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Die Wahrheit · 1932-07-08 · Heft 28 (8.7.1932) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 28 (8.7.1932)
Date
1932-07-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Sehr Intelligente Arztenswltwe aus sehr guter Familie wünscht volle Pension in gutem jüdischen Hause Anträge mit Preisangabe an die Adm. der „Wahrheit" unter „Gute Familie". wahres Wort ist. Es ist unbegreiflich, wer ein Interesse daran hat, erfundene Nachrichten über den Juden zugefügtes Unrecht in Deutschland zu verbreiten. Die Lage der Juden in Deutschland ist heute so schwer und delikat, daß niemand sich erlauben dürfte, sie zum Gegenstand billiger Sensationen zu machen und dadurch das Vertrauen, das jüdische Berichterstattung sich gerade in der heutigen Zeit in der ganzen Welt erwerben muß, zu gefährden. __ Gemeinde - Chronik Der Reichsverband deutscher Juden kommt. Von der Reichsarbeitsgemeinschaft der Landesverbände jüdischer Gemeinden in Deutschland wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt: Der Oberrat der Israeliten Badens, Vertreter <ies Preußischen Landesverbandes und der süddeutschen Verbände jüdischer Gemeinden haben sich am Sonntag, den 26. Juni, in Baden-Baden zu einer eingehenden Aussprache über die Bildung der Reichsorganisation der deutschen Juden zusammengefunden. Das Ergebnis ihrer Beratungen berechtigt zu der Annahme, daß auf der gewonnenen Grundlage eine vollkommene Verständigung erzielt wird. Dieses Ergebnis soll nunmehr den einzelnen Verbänden zur Stellungnahme zugeleitet werden. Trauung. Mittwoch, den 29. v. M., fand im Seitenstettentempel die Trauung des Fräuleins Ilse Lenk, Tochter des Herrn Regierungsrates Dr. Max Lenk und seiner Gattin Ernestine, mit Herrn Ing. Hugo Winterberg statt. Der Hochzeit wohnten zahlreiche Mitglieder des Kultusvorstandes unter Führung des Präsidenten Professor Dr. A. P i c k, beinahe der gesamte Zentralvorstand der „Union", geführt von den beiden Vizepräsidenten Dr. J. T i c h o und Dr. K. Steiner, Ausschußmitglieder aller Bezirks- und Unterorganisationen der „Union", sowie viele Vertreter jüdischer Vereine bei. So ergab sich ein schönes gesellschaftliches Bild an dem Freudentage der geschätzten Familie des Brautvaters, dessen Verdienste um die „Union" und ihre politische Betätigung Rabbiner Dr. J. M. Bach in seiner eindrucksvollen Trauungsrede feststellte. Er charakterisierte den Eifer der Eltern für die jüdische Sache und richtete an das Brautpaar den Appell, gleich hingebungsvoll tätig zu sein. Die kantorale Funktion versah Ober- Tcantor M. Matyas. Brauteltern und Brautpaar waren Gegenstand herzlichster Glückwünsche aus allen Kreisen der Wiener Judenschaft. Grabsteinsetzung. Am Mittwoch, den 29. v. M., wurde dem vor Jahresfrist verblichenen Herausgeber unseres Blattes, Chefredakteur Ludwig Hirschfeld s. A., auf dem Neuen Friedhof ein würdiger Grabstein gestellt. Die aus diesem Anlasse stattgehabte Gedenkfeier bewies, daß das Andenken an diesen edlen Menschen in der Wiener Judenschaft nicht erloschen ist und daß er zahlreiche Freunde und Anhänger hinterlassen hat, die seinen allzu frühen Heimgang noch immer tief beklagen. Die Gedenkfeier gestaltete sich zu einer schönen Ehrung für den unermüdlichen Vorkämpfer für jüdische Interessen. In der stattlichen Trauergemeinde bemerkte man u. a. den Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. A. Pick in Begleitung einiger Kultusvorsteher und des Amtsleiters W. Freistadt, mehrere Herren des Zentralvorstandes der „Union" unter Führung des Vizepräsidenten Dr. Karl Steiner, sowie