Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 31 (29.7.1932)
- Date
- 1932-07-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Marienbad Hü Franzensbad Gold. Schlüssel w Rest. Fürstenliof SIMON RAAB Den wirtschaftlichen Verhältnissen angemessen, bedeutend ermäßigte Preise. YORNEIME der ländlichen Kultusgemeinden sich noch viel trister gestaltet haben als in Mähren. Daß überhaupt die kleinen Gemeinden in Mahren nicht in noch größerer Anzahl zusammengebrochen sind, muß als Verdienst des Landesverbandes der Mährischen Kultusgemeinden gebucht werden, der unter Leitung seines langjährigen Obmannes Dr. Alois Hilf, Kultusvorsteher in Mährich-Ostrau, bemüht ist, überall einzugreifen, wo dies auf kulturellem Gebiete not tut, und der auch die erforderlichen Maßnahmen in die Wege leitet um durch Errichtung von gemeinsamen Rabbinaten die Vornahme kultureller Funktionen in den absterbenden Gemeinden wenigstens an einigen Tagen des Jahres, insbesondere an den hohen Feiertagen, zu ermöglichen. Aus den alljährlich anläßlich der Generalversammlung des Landesverbandes herausgegebenen Tätigkeitsberichten des Landesverbandes sind auch für das abgelaufene Jahr diesbezügliche interessante Daten zu verzeichnen. So wird gemeldet, daß die Aktivierung von Rabbinatszusammenschlüssen im vergangenen Jahre einen weiteren Erfolg aufweist, indem sich die Kultusgemeinde Pohrlitz an das Rabbinat in Nikolsburg angeschlossen hat Weiters wurde über neuerliches Ansuchen der Anschluß der Kultusgemeined Loschitz an die Kultusgemeinde Gewitsch bis auf weiteres bewilligt Durch das Ableben des Rabbiners von Ung.-Hradisch wurde diese Gemeinde samt den ihr angeschlossenen Kultusgemeinden Holleschau und Gaya rabbinerlos und wurde seitens der Leitung des Landesverbandes dahin getrachtet, daß diese Gemeinden Anschluß an die Kultusgenieinde Göding finden. Ferner hat der Rabbiner in Lundenburg einein Rufe nach Böhmen Folge geleistet, so daß diese Gemeinde nebst den ihr angeschlossenen Gemeinden Kostel und Damboritz vorläufig an das Rabbinat Nikolsburg angeschlossen wurde. Durch die Pensionierung des Rabbiners von Neu-Rausnitz samt den angeschlossenen Gemeinden Austerlitz und Bucowitz sind auch diese Gemeinden ohne Rabbiner und sind derzeit Verhandlungen im Zuge, um diese Gemeinden einem Rabbinat anzuschließen. Ueberhaupt besitzt von den 50 mährischen Kultusgemeinden kaum ein Drittel einen Rabbiner und wurden mehrere kleine Gemeinden bereits wiederholt aufgefordert, sich an eine Rabbinatsgemeinde anzuschließen, um auf diese Weise den gesetzlichen Bestimmungen zu entsprechen und nicht Gefahr zu laufen, daß sie aufgelöst werden und ihr Gebiet einer Nachbargemeinde zugewiesen wird. Der Landesverband hat sich auch bemüht, ebenso wie in dtn vorhergegangenen Jahren, die Pensionszuschüsse an Rabbinerwitwen zur Auszahlung bringen zu lassen. Seine diesbezüglichen Bestrebungen haben jedoch insoferne eine unliebsame Verzögerung erfahren, da eine Entscheidung des Schulministeriums herablangte, daß sämtliche Daten, welche für den Bestand und die Höhe der Ansprüche entscheidend sind, nochmals genau belegt und nachgewiesen werden müssen. Bekanntlich wurde anläßlich des 80. Geburtstages des Präsidenten der Republik vor zwei Jahren ein jüdisches Handelslehrlingsheim in Prag errichtet, für dessen Zwecke seitens des Landesverbandes ein Betrag von Kc 20.000.— ins Budget eingestellt wurde. Damals wurden sämtliche Kultusgemeinden Mährens aufgefordert, irgend welche Zöglinge aus ihrem Gebiete namhaft zu machen, die auf eine Aufnahme in dieses Heim reflektieren. Mit Ende des Jahres 1931 befanden sich in diesem Lehrlingsheim insgesamt 45 Zöglinge, darunter eine größere Anzahl aus der Slowakei und Karpathenrußland. Denjenigen Kultusgemeindefunktionären. die in ihren Gemeinden auch den Religionsunterricht versehen, wurde eine entsprechende Remuneration zugewiesen und die Verteilung unter Zuziehung eines Vertreters des Verbandes der Kultusgemeinde-Angestellten in entsprechender Weise vorgenommen. Ebenso erfolgte die Verteilung der Dotation an die Rabbiner der einzelnen Gemeinden auch im verflossenen Jahre nach den von