Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 33 (11.8.1932)
- Date
- 1932-08-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT lämthflllm 4. bis 10.September 1832 (Rotunde bis 11. September) SONDERVERANSTALTUNGEN: »600 JAHRE WIENER LEDERWAREN" Möbelmesse/Reklamemesse/ „Neuzeitliche Gasgeräte" «Elektrizität im Haushalt" / Wiener Strickmode Pelzmode-Salon / Pelztiere und Fellverwertung INTERNAT. RADIO- UND SCHWACHSTROM-MESSE Wintersport-Ausstellung mit Sonderschau „Pflarzen und Tiere im Winter" / Bau- und Straßenbaumesse »Das wachsende Haus" /Eisen- und Patenlmöbelmesse „Technische Neuheiten und Erfindungen" Ausstellung der U. d S. S. R. Bulgarische Sonderausstellung Ausstellung für Nahrungs- und Genußmittel Land- und forstwirtschaftliche Musterschau VIL österr. Gerstenschau /Ausstellung,, Verwendet östeir. Hartholz" Gartenbau-Ausstellung mit Blumenschau / Gemüsebau-Ausstellung Ausstellung der landwirtschaftlichen Versuchs- und Lehranstalten Landwirtschaftliche Bedarfsartikel / Kleintierschan Bundeswein kost BEDEUTENDE FAHRPREIS-ERMÄSSIGUNGEN! Messeausweise k S 6.— bei der Wiener Messe-Aktienfresellscbaft, Wien VII., Messeplatil. —Eintrittskarten (zum einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastes und der Neuen Burg) ä S 2-50 bei den Kassenschaltern der Messehäuser. maskus"; „Die arabischen Inschriften von Aleppo" und eine Arbeit über „Baalbek im Mittelalter". Auch abgesehen von diesen Arbeiten hat sich Sobernheim in organisatorischer Hinsicht um die Orientalistik große Verdienste erworben. Er ist seit langer Zeit- Vorstandsmitglied und Schriftführer der „Vorderasiatisch-Aegyptologischen Gesellschaft". Antisemitismus in Kanada. Die von Joseph Menard herausgegebenen antisemitischen Blätter „Le Goglu", „Le Chameau" und „Le Miroir" hatten vor einiger Zeit neben anderen antisemitischen Verleumdungen auch die alte Beschuldigung wiederholt, daß die Juden beim Bereiten des ungesäuerten Osterbrotes Christenblut verwenden. Im Zusammenhang mit diesen Beschuldigungen war auch der Name eines jüdischen Kaufmannes aus Lachne, E. Abugov, genannt worden. Herr Abugov brachte die Klage gegen die antisemitischen Zeitungen ein und forderte die Erlassung einer einstweiligen Verfügung, derzufolge es Menard', seinen Agenten, Bediensteten und Angestellten untersagt werden solle, Zeitungen oder Artikel zu schreiben, zu veröffentlichen und zu verbreiten, in denen gegen die Juden und die jüdische Rasse im allgemeinen verleumderische, tückische und lügnerische Beschuldigungen erhoben werden. Die Klage des jüdischen Kaufmannes war Gegenstand einer vor kurzem vor dem Obergericht in Montreal stattgefundenen Verhandlung, die einen äußerst dramatischen Verlauf nahm. Richter Vesaulviers verkündete am Schluß der Verhandlung, er werde sein Urteil am 1. September bekanntgeben. Bis dahin werden die Blätter Menard unter Aufsicht gehalten werden. Die Anwälte Abugovs. Joseph Cohen und Mayer Gamerov, hatten auf den Schaden hingewiesen, die der Provinz und der jüdischen Bevölkerung durch die dauernden Verleumdungen der antisemitischen Wochenblätter zugefügt werde. In einer früheren Verhandlung hatte der Richter einen Antrag der Verteidigung, den Prozeß zu vertagen, mit der Begründung abgelehnt, daß die Artikel geeignet seien, die öffentliche Sicherheit aufs äußerste zu gefährden. Die Artikel wurden damals vom Richter als a n t ichristdich, antisozial und antinational bezeichnet. Auf einer in Montreal abgehaltenen Konferenz jüdischer Organisationen wurde ein Komitee gewählt, dessen Aufgabe es sein soll, Maßnahmen gegen die antisemitische Zeitungskampagne in Kanada und insbesondere gegen die Hetze des Blattes „Goglu" zu ergreifen. Außer gerichtlichen Schritten gegen dieses Blatt wird auch eine Demarche bei der Regierung in Ouebeck erfolgen. Die Regierung wird ersucht werden, Maßnahmen gegen die in letzter Zeit gegen friedliche Bürger gerichteten antisemitischen