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Die Wahrheit · 1932-07-15 · Heft 29 (15.7.1932) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 29 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Peniion Exquisite Baden bei Wien Telephon 74 Zentrale Lage — Sehr schöne Zimmer mit 3 Mahlzeiten (feine Hausmannsküche) Garten-, Strand- und Heilbädernähe Preis von 10 Schilling aufwärts Menschheit sehen. Ein Zweig der Menschheit, der gestählt ist vom Leiden und vom Denken. Denn während die meisten Europäer erst vor wenigen Generationen aus dem Analphabetentum hervorgegangen sind, haben die Vorfahren der Juden seit Jahrtausenden gelesen, geschrieben und sich mit geistigen Problemen auseinandergesetzt. Wer statt auf Schlagworte zu hören, diese Tatsachen bedenkt, gewinnt ein anderes Bild vom Judentum, als das Zerrbild, das der Antisemitismus schafft. Wenn die Größe eines Volkes sich messen läßt an der relativen Zahl seiner hervorragenden und bedeutenden Kinder, steht das Judentum heute zweifellos an erster Stella. So betrachtet, erscheint das Judentum nicht als minderwertige, sondern als hochwertige Menschengri'ppo — und der Antisemitismus als ebenso schweres Unrecht gegen die Juden, wie der Deutschenhaß gegen die Deutschen. Heute ist die Mißachtung gegen die Deutschen in der Welt mindestens so stark verbreitet wie der Antisemitismus. Die Kriegsschuldlüge, die Märchen von den deutschen Kindermorden in Belgien, die Erzählungen von den deutschen Grausamkeiten bis zur Verleumdung der Menschenfresserei, die Klassifizierung der Deutschen als Menschen zweiten Ranges, als Materialisten und Rationalisten, als Menschen ohne Genie und ohne Originalität, als Plagiatoren der Welt, als Menschen ohne Größe, ohne Formen, ohne Takt, ohne Grazie — all diese Verleumdungen, die den Thesen der Antisemiten so ähnlich sind, haben die Weltmeinung gegen Deutschland vergiftet. Nur langsam setzt sich die Wahrheit über Deutschland in der Welt durch. Gerade die große deutsche Nation, die dieses schwere unverdiente Schicksal erfahren hat, sollte in der Beurteilung anderer vorsichtiger und kritischer sein. Gerade Deutschland sollte den kleinen antisemitischen Nationen vorangehen in der Kritik und Revision der Judenfrage. Gerade das deutsche Volk, das mit Recht so stolz auf tafeln, um sie mit den in Deutschland üblichen blauen zu ersetzen. Das ist die Wahrheit. 24. Natürlich ist es auch wahr, daß Marx, Lassalle, Trotzky, Rosa Luxemburg, Viktor Adler. Otto Bauer Juden, respektive Judenstämmlinge waren, bzw. noch sind. Aber ebenso wahr ist es, daß die ihnen ebenbürtigen, oder sogar überlegenen Engels, Bebel, Liebknecht, Scheidemann. Renner. Seitz. Lenin, Stalin waschechte Arier sind, bzw. waren. Es ist zum Staunen, daß man sich nicht scheut, dem Ariertum und insbesondere dem Deutschen, in geistiger Beziehung fortwährend Ohrfeigen zu .applizieren, insofern, als man es wagt, dieses Volk von Kant, Goethe, Herder, als geistig inferior hinzustellen, das keine eigene Urteilskraft hat, um das Gute zu nehmen, wenn es auch vom Juden kommt, und das Schlechte zurückzuweisen, auch wenn es vom Arier kommt. Nach diesem Grundsatz handelt jedes Volk, selbst das kleine Holland, ebenso wie die Schweiz und nur das deutsche sollte davon eine Ausnahme machen, weil einige Ehrgeizlinge in deutschen Ländern nicht anders als durch das mittelalterliche Mittel der Aufreizung gegen die Juden glauben zur Macht kommen zu können — selbst noch in unserer Zeit, der Zeit der Flugzeuge, der Zeppeline, des Rundfunks. 