Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 29 (15.7.1932)
- Date
- 1932-07-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Srtte2 PC WAH8HH1 Einziges judisches Geschäft in BAD AIISSCC (Salzhammergut) empfiehlt den p. t Sommergästen, ihren Bedarf an stein Herren- und Knabenkleidern, Leinen- und Lodenjankern, stein Hosen, Damenkleidern, Original Dirndlkleidern, sowie sämtlichen Bedarfs- und Kurzwarenartikeln, Spielwaren, Andenken und Ansichtskarten zu besorgen nur bei fANMY HOHN Ischlerstraße, neben Cafe Meinl BÄPäÄSTiONI IHOTEL Q ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang halb der Gemeinde stehen, die Geschehnisse in ihr aber mit Argusaugen beobachten, nicht jenen Bekennermut gezeigt, von dem wir oben sprachen. Sie haben — wir werden es immer wieder sagen — das allgemeinzionistische Parteiinteresse vor das allgemeinjüdische Gesamtinteresse gestellt. Wir wissen nicht, wie weit ihre Vereinbarungen mit den Vor dem Kriege war Rußland das Weltzentrum des Antisemitismus, Heute ist es Deutschland. Außerhalb Deutschlands ist der Antisemitismus in Europa nur noch lebendig in einigen Mittel- und Kleinstaaten Osteuropas. Diese Tatsache sollte den deutschen Antisemiten zu denken geben. Sie werden sich dann wahrscheinlich nicht sehr wohl fühlen in der Gesellschaft, in der sie sich befinden. Denn die drei andern europäischen Großmächte lehnen den Antisemitismus kategorisch ab. England hat seit Disraeli unter seinen politischen Führern zahlreiche Juden und kennt weder einen politischen, noch einen sozialen, noch einen wirtschaftlichen Antisemitismus. Frankreich hat seine antisemitische Phase in der Dreyfus-Krise überwunden. Diese Ueberwindung des Antisemitismus fällt zusammen mit der nationalen Regeneration und Gesundung Frankreichs, die ihm die Kraft gaben, den Weltkrieg durchzuhalten. Auch das extrem nationalistische Italien lehnt den Antisemitismus ab, der in den Augen Mussolinis ein barbarisches Vorurteil ist Italien hat bewiesen, daß sich der Kommunismus auch ohne *) Der soeben im Paneuropa-Verlag, Wien, erschienenen Neuauflage „Antisemitismus" von Coudenhove-Kalergi mit Genehmigung des Verlages entnommen. feindlichen Brüdern Stricker und Plaschkes schon gediehen sind, das eine aber ist uns klar, sie haben sich nur deren Wohlgefallen, nicht aber das der jüdischen Allgemeinheit erworben, die die „Notwendigkeit", die Kultuswahlen in diesen tristen Zeiten abzuhalten, einfach nicht einsehen wird. Einsicht war immer eine schwache Seite der Herren Zionisten. Daß sie aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen so wenig Einsicht bekunden, daß sie selbst in diesen Tagen immer nur auf ihr Parteiinteresse bedacht sein würden, das ist eine Einleitung des Wahlkampfes, die schon für den Ausgang desselben Schlußfolgerungen zuläßt, die für jene Parteipolitiker gewiß keine angenehmen sein dürften. hl. antisemitische Schlagworte überwinden läßt und daß der stärkste Nationalismus auch ohne antisemitischen Einschlag lebensfähig ist. Indessen hält Deutschland an der antisemitischen Einstellung fest und baut eine Theorie nach der anderen um dieses Vorurteil. Es behauptet nach wie vor, daß das Judentum nur Talente, aber keine Genies hervorbringt — obgleich das anerkannteste unter den lebenden Genies heute ein deutscher Jude ist: Albert Einstein und der berühmteste lebende Oesterreicher ein zweiter Jude ist: Siegmund Freud. Andere Theoretiker gehen von der These des jüdischen Materialismus und Mnemonismus aus und übersehen, daß kein Volk so stark und so lange für seinen Glauben und seine Ideale gelitten hat, wie das jüdische. Daß die jüdischen Gemeinden nicht ihre reichsten Mitglieder am höchsten schätzen, sondern ihre weisesten, ihre Gelehrten. Daß im Judentum neben seinem Realismus ein ungeheurer Idealismus steckt, ein Idealismus, der so stark ist, daß er der Welt das Chritentum und den Sozialismus geschenkt hat Ein Argument des Antisemitismus sollte aber kein Deutscher mehr gebrauchen: das Argument, daß die ganze Welt sich einig ist im Haß gegen die Juden. Denn erstens ist dies unrichtig. Der Antisemitismus ist kein Weltphänomen