Goldschmidt, Leipzig, und Rechtsanwalt Dr. Goldberg, Plauen, vertreten. Im Vordergrunde der Besprechung, der das durch den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden von Organisationen, Verbänden und Großgemeinden gesammelte Material zugrunde lag. standen zwei Dinge: die Prüfung der Frage, welche Institutionen als reichswichtig anzusehen seien und welche Mittel aufgebracht werden müßten, um im bisherigen Verhältnis Subventionen zu leisten. Beide Feststellungen konnten nach mehrstündiger eingehender Prüfung getroffen werden. Gegen die Höhe des ermittelten, auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung entfallenden Betrages wurden durch die Vertreter Sachsens und Hessens Bedenken geltend gemacht, doch kann der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß ein Weg gefunden werden wird, der diese Schwierigkeit beseitigen wird. Am späteren Nachmittag schloß sich an diese Sitzung eine Aussprache mit Vertretern thüringischer Gemeinden, zu deren Einberufung die Reichsarbeitsgemeinschaft den preußischen und den sächsischen Landesverband ermächtigt hatte. Obwohl in Thüringen ein Landesverband besteht, hatte es sich erwiesen, daß er eine ausreichende Tätigkeit nicht entialten konnte. Er umfaßt nur einen kleinen Teil der thüringischen Juden und ist auf Grund seiner Satzung zu irgend welcher tatkräftigen Hilfeleistung nicht imstande. Die Besprechung zeigte mit erschreckender Deutlichkeit, daß hier unbedingt der Versuch gemacht werden muß, baldigst Wandel zu schaffen. An vielen Orten besteht überhaupt keine jüdische Gemeinschaft, vielfach gehören den Gemeinden nicht alle am Orte ansässigen Juden an, und nur ein Teil dieser Gemeinden besitzt die Rechte einer öffentlichen Körperschaft. Zahlreiche Kinder wachsen ohne jeden Religionsunterricht auf, eine geistliche Betreuung fehlt fast völ- 1 ig und Verstorbenen kann mitunter keine rituelle Bestattung zuteil werden. Solche für die jüdische Religionsgemeinschaft untragbaren Zustände müssen schnellstens beseitigt werden. Da der thüringische Landesverband hierzu aus eigener Kraft nicht in der Lage ist. muß von außen her dabei geholien werden. Diese Hilfsbereitschaft wird von den in Thüringen lebenden Juden gern und freudig begrüßt werden, was von allen anwesenden Vertretern nachdrücklichst betont wurde. &alästinewisisdke Jladkxidkten. Der jüdische Polizeioffizier Goldman wurde am 7. August in der Altstadt von Jerusalem, als er einen Araber aus Hebron, der zwei andere Araber durch Revolverschüsse verletzt hatte, verhaftete, von einer großen Menge bedroht. Die Araber riefen, Goldman selbst habe geschossen. Britische Polizei zerstreute die Menge. Es wurde ein Polizeikommunique veröffentlicht, in dem der wahre Sachverhalt dargestellt wird. * Die hebräischenLehrerPalästinas haben im Hinblick darauf, daß die J e w i s h Agency nunmehr mit sieben Monaten in der Auszahlung ihrer Gehälter im Rückstände ist, am Sonntag, den 14. August, einen halbtägigen Proteststreik durchgeführt. Gruft- und BrabBraasscJimücriünfl Gärtnerei ERNST seefhied üründungsjahr 1380 XL, Simmeringer Hauptstraße Nr. 381 DJ. Tor, Zentralfriedhof, Haltestelle der Elektrischen 71 Telephon U 14-2-61 Unter Berufung auf .Die Wahrheit" 10»/» Rabatt Wie die JTA erfährt, sieht der neue Entwurf des Gesetzes über die Organisation der Stadtverwaltungen das Wahlrecht in die Gemeindevertretungen auch für Personen, die nicht die palästinensische Landesbürgerschaft besitzen, vor. Dadurch wird in Jerusalem eine jüdische Mehrheitin der Stadtvertretung gesichert. « An der üblichen Wallfahrt zur Klagemauer am 10. Aw beteiligten sich in diesem Jahre etwa 15.000 Juden. Der Aufmarsch der Massen vor der Klagemauer vollzog sich in vollkommenster Ordnung. Es ist weder an der Mauer selbst noch in anderen Teilen Jerusalems zu irgendwelchen Zwischenfällen gekommen. * Die „Landeszeitung", das in Danzig erscheinende Organ der katholischen Zentrums- Partei, veröffentlicht anläßlich des 10jährigen Bestehens des Palästina-Mandats einen Artikel, in dem gegen England und die zionistische Politik in Palästina, die auf eine Entweihung des Landes der Bibel abziele, scharf Stellung genommen wird. In diesem Zusammenhang wird mitgeteilt, daß der katholische Missionsverband für das Heilige Land am 2. September eine Konferenz abhalten wird, die sich mit der Stellung der Katholiken gegenüber der gegenwärtigen englischen Politik in Palästina befassen soll. Das Hauptreferat auf dieser Konferenz wird der bekannte katholische Palästinakenner Dr. Volkmar K r a m e r halten. Aus aller Welt Die jüdische Weltkonferenz wurde vergangenen Sonntag in Genf in Anwesenheit von kaum 100 Delegierten eröffnet. Den Vorsitz führte der bekannte amerikanische Zionist Dr. Stephan Wise. Ueber den Verlauf der Konferenz werden wir noch ausführlich berichten. Vorderhand sei nochmals festgestellt, daß es sich hier nach Programm und Zusammensetzung schließlich doch nur um eine rein zionistische Angelegenheit handelt. Das beweist nicht zuletzt die Einstellung des zionistischen Aktionskomitees, das auf seiner Londoner Beratung e i n s t i mm i g eine Resolution annahm, in der die Genfer jüdische Weltkonferenz auf das herzlichste begrüßt wird und der Präsident der Zionistischen Organisation, Nahum S o k o 1 o w, gebeten wirdi, die Grüße der Zionistischen Organisation persönlich zu überbringen. Das Aktionskomitee sprach die Erwartung aus, daß die zionistischen Kreise sich möglichst stark an der Konferenz beteiligen werden. Diese Erwartung des Zionistischen Aktionskomitees hat sich sich vollauf erfüllt, denn die Genfer Konferenz wurde beinahe ausschließlich nur von zionistischen Organisationen beschickt. Die bedeutenden Abwehrorganisationen haben eine Beteiligung abgelehnt, kürzlich auch der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, und zwar mit folgender Begründung: „Die treibende Kraft der Einberufung einer jüdischen Weltkonferenz ist der unter Leitung von Rabbi Stephen Wise stehende amerikanisch-jüdische Kongreß, der fast ausschließlich national-jüdische Interessen vertritt. Da außerdem maßgebende Vertretungen der amerikanischen, englischen und französischen Juden sich an dem Kongreß seiner programmatischen Grundeinstellung wegen nicht beteiligen, hat auch der C. V. von einer Beteiligung abgesehen." Georg Gothein 75 Jahre. Dieser Tage feierte der langjährige erste Vorsitzende des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, Reichsminister

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