Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 33 (11.8.1932)
- Date
- 1932-08-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Marienbad im Franzensbad Gold. Schlüssel w Rest. Fürstenhof SIMON RAAB Den wirtschaftlichen Verhällnissen angemessen, bedeutend ermäßigte Preise. dann in Eingaben an Behörden als Belege für eigene Ansichten vorgelegt. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß die sehr geehrte Leitung des Obersteirischen Tierschutzvereines in Leoben nach dieser Aufklärung für eine diesbezügliche Richtigstellung Sorge tragen wird. * Diese Mystifikation aber bietet mir gleichzeitig zwangsläufig die Veranlassung, mich hier mit einer mich selbst betreffenden Angelegenheit zu befassen. Am 16. Dezember 1928 wurde ich aus Anlaß der Festsitzung des dreißigjährigen Bestandes des Grazer Tierschutzvereines, dessen Mitglied ich bin, geladen und habe ich dieser Sitzung auch beigewohnt und bei derselben eine Rede gehalten, die allgemein großen Beifall ausgelöst hat und über welche auch die am 17. Dezember erschienenen hierortigen Blätter berichtet haben. Auch der Tierschutz verein selber hat in einer am 12. März 1929 an mich gerichteten Zuschrift diesem Empfinden Ausdruck gegeben, indem er schreibt: „Gelegentlich der 30-Jahrfeier unseres Vereines waren Herr Professor...... der einzige geistliche Würdenträger aller Konfessionen, der uns die Ehre der persönlichen Anwesenheit schenkte und damit unsere Feier verschönerte. Aber nicht genug damit. Herr Professor fanden dann in einer Rede noch so erhebende Worte für den Tierschutz und für den Verein, daß wir in unseren nächsten „Mitteilungen" dieselben zu immerwährendem Gedenken verlautbaren wollen. In der an uns gerichteten seinerzeitigen diesbezüglichen Zuschrift wird zum Schlüsse betont, daß die Frage des Schächtens aber eigentlich für Herrn Professor nicht existiert, da sie, abgesehen von der religiösen Frage und der jahrtausendealten Ueberlieferung. als die „humanste" Tötungsart angesehen wird. Wir haben auch seinerzeit als wir eine diesbezügliche Korrespondenz mit Herrn Professor zu führen die Ehre hatten, von einer weiteren Verfolgung der Angelegenheit abgesehen, da wir ja die Aeußerung des Universitätsprofessors Dr. Klemensiewicz bezüglich „humanster Tötungsart" nicht entkräften konnten, obwohl Fleischhauer, also Fachmänner, schon damals und auch heute behaupten, das Schächten sei fürchterlich, sei grausam. Solche Aussagen können auch antisemitische Tendenzen haben, die wir nicht billigen können, denn wie schon seinerzeit gesagt, der Verein ist eine Vereinigung von Tierfreunden, die sich zum Schutze der stummen Dulder zusammengetan haben, der also logischerweise und in eigenem Interesse keinen Antisemitismus betreiben kann und darf usw." Nach dieser meiner immer wieder betonten Stellungnahme, die auch aus diesem Schreiben ersichtlich ist war es mir verwunderlich genug, als ich im Jahrgang 2 (der Festschrift) ersehen mußte, daß meine Mitgliedschaft zum Vereine eine dahingehende Deutung erfahren hat als ob ich mit den Tendenzen des Vereines auch in bezug auf das rituelle Schlachten mich identifizieren würde. Ich habe darum sofort nach Erscheinen dieser Nummer am 14. Dezember 1928, unter Zahl 643/1928 an die Schriftleitung des Tierschutzvereines folgende Berichtigung mit der Bitte um Abdruck übermittelt: ..Im Jahrgang 2. Nr. 4, Seite 7, Spalte 1 der Festschrift aus Anlaß der Dreißigjahrfeier des Grazer Tierschutzvereines erwähnen Sie auch meinen Beitritt als Mitglied des Grazer Tierschutzvereines. Um aber Mißverständnissen vorzubeugen, lege ich Wert darauf, zu berichtigen, daß die Beweggründe, die mich zum Eintritte in den Tier- . schutzverein veranlaßt haben, dessen Bestrebungen mir seit meiner Kindheit vertraut sind, weil ich Tierfreundlichkeit schon in meinem guten, tief religiösen Elternhause eingeimpft erhalten und in meinem ganzen Leben auch darnach gehandelt habe, nicht die in den „Mitteilungen" genannten waren, sondern Ihre an mich seinerzeit gerichtete, mich aufrichtig freuende Mitteilung, daß der Grazer Tierschutzverein — im Gegensatz zu vielen anderen Tierschutzvereinen, die, wie ich gehört habe, leider auch dort den Antisemitismus und den Haß hineintragen. — keine antisemitischen Tendenzen verfolgt Dies allein und meine ausgesprochene Tierfreundlichkeit, für . die ich stets und überall eingetreten bin und auch künftighin eintreten werde, sind die Beweggründe für meinen Eintritt in den Grazer Tierschutzverein gewesen. Ganz besonders aber möchte ich betonen, daß ich nach wie vor sowohl aus tiefer Gläubigkeit, als auch aus humanen Gründen unverrückbar auf dem Standpunkte der bei uns Juden üblichen uralten Art der Schiachtung stehe." Auf diese meine Eingabe erhielt ich am 20. Dezember 1928 ein Schreiben, in welchem mir der Abdruck meiner Berichtigung in der nächsten Nummer der „Mitteilungen" in Aussicht gestellt wird, nur wolle ich gestatten, daß von der Verlautbarung des letzten (von mir fettgedruckten) Absatzes Abstand genommen werde, worauf ich aber selbstredend nicht eingehen konnte. Da nun weder mein Vortrag, noch diese meine Berichtigung erschienen ist*.(die Gründe kann ich ja vermuten), ich auch kein1 FrSrind von erzwungenen Presseberichtigungen bin, habe ich diese Angelegenheit hier einmal zur Sprache gebracht, damit nicht ein Uebelwollender, dem die Festnummer in die Hände gerät, daraus Schlüsse ziehe, die nicht - in Uebereinstimmung mit meiner — übrigens wie ich glaube ziemlich weit bekannten Anschauung vom rituellen Schächten steht. Die älteste jüdische Gemeinde auf deutschem Boden. Die kürzlich in einer vorzüglich ausgestalteten Sonderausgabe im Verlag der Paulinus-Druckerei (Trier) erschienene wissenschaftliche Studie des Oberrabbiners in Trier, Dr. Adolf Altmann, über „Das früheste Vorkommen der Juden in Deutschland" (Juden im römischen Trier) *) liefert einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der Juden in Deutschland. Oberrabbiner Dr. Altmann, der sich vor allem durch sein zweibändiges Werk „Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg" und! durch seinen „Gang durch die Geschichte der deutschen Juden" einen Namen als Forscher und Wissenschaftler gemacht hat, trat mit den Ergebnissen seiner neuesten Forschungen über die Juden im römischen Trier zuerst in einem Vortrage hervor, den er am 4. Dezember 1930 in der Gesellschaft für nützliche Forschungen in Trier hielt und im März v. J. in Berlin und Wien wiedierholte. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß die Forschungsergebnisse Dr. Altmanns eine bedeutsame Bereicherung der Geschichte der Juden in Deutschland und vor al'em auch eine höchst wertvolle und erfreuliche Erweiterung der Trierer, bzw. der rheinischen Heimatgeschichte darstellen. Es ist ein besonderes Verdienst des als phiäbsophischen Schriftsteller und Historiker weit über die Grenzen seines Wirkungsbereichs hinaus bekannten Forschers, seine hervorragende historischtheologische und archäologische Sachkenntnis gerade diesem Gebiet zu widmen. In einer Zeit, wo aus politischem Agitationsbedürfnis den deutschen Juden gewissenloser und gehässiger denn je ihr *) Herausgegeben von der Gesellschaft für nützliche Forschung und dem Provinzialmuseum in Trier. Recht an der deutschen Heimat streitig gemacht wird, sind historische Nachweise dieser Art wertvolle Argumente gegen die über jede Wirklichkeit sich hinwegsetzende Demagogie der Gegner. Gegen ihren skrupellosen Angriff auf das Bürgerrecht der deutschen Juden steht die geschichtliche Tatsache: Seit Jahrhunderten, ja mehr als Ws Jahrtausend wohnen Juden auf deutscher Erde. In Köln und1 Trier, in Mainz, Speyer und Worms, in vielen Zentren ältester und bedeutendster deutscher Kultur künden uralte jüdische Kult- und Wohnsrätten, zeugen Dokumente, die bis in die Zeit der römischen Kaiser zurückreichen, von der viele Generationen dauernden Verbindung der Juden mit deutschem Boden und Schicksal. Dr. Altmann belegt in seinem Buche an Hand einer Fülle von Quellennachweisen, dlaß es in Trier schon im 4. Jahrhundert Juden gegeben hat. Der interessanteste und sicherste dokumentarische Beweise hierfür ist der im