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Die Wahrheit · 1932-07-22 · Heft 30 (22.7.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 30 (22.7.1932)
Date
1932-07-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Satte 6 Dg WAHRHEIT ■rmn Unionisten! Rüstet für die Kultuswahlen! Spendet für den Wahlfonds! Jeder JCese v not das Wort F SZuMsetuwiften aus dem (Fubfikum Nazi-Kunstmethoden in Graz. Sehr geehrte Schrifdeitung! Ich bitte Sie um Aufnahme folgender Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte: In der vorletzten Nummer Ihres werten Organs erschien ein ausgezeichneter Bericht aus Graz über den Abgang, bzw. die verdienstvolle zweijährige Direktion des Intendanten Felix Knüpf er, der als künstlerischer Darsteller in seinem Fache wie als genialer Leiter der Grazer städtischen Bühnen nur sehr schwer zu ersetzen sein wird. Sogar die national eingestellte „Grazer Mcmtagszeitung", ein Filialblatt der bekannten „Grazer Tagespost", konnte lücht umhin, die ausgezeichnete Leitung Felix Knüpfers gebührend zu würdigen. Was sich aber das seit zirka einem Jahr hier erscheinende nationalsozialistische Blättchen „Der Kampf in den letzten Berichten über den Abgang des Intendanten Knüpfer leistet, das spottet wirklich jeder Beschreibung. Wir hatten das Glück, in der verflossenen Spielzeit hervorragende Künstler in der Oper wie im Schauspiel zu unseren Glaubensgenossen! zählen zu dürfen, so, um einige hervorzuheben, den ausgezeichneten Bassisten Wilhelm Tisch, der jeder Staatsbühne zur Zierde gereichen könnte, weiters Walter Bach, den sich Knüpfer nach Brünn mitnahm, sowie die glänzende Schauspielerin Hildegard Bertram, die im „Kampf" als „rothaarige Jüdin" apostrophiert wurde, u. a. m. K n ü p f e r selbst war für das Blättchen immer nur „der Jude"; „wir gönnen ihn", schrieb es, „gern der Stadt Brünn, samt seinem Anhang Bach (Baruch), Bertram usw." „Der Kampf" hat es sich nun zur Aufgabe gedacht und wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch durchsetzen, daß künftighin unter der neuen Theaterleitung (Heinrich Haas, ein aus Ideinsten Anfängen im Kriege emporgekommener Finanzmann, und Hellmuth Ebbs, bisher Theatedeiter in dem streng national gesinnten Gera) an den Grazer städtischen Bühnen nur „rein arische" Sänger und Schauspieler beschäftigt werden; also: „Juden hinaus!" Als aufrechter Jude rächte ich nun an, die Grazer jüdische Bevölkerung die Frage, wie sie sich dazu verhalten wird, daß das Grazer Theater, diese alte Kulturstätte, an der, wie geschichtlich nachgewiesen, viele hunderte hervorragende jüdische Sänger und Schauspieler über ein Jahrhundert gewirkt haben, der Gefahr nationalsozialistischer Kunstmethoden ausgesetzt wird. Mit vorzüglicher Hochachtung S. S t e r n, Graz. Berichtigung. In der letzten Nummer unseres Blattes ist auf Grund einer Meldung der Jüdischen Telegraphen-Agentur (J. T. A.) <:ine Notiz über die Ernennung von fünf Wiener Medizinforschern zu Professoren erschienen. Die betreffenden Herren wurden in: dieser Meldung als Juden bezeichnet Wie wir nun von verschiedenen medizinischen Seiten aufmerksam gemacht werden, entspricht diese Meldung nicht den 1 atsachen. Es handelt sich hier fast durchwegs um Herren, die teils dem Judentum gar nicht angehören, teils aus dem Judentum schon lange susgetreten sind. Wir bedauern die Unverläßlichkeit der Meldung der Jüdischen Telegraphen- Agentur, d5e wir ruhig wiedergeben zu können glaubten, aufs lebhafteste. Der ..Grazer Stadtpoef. Unter Bezugnahme auf das unter diesem Titel in Nummer 25 unseres Blattes erschienene Feuilleton über den kürzlich in Graz verblichenen Dichter, Dr. Wilhelm Fischer legen die in Osijek (S. H. S.) wohnenden Neffen des Dahingeschiedenen {Advokat Dr. Pavao Fiser etc.) Wert auf die Feststellung, daß die in dem erwähnten Artikel aufgestellte Behauptung, daß Dr. Wilhelm Fischer es nicht e'n einzigesmal der Mühe Wert gefunden hat. das Grab meiner Mutter zu besuchen, geschweige denn gar rchmücken zu lassen, nicht den" Tatsachen entspricht Die Einsender geben in ihrer an uns gerichteten Zuschrift an, daß Dr. Wilhelm Fischer