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Die Wahrheit · 1932-08-11 · Heft 33 (11.8.1932) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 33 (11.8.1932)
Date
1932-08-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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HEIT DIE WAHRHEIT Seite 5 Die politische und wirtschaftliche Lage in Palästina. (Zur Sitzung des zionistischen Aktionskomitees.) Ein volles Jahr nach dem letzten Zionistenkongreß ist das Aktionskomitee zu einer Vollsitzung in London zusammengetreten, während es früher einige Male im Jahre zu tagen pflegte Diese verspätete Einberufung der Sitzung wurde vielfach getadelt, von der Exekutive jedoch mit der Begründung verteidigt, daß hieiür vornehmlich „technische Gründe" maßgebend waren, wie Aufenthalt des Präsidenten Sokolow in Amerika, starke Inanspruchnahme der anderen Mitglieder der Exekutive usw. In Wirklichkeit dürfte aber die Verzögerung in der ungeklärten politischen Situation der zionistischen Organisation im eigenen Lager und im Verhältnisse zur Mandatarmacht ihre hauptsächlichsten Ursachen haben. Es handelte sich um einige heikle Fragen, denen man so lange als möglich aus dem Wege gehen wollte. Da ist vor allem der ziemlich offene Konflikt mit den) Revisionisten, die Stellungnahme zu den Beschlüssen der Revisionistenkonferenz von Calais u. dgl., die eine sehr vorsichtige Behandlung erforderlich machen. Die offene Fronde der Revisionisten und ihre fortgesetzten Drohungen können nicht ohne weiteres geduldet werden, schon aus Gründen der Disziplin. Aber anderseits möchte man es zu einem klaren Bruch nicht kommen lassen und zieht es vor, die Angelegenheit dilatorisch zu behandeln, um Zeit zu gewinnen. Kommt Zeit, kommt Rat. Außerdem fällt es der Leitung der zionistischen Weltorganisation gerade jetzt schwer, hinsichtlich des Verhältnisses zur Mandatarmacht definitive Beschlüsse zu fassen. Seit dem Wechsel in der Leitung der Palästina- Regierung hat sich das Verhältnis der Exekutive zum Oberkommissär wesentlich gebessert. Der neue Oberkommissär verhält sich dem jüdischen Aufbauwerke gegenüber wesentlich objektiver als sein Vorgänger, zuweilen sogar positiv, und man möchte dieses Verhältnis nicht durch allzuscharfe Vorwürfe an die Adresse der Mandatarmacht stören. Aber man ist sich darüber im klaren, daß der High-Commissioner schließlich nur ausführendes Organ des Londoner Kolonialamtes ist und man weiß, daß von dort der Geist des Lord Passfield noch immer nicht ganz gebannt ist. Man ist also auch diesbezüglich zu einer dilatorischen Vorgangsweise geneigt. Deswegen unterließ man die Abhaltung einer Sitzung des Aktionskomitees und .wartete mit der Tagung dieses sogenannten „kleinen Kongresses" zu, um möglichst Zeit zu gewinnen. Nun mußte man aber diese Tagung abhalten. Da die Beratungen derselben als vertraulich erklärt wurden, ist man vorläufig bloß auf den offiziösen Bericht angewiesen und dieser gibt' ein nicht ganz klares Bild der Situation. Immerhin ist zu sehen, daß es bei den Beratungen nicht an heftigen Auseinandersetzungen fehlte und daß die Exekutive nicht nur seitens der offiziellen Opposition scharfe Worte zu hören bekam. Sie mußte auch zugeben, daß, während die wirtschaftliche Lage in Palästina ein ziemlich erfreuliches Bild aufzeige, die pol'itschen Perspektiven noch immer sehr düster sind. Noch immer schwebt das Damoklesschwert des sogenannten French-Berichtes über der Zukunft des jüdischen WSederaufbauwerkes, noch immer entbehrt die Einwanderungsfrage einer befriedigenden Lösung. Diese beiden Fragen hängen aber so sehr mit der politischen und noch mehr mit der wirtschaftlichen Situation zusammen, daß die besten Aussichten zerstört werden könnten, falls die sich aus diesen Fragen ergebenden Gefahren nicht behoben werden würden. Isdiias, Rheuma, öidit Utägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Flehten-, Koblensäurebäder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden tiglich Ton 8-6 Uhr. HeUanstfaM „Thermia" I., Franz Josefskal 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer Das, was man über den Frenich-Bericht zu hören bekam, ist wenig erfreulich und zeigt, daß man in London noch immer nicht bereit ist, das jüdische Aufbauwerk