der Verbandsversammlung beschlossenen Bestimmungen. Bezüglich der bereits seit längerer Zeit angestrebten Errichtung einer Anstalt zur Heranbildung von Gemeindefunktionären wurde seitens des Obersten Rates der Beschluß gefaßt, solche Kurse dem Munkaöover hebräischen Gymnasium probeweise auf ein halbes Jahr anzugliedern. Laut dem vorliegenden Inspektionsbericht des Präsidenten des Obersten Rates zeitigte dieser Kurs sehr günstige Resultate. Anschließend an die Generalversammlung des Landesverbandes der mährischen Kultusgemeinden fand auch heuer die Generalversammlung des Mährischjüdischen Landesmassafonds statt Es kann hierbei als erfreuliches Resultat festgestellt werden, daß dieser Fonds, der seinerzeit zufolge übermäßiger Zeichnung von Kriegsanleihe notleidend geworden war, sich so weit erholen konnte, daß er nicht nur an notleidende Kultusgemeinden, sondern auch an verschiedene Unterrichts-, Bildungs- und Humanitätsanstalten größere Subventionen zu erteilen in der Lage war. Aus dem vorstehenden Berichte, der allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, ist zu ersehen, daß trotz der ziffermäßigen Abnahme der jüdischen Bevölkerung der Bestand der jüdischen Gemeinden und sonstigen Institutionen im Lande sichergestellt ist und daß auch für die Erhaltung derselben in Hinkunft alle möglichen Vorkehrungen getroffen werden, damit auf diese Weise das uns von unseren Vorfahren übergebene geistige Erbe weiter gepflegt und gesichert werden kann. Kaltuswahlen 1932. In unserer Nummer vom 15. d. haben wir die Gründe dargelegt, aus denen die unionistischen Kultusvorsteher für eine zeitlich begrenzte Verschiebung der Vornahme der Kultuswahlen eingetreten sind. Unser [diesbezüglicher Artikel war vollkommen sachlich gehalten und beschränkte sich — ohne irgendwie politisch zu werden — auch in der Kritik der Einstellung der übrigen Parteien auf die rein objektive Darlegung der von der Gegenseite vorgebrachten Argumente. Wir beabsichtigten durchaus nicht eine überflüssige Reizung üler Gegenparteien. Als Kenner der im naitionaljüdischen Lager üblichen Strategie sind wir allerdings nicht überrascht, daß das Organ des Zionistischen Landesverbandes, „Die Stimme", einen geharnischten Gegenartikel veröffentlichte, offenbair in der alten Erwägung, daß Üler Angriff die beste Parade darstelle. Es wird da Hang und breit zu beweisen versucht, daß die Abhaltung der Kultuswahlen im gegenwärtigen Zeitpunkt weder eine finanzielle Belastung für die Gemeinde noch eine politische Gefahr für das Wiener Judentum darstellt. Mit keinem Worte wird auf unsere Behauptung eingegangen, daß führende Männer des zionistischen Klubs noch vor kurzem seübst der Ansicht waren, daß solche Gefahrenmomenfe bestehen, und daß sie dieser Ansicht in sehr eindeutigen Worten Aus- /türuck verliehen. Mit keinem Worte wird unsere Behauptung widerlegt, daß das Abgehen von dieser ursprünglich so felsenfest dastehenden Ansicht auf die Drohungen der radikalen Gesinnungsgenossen zurückzuführen ist. Ein wie schlechtes"Gewissen die Herrschaften haben, beweist jene Stelle des Artikels, in Idler sie mit der Affäne Popper die „Union" belasten möchten. „Die Stimme" leistet sich in diesem Zusammenhange folgende Infamie: „Die zionistischen Kultusvorsteher, die zu jederzeit ihre Pflicht erfüllt haben, haben die Erörterung des Falles Popper vor der Oeffentlichkeit nicht zu scheuen. Anders scheinen Idlie Dinge bei der „Union" zu liegen. Denn sonst wäre ihre Aufregung kaum verständlich." Wir haben in unserem Artikel über die bevorstehenden Kultuswahlen ausdrücklich gesagt, daß keine Partei des Vorstandes ein Verschulden an der leidigen Angelegenheit Popper trifft. Wir haben ferner zu beweisen versucht, wie wenig Idlerartige Vorwürfe z. B. den Zonistten zustehen. Aus diesen rein theoretischen Erwägungen entstand für die wehleidige „Stimme" schon ein Grund zur Hefausforderung der „Union" und ihrer i Lebensversicherungs - Gesellschaft I PHÖNIX" Gegründet 1882 Gegründet 1882 Versicherungsbestand per Ende 1931 .... 2800 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahme im Jahre 1930 150 Millionen Schilling Garantiemittel per Ende 1930 .... 