das Grab seiner Alutter mindestens einmal im Jahre besucht und seit dem Jahre 1866 für die Erhaltung und Schmückung des Grabes ganz allein gesorgt hat. Wie wir uns durch unseren Grazer Gewährsmann überzeugen konnten, entspricht diese Darstellung der Richtigkeit und wir stehen daher nicht am. den Irrtum des Verfassers des Feuilletons zu korrigieren. Dieser Irrtum war dadurch entstanden, daß auf dem Grazer Friedhof zwei Frauen mit dem Na m.e n Johanna Fischer beerdigt sind. Das Grab der eine« ist nun tatsächlich ganz vernachlässigt und darauf stützten sich die falschen Angaben der Grazer Friedhofverwalter. Aus alter Weit Viscount Plumer, der frühere High Commissioner für Palästina, gestorben. Im 76. Lebensjahre verstarb am 16. d. M. in London Feldmarschall Viscount Herbert Plumer. einer der britischen Heerführer im Sudan-Krieg 1884, später im Burenkrieg und zuletzt im Weltkrieg. Bis 1919 befehligte er die britische Rheinarmee, wurde dann Gouverneur von Malta und war 1925 bis 1928 als Nachfolger des jetzigen englischen Innenministers Sir Herbert Samuel Oberkommissar Palästinas. Ueber sein Wirken in Palästina schreibt Robert Weltsch im „Jüdischen Lexikon": „Seine (Plumers) Amtszeit ist charakteristisch durch vollständige Ruhe und Sicherheit im Innern und an den Grenzen', trotz des gleichzeitigen Aufstandes in Syrien. Eine seiner ersten Amtshandlungen war _eine Reorganisation der militärischen und polizeilichen Kräfte in Palästina und Transjordanien. Plumer löste die aus Arabern. Juden und Tscherkessen bestehende sogenannte Elite-Gendarmerie auf und bildete das sogenannte „Transjordanische Grenzkorps", in welches die meisten Angehörigen der Gendarmerie mit Ausnahme der Juden übernommen wurden. Der Ausschluß der Juden, der in der ersten (später zurückgezogenen) Verordnung ausdrücklich angeordnet war, rief bei den Juden einen Proteststurm hervor. Andere wichtige Regierungsakte, die in Plumers Amtszeit fallen, sind das Gesetz über die Munizipalwahlen, das Gesetz über die jüdischen Gemeinden und die Palästinaanleihe von 1926. Ferner, wurde die öffentliche Schuld Palästinas (Anteil an der ottomanäschen Staatsschuld und Defizit der Mälitäradministraüon vor 1920) aus den Ueberschüssen des Budgets vollständig zurückgezahlt (insgesamt 820.000 Pfund). Als 1926/27 große Arbeitslosigkeit herrschte, suchte Plumer durch Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten zu helfen, und veranlaßte auch die Sanierung der zerrütteten Finanzen von Tel Awiw durch die Regierung. Die Juderischaft, die ihm anfangs zurückhaltend gegenüberstand, hat später seine starke und objektive Verwaltung anerkannt" Vier Juden im Belgrader Munlzipalausschuß. Der Innenminister ernannte vier Juden zu Mitgliedern des neuen Munizipalausschusses der Hauptstadt Belgrad, und zwar: Schemaja Demajo (Rechtsanwalt ehem. Deputierter); Dr. Friedrich Pops (Rechtsanwalt Präsident der aschkenasischen Gemeinde): Schalom Russo (Sekretär des Großrabbinats) und Simeon Sässo (Kabinettschef des Parlamentspräsidenten). Melbourne. Sir Daniel Levy, der „Speaker" der gesetzgebenden Körperschaft von Neu-Südwales in Australien, wurde zum Justizminister der neuen Regierung von Neu-Südwales, die nach dem Rücktritt des Arbeiterkabinetts Lang von Stevens gebildet wurde, ernannt. Gleichzeitig bekleidet Sir Daniel Levy das Amt eines Oberstaatsanwaltes von Neu- Südwales. Sir Daniel Levy, der 1929 geadelt wurde, ist ein heiivorragendeir Anwalt und betätigt sich sehr viel im jüdischen Gemeindeleben. Er war in früheren Jahren Chefredakteur des „Australian Hebrew". London. „Times" berichten, daß ein Londoner Kunsthändler, der einer Auktion in Chillingham Castle beiwohnte, bei Besichtigung dortiger Dienstbotenräume einen als Kleiderschrank benutzten mit ungewöhnlich schönen Ornamenten verzierten Schrank entdeckt habe, der Inschriften in hebräischer Sprache trägt Er erwarb den Schrank und brachte ihn nach London, wo sich nach einer fachmännischen Prüfung herausstellte, daß es sich um eine Thoralade von einzigartiger Pracht im Barockstil handelt die um etwa 1575 entstanden ist. Man nimmt mit Gewißheit an, daß es sich um die Thoralade einer venezianischen Synagoge handelt Budapest Im Alter von 73 Jahren verstarb fn Budapest der hervorragende Architekt Leopold Baumhorn, der zu dien besten ungarischen Baukünstlern zählte. In seiner letzten Lebensperiode spezialisierte er sich auf dem Gebiete des Synagogenbaues und erbaute in Szeged; Budapest, Temesvar, Györ, Szolnok, Esztergom usw. nicht weniger als 18 Synagogen, die zu den prächtigsten Ungarns gehören.! I Jüdische Mädchen vor der Berufswahl!! Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscheerzeugung mit öffentlichkeitsrecht Staatsgültige Zeugnisse Einjährige Koch- und Haushaltungsschule mit erweitertem Lehrplan für allgemeine Bildung, streng rituell Dr. K rügerheim, II., Halzgasse 7 Tel. A 48-0-77 Internat. Samstag schulfrei. Berufsberatung täglich von ll bis 12 Uhr. Haften ßrcus am Werft. Der „veriudete" Mussolini. Dem C. V.-Archiv-Dienst ist zu entnehmen:- Die NSDAP überschlägt sich heute in kritikloser Bewunderung Mussolinis. Daß sie einstmals auch anders gekonnt hat, beweisen folgende Ausführungen, die sich in Nr. 59 des „Völkischen Beobachters" vom 29. Juni 1922 rinden: „Mussolini war bei Ausbruch des Krieges von 1914 pazifistischer Anarchist und deutschfreundlicher Kriegsgegner. Im Herbst 1914 organisierte er den großen Streik der Mailänder Gasarbeiter. Das Gaswerk Mailand gehört der Pariser Gesellschaft „Union de Gas", deren Aufsichtsratsmitglieder fast alle der jüdischen Großloge und dem internationalen Börsenkapital angehören. Der Streik zog sich längere Zeit hin, bis eines schönen Tages in Mailand die Nachricht verbreitet wurde, daß Mussolini zu Verhandlungen behufs Beilegung des Streiks nach Genf eingeladen worden sei und sich auch dorthin begeben habe. Nach einigen Tagen, die weniger mit Verhandlungen als mit Diners, Soupers und Vergnügungen ausgefüllt gewesen sein sollen, kehrte der Pazifist und Anarchist Mussolini nach Mailand zurück und gab seinen Genossen, die ihm, wie die berühmte Hammelherde des Buches ,Die Weisen von Zion' blindlings gefolgt waren, den Rat, die Arbeit wieder aufzunehmen, weil die Forderungen nicht durchgesetzt werden) könnten. Aber in ganz Mailand war es damals Stadtgespräch, daß Mussolini seine Genossen verraten hatte, und zwar gegen den Judaslohn von einer Million Franken. Mit diesem aus Judenhänden gespendeten Gelde gründete Mussolini sofort seine Zeitung „Popolo d'Italia" und aus dem anarchistischen Pazifisten entpuppte sich plötzlich der heftigste Kriegshetzer, der keine Gelegenheit vorbeigehen ließ, um seine Giftpfeile gegen das deutsche Volk aus dem Köcher zu ziehen, den Juda ihm in Genf mit auf den Weg gegeben hatte. Schon aus diesem Grunde müßte jeder völkisch denkende Deutsche einer Verbindung mit dem Jongleur Mussolini strengstens aus dem Wege gehen." Antisemitische Unruhen in Warschau. Die Warschauer jüdischen Zeiltungen klagen darüber, daß antisemitische Hetze und antisemitische Ueberfälle zu ständigen Erscheinungen in Warschau geworden sind. Die Bürgersteige werden mit Riesenaufschriften in grüner (Boykott-) Farbe bemalt: „Nieder mit den Juden! Schlagt die Juden!" Ueberfälle auf jüdische Passanten mehren sich von Tag zu Tag in den Warschauer Promenadenstraßen. In der Ojazdower Allee werden die jüdischen Passanten, die sich auf Bänken zum Ausruhen hinsetzen, durch organisierte Banden überfallen und bestialisch geschlagen. Die Polizei schenkt diesen Ereignissen sehr wenig Aufmerksamkeit. Wozu deutsche Gesetze den Polen gut sind. Auf Grund eines alten deutschen Gesetzes, wonach jede Transaktion in Immobilien der Bestätigung durch die Behörde bedarf, werden Boden- und Häuserkäufe von Juden im ehemals deutschen, jetzt polnischen Gebiet Pomereile n s durch die 'polnische Behörde regelmäßig nicht bestätigt. Die Warschauer nationaldemokratische Zeitung . „Gazeta Warszawska" zählt eine Reihe! von Fällen aus Thorn, Gradniza und anderen .Städten auf, in denen Gesuche von Juden, den Kauf von Häusern und Boden zu legalisieren, durch die Gerichte abschlägig beschieden wurden.

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