eine starke Abordnung des Vorstandes der Bezirksorganisation II dieser Vereinigung, eine sehr große Deputation des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", Pazmanitengasse, unter Führung des Obmannes Oskar Schramek und des Rabbiners Dr. Z. Taubes, einige Herren des Vorstandes der „Kinderbewahranstalt" mit Präsidenten Rabbioer Dr. Max Grunwald an der Spitze, Vertreter zahlreicher Tempel- und Wohltätigkeitsvereine, mehrere Rabbiner und Kantoren u. v. a. Die würdige Gedenkfeier wurde mit einem tiefergreifenden El mole rachamim des Herrn Oberkantor J. Müller eingeleitet, dessen persönliche Herzenswärme deutlich merkbar war. Sodann ergriff im Namen der „Union" Vizepräsident Dr. Karl Steiner das Wort, um in einer eindrucksvollen Gedenkrede die persönlichen Vorzüge und politischen Qualitäten des Dahingeschiedenen ausgezeichnet zu charakterisieren. Ludwig Hirschfeld war, so führte Dr. Steiner ungefähr aus, eine lebensbejahende Kämpfernatur; er hat bis zu seinem letzten Atemzuge mit Hingebung in Schrift und Tat für die jüdischen Ideale gewirkt. Die „Union" wird ihm für die Bereitwilligkeit, mit der er ihr sein Blatt zur Propagierung ihrer Ideen zur Verfügung stellte, immerdar ein treues Andenken bewahren. Auch die Gedenkrede des Rabbiners des Pazmanitentempels Dr. Zwi Taubes war stark von persönlichem Gefühl für den Toten getragen, dessen hervorragende Leistungen für die Gemeinde der Redner gebührend charakterisierte. Er schilderte seine Aufopferung für die jüdische Sache, inbesondere sein unentwegtes Arbeiten für den Tempel in schwerster Zeit. Im Namen des Tempelvereines sprach noch I. Kantor A. Stift wirkungsvoll ein El mole rachamim; mit dem Kaddisch der beiden Söhne des Verblichenen schloß die erhebende Feier. * Die vornehme Ausführung des würdigen und geschmackvollen, dabei aber doch einfachen Grabsteines durch die bestbekannte Steinmetzfirma Carl Benedikt, III., hat bei den Trauergästen um so mehr Befriedigung ausgelöst, als diese Art durchaus dem Wesen Ludwig Hirschfelds entspricht. Personalnachricht. Herr Friedrich Feuer, Fürsorgerat der Wiener Isr. Kultusgemeinde, wurde als Sachverständiger und Schätzmeister für das Zimmer- und Dekorationsmalergewerbe beim Wiener Handelsgericht vereidigt. — Diese Auszeichnung eines prominenten Wiener jüdischen Handwerkers erscheint um so bemerkenswerter, als Herr Friedrich Feuer sich überall größten Ansehens erfreut. Chinucli-Konferenz beim Keren Hathora. Ueber Einladung des Keren Hathora fand am Sonntag, den 26. v. M., eine Chinuch-Konterenz statt, an der die Vertreter der Talmud Thauros sowie Vertreter der Lehrkörper teilgenommen haben und der als Diskussionsgrundlage ein vom Chinuch-Amt des Keren Hathora ausgearbeitetes Lehrprogramm, bzw. vom Chinuch-Amt ausgearbeitete Vorschläge zur Verbesserung des Lehrprogramms diente. Zweck dieser Konferenz war die Erzielung einer einheitlichen Stellungnahme zu den verschiedenen brennenden Problemen der jüdischen Jugenderziehung. Nach einem einleitenden Referat des Chinuchreferenten Herrn Jakob Teitelbaum und einigen Bemerkungen des Direktors der Keren-Hathora-Zentrale Herrn Dr. Deutschländer entwickelte sich eine sehr anregende Debatte, in der vor allem der Mangel an ausgebildeten Lehrern festgestellt wurde. Weiten Raum nahm auch die materielle Frage ein. Es ist eine traurige Tatsache, daß der Beruf eines Lehrers einer Talmud Thora zu den schlechtestbesoldeten gehört. Die Chinuch-Konferenz hat insbesondere folgende Beschlüsse gefaßt, deren Durchführung dem Chinuch-Amt des Keren Hathora gemeinsam mit der aus Vertretern sämtlicher Talmud Thauros gebildeten Chinuch-Kommission übertragen wurde: 1. Veranstaltung von Schülervorträgen, wobei soweit als möglich Austausch der Vortragenden stattzufinden hat. 2. Veranstaltung eines vierzehntägigen Lehrerfortbildungskurses. 