mehr, sondern beschränkt sich auf bestimmte Gebiete. Und zweitens hat das deutsche Volk im Weltkrieg an sich selbst erfahren, wie ungerecht auch der Haß einer ganzen Welt ein Volk treffen kann. Der Haß gegen das Judentum und gegen das Deutschtum sind verwandt Beide Völker wurden gehaßt, verfolgt und verleumdet, weniger um ihrer Fehler willen, als um ihrer Vorzüge. Der Weltostrazismus hat Exempel statuiert Der Deutsche wurde als Feind der Menschheit empfunden, weil er tüchtiger, fleißiger, sachlicher war als die meisten anderen Völker und ihnen so den Konkurrenzkampf erschwerte. Das gleiche gilt von den Chinesen in Südostasien, den Japanern in Kalifornien. Das gleiche gilt von den Juden. Denn die Juden sind ein begnadeter Menschheitszweig. Durch ein zweitausendjähriges Martyrium sind sie zu ihrer heutigen Größe emporgestiegen. Von den meisten Berufen ausgeschlossen, unter vielfach erschwerten Lebensbedingungen, mußten sie ihren Geist zehnfach schärfen, um ihre nackte Existenz durch das Mittelalter hindurch zu retten. Wer faul oder unbegabt war, konnte diesem verschärften Existenzkampf nicht standhalten und ging zugrunde. Nur die Tüchtigsten konnten sich erhalten und fortpflanzen. Wer willensschwach und feige war, ließ sich angesichts der Scheiterhaufen und Folterwerkzeuge taufen und schied aus der jüdischen Gemeinschaft aus: nur die Tapfersten und Willensstärksten hielten das Wunder dieses zweitausendjährigen Kampfes durch. So fließen in jedem modernen Juden Ströme von Märtyrerblut — von Menschen, die sich lieber verbrennen ließen, als sich von ihrem Gott, ihrem Glauben, ihrem Ideal loszusagen. Wer an Vererbung glaubt, muß darum in den Juden einen besonders wertvollen Zweig der Deutschtum und Judentum, Von R. N. Coudenhove-Kalergi.*) JeuUleton Allerlei Wahrheiten > Von Ego. (Fortsetzung.) 16. Manche der noch dem protestantischen Christentum angehörigen National-„Sozialisten" wenden alle Rabulistik daran, Christus zu einem Arier zu machen. Sie meinen, ein Mensch mit solchen Charaktereigenschaften, namentlich einer, von dem die Bergpredigt 'herrührt, könne kein Semit, kein Jude gewesen sein. Man muß indes diese Herren daran erinnern, daß zur Zeit Herodes 1. auch der große Lehrer Hillel, dieses Vorbild der Sanftmut und Mlde, gelebt und gewirkt hat Noch heute pflegt man „Hillels Geduld" zu sagen, wenn man eine himmlische Geduld meint. Uebrigens warum in so ferne Zeiten ausblicken, wo wir ein viel näherliegendes Beispiel haben, sogar ein Zeitgenössisches: die hehre Gestalt der Mutter von Walter Rathenau! 17. Dennoch. Die Juden sind Volksverderber, weil die aus dem „Willen zur Macht" geborene Ideologie der Nationalsozialisten" dies so wahr haben will. — Zu den wahren Wohltätern der Menschheit gehören unstreitig die großen Aerzte. Ist es nicht merkwürdig, daß zu diesem Berufe seit jeher sich sehr viele aus der Judenheit rekrutieren? Sie waren schon große Aerzte in der großen Zeit der Juden im maurischen Spanien, sie waren die Aerzte vieler Päpste und so gibt es deren viele auch in der Gegenwart: A. v. Wassermann. Ehrlich, Neisser, Politzer. Kaposi, Stärk, Winternitz. Wolf (Begründer der Orthopädie), Widal, James Israel, Benedikt, Romberg, Traube, Frankel, Zuckerkandl, Bamberger, Hirschberg, Edinger, Landsteiner, Barany, durchwegs schöpferische Geister, Begründer von Heilverfahren, mehrere von ihnen Nobelpreisträger. Auch viele große Rechtslehrer gingen aus der Judenheit hervor: Michael Carel Asser fungierte mehrfach als Schiedsrichter in Streitsachen zwischen Mächten wie U. S. A. und Rußland, U. S. A. und Mexiko, Dernburg, Goldschmidt, Unger, Glaser, Laband, Grünhut, Gumplowicz, die beiden Friedbergs, Lenel, Staub, Kelsen und viele andere Kapazitäten. Hierher gehören auch die großen Verteidiger vor Gericht: Neuda, Markbreiter. Rosenfeld, Steger. Alsberg. Preßburger usw. Es gibt kein Gebiet der Kultur, wo Juden nicht befruchtend gewirkt hätten. Trotzdem, die Juden sind nun einmal Volksverderber. Das wurde so dekretiert und damit basta! 