Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 33 (11.8.1932)
- Date
- 1932-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT, Seite 7 IMSSlÜS! Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, l(b(l Km I. Cw, Tel. U18-0-85 städtischen Behörden herumgeschlagen haben, bis sie schließlich durchsetzten, daß die Stadt für ihre Zentralbibliothek 500 hebräische Bücher kaufte. Dieser Erfolg ist nur nach langen, wirklich erbittert geführten und mit Protestversammlungen und Demonstrationen eingeleiteten Kämpfen errungen worden. Die Affäre hat damals halb Amerika beschäftigt, auch weil die Forderung ein Novum war. Jüngst hat sich ein Journalist ihrer zufällig entsonnen und den Bibliothekar gefragt, wieviel hebräische Bücher denn in den letzten sechs Jahren entliehen worden sind. Der Bibliothekar stellte fest: Sage und schreibe zwei... Aus affer Wett Um die Genfer jüdische Weltkonferenz. Die Budapester Jüdische Gemeind e hat eine Resolution gefaßt, in dler sie ihre B eteiligung an einem jüdischen Weltkongreß ablehnt und eine Vertagung der nach Genf einberufenen Konferenz bis zu dem Zeitpunkt fordert, in dem die jüdischen Organisationen der ganzen Welt zu einer Einigung über die zum Schutz dler jüdischen Bevölkerung zu ergreifenden Maßnahmen gelangt sein werden. Weiters wird in der Resolution erklärt, daß die ungarische Judenheit ihre Probleme intern, ohne Einmengung von außen lösen wolle. — Die Resolution der Jüdischen Gemeinde wurde durch den offiziellen ungarischen Nachrichtendienst verbreitet. Der Oberste Rat der jüdischen Gemeinden in Böhmen, Mähren und Schlesien und in Uebereinstimmung mit ihm der Verband der jüdischen Gemeinden der Slowakei „Jeschurun" haben beschlossen, an der in Zürich stattfindenden jüdischen Weltkonferenz nicht teilzunehmen. Als Hauptgrund der Ablehnung wird die Tatsache angesehen, daß sich die Orthodoxie an der Weltkonferenz nicht beteiligt. — Der slowakische Gemeindeverband hatte im Zuge der Verhandlungen die Einberufer der Konferenz auf die Notwendigkeit, gleichzeitig auch eine Einladung an die in der Orthodoxen Zentralkanzlei Preßburgs organisierten orthodox-slowakischen Gemeinden ergehen zu lassen, aufmerksam gemacht. Die Kandidatur Oberst Lehmans als Gouverneur des Staates von New York. Der bisherige Vizegouverneur des Staates New York, Oberst Herbert H. Lehman, kündigt offiziell seine Kandidatur für den Posten des Gouverneurs von New York als Nachfolger von Franklin D. R o o s e v e 11 an, der demokratischer Präsidentschaftskandidat ist. Die Kandidatur Lehmans wird sowohl vom gegenwärtigen Gouverneur Roosevelt afi's auch vom ehemaligen Gouverneur Alfred A. Smith, also von den beiden einflußreichsten Männern der Demokratischen Partei, unterstützt. Lehmans Nominierung durch die Demokratische Partei und damit seine Wahl erscheinen gesichert, obwohl ein gewisser Widerstand gegen seine Kandüdatur seitens der starken Tammany Hall Organisation auf dem bevorstehenden Kongreß der Demokratischen Partei erwartet wird. Gründung einer extremistischen arabischen Partei. Unter der Führung 'dies Sekretärs der arabischen Exekutive Auni Bey Abdul Hadi wurde in Jerusalem eine neue extremistische arabische Partei, die sich „I s t i k 1 a 1" nennt, gegründet. In dem soeben veröffentlichten Programm der neuen Partei wird die Abschaffung des Palästina-Mandates und der Balfour-Dekla.ration gefordert. Palästina soll Teil eines undgabelhangigen arabischen eRichesfm Teil eines unabhängigen syrischen Reiches werden. Ferner wird' die sofortige Einsetzung eines Parlaments und einer arabischen Regierung, das Verbot des Bodenverkaufs an Juden und die Schaffung einer panarabischen Föderation gefordert. Budapest. Reichsverweser Nikolaus v. Horthy hat den bekannten jüdischen Großindustriellen Leo von Buday-Goldberger als