Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 29 (15.7.1932)
- Date
- 1932-07-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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EHE WAHRHEIT lichkeit haben, neue Arbeitsstellen zu finden, abgebaute ältere Angestellte und viele andere Kategorien mehr können und müssen von der jüdischen OeffenfKchkeit erwarten, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, wieder für einige Zeit zu arbeiten, um ihre Arbeitskraft und ihren Arbeitswillen zu erhalten. Landwerk Neuendorf wird vorerst 30 bis 40 Personen aufnehmen; es ist aber geplant, diese Zahl bald erheblich zu erhöhen, um den jüdischen Arbeitslosen eine wirklich merkbare Hilfe zu geben. Das Gut Neuendorf liegt in landschaftlich besonders schöner Lage, die Arbeitsmöglichkeiten sind vielseitig und umfangreich, Unterbringungsmöglichkeiten sind angemessen und ausreichend gesichert, die Werkstätten (Tischlerei, Schlosserei, Schuhmacherei, Stellmacherei) ohne größeren Kostenaufwand auszubauen und zu erweitern. Die Leitung liegt in besonders qualifizierten Händen; sozialpädagogisch und auch sonst vorgeschulte Kräfte werden dem Betrieb eine gute pädagogische und soziale Atmosphäre sichern. Veröffentlichungen der „Union *t Zur Reisesaison. Der in unserer vorletzten Nummer publizierte Aufruf, daß jeder Glaubensgenosse, auch ein solcher, der im übrigen die Speisegesetze nicht beobachtet, heuer besonders jüdische Hotels und Restaurants aufsuchen möge, wo nur Gelegenheit dazu geboten ist, hat, wie uns zahlreiche Anfragen beweisen, lebhaften Widerhall gefunden. Allgemein geäußerten Wünschen entsprechend, veröffentlichen wir im folgenden eine (nicht auf Vollständigkeit Anspruch erhebende) Liste solcher Gaststätten im In- und näheren Auslande. Abbazia: Pension Stern, Villa Abbazia (Hermann Stern). Pension Tauber. Bad Aussee: Pension Qoldberg, Em. Goldberg. Altausseerstraße 64. Baden bei Wien: Hotel-Restaurant Schey, Annagasse Nr. 23. Pension und Speisehaus Hermine Eichner, Rolletgasse 7. Restaurant Raussnitz. Crikvenica: Josip M. Engel. Deutsch-Altenburg: Restauration Emanuel Lipschütz. Eisenstadt: Restaurant Hess. Florenz: Pension della Pergola, Borgo ogui santi 8. Franzensbad: Simon Raab, Restaurant Fürstenhof, Neuquellstraße. Bad Gastein: Pension Kokisch, Kurhotel Bristol. Bahnhofstraße. Gleichenberg: 3 Restaurants. Gfado: Pension Riviera (Grünglas). Hotel Continental, Leopold Maier. Pens, und Mittagstisch, Via Camposanto 4. Graz: Restaurant Herrmann, Kaiserfeldgasse. Bad Hall: Hotel-Restaurant S. Mayersohn, Kirchenstraße 45. Bad Ischl: Pension „Neue Welt". Adolf Glatter, Eglmoosgasse 1 C. Karlsbad: Abraham Dominitz, „Edelweiß", Hauptstraße Nr. 623. Restaurant „Fakler Palace", Chaim Fakler. Herrenhaus, Andreasgasse. Laurana: Pension Weiß, Villa Celestine, Viale Vitt. Emanuele. Udo-Venedig: Hotel-Pension Kirschbaum (David Kirschbaum), Villa Margherita. Via Lepanto 15. Marienbad: David Leitner, Hotel und Restaurant, Poststraße 55. Gottlieb Leitners Restaurant (Simon Raab), Postgasse 58. Elemer H. Weiß, Poststraße 56. Meran: Pension Bellaria (Leopold Berman), Andreas Hoferstraße 9. Pension Ortler (j. Bermann). Via 28. Ottobre 14. Rom: Isak Pines, Pension und Restaurant, Via Campo Marzio 12. Salzburg: Hermann Kohn. Wolf Dietrichgasse 14. San Remo: Pension Kokisch, Villa Eugenia, Corso Cavolotti 19. Sauerbrunn: Restaurant Weiß. Badgasse. Semmering: Leo Hirsch, Pension Fürstenhof. Trencin-Teplitz: Restaurant Israeler. Trieste: Simone