so zu fördern, wie dies von zionistischer Seite gefordert wird. Was hilft die relativ günstige wirtschaftliche Lage im Lande, wenn im Wege der im Sinne des French-Berichtes geplanten Aktion alle Arbeit paralysiert werden könnte? Und was könnte man mit den guten wirtschaftlichen Aussichten anfangen, wenn das Einwaniderungsproblem nicht befriedigend gelöst wird? Wenn die Einwanderung von Arabern aus Transjordanien freigegeben werden soll, wogegen die Einwanderung von Juden weiterhin den bisherigen Beschränkungen unterworfen bleibt, so müßten sich die günstigsten wirtschaftlichen Perspektiven nach und nach verschlechtern. Mit Recht wurde daher darauf hingewiesen, daß auch das beste Verhalten des High- Commissioners wenig fruchten1 würde, falls man im Londoner Kolonialamte weiterhin die Politik der Passfield und Genossen fortsetzen werde. Aber, wie die Dinge nun einmal liegen, konnte auch der „kleine Kongreß" diesbezüglich nur Wünsche und Beschwerden vorbringen. Die Entscheidung liegt weiterhin in den Händen der maßgebenden Faktoren in London — und diese haben ihre eigene Politik... Das Verhältnis >d)er allgemeinen Zionisten zu den Revisionisten konnte ebenfalls keine volle Klärung erfahren. Die Wortführer des Revisionismus konnten mit Erfolg darauf hinweisen, daß viele ihrer Argumente in den Gedankenbereich der allgemeinen Zionisten übergegangen sind, daß somit ihre Berechtigung anerkannt wird. Anderseits mußten auch dSe Revisionisten zugeben, daß ihre Taktik schließlich sich nur auf einer negativen YORNEHflE f|^^p,^P -^ifcSiii^^ iÄHil •<£r ^^sS^Mtrmsum - Pension fißstaui^ion.RaflBBhaos täglich 5-Uhr-Tee SEMMERING TELEPHON 11 Hockstraße 43 neben Hotel Panhans m Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.—aufwärts H Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser m in jedem Zimmer. II Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer ^kmummmmtmammmmmam Bruftnnd BraheraHssclimDchuoB Gärtnerei ernst SEEf MED Gründungsjahr 188U XL, Slmmeringer HaaptstraSe Nr. 381 □1. Tor, Zentralfriedhof, Haltestelle der Elektrischen 71 Telephon U 14-2-61 Unter Berufung auf „Die Wahrheit" 10% Rabalt Linie bewege, da sie selbst vor den „äußersten Konsequenzen" zurückschrecken. Die Revisionisten, die in den nächsten Wochen in Wien ihre Parteikonferenz abhalten, wollen wohl die Entschließungen derselben abwarten, bevor sie über ihre Taktik das „letzte Wort" sprechen. Aber wie die Dinge nun einmal liegen, dürften auch auf der Wiener Tagung nur Kompromiß-Entschlüsse gefaßt werden. Man möchte angesichts dter immerhin nicht ungünstigen wirtschaftlichen Lage in Palästina — mag diese, bloß ein Ausfluß der Wirtschaftskrise in anderen Ländern sein — das Verhältnis zur Mandatarmacht nicht verschärfen .... Somit heißt es auf allen Linien: abwarten! Ob und inwiefern die wirtschaftliche Konjunktur anhalten und zu einer dauerndien Erscheinung ausgestaltet werden würde, darüber läßt sich nichts Bestimmtes sagen. Auch die Jahre 1925—26 brachten eine ähnliche aufsteigende Konjunktur, die aber bald abgebrochen wurde. Allerdings sind seither im Lande wesentliche Fortschritte erreicht worden und falls es tatsächlich gelingen sollte, die sogenannte Mittelstandsaktion entsprechend auszubauen, könnten sogar Erfolge von bleibendem Wert erzielt werden. Nur hat man auch bezüglich dieser Aktion allseits ziemlich bittere Klagen gehört und es dürfte noch eine geraume Weile dauern, bevor man die Chancen dieser Aktion mit einiger Bestimmtheit wird beurteilen können. Alles in allem hat der „kleine Kongreß" die von seinen Beratungen erwartete Klärung nicht gebracht und man muß die weitere Entwicklung der Dinge abwarten. Charakteristisch für die Stimmungen im zionistischen Lager ist der Umstand, daß, während die unentwegten Anhänger Dr. Weizmanns offen für die Rückberufung desselben an die Spitze der Leitung eintreten, seine Gegner ebenfalls von der Möglichkeit eines solchen „Staatsstreiches" sprechen, und zwar ebenso empört wie ängstlich. Woraus zu ersehen ist, daß man in beiden Lagern die Zulänglichkeit der gegenwärtigen Leitung, die Fortsetzung des „Systems Weizmann ohne Weizmann", kritisch beurteilt und) als vorübergehendes Stadium betrachtet. S p e c t a t o r. Prof. Dr. Moritz