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Die Wahrheit · 1932-07-29 · Heft 31 (29.7.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 31 (29.7.1932)
Date
1932-07-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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äejtt 6 ÜiE V*ariRli£ll Unionisten! Rüstet für die Kultuswahlen! Spendet für den Wahlfondt! greß sich nur mit jüdisch-nationalen Angelegenheiten befassen möge, nicht, wie ursprünglich geplant, mit Abwehrfragen, denn die bedeutendsten Abwehrvereinigungen nehmen an dem Kongreß nicht teil. Es erübrigt sich die Feststellung, daß selbstverständlich auch die „Union österreichischer Juden" eine Teilnahme an dieser ganz partei-politisch geworküenen Farce abgelehnt hat Wer jetzt noch von einer jüdischen Weltkonferenz in Zürich spricht, setzt sich in Gegensatz zur Wirklichkeit. Aktion gegen Seelenfängerei in Polen. Im Hinblick auf die verstärkte Tätigkeit christlicher Missionare unter der ärmeren jüdischen Bevölkerung W i 1 n a s hat sich unter dem Vorsitz des berühmten Rabbiners Chajim Oser Qrodzienski ein Komitee gebildet, das dieser missionaren Tätigkeit entgegenwirkt. Ehrung Max Liebermanns. Der Gesamtsenat der Preußischen Akademie derKünstehat Professor Doktor Max Liebermann in Würdigung seiner großen Verdienste um die Akademie während seiner 12 Jahre dauernden Präsidentschaft zum Ehrenpräsidenten gewählt. Diese Wahl ist vom Preußischen Staatsministerium bestätigt worden. Es ist das zweite Mal in der Geschichte der Akademie, daß die Würde eines Ehrenpräsidenten, die der Senat Max Liebermann zu seinem 85. Geburtstage darbrachte, verliehen wird. Das erste Mal wurde 1895 der Historienmaler Karl Becker durch sie ausgezeichnet, nachdem er die Akademie 13 Jahre als Präsident geleitet hatte. Auch ein jüdischer Drückeberger? In der Budapester Gesellschaft spricht man viel von der Auszeichnung, die Reichsverweser Nikolaus v. Horthy dem jüdischen Regimentsarzt aus Kinkunhalas, Dr. Andor Kun, zuteil werden ließ. Dr. Kun hat sich im Kriege durch heldenmütiges Verhalten ausgezeichnet und ist in den Höfer-Berichten wiederholt hervorgehoben worden. Er war überall zu sehen, wo die Gefahr am größten war. Mit seinem ambulanten Verbandsplatz drang er bis in die vorderste Linie vor, leistete, während ihm die feindlichen Kugeln um die Ohren pfiffen, den Schwerverwundeten erste Hilfe und sorgte für ihren! Abtransport an weniger gefährdete Stellen. „Dr. Andor Kun", so heißt es in dem von Honved-Minister Gömb ö s, dem ehemaligen Antisemiten, unterzeichneten Dokument, .,ist der allerhöchsten Auszeichnung würdig". Aus Gömbös Verordung geht hervor, daß Kun schon gegen Ende des Krieges für eine Auszeichnung vorgeschlagen worden war. daß sie ihm aber wegen des Ausbruchs der Oktober-Revolution und dem nachfolgenden antisemitischen Regime nicht verliehen wurde. Auf Grund des Vorschlags von Gömbös hat nun Reiehsverweser Horthy gestattet, daß Dr. Andor Kun das Signum laudis trage. Dr. Kun erhielt schon im Kriege das RitterkreuzdesFranz Joseph-Ordens. Gegenwärtig übt er eine Privatpraxis aus. Wahre Gleichberechtigung. George Landsbury, Führer der englischen Arbeiterpartei, richtete an den Oberrabbiner 4 e s britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, das Ersuchen, gemeinsam mit dem Papst und dem Erzbischof vonCanterbury ein Schiedsrichteramt in dem „sinnlosen Disput zwischen