3. Schaffung einer Jugendzeitschrift, eventuell als Beilage zu den bestehenden jüdischen Zeitungen, mit rein jüdischem, sittlich-religiösem Inhalt. 4. Veranstaltung von gemeinsamen Ausflügen der Schüler der Talmud Thauros. 5. Aurklärung über die Notwendigkeit des Thora-Unterrichtes und über die Vorteile des Unterrichtes in der Talmud Thora gegenüber dem Privatunterricht. 6. Durchführung einer großzügigen Propaganda durch die Presse und durch Versammlungen, um das Interesse für die Talmud Thauros und ihre materielle Not zu wecken. 7. Regelmäßige Zusammenkünfte der Chinuch-Kommission, der Vertreter sämtlicher Talmud Thauros angehören, zur Besprechung der aktuellen Fragen. 8. Die Chinuch-Kommission wurde beauftragt, für einen Nachwuchs geeigneter Lehrerpersönlichkeiten zu sorgen. Bund ehemaliger Zöglinge des Badener israelitischen Waisenhauses in Wien. Am 1. d. M. fand die konstituierende Generalversammlung des Bundes statt. Diet Wahl zeitigte folgendes Resultat: Präsident Abraham Reich, Vizepräsident Jakob Sternberg, Schriftführer Schaye Scharfberg, Kassier Finkas Herbert; ferner gehören dem Ausschuß die Herrn Markus S. Katz und Israel Schulz an. Der Bund verfolgt den Zweck, «He mH Badener Waisenhaus genossene Erziehung der Zögtinge im Geiste der jüdischen Religion — durch Versammlungen und Vorträge — fortzuführen, arbeitslosen Mitgliedern nach Möglichkeit Arbeit zu verschaffen, sowie den notleidenden Unterstützung zu gewähren. Der Bund wendet sich daher an die jüdische Oeffentlichkert mit der Bitte, ihm jede Hilfe angedeihen zu lassen, damit er sein ideales Ziel erreichen könne. Zuschriften sind zu richten an Abraham Reich, Wien IL. Große Scbiffgasse 24/13. ftW GROSSFLEISCHHAUEREI f lEGM, KORNMEHL MMMaHHaaMBMHHHMHHMHMM^^B^HBBBH» WEN EX., IIMMHI NR. 1» FILIALE ■ XVUI., WAMUNOftRSIRASSB 99 Telephon Nr. A 17499 and A 1S-9-34 LMM»! fOr HaiiaiMtaMM AbteilungenfarKoscherfteisch Mtar Aufsteht das «hrar. RabbhMtaa dar lar» KHltasgaMaiada VJtaa. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Jiunst und Xiteratuw Graz. Am 2. Juli verabschiedete sich Felix Knüpf er, Intendant der städtischen Bühnen in Graz, ein Jude, von der Stätte seiner überaus segensreichen Tätigkeit als Georg Szabo in Molnars:: „Das Märchen vom Wolf". Vor fünf Jahren kam Knüpfer als Schauspieler und Spielleiter an die städtischen Bühnen nach Graz und bot in seinen Leistungen prächtige Gestalten schauspielerischer Kunst, die nicht nur von großem schauspielerischen Können, sondern auch von einer veredelten Geistigkeit beredtes Zeugnis ablegten. Als nach drei Jahren seiner Qrazer Tätigkeit die städtischen Bühnen in arge Not gerieten und eine starke Theaterunlust das Publikum erlaßt hatte, die Stadtgemeinde mit ihrem Theater in arge Schwierigkeiten geraten war, übertrug sie Knüpfer die Intendanz der städtischen Bühnen. Was Knüpier in diesen zwei Jahren für die deutsche Kunst hier in Graz leistete, grenzt geradezu ans Wunderbare. Kaum acht Tage nach Antritt seiner schwierigen Stelle begann man wieder vom Grazer Theater als von einer hervorragenden Kunststätte zu sprechen und die frühere Unlust wandelte sich in eine begeisterte Theaterlust, so daß es tast allabendlich gefüllte Häuser gegeben hat. Aber nicht das war das Großartige an diesem Umschwung im Theaterbetriebe, sondern das Wesentliche lag darin, daß Knüpier das Theater