Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 28 (8.7.1932)
- Date
- 1932-07-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRt'.rH ^eiit o Koschere Restauration im II. Bezirk viele Jahre im Besitze, radizierte Konzession, (auch Kaffee, Branntwein, alle erlaubten Spiele) mit 2llt - Zimmer - Wohnung, nur wegen schwerer Erkrankung äusserst blllta abzoüeDen Adresse in der Expedition. so behält die U. E. R. bei diesen Wahlen mehr das ■wirtschaftliche Prinzip im Auge, indem sie mit der „Wirtschaftlichen Föderation'- ein W a h 1 k a r t e 11 abgeschlossen hat. Dieses Prinzip ist iör ciie jüdische Bevölkerung zwar auch von besonder-! Wichtigkeit, denn schließlich ist heutzutage Politik gleichbedeutend mit Wirtschaft, durch die Uneinigkeit uer Judsnschait ist aber die U. E. R. entschieden im Nachteile. Und wenn er auch nur darin besteht, daß sie nicht mit einem jüdisch-politischen Programm und unter nemder Fahne in den Wahlkampi tritt, so ist dies schon : is ein Ruckschritt zu verzeichnen. Aber auch aus einem andern Grunde ist der Reichsblock im Vorteile. Während derselbe nur auf die jüdischen Stimmen zählt und s) eine wahrhaft jüdische Repräsentanz bildet, die anderen gegenüber keinerlei Verbindlichkeiten übernommen hat, ist die U. E. R. aui die Stimmen der andern angewiesen und kann daher niemals behaupten, daß sie aus eisener Kratt sich durchgesetzt habe, abgesehen davon, daß sie ihren Alliierten stets verpflichtet bleibt Vorderhand nimmt der Wahlkampf schon jetzt eine ziemlich heftige Entwicklung, wenn man auch von dem bei ähnlichen Anlässen üblichen aufgeregten Treiben noch nichts merkt. Dieser Umstand ist nur darauf zurückzuführen, daß die Wirtschaftskrise den gewöhnlichen Ausgabenetat und die rege Tätigkeit diesmal eingeschränkt hat. Bernhard R i p p e 1, Czernowitz. Bpuft-nndBräliBPaBsscIiinuEljunB Gärtnerei cdnst SEEf MED Gründnngsjahr 1880 XL, Slmmerlnger Hauptstraße Nr. 381 ni. Tor, Zentralfriedhof, Haltestelle der Elektrischen 71 Telephon U 14-2-61 Unter Berufung auf »Die Wahrheit" 10% Rabatt Vorgänge im „second life", würde mein Vater sagen. Diese Zeiten wollen weder eine Verkleinerung des besten Freundes meines Vaters sein, noch eine Anregung:, letzteren in die Ehrenhailo aiwzunebmen. sondern ich möchte sie nur als eine historische Berichtigung aufgefaßt wissen, wie sie Lombroso, der mit Recht als Senator den Titel „Onorevole" trug, selbst vollzogen hätte und oft bei seinen Lebzeiten vollzogen hat. Hochachtungsvoll Clotilde Benedikt. Wien. Neue Wege der jüdischen Selbstverteidigung. Zu dem in unserer vorletzten Nummer unter diesem Titel erschienenen Leitartikel des Herrn Markus Silberschatz sind uns, wie wir bereits letzthin mitteilten, mehrere Zuschriften zugekommen, die alle das große Interesse für die Anregungen des Autors beweisen. Aus der Fülle dieser Einsendungen veröffentlichen wir heute die folgenden drei: Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie würden mich zu vielem Danke verpflichten, wenn Sie folgenden Ausführungen, die einen kleinen Beitrag zu dem in der vorletzten Nummer Ihres geschätzten Organs veröffentlichten Leitaufsatz des Herrn Marcus Silberschatz „Neue Wegeder jüdischen Selbstverteidigung" darstellen, Raum geben wollten. Der Oedanke des Verfassers, den, wie Sie in der Anmerkung mitteilen, schon der leider so frühzeitig verstorbene Hofrat Ing. Josef Löwy hatte, die Schaffung einer „jüdischen Ruhmeshalle" sowie eines „Volkslexikons" betreffend, ist sehr löblich und würde sicherlich viel Gutes wirken, besonders unter uns Juden, die wir alles lernen und können müssen, nur auf unserem ureigensten Gebiete, dem der Geschichte unseres