25. Daß der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus, Karl Marx, ein Jude, das heißt ein Judenstämmling war — Marx' Vater ging bereits zum Protestantismus über, als sein Sohn Karl erst 6 Jahre alt war — ist ein reiner Zufall. Es hätte ebenso gut auch ein anderer Hegelianer sein können. Mit dem Judentum hat das absolut nichts zu schaffen. Hat er denn sein Hauptwerk „Das Kapital" für oder zugunsten der Juden verfaßt? Ganz im Gegenteil! Er nahm gegen diese eine Kampfstellung ein; bereits 1843 identifizierte er in einem Essay, betitelt: „Zur Judenfrage" — erschienen in den deutsch-französischen Jahrbüchern, Neudruck Berlin 1919 — Kapital und Judentum und trat für dessen Auflösüng ein. Dem Judentum könnte man den Sozialismus und Kommunismus nur ankreiden, wenn ihre Urheber diese Lehren aus dem altjüdischen Schrifttum geschöpft hätten. Davon kann aber doch keine Rede sein! Die Propheten bekämpften wohl den Luxus, nicht aber das Privateigentum und der Kommunismus der Essäer, dem auch die Urchristen anhingen, war nicht ökonomischer, sondern sittlich religiöser, asketischer Natur. (Fortsetzung iolgt.) seine Sachlichkeit ist, sollte nicht widerstandslos einem Vorurteil folgen, das sich auf Neid, religiösen Fanatismus und Halbbildung stützt. Die Revision der Judenfrage ist darum nicht Sache der Juden, sondern der besten Deutschen. Wenn Deutschland den Antisemitismus ebenso überwindet, wie dies Frankreich vor einem Menschenalter in der Dreyfus-Krise tat, ist der Antisemitismus in der Welt erledigt: denn sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Osteuropäer werden sich hier der deutschen Autorität beugen. Diese Revision ist eine Gewissenspflicht Deutschlands, die Befreiung aus einer schweren Schuld und einem schweren Irrtum. Wer darum den Antisemitismus bekämpft, hilft nicht nur dem Judentum, sondern auch dem Deutschtum. Die ungeheure Mehrzahl der deutschen Antisemiten ist guten Glaubens und überzeugt von der Wahrheit der antisemitischen Thesen, die sie gelesen oder gehört hat. Die unge- Am 20. Juli vollendet der große Maler Professor Max Liebermann, der bedeutendste Repräsentant des Impressionismus in Deutschland, der viele Jahre hindurch Präsident der P r e uß is c h e n Ak a de mie der Künste gewesen war, sein 85. Lebensjahr. Max Liebermann wurde 1847 in Berlin als Sohn einer angesehenen jüdischen Fabrikantenfamilie geboren, bezog 1868 die Universität, um Philosophie zu studieren, besuchte gegen den Willen seines Vaters heimlich die Malakademie, wo er bald ein Meisterschüler Karl Steffecks wurde und schon nach einem Jahre an dessen großem Bilde „Sadowa" mitmalen durfte. Mit Einwilligung seines Vaters ging dann Max Liebermann 1869 nach Weimar, wo er bei Ferdinand Pauwels malte und bei Tumann zeichnete. 1873 entstand Liebermanns erstes größeres Gemälde „Die Gänserupferinnen" (jetzt im Besitze der Berliner Nationalgalerie). Liebermann ging kurz danach nach Paris, wo er mit Munkaczy in Verbindung trat, der Liebermanns Entwicklung stark beeinflußte. 1873 malte Liebermann sein Bild „Konservenmacherinnen", das einen großen Erfolg hatte. Im Dezember 1873 übersiedelte er nach Paris, wo er sehr viel von Manet, Millet und anderen modernen französischen Malern lernte und mit den Problemen der Luft, des Lichtes und der Bewegung rang. Seine Arbeit hier gipfelte in dem Gemälde „Im Runkelpark", das als eines seiner Hauptwerke gilt. 1878 kehrte Liebermann auf Wunsch seiner Eltern nach Berlin zurück und ging bald darauf nach München. Hier malte er sein Kolossalgemälde „Jesus unter den Schriftgelehrten", welches auf der Ausstellung von 1879 von der Jury mit Ausdrücken der Bewunderung aufgenommen, aber vom bayerischen Klerus abgelehnt wurde. Liebermann hat nie wieder ein religiöses Bild gemalt. Nun begab er sich nach Holland, wo er mit Josef Israels in sehr freundschaftliche Beziehungen trat. 1880 entstand hier sein Bild „Alte Frau am Fenster", sowie das zu seinen kostbarsten Schöpfungen gehörende Bild „Altmännerhaus in Amsterdam", das ihm in Paris eine Medaille und die Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion eintrug, die erste Auszeichnung übrigens, die einem Deutschen nach dem Kriege in Frankreich zuteil wurde. Nach München zurückgekehrt, malte er das in der Berliner Nationalgalerie befindliche Bild „Schusterwerkstatt" und das im Staedelschen Institut zu Frankfurt befindliche Gemälde „Hof des Waisenhauses in Amsterdam". Als das Bild im Pariser Salon erschien, schrieb der bekannte Kunstkritiker Hochede: „Liebermann hat der Sonne einige von ihren Strahlen gestohlen und bedient sich ihrer wie Phöbus selbst." 