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Die Wahrheit · 1932-07-29 · Heft 31 (29.7.1932) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 31 (29.7.1932)
Date
1932-07-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT D«lt« 3 Isddas, Rheuma, Gicht Mtägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensäureböder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8-6 Uhr HeHonstfaU ..Ttaermia" L, Franz Joseiskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer erscheinende Zeitung ..Krasni Krim" fordert die Parteiorganisation und den Staatsanwalt auf, eine strenge Untersuchung des Falles durchzuführen und auch die Milizsoldaten wegen ihres unerhörten Verhaltens zu bestrafen. Im Eisenbahndepot der Station „Mineralogie" in Kaukasien wurde ein jüdischer Arbeiter von seinen Arbeitskollegen schwer mißhandelt. Die zwei 16jährigen Schülerinnen der Eisenbahnschule in Nielidowo. Epstein und Soposchnikowe, wurden von den Arbeitskollegen gezwungen, schwerste und schmutzigste Arbeit zu tun, Balken. Schienen und Steine zu tragen, die Magazine und Werkstätten zu reinigen, alles Arbeiten, die Schülerinnen nicht tun sollten. Als sie unter der schweren Arbeit zusammenbrachen, wurden sie verhöhnt. Im Konsumladen der Station weigerte man sich, ihnen etwas zu verkaufen. Führer der Hetze gegen die jüdischen Mädchen war der Werkmeister Alexejew. ein Kommunist. Die jungen Mädchen führten vergebens Klag© bei der lokalen Gewerkschaft und Parteiorganisation. Erst als sie sich an das Rayonsparteikomitee wandten, wurde gegen die Quäler der jungen Mädchen eingeschritten. Alexejew wurde aus der Partei ausgeschlossen und von seiner Arbeitsstelle entfernt. Das Organ der Eisenbahnarbeiter „Oudok" fordert, daß man Alexejew und alle, die an der Verfolgung der beiden Jüdinnen teilgenommen haben, vor ein öffentliches Gericht stellt. Die Zeitungen „Leninski Put" und „Komsomolskaja Prawda" klagen darüber, daß das antisemitische Gift auch Kinder infiziert, und berichten über das Martyrium des dreijährigen jüdischen Jungen Felix Belenki. den seine nichtjüdischen Spielkameraden immer „Zsidjonok" (J üdche n) nannten, mißhandelten und peinigten und immer zwangen, sich durch Geschenke wie Zuckerwaren und Backwerk „loszukaufen". Unter der Wirkung dieser Mißhandlung begann das Kind zu kränkeln. Als am 26. Juli die Kinder den kleinen Felix so schwer mißhandelten, daß sein ganzer Körper mit blauen Flecken bedeckt war, wollte dessen Mutter die Täter feststellen, wurde aber dabei von den Müttern der Täter beschimpft und mißhandelt. Das Ehepaar Belenki reichte Klage ein. Der Ortsrichter Borschz nahm aber die Klage nicht einmal zur Kenntnis. „Komsomolskaja Prawda" verlangt, daß man diesen Richter zur Verantwortung zieht. Die Zeitungen berichten auch über antisemitische Vorfälle in der Roten Armee. Der Soldat Sergejew wurde wegen antisemitischer Propaganda und Verfolgung des jüdischen Soldaten Rotmower vor ein Militärgericht gestellt und schwer bestraft. Eine öffentliche Versammlung des Regiments faßte den folgenden Beschluß: Wir von der Roten Armee erklären, daß Sergejews antisemitische Handlungen eines Kämpfers der Roten Armee unwürdig und kontenrevolutionär sind. Zur Frage der jüdischen Geisteskranken. Man schreibt uns ans Jerusalem: Psychoanalytische Forscher verschiedener Zeiten haben die Störungen des menschlichen Gehirnes erkannt, ihre Erscheinungen und Phasen zu beurteilen verstanden, und praktische Neurologen haben auf Grund angewandter Theorien und eigener Erfahrungen die Zustände geisteskranker Individuen durch angepaßte Behandlungsmethoden zu bessern oder mindestens zu mildern vermocht Die allgemeine Lage der Irrsinnigen wurde schon dadurch verbessert, daß man sie von den Kerkern, in denen sie dahinschmachteten, befreite und sie nicht mehr als Verbrecher oder Besessene, sondern als Kranke betrachtete und in entsprechende Heilanstalten mit humaner ärztlicher Behandlung überführte. Allein im Laufe der Zeiten, da man auf das Wesen der Nervenleidenden immer mehr einging, stellte es sich heraus, daß der Geisteskranke — wenn noch nicht vollständig in Idiotie verfallen — auf seine Umgebung mit einer ziemlich starken Empfindung reagiert Er fühlt sich unglücklich, bedroht verfolgt oder beeinträchtigt wenn ihm seine Leidensgenossen oder das Pflegepersonal nicht entsprechen. er kann sich aber