Jahre 368 in Trier ergangene, auf die Juden bezügliche Erlaß des römischen Kaisers Valenünian I. Er hat folgenden Wortlaut: „Den in eine Synagoge, nach jüdischem Gesetz gleichsam in ein Hospiz Eindringenden sollst du befehlen herauszugehen; denn es ist gestattet, die Häuser der Privatleute zu betreten, nicht aber die Stätten der Religionskulte, mit Recht Wohnungen genannt." Zu den historischen Belegen fügt der Verfasser einen archäologischen Nachweis, den bisher einzigen dieser Art in Deutschland. Es ist dies eine in der Nähe der Judengasse in Trier gefundene römische Tonlampe, die als Ornament den siebenarmigen Leuchter und einen Palmzweig, ausschließlich jüdische Ornamente,-aufweist. (Wenn teilweise auch die Lampen der Römer den siebenarmigen Leuchter als Ornament trugen, so zeigten diese außerdem stets doch auch römische Motive.) Daß es sich bei dieser Lampe unzweifelhaft also um eine jüdische handelt und damit von der Anwesenheit der Juden in Trier schon zur Römerzeit Zeugnis gegeben ist, wird von Dr. Altmann eingehend und lückenlos belegt. Außerordentlich beweiskräftig wirken auch seine weiteren archäologischen und historischen Ausführungen, besonders über die Funde jüdischer Karikaturen, die nicht nur die typischen „Judennasen" erkennen lassen, sondern vor allem ausgesprochen jüdische Kennzeichen aufweisen (die jüdische Zirkumzision). Auch die Zusammenhänge dieser Karikaturen mit Juden im römischen Trier sind nachgewiesen und bieten wertvolle interessante Kulturausschnitte der Zeit. So wird' schlüssig bewiesen, daß die im 4. Jahrhundert in Trier ansässigen Juden schon eine jüdische Gemeinde bildeten und mithin als die älteste jüdische Gemeindie auf deutschem Boden anzusehen sind. Tischa b'ab. Von Anna Mandel-Fried mann. Der Tempel stürzt! — Und d'unkel blickt der Himmel nieder, Das Haupt verhüllt, stöhnt Israel, — singt Klagelieder: „Was taten wir? — 0 Ew'ger hilf uns Armen wieder." — Vom Wind bewegt die Harfe klingt! — Gespenstisch Lallen Tönt schmerzerfüllt durch schweigende Zypressenhallen, Tönt fort durch Jahre, die gebeugt wir weiter wallen. Der Kongreß der International Student Service gegen Numerus clausus und Hochschul-Exzesse. In der Schlußsitzung des XI. Kongresses des Weltstudentenwerkes, der in der Vorwoche in Brünn tagte, wurdie ein Antrag angenommen, demzufolge demnächst eine Sachverständigenkonferenz einberufen werden soll, um die Fragen der Ueberfüllung der Hochschulen zu studieren. Auf Antrag des jüdischen Delegierten Alexander Teich wurde festgestellt, daß für die Behandlung von jüdischen Fragen, die mit dem Ueberfüllungsproblem zusammenhängen, die sich gegen den Numerus clausus aus religiösen, politischen und weltanschaulichen Gründen richtenden Beschlüsse früherer Konferenzen des ISS maßgebend sein sollen. In d!em Bericht über die Schlußsitzung der Konferenz wurde folgende Erklärung über die Regelung der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden an dem Hochschulen aufgenommen: „Die von der XI. Konferenz des International Student Service eingesetzte Kommission für kulturelle Arbeit und internationale Beziehungen betont den Wert der vom Weltstudentenwerk auf dem Gebiet wissenschaftlicher Studien über den Antisemitismus geleisteten Arbeit. Andererseits stellt die Kommission fest, daß trotz den Gewalttätigkeiten in den Beziehungen von Studenten untereinander verurteilenden Beschlüssen von Nyon weiterhin Ausschreitungen gegen jüdische Studenten in verschiedenen Ländern vorkamen. Sie hofft, daß die studentischen Verbände, die diese Beschlüsse angenommen haben, die in ihnen enthaltenen Grundsätze ausnahmslos verwirklichen werden. Angesichts der Dringlichkeit dieses Problems empfiehlt die Kommission dem Weitstudentenwerk, seinen Sekretär in jene Universitätszentren zu entsenden, an denen antisemitische Bewegungen vorkommen. Obwohl die Kommission die Ausschreitungen scharf verurteilt, glaubt sie nicht, daß gegenwärtig Proteste des Weltstudentenwerks zur Lösung der Konflikte beitragen könnten. Solche Proteste würden im Gegenteil die Situation noch erschweren."