1884 ließ sich Liebermann in Berlin dauernd nieder. In den Neunzigerjahren setzte er sich mit Manet und Degas, mit dem Impressionismus, auseinander. Er trat vom Atelier ins Freie und schuf eine Reihe von Bildern, in denen sich seine besondere Begabung für Auffangung von Licht-, Raum- und Bewegungsenergien kundtut. Es folgten am Meeresufer gemalte koloristisch reiche Reiter- und Landschaftsbilder, sowie die Bilderreihe der Judengasse in Amsterdam und der Gemüsemärkte in Delft. Etwas später wandte er sich der Porträtmalerei zu, es entstanden seine in hezug am Kasdirufli Obernimmt die Redaktion Del den Inseraten keine Verantwortung heure Mehrzahl der Antisemiten kennt die Juden nur sehr oberflächlich und macht sich ein Bild von ihnen, das mit der Wirklichkeit ebensowenig übereinstimmt, wie das Bild, das sich die Ententevölker von den Deutschen machen. Wer Gerechtigkeit fordert, sollte damit beginnen, sie zu üben. Deutschland fordert von der Welt Gerechtigkeit und moralische Gleichberechtigung: es sollte damit beginnen, sie den Juden gegenüber zu üben und der Welt zu zeigen, wie ein großes Volk die Kraft findet, falsche Vorurteile zu überwinden und von sich zu werfen. weitbekannten Porträts des Hamburger Bürgermeisters Petersen, des Direktors der Berliner Nationalgalerie Wilhelm Bode, Rudolf Virchows, Gerhart Hauptmanns u. v. a., zuletzt das des Reichspräsidenten von Hindenburg. Auch als Radierer errang Liebermann große Bedeutung. 1898 erhielt Liebermann den Titel Professor und gründete im selben Jahre mit anderen Künstlern die Berliner Sezession, deren Vorsitzender er bis 1920 war. Als Präsident der Akademie (1920 bis 1932) unternahm er es, der akademischen Körperschaft, gegen die er selbst durch viele Jahre einen erbitterten Kampf geführt hatte, die seit langem verlorene Vormachtstellung im Berliner Kunstleben wiederzu« geben. Auch als Kunstschriftsteller hat sich Liebermann hervorgetan, er schrieb Monographien über Degas, Josef Israels, Menzel und Manet, ferner „Ueber die Phantasien der Malerei" u. v. a. Liebermann wurden im Verlauf seines reichen schöpferischen Lebens außerordentlich viele Ehrungen zuteil. Er ist Ehrendoktor der Universität Berlin, besitzt die Großen Goldenen Medaillen von Berlin, München, Paris, Dresden, Antwerpen und Venedig, ist Ehrenmitglied der meisten Akademien des Festlandes und Ehrenpräsident der Berliner Kunstakademie. Der 80. Geburtstag Max Liebermanns gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Kunstkreise überall in der Welt. Die Feier seines 85. Geburtstages wünscht der Künstler, der noch mitten im Schaffen steht, still zu begehen. Mehrere führende Männer lassen es sich aber nicht nehmen, dem großen Maler auch diesmal zu huldigen. Gerhart Hauptmann, der große deutsche Dichter, veröffentlicht in der Zeitschrift „Kunst und Künstler" einen Gruß an Max Liebermann, in dem es heißt: „Oft habe ich meiner Verehrung, Bewunderung und Liebe für den Meister Ausdruck gegeben. Unabirrbare Leidenschaft verband diesen Patriziersohn und Patrizier von jung auf mit der bildenden Kunst, der er, die Tradition seines Standes durchbrechend, und trotz anderer glänzender Möglichkeiten sein Leben verschrieb. So wurden wir aus der Fülle eines reichen, von einem festen Charakter geführten Talentes mit wertvollen Werken beschenkt, die zum festen Bestand der deutschen Kunst gehören. Alle Mit- und Nachstrebenden aber hatten an ihm ein immerwährendes Beispiel von in sich beruhender Stetigkeit. Auch war seine große und einfache Haltung für das deutsche Kunstleben vieler Jahrzehnte von höchstem ethischen Wert. Heute gehört Max Liebermann, trotz seines nie ermüdenden Wirkens für den Tag, längst in die Bereiche der Bleibenden." Max Liebermann, der dem deutschen Judentum zum Stolze und zur Ehre gereicht, hat wiederholt an jüdischen sozialen und karitativen Angelegenheiten Anteil genommen. In seinem 80. Lebensjahre schuf er die Graphik „Die Mutter der Zwölftausend" zum Gedenken an die zwölftausend im Kriege gefallenen deutschen Juden und widmete sie dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Max Liebermanns 85. Geburtstag.

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