ganz wohl fühlen, wenn ihm der Charakter seiner Umgebung paßt und die Pfleger für die Eigenart des Kranken Verständnis haben. Diese Umstände treten besonders deutlich zutage da, wo es sich um ein Konglomerat von Kranken handelt, die aus verschiedenen sozialen Sphären, Nationalitäten oder Religionsgemeinschaften herrühren, wie man solche in europäischen, zumeist staatlichen, Irrenanstalten antrifft Nun ist es aber klar, daß die Psyche eines jüdischen Geisteskranken eine ganz besondere Berücksichtigung seiner Individualität verlangt da der Unterschied zwischen der Eigenartigkeit eines Juden und der eines Nichtjuden markanter ist als zwischen anderen Nationalitäten. Ein jüdischer philanthropischer Frauenverein mit Namen „Esrath Naschim" — von der Erkenntnis der früher erwähnten Bedingungen getragen — hat sich der jüdischen Geisteskranken angenommen, indem er vor etwa 35 Jahren ein „Heim für Geisteskranke und Unheilbare" in Jerusalem begründete, welches im Laufe der Jahre nach und nach zu einer normalen modernen Irrenanstalt ausgestaltet wurde. Diese Anstalt ist auch heute noch das einzige psychiatrische Unternehmen (auf philanthropischer Basis) Palästinas sowie des nahen Ostens, vielleicht auch des übrigen Auslandes, worin ausschließlich jüdische Geisteskranke beherbergt und von verständnisvollem jüdischem Personal bedient werden. Die medizinische Leitung von Esrath Naschim (Doktor Heinz Herrmann aus Königsberg) will die bei ihr internierten 80 Kranken nur mit Güte behandelt wissen und ihr Pflegepersonal kommt diesem Verlangen mit beispielloser Geduld und Opferwilligkeit nach. Kein Wunder also, daß dieses Hospital immerfort von Petenten wegen Aufnahme neuer jüdischer Kranker überlaufen wird, die man nur in äußerster Not der in Bethlehem vorhandenen Irrenanstalt der Regierung überantworten mag. Leider sind die räumlichen und finanziellen Verhältnisse der Anstalt — wie sich der Schreiber dieser Zeilen persönlich überzeugen konnte — auch schon für die vorerwähnte Krankenzahl höchst ungenügend und die administrative Leitung (Frau David V e 11 i n hat nicht selten bedeutende Schwierigkeiten zu überwinden, wenn die benutzten Warenkredite oder die Gehälter der Angestellten zu begleichen sind. Wenn man die vielen im Lande umherirrenden, unversorgten Kranken, deren Zahl von Tag zu Tag steigt berücksichtigen wollte, so wäre in Esrath Naschim Raum für ungefähr 200 Betten zu schaffen und die Anstalt mit einer entsprechenden Baupauschale sowie mit einer ausreichenden Jahressubvention zu dotieren. Denn da die Kranken zumeist aus armen oder schwachbemittelten Familien herrühren, die gar keine oder nur minimale Beiträge zu deren Erhaltung abgeben können, von anderer Seite aber keine regulären Einkünfte vorhanden sind, so kann die Anstalt niemals auf autarkischem Wege für ihre eigenen Bedürfnisse auikommen. Ein Wiener Tourist der sich für die Geisteskranken der gesamten jüdischen Welt und insbesondere für die des Heiligen Landes wärmstens zu interessieren scheint, veröffentlichte vor längerer Zeit seine Eindrücke und Ansichten in diesem Blatte, wo er in knappester Kürze, doch sehr treffend die Tätigkeit der gedachten Irrenanstalt skizzierte. Er drückte sein Bedauern aus, „daß das Volk des Geistes, wie man das jüdische Volk zu nennen beliebt auf die Krankheiten des Geistes so wenig Rücksicht nimmt wo mit verhältnismäßig geringen Aufwendungen noch recht viel Nutzen gestiftet werden könnte", und appellierte an die jüdische Oeffentlichkeit sich mit der Frage der jüdischen Geisteskranken zu befassen und die bewährte Anstalt „Esrath Naschim" sukzessive zu erweitern und „zu einer zentralen Heilstätte für die Geisteskranken des gesamten jüdischen Volkes" auszubilden. Dieser Appell, den der Schreiber dieses herzensgerne unterschreiben möchte, wurde bedauerlicherweise bisher nicht berücksichtigt Hoffen wir, daß mit dem Eintritt normaler Verhältnisse in Palästina auch diese für das Judentum hochbedeutende Frage in Zukunft ihre Freunde und Verfechter finden und zu einer günstigen Lösung gelangen wird. Jeder Xeser Hat dasWottl Xusifntifien aus dem 9uftfifnim Mehr Wurde! Von Alfred May. Diese Worte muß ich leider meinen Stammes¬ und Glaubensbrüdern zurufen, zumal einige Erlebnisse in letzter Zeit mich dazu nicht nur berechtigen, sondern geradezu verpflichten. Es ist zur Genüge bekannt, daß die Mitwelt