378 Millionen Schilling Auszahlung an die Versicherten im Jahre 1930 . . . 35H Millionen Schilling Filialen in allen Bezirken Wiens sowie in den Landeshauptstädten und allen größeren Städten Oesterreichs. Tätigkeitsgebret außerhalb Oesterreichs: Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien. Italien, Ungarn. Polen. Jugoslawien, Bulgarien. Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien. Türkei, Aegypten.;fifci^§ slffPBfflj ^■-zsimmmm FAMILIEN - PENSION iBBStaopatian.HüffBBbaos täglich 5-ühr-Tee SEMMERIN6 j TELEPHON 11 Hochstraße 43 _ neben Hotel Panhans B Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.—aufwärts _ H Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser m m in jedem Zimmer. =§ [1 Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer g Iii!» Herren im Kultusvorstand. Das ist so blau-weiße Kampfmethode. Ob die Wählerschaft eine solche böswillige Art des Kampfes gutheißen wird, ist eine andere — oder vielmehr keine Frage. „Undeutsch und ruchlos". Das Schwurgericht in Schneidemühl verurteilte am 18. Juli den Händler Karl Schmidt aus Stegers, Kreis Schlochau, wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu drei Jahren Gefängnis.Der Angeklagte, der vor Gericht im braunen Hemd und hakenkreuzgeschmückt erschienen war, hat im Dezember vorigen Jahres in Stegers den jüdischen Händler Hopp derart körperlich mißhandelt, daß er an den Folgen der Tat in Berlin verstarb. Der Angeklagte kümmerte sich als eifriger Nationalsozialist mehr um seine Partei als um seine eigenen Angelegenheiten. Sein Geschäft ging deshalb zurück, und sein jüdischer Konkurrent, dem von allen Seiten das beste Zeugnis ausgestellt wird, überflügelte ihn. Von da an verfolgte Schmidt den jüdischen Händler Hopp mit Denunziationen, üblen Nachreden und hämischen Bemerkungen. Als er ihn eines Tages auf der dunklen Dorfstraße alleJni traf, stellte er ihn heimtückisch unter vier Augen in einem Hausflur. Mit den Worten: „Habe ich dich, verfluchter Jude", versetzte er ihm einen Schlag, der Hopp bewußtlos niederstreckte. Der Staatsanwalt bezeichnete die Tat als „undeutsch und ruchlos". Das Gericht versagte Schmidt milderne Umstände und kennzeichnete in der Urteilsbegründung die Verwerflichkeit der Tat. Ueber die symptomatische Bedeutung des Prozesses schreibt die „C. V.-Zeitung": „Dieser Prozeß hat wieder einmal grell die Zustände in den Dörfern und kleinen Städten beleuchtet, in denen die Nationalsozialisten unumschränkte Herren sind. Gerade in dieser Umgebung steht oft die Beliebtheit des einzelnen Juden seiner allgemeinen Verfemtheit entgegen. Aber selbst Wohlgesinnte werden dann immmer durch Terror gezwungen, mitzumachen, oder zum mindesten gehindert, für den Juden einzutreten. Und merkwürdig: auch in diesem Prozeß wurde die Ausrede gebraucht, man meine nicht den einzelnen Juden, sondern nur die Allgemeinheit. Und der Angeklagte behauptete steif und fest, trotzdem er Nationalsozialist sei, sei er kein Antisemit (!'), und er würde es lieber sehen, wenn der tote Jude noch am Leben wäre. Diese merkwürdige Judenfreundschaft konnte ihm natürlich keiner glauben." Der Antisemitismus in „Sowjet-Judäa". Nachdem man eine Zeitlang nichts mehr von antisemitischen Vorfällen in Rußland gehört hat, weiß in der letzten Zeit die Moskauer und Provinzpresse wiederum über eine Reihe von Ueberfällen antisemitischer Huligans auf Juden in verschiedenen Teilen der Sowjetunion zu berichten. In dem Kurort Mis'chör. Krim, drangen zwei antisemitische Huligans in den Laden des jüdischen Photographen Bendizki ein. demolierten die Einrichtung, vernichteten die Photos und mißhandelten Bendizki und sein© Frau so schwer, daß sie beide in das Hospital überführt werden mußten. Vorbeigehende Kurgäste, die dem angegriffenen Ehepaar zu Hilfe kommen wollten, wurden von den Huligans. die riefen: „Wir schlagen bloß einen jüdischen Unternehmer!" vertrieben, zum Teil mißhandelt. Die Ortsmiliz erschien ersif drei Stunden nach dem Ueberfall am Tatoirt. aber statt die Huligans zu verhaften, suchte sie den im Hospital liegenden Bendizki, um ihn zu verhaften. Die in Simferopol