Großbritannien und Irland" anzunehmen. Wie die JTA erfährt, wird Chief Rabbi Hertz Landsburys Einladung nicht annehmen, da er eine politische Vermittlerrolle als außerhalb des Bereiches seiner Wirksamkeit liegend erachtet. Frankfurt a. M. Im Saalbau zu Frankfurt a. M. wurde am 23. Juli im Rahmen des Frankfurter Sängerfestes das mit dem Staatspreis des preußischen Staatsministeriums ausgezeichnete Chor-Werk „Schnitter Tod" des jüdischen Komponisten Dr. Rudolf Ochs vom Nürnberger Lehrergesangverein unter Mitwirkung des Frankfurter Motettenchores zur Uraufführung gebracht. Dr. Rudolf Ochs ist ein Neffe des im Jahre 1928 verstorbenen hervorragenden Dirigenten und Führers gemischter Chöre Professor Siegfried Ochs. Er ist 1887 in Frankreich geboren und hat zunächst Chemie studiert, später aber an der staatlichen Hochschule für Musik in Berlin seine musikalische Ausbildung erhalten, die er am Leipziger Konservatorium als Schüler von Stephan Krehl und Hans Sitt und in Dresden bei Büttner und Mracek vervollkommnete. Derzeit ist Dr. Rudolf Ochs Leiter des Chors „Wach auf" in Dresden und Kapellmeister der deutschen Oper in Brüx (Tschechoslowakei). Berlin. Der bisherige Rektor der Berliner Handelshochschule, Professor Moritz Julius Bonn, wurde für die Amtsperiode vom 15. Oktober 1932 bis zum 14. Oktober 1933 abermals zum Rektor gewählt Professor Bonn, der Jude ist, wurde 1873 in Frankfurt a. M. geboren, erlangte 1910 eine außerordentliche Professur an der Universität München und war 1911 Rektor der Münchener Handelshochschule. Er gilt als einer der bedeutendsten Sachverständigen in Kolonialfragen. Von seinen Schriften über Kolonialpolitik und internationale Wirtschaftsfragen sind hervorzuheben: „Die Organisation des britischen Weltreiches" (1912), „Die Auflösung des modernen Staats" (1921), „Amerika und sein Problem" (1925), „Das Schicksal des deutschen Kapitalismus" (1926). Seit 1926 ist Professor Bonn deutscher Delegierter im Verwaltungsrat der europäischen Zentrale der Carnegie- Stiftung. Turin. Der bisherige Vorsitzende des Appellationsgerichtes in Bari, der hervorragende jüdische Jurist Leopold Muggia, ist zum Vorsitzenden des Appellationsgerichtes in Turin ernannt worden. Der Justizminister Rocco beglückwünschte Muggia zu seiner Ernennung in einem Schreiben, in welchem er ihn „una gloria della magistratura italiana" (Ruhm des italienischen Richtertums) nennt. Zweieinhalb Millionen Juden sprechen englisch, eine Million deutsch. Nach in New York aufgestellten Statistiken ist die englische Sprache nächst der jiddischen die am meisten unter den Juden verbreitete, sie hat der deutschen Sprache, die früher die jüdische Welt beherrscht hat, schon längst den Rang abgelaufen. Von den über 15 Millionen Juden in der Welt haben 8 Millionen jiddisch, 21/- Millionen englisch und 1 Million deutsch zur Muttersprache. Die Zahl der englisch sprechenden Juden hat sich von 100.000 im Jahre 1875 auf 1,100.000 im Jahre 1900 und 2,500.000 im Jahre 1930 erhöht. Zieht man in Betracht, daß in englisch-sprachigen Ländern mehr als 6 Millionen Juden leben, deren Kinder später englisch als ihre Umgangssprache haben werden, so sei anzunehmen, daß das Englische in Zukunft die jüdische Welt beherrschen wird. Der RückwatfsdKs Köniüslichl Seit vielenjahren das£L.erkannt beste ißii vshnatn Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hygfen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt.!! Jüdische Mädchen vor der Berufswahl!! Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscheerzeugung mit öffentlichkeitsrecht Staatsgültige Zeugnisse Einjährige Koch- und Haushaltungsschule mit erweitertem Lehrplan für allgemeine Bildung, streng rituell Dr. Kragerheini, II., nalzgasse 7 Tel. A 48-0-77 Internat. Samstag schulfrei. Berufsberatung täglich von U bis 12 Uhr. gang deadeutschen Sprache unter den Juden sei auf den Verlust Elsaß-Lothringens im Westen und einer Anzahl Provinzen im Osten, sowie auf den Zerfall der österreichischen Monarchie zurückzuführen, durch den die deutschsprechende Judenschaft der Tschechoslowakei, der Bukowina und anderer Länder, durch die Verhältnisse gezv/ungen. allmählich die deutsche Sprache als Umgangssprache aufgebe. Gegen eine weitere amerikanische Einwanderungseinschränkung. Die Wanderer-Hilfs- und Schutzgesellschaft Hias of America hat in ihrer kürzlich stattgehabten Jahrestagung einstimmig eine Resolution angenommen, in der die Bestrebungen der Regierung, die Einwanderung nach Amerika weiter einzuschränken und die jetzt geltenden Quoten um 90 Prozent zu verkleinern, außerordentlich scharf kritisiert werden. 500.000 Drachmen für die Salonikier Pogromopfer. Das griechische Parlament stimmte jüngst einem Antrage zu, daß den jüdischen Familien des im Juni 1931 durch Antisemiten niedergebrannten Campbeil-Viertels in Saloniki ein Schadenersatz von 500.000 Drachmen gewährt wird. Jüdischen Familien, deren Häuser nicht niedergebrannt sind, die aber sonst durch den Pogrom Schaden erlitten haben, wurden 50.000 Drachmen als Schadenersatz bewilligt. (Falästinensisdie Jtadfavidktevi. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat die bisher bestandenen Einschränkungen der Einreise für Rabbiner gewisser Altersstufen aufgehoben, so daß von jetzt ab Rabbiner aller Altersstufen aus allen Ländern nach Palästina kommen können. Voraussetzung ist, daß das Jerusalemer Oberrabbinat die Garantie übernimmt, daß die Einreisenden der O'effentlichkeit nicht zur Last fallen werden. Auf Grund der Aufhebung der erwähnten Beschränkung erhielten 37 Rabbiner;, denen früher die Einreise nicht gestattet war, nunr mehr Einreise-Visa. Wie die JTA erfährt, bereitet der High Commissioner ein Gesetz vor, welches die Heirat von Jugendlichen unter KüJahren verbietet. Der High Commissioner hat sich bereits in dieser Angelegenheit mit den religiösen Gemeinschaften in Palästina in Verbindung gesetzt. * Der Gemeinderat von Tel Aviv hat in seiner letzten Sitzung den einstimmigen Beschluß gefaßt, eine Straße nach dem Oberrabbiner Zwi PerezChajes zu benennen. * Der Araber Mukbal Abu Kaleb wurde unter der Beschuldigung verhaftet, vor einigen Monaten inBalfouria den jüdischen Kolonisten Burstein ermordet zu haben. 3£afcenfcweuz am Werft Holland und Bulgarien tun nicht mit. Jan Baars, der 29jährige Führer der Nationalsozialistischen Partei Hollands, der sich in Mailand, auf der Reise zu dem von ihm verehrten Mussolini, befindet, teilte Vertretern der faschistischen Presse das Programm seiner Partei mit. Der dritte Punkt dieses Programms lautet: Strikte Abkehr vom Antisemitismus. Es gibt in Holland eine zu kleine Anzahl nicht assimilierter Juden, als daß eine gegen sie gerichtete Politik überhaupt einen Sinn hätte. Die Bewegung lehnt es ausdrücklich

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