Stammes, von haarsträubender Ignoranz sein dürfen. Es sei mir daher gestattet, hiezu einige Bemerkungen zu machen. Wie bekannt, existieren doch nebst dem zweibändigen „K o h u t", der etwas veraltet sein dürfte, aber denoch noch ausgezeichnete Dienste leistet, das abgeschlossene ständige „Jüdische Lexikon", die „Jüdische Enzyklopädie" (bereits 9 Bände liegen vor), zahlreiche Monographien (H e i n e - B u n d) und viele andere Schriften, die das gleiche Thema behandeln. Es wäre daher meiner Meinung nach das beste, wenn eine der genannten Verlaganstalten ein „einbändiges Volkslexikon", das einen entsprechenden Auszug aus den großen Werken enthielte, herausgeben oder wenn man den „Kohut" verkürzt und bis auf unsere Tage ergänzt, in einen Band umgearbeitet, erscheinen lassen würde. Als genauer Kenner dieser Materie erlaubte ich mir, diesen Vorschlag zu machen, weil ich mir das Recht verdienen darf, einer der Allerersten gewesen zu sein, der die großen Kulturtaten unseres Volkes einer breiten Oeffentlichkeit vermittelte. Es war im Jahre 1899, also vor mehr als drei Jahrzehnten, als man überall, ganz besonders aber in Deutschland, wo ich damals lebte, Anstalten traf, die Kulturbilanz des abgelaufenen Jahrhunderts zu ziehen. Da ich nur zu gut wußte, daß man hiebet" uns Juden bestimmt übersehen würde, und damals noch keine Werke über jüdische Leistungen vorhanden waren — selbst die „Jewish Encyclopaedia" erschien einige Jahre später —, habe ich mein länger als ein Jahrzehnt gesammeltes Material über jüdische Hochleistungen, die der Gesamtmenschheit, nicht nur uns Juden, zu Ehre und Nutzen gereichten, zu einem Aufsatz „Die Kulturarbeit der Juden" verarbeitet, den ich dem bekannten Heine-Forscher und Literarhistoriker Prof. Dr. Gustav Karpeles, der damals die „Allgemeine Zeitung des Judentums" leitete, übergab. Karpeles bedankte sich bei mir für meinen zur Ehre unserer Gemeinschaft verfaßten Artikel und brachte ihm am 22. Dezember 1899 in der Nr. 51 des 63. Jahrganges seiner Wochenschrift in iünf Spalten zum Abdruck. Dieser Aufsatz veranlaßte den Schriftsteller Dr. Josef Kohut, dem ich die Anregung zu seinem Werke gab, sich mit mir in Verbindung setzen, und ich stellte ihm ganz selbstlos mein ganzes Material zur Verfügung. Dank hierfür; nun das gehört auf ein anderes Kapitel. Anläßlich der Vollendung des zehnjährigen Bestandes des hiesigen „Vereines für jüdische Geschichte und Literatur", zu dessen Gründern ich mich zu zählen die hohe Ehre habe, habe ich über dieses uns Juden besonders ehrende Thema, da wir wahrlich wie kein zweites Volk unsterbliche Werke und Leistungen der Welt gaben, nahezu zwei Stunden gesprochen, ohne es auszuschöpfen. Diese persönliche Sache habe ich nur deshalb angeführt, um meine Legitimation, zum Artikel des Herrn Silberschatz Stellung nehmen zu dürfen, zu dokumentieren. Wenn es nun manchen Ihrer Leser interessieren sollte, wieso ich zu einer Zeit, da die Hilfsquellen noch so spärlich waren, zu meinem Material kam, sei mir folgende kleine Begebenheit wiederzugeben erlaubt. Schon als jungem Mittelschüler war es mir bewußt, daß wir unseren Feinden — und die hat es immer in erklecklicher Zahl gegeben — am besten mit unseren Leistungen für die Menschheit entgegentreten können, und ich suchte damals nach einem solchen Rüstzeug in den jüdischen Buchhandlungen. Die Waffe, die ich mir wünschte, war ein sogenanntes „Goldenes Buch der Juden". Aber leider gab es damals nicht nur kein solches, sondern niemand wußte mir zu raten. Endlich fand ich in Herrn Lippe — einem Bruder des Arztes und späteren Zionistenführers Dr. Lippe (Jassy) —, der im Lloydhof (Praterstraße) eine nach