auf ein künstlerisches Niveau hob, das ruhig die Konkurrenz mit den größten Bühnen Oesterreichs und Deutschlands bestehen konnte. Er schui ein Ensemble, das sich zeigen konnte, und erst letzthin, als „Die Meistersinger von Nürnberg" gegeben wurden, zeigte es sich, daß der Grazer Sänger Schütz an Schönheit der Stimme alle anderen Gäste, die sich aus Staatsopernkräften und anderen Gästen zusammenfanden, überragte. Vorstellungen, in welchen der Bassist Tisch, ebenfalls ein Jude, gesungen, waren Glanzleistungen künstlerischer Gestaltungskraft. Was Knüpfer für die deutsche Kunst in Graz, die schon fast ganz darniederlag, geschaffen hat. steht einzigartig da in der Geschichte des Grazer Theaterwesens. Die „Grazer Tagespost" vom 3. Juli weist in ihrer Bilanz, die sie über die künstlerische Tätigkeit Knüpiers zieht, nach, was Knüpier geschaiien hat. Doch das größte Verdienst erwarb sich Knüpier dadurch, daß er in Gemeinschaft mit dem Opernleiter Tutein in Graz zum erstenmal den „Parsiial" mit einer künstlerischen Vollendung herausbrachte, die zahlreiche Operndirektoren der Fremde zu heller Begeisterung entflammte. Was jahrzehntelang ein sehnlicher Wunsch des musikliebenden Grazer Publikums gewesen, nie aber zustande gebracht werden konnte, hat er den Grazer Wagner-Freunden in meisterhafter Vollendung mit eigenen Kräften gegeben. Das sei ihm unvergessen! Der Dank für das alles zeigte sich auch bei der Abschiedsvorstellung, die das vollbesetzte schöne Opernhaus mit dem auserlesenen Publikum dem scheidenden Künstler geboten hatte. Nach der Vorstellung trat Bürgermeister Professor R ü c k 1 auf die offene Bühne und überbrachten im Namen der Stadtgemeinde dem scheidenden Intendanten den Dank der Stadt Graz aus. Mit einer Kühnheit, sagte der Bürgermeister in seiner formvollendeten Ansprache, und mit einem künstlerischen Elan sind Sie, hochgeehrter Herr Intendant, an die Arbeit gegangen, die uns alle hingerissen hat. Sie haben Wunder gewirkt, indem Sie nicht allein künstlerische Höchstleistungen uns geschenkt haben, von welchen man nicht nur in Graz und in Oesterreich, sondern weit darüber hinaus gesprochen hat, sondern Sie haben den Grazern die Freude an ihrem Theater wieder gegeben. Wir können Ihnen iür alles das nicht genügend danken. Es ist uns darum schwer geworden, als wir infolge der schweren wirtschaftlichen Krise gezwungen waren, das Theater zu verpachten, wer! wir wußten, daß damit auch Sie von uns scheiden werden. Nehmen Sie aber das Bewußtsein mit, daß Sie hier unvergessen bleiben werden. Der Lorbeerkranz, den ich Ihnen im Namen der Stadtgemeinde Graz überreiche, sei nur ein geringes Zeichen unseres tiefgefühlten Dankes. Orkanartiger, nicht endenwollender Beiiall folgte diesen Worten. Nachdem dann noch das künstlerische und technischer Personal von dem überaus beliebten Führer und Freund sich verabschiedet und ein wahrer Blumenregen sich über die Bühne ergossen hatte, dankte Knüpfer für alle Liebe und Hingabe, die ihm alle entgegengebracht haben, weil nur so es möglich war, das alles zu schalten. Die äußerst sympathische und schlichte Art, mit der Knüpfer gesprochen hatte, löste einen wenn auch mit Wehmut erfüllten Sturm der Begeisterung aus. Denn jeder fühlte, daß mit dem Scheiden Knüpfers das glänzendste Kapitel der Grazer Theatergeschichte abschließt. Hier zeigte sich wieder, wie falsch und unsinnig es ist, wenn man dem Juden Einfühlung in deutsche Kunst absprechen will. Knüpier hat hier für die Pflege deutscher Kunst mehr getan als zehn andere deutschstämmige Di-

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