Angriffe zu ergreifen. Hugo Gold, Die Juden und die Judengemeinde Bratislava in Vergangenheit und Gegenwart. Die Slowakei wird seit vielen Jahrhunderten zahlreich von Juden bewohnt, welche zumeist streng religiös waren, und ermangelte es auch nicht an Stätten, an welchen die jüdische Wissenschaft eifrig gelehrt und gelernt wurde. Und dennoch wurde gerade dieses Land bisher nicht in so ausgiebigem Maße literarisch verarbeitet, als dies vom jüdischen Standpunkte aus angezeigt erscheint, insbesondere um die Vergangenheit nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, wie dies bereits vielfach unwiederbringlich erfolgte. Es ist daher lebhaft zu begrüßen, wenn Hugo Gold, der Inhaber des „Jüdischen Buch- und Kunstverlages" in Brünn und Herausgeber des Werkes „Die Juden und Judengemeinden in Mähren in Vergangenheit und Gegenwart", nunmehr auch darangegangen ist, uns die Juden und Judengemeinde Bratislava in Vergangenheit und Gegenwart in einem Sammelwerke von nahezu 200 Seiten vor Augen zu führen. Es war dies eine um so lohnendere Aufgabe, als Bratislava nicht nur seit nahezu 1000 Jahren von Juden bewohnt ist und als dortselbst schon seit urdenklichen Zeiten durch die weltberühmte Jeschiba ein geistiger und kultureller Mittelpunkt für die Juden des ganzen ehemaligen Ungarn und noch weit darüber hinaus sich gebildet hatte. Selbst in den schwersten Tagen der Judenverfolgungen wurde dortselbst jüdisches Wissen und Empfinden wacherhalten und gestärkt, aber auch durch die zahllosen Schüler dieser Jeschiba in die ganze Welt getragen. Der Herausgeber hat behufs Bewältigung des gewaltigen Stoffes den einzig gangbaren Weg gewählt, indem er das Werk in Einzelarbeiten zusammenstellte,- wobei Beiträge nach Möglichkeit in chronologischer Reihenfolge angeordnet wurden. Enleitend erfolgt ein kurzer Ueberblick über die allgemeine Geschichte der Stadt Bratislava vom Stadtarchivar Dr. Ovidius Faust. Daran schließt sich eine Schilderung des äußeren Verlaufes der Geschichte der dortigen Juden, bearbeitet von David Groß, mit Wiedergabe eines im städtischen Museum befindlichen Freiheitsbriefes der Königs Andreas III. aus dem Jahre 1291 für die in Bratislava ansässige Judenschaft. Dr. Eugen Forbät liefert einen Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte der dortigen Juden, worauf der bekannte Forsche* der mährisch-jüdischen Geschichte, Dr. Heinrich Flesch, Rabbiner in Kanitz, das geistige Leben Preßburgs. beginnend mit dem 15. Jahrhundert in ausführlicher und gründlicher Weise darstellt, mit Anführung einer Unmenge von Rabbinen und sonstigen Koryphäen auf dem Gebiete der jüdischen und allgemeinen Wissenschaft mit kurzen Beschreibungen ihres Lebens und Wirkens. Die Geschichte der Preßburger Jeschiba wird von Samuel Bettelheim in Budapest, die neuere Geschichte von Josef Grünsfeld dargestellt Es folgen sodann mehrere geschichtliche Monographien, so von Dr. Max Schay aus New York, einem ehemaligen Schüler der Preßburger Jeschiba, über einen Schutzbrief der dortigen Judengemeinde aus dem Jahre 1714, der den Bestand der Judengemeinde sicherte und es ermöglichte, daß Bratislava in kurzer Zeit die größte, einflußreichste und hervorragendste jüdische Gemeinde geworden ist. Dr. Schay liefert ferner die älteste Liste der Preßburger Judenschaft aus dem Jahre 1714 und die Duglenlsdics Königsiiciri Seit vielenjahren dasa..erkannt beste Vrißtw Man achte auf die g es. gesck. Marke „Hygien. Könfgsllcht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt!! JUdische Mädchen vor der Berufswahl!! Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscheerzeugung mit öffentlichkeitsrecht Staatsgültige Zeugnisse Einjährige Koch- und Haushaltungsschule mit erweitertem Lehrplan für allgemeine Bildung, streng rituell Dr. ftrtigertieiin, II., nalzgasse f Tel. A 48*77 Internat. Samstag schulfrei. Berufsberatung täglich von 11 bis 12 Uhr. älteste Steuerliste aus dem Jahre 1748, Dr. Bernhard' Wachstein im Wien berichtet über die jüdischen Bewohner von Bratislava im Jahre 1736, Dr. Samuel Krauß in Wien referiert über die Synagogen von Bratislava, Samuel Bettelheim bringt schließlich eine deutsche Uebersetzung eines hebräischen Originales über die Beschießung der Stadt durch Napoleon im Jahre 1809. Nachdem auf dem Budapester Kongreß im Dezember 1868 die Spaltung der ungarischen Judenschaft in zwei Lager, das orthodoxe und das neologe, Tatsache wurde, vollzog sich auch in Bratislava, allerdings erst vier Jahre später, im Jahre 1872, die Scheidung,, und seit jener Zeit gibt es in Bratislava eine orthodoxe und eine fortschrittliche Kongreß-Gemeinde, jede mit ihrem Tempel und sonstigen relign'ösen und humanitären Institutionen. Auch im vorliegenden Sammelwerke werden die beiden Gemeinden besonders geschildert, zuerst die orthodoxe als die ältere, ihre Geschichte, Schulen und das jüdische Spital (Dr. Oesterreicher), sodann folgt die Geschichte der fortschrittlichen Gemeinde und ihrer Chewra Kadischa, schließlich als geschichtliche Erinnerungen aus der neuesten Zeit Schilderungen des Brandes des dortigen Ghetto im Jahre 1913 und die Geschichte der jüdischen Garde im Jahre 1918. von Dr. Komlösi, über zionistisches Lebern in Bratislava von David Groß und über Misrachi in Bratislava und in der Slowakei von Salomon Hornik. Den Anhang des Werkes bildet ein von Bettelheim zusammengestelltes, sehr wertvolles Verzeichnis von Akten und Urkunden zur Geschichte der Preßburger Juden von 1092 bis 1731, weiters ein ausführlicher statistischer Teil von Dr. Leo Goldhammer in Wien, sowie die Geschichte der jüdischen Vereine und Verbände. Das Werk enthält reichliches Bildermaterial aus¬ Gegenwart und Vergangenheit, sowohl Personen, als auch verschiedene Baulichkeiten, insbesondere Tempel,. Teile der dortigen Judengasse. Grabsteine, schließlich werden historische Gemälde und Urkunden wiedergegeben. Das Buch bietet sohin in den vorangeführten Aufsätzen eine Fülle wissenswerten und interessanten Materials und ist es lebhaft zu begrüßen, daß das Werk trotz vieler Hindernisse und Schwierigkeiten in der vorhandenen Form zustande gekommen ist. Es ist zu wünschen, daß das Werk, welches von Liebe zur Geschichte unseres Volkes durchtränkt ist. auch tatsächlich jene Anerkennung und Verbreitung finden möge,, welche es verdient und welche der aufgewendeten Arbeit und Müheleistung entspricht Dr. Theodor Haas, Brünn. Jeder JLeser hat das Wort* Xusttniften aus dem jftffifiJzum Das Aufstehen beim Schema-Gebet. Ueber diesen Gegenstand verbreitet sich Herr Prof. Dr. Kahan, Znaim, in Nr. 32 der „Wahrheit". Der gelehrte Verfasser weist darauf hin, daß vom „religionsgesetzlichen" Standpunkt aus das Aufstehen beim Schema-Gebet verboten sei. Wir müssen nun annehmen, daß im Müliher-Tempel in Wien diese Praxis auf Anordnung des Rabbinats — sicherlich nicht ohne treffende Begründung — zurückzuführen ist. Die Disziplin erfordert es, daß' jeder Besucher dieses Tempels der Anordnung zu folgen verpflichtet ist. Wer sich hiedurch in seinem religiösen Gewissen verletzt fühlt, kann ja dem Rabbinait gegenüber Widerspruch erheben, aber im Tempel muß er sich fügen und darf der Autorität d'es Rabbiners nicht zuwiderhandeln. Das Verbot einzelner Gelehrter, beim Schema-Gebet aufzustehen, ist doch durchaus nicht von einschneidender Bedeutung für unser religiöses Leben. Zitiert ja Herr Prof. Kaham selbst den Ausspruch der Schule Hilf eis, der wir durchwegs folgen: „Jeder liest, wie es sich gerade trifft, «dL h. nach Raschi stehend, liegend, sitzend oder gehend." Nur nicht päpstlicher sein als der Papst. Dr. M. Spanier, Magdeburg. * Sturm im Wasserglas. Man schreibt uns aus New York: Es ist schonsechs Jahre her, kein Mensch denkt mehr daran, aber wahr bleibt es doch, daß die Hebraisten vonSt. Louis 1926 sich ein halbes Jahr lang mit der Gemeinde und den jüdischen Vertretern in den