modernen Prinzipien geführte jüdische Buchhandlung führte, den Berater. Er gab mir jungem Studenten den Rat. nebst jüdischen Geschichtswerken fleißig allgemeine und jüdische Zeitungen und Zeitschriften zu lesen und mir selber ein solch „goldenes Buch" zusammenzustellen. Seinen Rat habe ich befolgt und befolge ihn noch heute zu Nutz und Frommen unserer Brüder. Lippes Buchladen (der längst nicht mehr existiert), hat, nebenbei bemerkt, dadurch historische Bedeutung für die Judenheit gewonnen, als in ihm Dr. Isr. Sam. Bloch durch einen jüdischen Offizier — wie Bloch in seinen Lebenserinnerungen erzählt — die Anregung zum Kampfe gegen Rohling erhielt Mit dem Ausdrucke besten Dankes für die Veröffentlichung und vorzüglichster Hochachtung zeichne ich als Ihr ganz ergebener Alired May, Wien. isdiias, Rheuma, tiifflf Htägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Flehten-, Kohlensäurebäder, Diathermie Heifiluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Hellmethoden täglich von 8-6 Uhr HeUontiaU „Ihermla" L, Franz Joseiskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer Geschätzte Redaktion! Zur Frage der jüdischen Ruhmeshalle «ei folgendes bemerkt: Bizet war kein Jude. Dagegen war der französische Nationalbeid Gambetta väterltcharetts Jude. Diese Tatsache ist dem französischen Akademiker Leroy-Beaulieu von einem Manne bestätigt worden, v.'elchem sie Gambetta selbst mitgeteilt hatte. Vgl. „Die Juden und der Antisemitismus", S. 226. Dagegen heißt es im Jüd. Lexikon: G. soll j. Abstammung gewesen sein, doch fehlen für diese häufig aufgestellte Behauptung ernsthafte Unterlagen! Der Redaktion eines Jüd. Lexikons war also Leroy-Beaulieu unbekannt! Ebenso fehlt im Jüd. Lexikon der Entdecker des Kindbettfiebers Semmelweis! Man siebt aus diesen paar Beispielen, mit welchen Schwierigkeiten eine einwandfreie Jüdische Ruhmes halle zu kämpfen haben wird. Prof. Dr. J. K a b a n. Znaim. Löbliche Redaktion! Gestatten Sie mir diesmal eine Zuschrift in sozusagen eigener Sache. In dem Aufsatz über eine zu errichtende jüdische EhrenhaUe ist Lombroso als Schöpfer der Kriminalanthropologie genannt. Es ist echt wienerisch, zu ignorieren, daß diese Weltanschauung zufällig in Wien geschaffen wurde, auch von einem Juden, Professor D. Moriz Benedikt. Von der Wahrheit meiner Behauptung kann Sie Wagner-Jaureggs Jubiläumsfestartikal zu meines Vaters 70. Geburtstage („Neue Freie Presse'", 4. Juli 1905), die von autoritativer Seite gesetzte Grabinschrift meines Vaters am Zentralfriedhofe (1. Tor) und vor allem eine schriftliche Huldigung Lombrcscs :;ti tiner Phfic.'r.iphie von ihm (zu Vaters 60. Geburtstage), die ich dem Museum' für Geschichte der Medizin geschenkt habe, föberzeugen. Der unvergeßliche Dr. Bloch hielt es nicht für zufällig, daß beide, Lombroso und Benedikt, Juden waren, und hat in der „Oesterreichischen Wochenschrift" eine Reihe von Stellen aus dem Talmud zusammengestellt, die die Grundzüge der einst als „modernistisch" bekämpften Lehre enthalten. Sicherlich haben aber beide Gelehrte nie eine Zeile des Talmud gelesen, wir stoßen hier auf Milde Strafe für die antisemitischen Terroristen von Sofia. Wie erinnerlich, ist Ende Dezember 1931 gegen angesehene Juden in Sofia eine Reihe von Attentaten und Torturen verübt worden. Als Haupttäter wurden von der Polizei Dimiter K a 1 p a k ts c h i e f f. führendes Mitglied der antisemitischen Organisation „Rodna Zastita" (Heimwehr), der Sekretär der gleichen Organisation Radon Rädert und ein gewisser Torna Stoyanoff festgenommen. Diese drei hatten sich nun vor dem Soiioter Gericht in einer viele Tage dauernden Verhandlung zu verantworten. Kalpaktschieff