Sobernheim 60 Jahre. Ein Leben, dem Judentum und der Wissenschaft geweiht. Am 13. August vollendete Herr Legationsrat Prot. Dr. Moritz Sobernheim, Berlin, sein 60. Lebensjahr. Damit vollendet sich eine Etappe in einem dem Judentum und der Wissenschaft geweihten Leben. Prot. Dr. Sobernheim, der am 13. August 1872 in Berlin geboren wurde, ist über Deutschland hinaus als Orientalist bekannt. Er ist Schriftführer der Vorderasiatisch-Aegyptischen Gesellschaft. Vor allem wandte er sich der semitischen Epigraphik zu, bereiste u. a. als Mitglied der Baalbek-Expedition der preußischen Regierung und im Auftrage des Institut trancats d'archeologie Orientale mehrfach Syrien und Palästina und veröffentlichte im Anschluß daran seine als grundlegend bekannten Arbeiten über die Tripolitaner, Baalbeker, palmyrcnischen und samaritanischen Inschriften, sowie die Inschriften in Damaskus (Syrien). Außerdem veröffentlichte er die Chronik der „Ibn lyas" in Gemeinschaft mit Prof. Kahle. Seit dem Jahre 1918 wirkt Prot. Sobernheim im Auswärtigen Amt als Legationsrat und Referent für jüdisch-politische Angelegenheiten. Prof. Dr. Moritz Sobernheim ist eine zentrale Persönlichkeit im jüdischen Leben Deutschlands und setzt damit die Tradition seiner Familie iort. Er ist ein Enkel jenes im Berliner Leben bekannten Stadtrates Magnus, der eine lange Reihe von Jahren Vorsteher der jüdischen Gemeinde Berlin war und zu dem Kaiser Friedrich III. die bekannten denkwürdigen Worte der Verdammung des Antisemitismus gesprochen hat. Er ist ein Stiefsohn von Generalkonsul Dr. Eugen Landau, Mitbegründer und langjähriger Vizepräsident des Hilisvereines Deutscher Juden, und ein Bruder des bekannten Großindustriellen Dr. Walter Sobernheim und des bekannten Finanzmannes Dr. Kurt Sobernheim. Prot. Sobernheim ist seit 1924 Präsident des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, der 1872 konstituiert wurde. Die vorangegangenen Präsidenten waren Moritz Kohner, Jacob Nachod. Sa- ■ muel Kristeller, Martin Philippson und Salomon Kalischer. Der DIGB unter Prof. Sobernheims Leitung zeigt sich in erster Reihe bestrebt, den Reichsverband der . deutschen Juden als die Zusammenfassung aller Landesverbände jüdischer Gemeinden Deutschlands zu schatten. Als Präsident der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hat sich Prof. Sobernheim große Verdienste um die Wissenschaft des Judentums und um die jüdisch-wissenschaftliche Publikation erworben. Prof. Sobernheim ist Vorstandsmitglied des Kolonisationsvereins „ESRA" und Präsidiumsmitglied des Deutschen Komitees Pro Palästina. Er ist auch Mitbegründer und Vorsitzender der Religiösen Mittelpartei für Frieden und Freiheit in der Gemeinde, die durch ihre Vertreter in der Berliner jüdischen Gemeinde und in anderen Großgemeinden, sowie im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden einen zwischen den extremen Parteien vermittelnden Standpunkt einnimmt und der unter Führung ihres Präsidenten viel zum Ausgleich der Gegensätze und zur Ermöglichung friedlicher aufbauender Arbeit beigetragen hat. Es gibt fast keine jüdische Partei oder Gruppe in Deutschland, die nicht durch Prof. Sobernheim entscheidend gefördert worden ist. Ueber die Gelehrten-Persönlichkeit Prof. Sobernheims wird uns von fachmännischer Seite geschrieben: Moritz Sobernheim studierte zunächst an der Universität Berlin unter Sachau und Barth orientalische Sprachen unter besonderer Bevorzugung des Arabischen. Er brachte seine Studien an der Universität Bonn zum Abschluß, an der er mit einer Arbeit über die neuarabische Version eines französischen Dramas promovierte. In der Folgezeit wandte er sich vorzugsweise der Epigraphik und der mittelalterlichen Geschichte der islamischen Reiche zu. Zu wiederholten Malen unternahm er Studienreisen nach dem Orient. Eine dieser Reisen, die er gemeinsam mit dem Berliner Orientalisten Eugen Mittwoch ausführte, galt im besonderen der alten Ruinenstadt Palmyra, dem Tadmor der Bibel. Von seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen seien hervorgehoben: „Arabische Inschriften aus Syrien"; „Palmyrenische Inschriften"; „Arabische Geiäßinschritten"; „Die Inschriften der Zitadelle von Da-

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