Rosenwasser, Mittagstisch, Via Valdirivo 35/11. Weißmann, Corso Vittorio Emanuele 39. "Vöslau-Galniarn: Restaurant Hacker. Union-Gartenfest. Ungunst der Witterung hatte eine Verlegung des für den 2. d. M. abends geplanten Gartenfestes der „Union" auf Dienstag, den 5. d. M., ratsam erscheinen lassen. An diesem Abend fand das Fest, von prächtigem Wetter begünstigt, im reservierten Garten des Cafe- Restaurant Konstantinhügel in der Hauptallee statt und nahm einen recht animierten Verlauf. Dazu trugen nicht wenig die Vorbereitungen bei, die Mitglieder des „Union-Frauenklub" und der „Jugend-Union" schon seit Wochen zum Gelingen der Veranstaltung getroffen hatten. So repräsentierte sich der Garten in herrlichster Festdekoration, arrangiert von eifrigen Mitgliedern der „Jugend-Union", genoß der Juxbasar reichen Zuspruch, den Damen des „Union-Frauenklubs" umsichtig leiteten, fand das Rosenzelt viel Gefallen, in dem die Damen der „Jugend-Union" mit Hingabe ihres Amtes walteten. Aus der mit dem Blumenverkauf verbundenen Konkurrenz gingen Fräulein Sophie L ö w y als Rosenkönigin und die Damen Berta Strick- 1 e r und Lina Max als ihre Gefolgsdamen hervor und wurden mit schönen Preisen bedacht. Im Mittelpunkt des Festes stand die Akademie im Freien, die gute Darbietungen des Jiu-Jitsu- Klubs, Wien-Brünnlbad, der talentierten Schwestern H a r d y s (englisch-deutsches Gesangsduo), Dario Medinas, der wirklich erstklassigen Parodistin Trude Roth, des herzigen Gesangs- und Tanz-Duos der Kleinen Dita Kunodi und Walter Roth und des stürmische Heiterkeit entfesselnden Komikers Otto Grosse brachte. Es isdiias, Rheuma, Gidif Utägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-» Kohlensäurebäder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8-6 Uhr H«sll«am»rfaltf ..Thermia" I., Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer folgte der Tanz, dem die zahlreich anwesende Jugend bis in die frühen Morgenstunden zu den Klängen der Bonzo-Band huldigte. Eine Reihe von Firmen hatte bei der Festdekoration in liebenswürdiger Weise mitgewirkt, von denen hier folgende besonders angeführt seien: Edmund Hofmann, Pollak& Neuron, Isidor Schönherz. Die Firma Petyan & Co. hatte ein koscheres Selchwarenbüfett aufgestellt. Das Fest bewies, daß sich die Wiener Juden trotz der Ungunst der Zeit noch manchen Optimismus bewahrt haben und daß die Veranstaltungen der „Union" sich unvermindert größter Beliebtheit erfreuen. Gruft- und BräberaisscIimflctiuHii eartaerel ERNST sccrKlE» Gründongsjahr 1380 XI., Simmeringer Hanptstrafie Nr. 381 III. Tor, Zentralfriedhof, Haltestelle der Elektrischen 71 Telephon ü 14-2-61 Unter Berufung auf „Die Wahrheit" 10»/, Rabatt Veröffentfidjungen der „Jugend-Union" Bei einem kürzlich auf den „Central- City"- Tennisplätzen bei der Salztorbrücke abgehaltenen Tennisturnier errang Herr Andre Kornitzer, der Leiter des Tenniskurses der „J u g e n d - U n i o n", in deren Namen er zum Kampf antrat, den ersten Preis. Diese schöne Leistung beweist, daß der sich großer Beliebtheit erfreuende Sportkurs der „Jugend-Union" in wirklich guten Händen liegt. Wir gratulieren dem eifrigen Ausschußmitgliede der Jugendgruppe der „Union" auf das herzlichste. Mitglieder und Freunde der „Union" Jns^Uiiim« ° - 11 treffen sich wahrend der Sommermonate jeden Dienstag, ab 728 Uhr abends, im reservierten Teil des Cafe-Restaurant »Zum braunen Hirschen", IL, Prater Hauptallee. aiiii Aus alter Welt Fünf Wiener jüdische Medizinforscher zu Professoren