18. In ihrer hemmungslosen Demagogie operieren die Nationalsozialisten" auch heute noch mit den als erbärmliche Fälschung längst überwiesenen „Protokollen der Weisen von Zion". An sich eine Ruchlosigkeit, denn die Behauptungen darin sind genau so aus den Fingern gesogene Erfindungen eines Auswürflings, wie es jene waren, wonach die deutschen Soldaten in Belgien, Kannibalen gleich, kleinen Kindern Hände und Füße abgehackt hätten. 19. In seinen von Carl Rosner 1922 herausgegebenen Erinnerungen versucht der deutsche Kronprinz eine Erklärung zu geben für die Mißliebigkeit der Deutschen. Er sagt: „Das offenbar herausfordernde laute Auftreten, das alle Welt bevormundende, fortwährend belehren wollende Gebaren mancher Deutschen im Auslande fiel den anderen Nationen auf die Nerven." Tatsache ist, daß die Deutschen, sie leugnen es selbst nicht, wenig geschmeidig sind. Das sind aber die Juden, insbesondere die deutschen jüdischen Kaufleute, die zu den tüchtigsten der Welt gehören. Sie hauptsächlich vermitteln den Absatz deutscher Produkte im nahen und fernen, auch überseeischem Auslande (nicht nur Industrie-Erzeugnisse, sondern auch agrarische, z. B. Hopfen), diese reisenden Kaufleute sind gleichsam Diplomaten en miniature:sie trugen zu Deutschlands wirtschaftlichem Aufschwung Ende des vorigen. Anfang dieses Jahrhunderts enorm bei. Denn es genügt nicht, nur zu produzieren, man muß auch absetzen. 20. An derselben Stelle spricht der Kronprinz auch von manchen Torheiten und Geschmacklosigkeiten seiner Landsleute, die großen Schaden angerichtet hätten. Hier sei nicht von der Geschmacklosigkeit in diesem Sinne die Rede, sondern in einem ganz anderen. Zweifellos, die Deutschen sind ein enorm befähigtes, geradezu geniales Volk, mit Gipfelleistungen in Technik, Organisation, Verwaltung, in Musik, Philosophie, Dichtung usw. Allein wo so viel Licht ist, muß es natürlich auch Scharten geben. Es fehlt ihnen nicht nur an Geschmeidigkeit, sondern auch an gutem Gechmack. (Auch das ist ihnen nicht unbekannt.) Den guten Geschmack aber haben wieder die Juden, heute ebenso wie zu Zeiten der Henriette Hertz und der Rahel Varnhagen von Ense. Selbst in den großen Pariser Modehäusern arbeiten sehr viele Elsässer Juden als Zeichner. Die Juden bilden also gleichsam eine Ergänzung zu den naturgegebenen Mängeln des großen Könnens der Deutschen. 21. Und noch eines, ehe wir uns vom Kronprinzen verabschieden. Er kann sich alles erklären, nur das nicht, „warum Deutschland schon 1908 in der ganzen Welt vielfach geradezu verhaßt war; es könne nur Mißgunst gegen den gewaltigen deutschen wirtschaftlichen Aufschwung sein". Deswegen wird man aber wohl beneidet, aber doch nicht gehaßt, sondern eher nur ganz besonders respektiert, wie es noch der Mitarbeiter des „Figaro", Huret, tat, der wenige Jahre vor dem Krieg eine Studienreise im Rheinland und in Westfalen machte, um seine Landsleute mit seinen Berichten von dem Gesehenen aufzupulvern. Also wegen seines Aufschwunges blickte man überall, wohin man auch immer kam, mit großem Respekt zu Deutschland empor. Der Kronprinz wäre aber der gesuchten Erklärung viel näher gekommen, wenn er sich des berüchtigten Wortes seines kaiserlichen Vaters im chinesischen Boxeraufstand 1900 erinnert hätte, das lautete: „Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht!" 22. Der Marxismus sei hier nur behandelt, weil er dem Judentum in die Schuhe geschoben wird — wir werden sehen, wie auch das wieder nur reinste Demagogie i&t. 23. Zunächst einige wichtige Feststellungen, natürlich ohne damit für die Sozialdemokratie igendwie Partei .zu ergreiien. Diese verhält sich zu den Lebensfragen, wie ihr Widerspiel, der Kapitalismus: In kulturellen Fragen national, in Fragen des materiellen Interesses international. So war das Verhalten zwischen deutschen und tschechischen Arbeitervertretern im alten Oesterreich. So ist es noch heute. Die ersten, die nach dem Zusammenbruch 1918 den Anschluß an Deutschland proklamierten, waren die österreichischen Sozialdemokraten. Und diejenigen, die diese Bestrebungen auch jetzt noch ernstlich pflegen, sind die sozialdemokratischen Verwalter der Stadt Wien: auf ihr Geheiß verschwinden immer mehr die schwarz geränderten weißen Straßen-