stets die Fehler des einzelnen Juden seiner ganzen Gemeinschaft ankreidet; deshalb ist es eines jeden Juden erhöhte Pflicht, sich diese Tatsache in seinem Tun und Lassen vor Augen zu halten. Nur wer Selbstachtung wahrt, darf seiner Mitmenschen Achtung heischen. Die folgenden Vorkommnisse sprechen aber diesem Grundsatze Hohn. Bpbhmn 5pitepais8claBEwiMB eariacrei ERNST SCCtKIC» « Gründaugsjahr 1880 XL, Simmeringer HauptstraBe Nr. 381 III. Tor, Zentralfriedhof, Haltestelle der Elektrischen 71 Tetephon U 14-2-61 Unter Berufung auf .Die Wahrheit" 10% Rabatt Mitglieder und Freunde der „Union" „Jugend-Union« -—--' treffen sich wahrend der Sommermonate jeden Dienstag, ab 7:8 Uhr abends, im reservierten Teil des Cafe-Restaurant „Zum braunen Hirschen", II., Prater Hauptallee. Gehe ich da am Samstag, den 11. Juni (am 2. Tage unseres schönen Wochenfestes), nach dem Maskirgebete aus dem Seitenstettentempel und muß Zeuge folgender Szene werden. Einige Herren, mit einem Fuße noch im Tempeltore stehend, zünden sich nonchalant ihre Zigaretten an. Ueber diese grenzenlose — sehr, sehr gelinde gesagt — Taktlosigkeit war ich furchtbar empört. Man kann auf religiös noch so freiem Standpunkte stehen und muß dennoch eine solche Handlungsweise aufs schärfste verurteilen. Was soll der Andersgläubige sich denken, wenn er ein derartig frivoles Negieren jeglichen Anstandes und religiösen Gefühles beobachtet? Eugenie delle Grazie, die feingeistige Wiener Schriftstellerin, erzählte einmal von dem feinen Takte des großen Freidenkers Ernst Haeckel anläßlich einer Würdigung des führenden Ministers folgende Begebenheit. Sie saß mit ihm in einer Salzburger Gartenwirtschaft, in welcher sich auch mehrere katholische Priester befanden. Da es gerade an einem Tage war, an dem den Katholiken der Fleischgenuß verboten ist, ließ sich Haeckel keine Fleischspeise geben, um nicht Anstoß zu erregen. So handelte der weltberühmte Naturforscher Haeckel! Und Juden, die noch zu Maskir gehen, verletzen in schamloser Weise am Samstag vor dem Tempel die Religion ihrer Ahnen, deren sie soeben im Gebete pietätvoll gedachten. Hoffentlich wirkt dieser Appell! Auch das Vorfahren im Auto am Samstagen und Feiertagen fällt in diese Kategorie. Als zweites noch folgender Zwischenfall. Anläßlich der Einweihung des jüngsten Wiener Tempels — im XX. Bezirk — wird der Obmann in seiner Begrüßungsansprache durch laute Zurufe unterbrochen, weil er, obwohl er sich im vorhinein entschuldigt, wenn er etwaige Personen und Vereine zu begrüßen vergessen hätte, die Namen eines oder zweier Vereinchen zu nennen unterlassen hat. Als ob ein Tempel ohne die Nennung der Namen dieser Vereine seiner hehren Bestimmung nicht übergeben werden könnte. Wie muß ein solches Handeln auf die christlichen Festgäste gewirkt haben? Alle diese Vorkommnisse berechtigen mich zur Genüge, wie ich glaube, zu meinem Appell „Mehr Würde!" Aus affer Weit Die Jüdische Weltkonferenz, die am 14. August in Z ü r i c h (nicht in Genf) stattfindet, wird immer mehr zu dem, was ihre Initiatoren, die amerikanischen Zionisten und ihre gleichgesinnten Vertrauensmänner in Europa, wahrscheinlich schaffen wollten: ein kleines jüdisch-nationales Parlament Denn von allen bedeutenden nichtnationälen Vereinigungen der ganzen Welt haben, wie wir in unserer letzten Nummer an leitender Stelle ausführten, die Einberufer kategorische Absagen erhalten. Zu der stattlichen Reihe diesr hervorragenden Vereinigungen gesellten sich neuerdings auch die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbänkle Deutschlands, wie auch die einzelnen Landesverbände jüdischer Gemeinden, an die separat Einladungen ergangen waren, sowie der Deutsch-Israelitische Gemeindebund. Es verbleiben also als Teilnehmer nur ausgesprochen jüdisch-nationale Parteien, bzw. in jenen Läridtern und Gemeinden, wo die Jüdischnationalen die Herrschaft inne haben, Vertreter von Gemeindebünden, Einzelgemeinden und Logen. Herr Stricker kann also mit Freude die Forderung, die er letzthin bezüglich des Kongresses aufgestellt hat, daß nämlich die Basis für diesen Kongreß nur eine jüdischnationalie sein könne, andernfalls wäre ein solcher Kongreß zwecklos und arbeitsunfähig, vollkommenverwirklich t sehen. Man darf aber dann auch die Forderung erheben, daß dieser jüdisch-nationale Kon-

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