ernannt. Im Rahmen des letzten Avancements wissenschaftlich verdienter Mediziner wurden auch fünf jüdische Medizinforscher zu außerordentlichen Professoren an der Universität Wien ernannt Es sind der Kinderarzt Dr. Adolf Hecht, der Laryngologe Dr. Karl Kofi er, der Magenspezialist Dr. Walter Zweig, der Internist Dr. Leo Po Hak und der Diagnostiker Dr. Oskar Weltmann. Der älteste Mann der Welt — ein Jude. Wie die Pariser Zeitungen melden, liegt endlich eine amtlich verbürgte Meldung über den ältesten Mann der Gegenwart vor. Es ist dies der in Saint-Denis, unweit Oran in Nordafrika lebende David Salamon Dayan, der sich bester Gesundheit und unverminderter geistiger Frische erfreut. Es ist ein im Jahre 1820 — das Geburtsdatum wurde behördlich überprüft — in Sousse geborener marokkanischer Jude, Vater von fünf Kindern, Großvater und Urgroßvater einer achtunddreißigköpfigen Nachkommenschaft. Er wird von der mohammedanischen, christlichen und jüdischen Bevölkerung seiner Heimat gleichermaßen verehrt. Ein Akt der Gerechtigkeit. In der letzten Sitzung des spanischen Parlaments stellte der Deputierte Antonia Jean den Antrag, die historisch bedeutsame Synagoge in Cordova der sephardisch - jüdischen Organisation zurückzugeben. Das Parlament beschloß, den Antrag der Kommission für öffenüichen Unterricht zur Erledigung zu überweisen. — Cordova beherbergte zu verschiedenen Zeiten! bedeutende jüdische Gemeinden. Große jüdische Gelehrte, unter ihnen Maimonides, entstammten der jüdischen Gemeinde in Cordova, die in der Märtyrergeschichte der spanischen Juden eine große Rolle spielt und zweimal vernichtet worden war. Im Jahre 1884 wurde in Cordova unter dem Ueberbau einer Kirche eine gut erhaltene Synagoge aufgedeckt, die nach einer aus dem Jahre 1315 stammenden hebräischen Inschrift von Jizchak Moheb erbaut worden war. Diese Synagoge soll nun den Juden zurückgegeben werden. Prag. Der Gesandte und bevollmächtigte Minister der Vereinigten Staaten von Amerika, Abraham T. R a ts h e s k y, hat dieser Tage seinen Posten verlassen. Ratshesky ist Jude und einer der Wirtschaftsführer Amerikas. Er gehört zu den aktiven Führern der Baron Hirsch Foundation. Das Motiv seines Rücktritts sind wirtschaftliche Interessen, die seine ständige Anwesenheit in U. S. A. notwendig machen. Die Juden und die Universität Oorpat. Das 300jährige Bestehen der Universität Dorpat wurde in diesen Tagen durch einen grandiosen Festakt gefeiert, dem der schwedische Kronprinz, die Spitzen von Staat und Gesellschaft, sowie ausländische Gelehrte in großer Zahl beiwohnten. Im Namen der estländischen Judenschait begrüßte der Leiter des Jüdischen Kulturausschusses, Herr E i s e n s t a d t, die Universität in hebräischer Sprache und überreichte dem Rektor eine Adresse des estländischen Judentums. Von der Hebräischen Universität in Jerusalem, die mit der Universität Dorpat einen ständigen Bücheraustausch pflegt, traf eine schriftliche Begrüßung ein. Beim Festakt sprach auch das Mitglied des Professorenkollegiums der Universität Dorpat, der jüdische Privatdozent Dr. J. Sah I. Aus Anlaß der 300-Jahrfeier der Universität Dorpat beschloß der Proiessorenrat der Universität, einen Lehrstuhl für jüdische Wissenschaft an der Universität zu begründen. Die in Estland bestehende Gesellschaft von Hebraisten zur Förderung jüdischer Wissenschaft an der Universität Dorpat wurde eingeladen, an der Einrichtung des Lehrstuhls mitzuwirken. — Die Universität Dorpat hatte von je freiheitliche Traditionen, sie war