wurde beschuldigt einen bulgarischen Chauffeur ermordet zu haben, um ein Auto zur Verschleppung des Präsidenten des Zentralkonsistoriums der Juden Bulgarien, Obersten Avr. Tadger, des Präsidenten der bulscarischen Sektion der Jewish Agency Haim Farchi und der Makkabi-Führer zu bekommen. Er wurde von Doktor B i j e t i, politischem Sekretär der „Rodna Zastita", verteidigt. Die jüdische Seite wurde vom früheren Minister Prof. K u 1 e f f, dem Präsidenten der Anwaltskammer Runewsky, dem Präsidenten der Liga für Menschenrechte Mazankieff und den jüdischen Rechtsanwälten Dr. N. Meworah und Menachem F a y onoff vertreten. Kalpaktschieff erhielt im Gefängnis von seinen Verehrern .begeisterte Brieie und Blumenarrangements zugeschickt. Die jüdischen Rechtsanwälte dagegen erhielten Drohbriefe, in denen es hieß, sie und ihre Kinder würden ermordet werden, falls sie vor Gericht geg:n Kalpaktschieff auftreten. Zum Prozeß waren 121 Zeugen geladen. (Am dritten Prozeßtag wurden auf Antrag des Staatsanwaltes dreivondenTerroristengeführteZeugen, deren Aussagen sich als erlogen erwiesen, im Gerichtssaal verhaftet.) Kalpaktschieff nahm im Gerichtssaal die Pose eines Helden an, gebrauchte im Verhör wie in seinen Schriftsätzen statt des Wortes „Juden" das antisemitische Schimpfwort „Tschifuti". Er erklärte, daß er die jüdischen Führer verschleppen und martern wollte, bis er von ihnen Informationen über die Tätigkeit der Sportvereinigung Makkabi erhalten haben würde; er habe bereits Beweise dafür, daß der Makkabi eine revolutionäre Organisation sei und die Unterjochung Bulgariens bezwecke. Er sei der Organisation „Rodna Zastita" beigetreten, deren Grundsatz es ist, daß man die Juden verfolgen müsse, wenn man ein tugendhafter Bulgare sein wolle. Auf Befragen des Advokaten Fayonoff, ob er als tugendhafter Bulgare je eine Steuerdeklaration bei Ausübung seiner Profession als Techniker abgegeben habe, mußte Kalpaktschieff verlegen zugeben, daß dies nicht der Fall war. Der Staatsanwalt Assen Goljübotf hielt eine Anklagerede, die eineinhalb Sitzungstage dauerte. Ergab einen Rückblick auf die Geschichte des Antisemitismus, seit dessen erstem Auftreten in Aegypten bis auf den heutigen Tag und ließ eine Darstellung der Geschichte des Antisemitismus in Bulgarien folgen. Der Staatsanwalt zitierte Stellen aus dem dritten Band von Dubnows „Weltgeschichte des jüdischen Volkes", aus denen zu ersehen ist, daß die Juden dem bulgarischen Vaterlande stets große Opfer gebracht haben. Im Jahre 1885, während des bulgarisch-serbischen Krieges, rüsteten die jüdischen Gemeinden in Rustschuk, Widdin und Warna aus eigenen Mitteln je 500 und 300 jüdische Kriegsfreiwillige aus und ließen 100 jüdische Mädchen als Krankenschwestern ausbilden. König Alexander verlieh dem Führer des jüdischen Militärteils in Rustschuk, David Mizrachi, die goldene Tapferkeitsmedaille und begrüßte die jüdischen Legionen pIs die wahren Nachfolger der Makkabäer. Der Antisemitismus der Nachkriegsjahre, fuhr der Staatsanwalt fort, ist eine Furcht der Barbarei, derlgnnranzundderDummh e i t. All dieses iindet seinen Niederschlag in dem Machwerk „Protokolle der Weisen von Zion", die zum Handbuch der Antisemiten aller Länder geworden sind. Der Staatsanwalt gab eine Darstellung der Entstehung dieser Fälschung aui Grund der vom Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und dem deutschen Verein zur Abwehr des Antisemitismus vorgenommenen Entlarvung dieses Pamphlets. Zum Schluß seines Plädoyers beantragte der Staatsanwalt gegen den Hauptangeklagten Kalpaktschieff wegen ausgeführten Mordes, Mordversuches, Freiheitsberaubung. Erpressung usw. Todesstrafe