Vertreter der ungarischen Industrie zum Mitglied des Magnatenhauses ernannt. Ein wahrer Priester der Nächstenliebe. In Michalovce verstarb dieser Tage der römisch-katholische Pfarrer Kanonikus Alexander 0 p p i t z. An seinem Grabe trauert auch das slowakische Judentum, denn er hat sich in einer für die jüdische Bevölkerung schweren Stunde als ein Freund der Juden erwiesen, wie man ihn selten findet. Als im Jahre 1919 im Kampf gegen die ungarischen Bolschewiken das ostslowakische Michalovce von den tschechischen Soldaten besetzt wurde, machte man einige Geiseln, hauptsächlich Juden. In der Nacht wurde ein tschechischer Soldat, der Telephonist Kaderabek, von unbekannter Hand erschossen. Der Kommandant gab darauf Befehl, die Geisel'n zu erschießen. Auf die Bitten einer Deputation unter Führung des Pfarrers Oppitz erklärte er sich schließlich damit einverstanden, nur einen der Geiseln erschießen zu lassen, der durch das Los bestimmt werden sollte. Das Los fiel auf den völlig unschuldigen Moses Deutsch, einen Juden. Pfarrer Oppitz suchte neuerdings den Kommandanten auf und bat ihn, von dieser Exekution abzusehen. Schließlich bot er ihm an, an Stelle des Deutsch ihn selbst erschießen zu lassen. Er habe keine Kinder und habe keine Verantwortung für eine Familie. Der Kommandant ließ schließlich von der Exekution ab. Dieser in der Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen vielleicht alleinstehende Fall hat Pfarrer Oppitz die dauernde Achtung und Freundschaft der Juden seines Ortes gebracht, die bis zu seinem Tode anhielt. Berlin. Der Kammergerichtsrat Dr. Daniel Cohn, ein außerordentlich bewährter jüdischer Richter, dem der Ruf eines hervorragenden Juristen vorangeht und der vor einigen Monaten als Hilfsrichter zum Reichsgericht in Leipzig einberufen worden ist, wurde jetzt etatmäßig zum Reichsgerichtsrat ernannt. Jüdische Sportsleute auf der Olympiade. An der Olympiade von Los Angeles nehmen eine Reihe von Juden als Repräsentanten verschiedener europäischer Länder teil. Unter diesen befinden sich die Makkabim Hirschl (Hakoah Wien), der als einziger Ringer Oesterreichs startete und im Schwergewichtsringen den dritten Platz und! damit für Oesterreich eine bronzene Medaille errang, Heks (Hagibor, Prag), der für die Tschechoslowakei den Marathonlauf bestritt, sowie Kurland (Hakoah Kopenhagen), der Dänemark im Leichtgewicht-Ringen vertritt. Von den Genannten sind Hirschl und Kurland Makkabiah-Sieger. Sensationeller Doppelselbstmord in Warschau. In der Warschauer Vorstadt Praga hat der Doppelselbstmord zweier junger Leute, die vor etwa sechs Wochen einen Ueberfall auf eine Gruppe von Rabbinern verübt hatten, ungeheures Aufsehen erregt. Mehrere junge Leute hatten damals den Rabbiner von Praga, Silberstein, den Rabbiner Posner, den Neupragaer Rabbiner Maimon und den Militärrabbiner Oberst Frenkel, die nach der Feier des zehnjährigen Bestandes der Pragaer jüdischen Soldatenküche in Gesellschaft einiger jüdischer Bürger den Heimweg angetreten hatten, überfallen und mißhandelt. Auf die Hilferufe der Rabbiner waren jüdische Soldaten herbeigeeilt, die die Angreifer vertrieben und zwei von ihnen der Polizei übergaben. In den nächsten Tagen sollte der Prozeß gegen die beiden Attentäter stattfinden. 2 schöne Zimmer (Schlaf- und Wohnzimmer) auch für Bureauzwecke geeignet, Telephon und Badebenützung, preiswert zu vermieten. Nähere Auskünfte: 11. .Heinestr. 13/12. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM, KORNMEHL UmBHaHBaHBHMHBMaBBMBaMMMMHHMHÜ^H» WIEN IX., BERGOASM NR. 1» nuoui xviii., wahrinqirstrassb »t Ttkphon Nr. A 17-3-99 and A 15-9-34 Ltatarant für Hallanstaltw AbteilungenrarKoscherfleisch wrtsr Aufsieht ahrw. Rabbimrtas dw Isis Kultuagamatad* VhM» Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Diese haben jedoch in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli Selbstmord durch Einnehmen von Verona 1 verübt. Sie hinterließen ein Schreiben, in dem sie mitteilten, einer ihrer Freunde hätte sie darauf aufmerksam gemacht, daß ihr Angriff auf die Rabbiner eine außerordentlich schwere Sünde sei und sie deshalb eine harteStrafe Gottes zu erwarten hätten. Seither hätten sie in entsetzlicher Angst vor den Folgen ihrer Tat gelebt und es nunmehr vorgezogen, diese durch freiwilliges Scheiden aus dem Leben zu sühnen. Goldene Hochzeit. Am 31. v. M. wurde die goldene Hochzeit des Ehepaares Sigmund Maß, Wien XXI., in feierlicher Weise begangen. Mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand der Frau Maß erschien in der Wohnung eine Deputation, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. R o s e n m a n n. Bundesstaatlichem Fürsorgerat Adolf Sobel, Simon Czuczka und Emil Fanto, um dem Jubelpaare die innigsten Glückwünsche zu übermitteln. Herr Bundesfürsorgerat Sobel überreichte mit herzlichen Worten die Gratulationsadresse des Präsidiums der Wiener Kultusgemeinde. Hierauf" hielt Rabbiner Dr. Rosenmann eine ergreifende Ansprache, in der er den Lebenslauf des Jubelpaares schilderte und auch für die Zukunft des Jubelpaares und der Familie Segenswünsche ausdrückte. Für die Chewra Kadischa Floridsdorf gratulierte Herr Obmann-Stellvertreter Simon Czuczka. E. F. Riga. Das Rigaer Strafgericht hat nach zweitägiger Verhandlung, die von der Oeffentlichkeit mit ungeheurem Interesse verfolgt wurde, das Urteil über den Mörder Prudnikow, der Anfang Juni dieses Jahres bei dem Einbruch in die Wohnung des jüdischen Kaufmannes Leib Smuschkin, 'die Gattin Smuschkins und seine beiden Töchter erschossen hatte, gefällt. Prudnikow wurde zum Tode verurteilt. Der Einbruch bei Smuschkin und die Ermordung seiner Familienangehörigen hat seinerzeit weiteste Kreise1 der Bevölkerung Rigas in Aufregung versetzt. Der Vorfall hatte sich folgendermaßen abgespielt: An der Wohnungstür Smuschkins, der Besitzer eines großen Konfektionshauses ist. klingelten vier mit Revolvern bewaffnete jugendliche Banditen. Das öffnende Dienstmädchen wurde von den Räubern geknebelt und in eine Kammer gesperrt, worauf sich die Einbrecher an die Durchsuchung der Wohnung machten. Unterdessen kehrte das Ehepaar Smuschkin und seine beiden Töchter in die Wohnung zurück. Als erste betrat die älteste Tochter, die 20jährige Gusta, eine Studentin, die Wohnung. Sie wurde von den Einbrechern durch Revolverschüsse niedergestreckt. Auf ihrer Flucht erschossen die Räuber die Gattin Smuschkins. Cilli, und deren 15jährige Tochter Anna, verletzten die greise Schwester Smuschkins, Frau Marie Daniler. lebensgefährlich und noch zwei andere Hausbewohner, Herrn Wunder und Frau Katz. schwer. Die Verbrecher entkamen in der allgemeinen Aufregung. Beim Abtransport der Leichen irt die Sektionskammer spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Zwei alte Verwandte Smuschkins versuchten, sich unter das Leichenauto zu werfen. Viele tausende Einwohner Rigas gaben Frau Smuschkin und ihren beiden Töchtern das letzte Geleite. In der Stunde der Bestattung waren die jüdfischen Geschäfte in Riga zum Zeichen der Trauer geschlossen. Wiener Bank-Verein. Die 62. ordentliche Generalversammlung des Wiener Bank-Verein findet am 19. August 1932. um 11 Uhr vormittags, im Anstaltsgebäude statt. Gegenstände der Tagesordnung: Jahresbericht des Administrationsrates. Bericht der Zensoren über den Rechnungsabschluß für 1931 und Beschlußfassung über denselben, Beschlußfassung über di3 Herabsetzung und Wiedererhöhung des Aktienkapitales, Beschlußfassung über Statutenänderung, statutenmäßige Wahlen. Je 5 Aktien ä Nominale S 20.— geben das Recht auf eine Stimme. Die Deponierung der Aktien hat bis spätestens 13. August 1932 zu erfolgen. E