Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 28 (8.7.1932)
- Date
- 1932-07-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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oeste 4 OIE WAHRHEIT Marienbad WM Franzensbad Gold. Schlüssel Rest Fürsienhof SIMON RAAB Den wirtschaftlichen Verhältnissen angemessen, bedeutend ermäßigte Preise. dauernde Bombardement jüdischer Häuser mit schweren Steinen durch die Exzedenten ziemlich ohne Wirkung. — in den Telegrammen wird noch berichtet, wie Jüdische Geschäfte zerstört, die Waren geplündert, Synagogen demoliert. Tborarollen und religiöse Bücher zerrissen und auf die Straße geworfen, zahlreiche Juden niedergeschlagen und schwer verletzt wurden. Erst als alles vorbei war. besuchte der britische Oberkommissär die Familie Menahem und versprach behördliche Maßnahmen zur Auficckterhaitung der Ruhe, wenn die Juden sich verpflichten, nach sechs Uhr abends die Wohnungen nicht zu verlassen. Es erschienen auch Tanks in den Straßen, so daß die Araber es nicht mehr wagten, die Ueberfälle zu wiederholen. Neunzig der Aufrührer, die nicht ständige Einwohner von Aden sind, wurden in das Innere Arabiens deportiert. Unter der jüdischen Bevölkerung besteht aber wenig Hoffnung, daß die unter der Einwohnerschaft von Aden zu suchenden wirklichen Anstifter und Führer der Pogrome bestraft werden würden. Die antisemitischen Unruhen an der Berliner Universität. Die Nazis forderten vergeblich die Entfernung der jüdischen Studenten aus der Universität. Nachdem am Dienstag, den 28. Juni, Versuche der Nationalsozialisten, im Anschluß an eine Kundgebung im Lustgarten antisemitische Unruhen in dier Universität hervorzurufen, mißlungen waren, weil an diesem Tage Uebungen stattfanden, entlud sich die gespannte Stimmung erst am Donnerstag, den 30. Juni. Gegen Mittag bildeten sich nationalsozialistische Studententrupps, die überall in der Halle herumstanden, das Horst Wessel-Lied sangen und „Juda verrecke!", Judenraus!" riefen. Es kam zu Plänkeleien zwischen Nazis und republikanisch gesinnten Studenten. Man sah, wie einige Personen mit blutigen Köpfen weggeführt wurden. Der Rektor, der von den Plänkeleien benachrichtigt wurde, erschien in der Halle und forderte die streitenden Parteien auf, sich zu trennen und nach rechts und links zu treten. Der Aufforderung des Rektors wurde Folge geleistet Die Nazi- Studenten versammelten sich an der einen Seite, die republikanischen Studenten, unter ihnen mehrere jüdische Studenten, an der anderen Seite der Halle. Der Rektor forderte die streitenden Parteien auf, durch verschiedene Tore das Universitätsgebäude zu verlassen, und bat die Führer um ihr E h r e n w o r t, daß sie dafür sorgen, daß Friede gehalten werde. Nachdem die Ansprache des Rektors still angehört wurde, ergriff der Führer der Nazi- Stuidenten das Wort und stellte die Bedingung, daß die „Juden zuerst gehen" sollen. Diese Bedingung konnte der Rektor nicht erfüllen, so daß sein Vermittlungsversuch damit gescheitert war. Unter Führung des Rektors verließen 'die linken Studenten die Halle und das Universitätsgebäude, während die Nazi von den Pedellen nach 'dler anderen .Seite hin abgedrängt wurden und das Universitätsgebäude verließen. Dabei kam es wieder zu Zusammenstößen zwischen Links und Rechts, die sich nachher in 3er Universitätsstraße, wo sich beide Züge trafen, erneuerten. Die herbeigeeilte Polizei war bemüht, die beiden Lager voneinander abzudrängen, konnte aber nicht verhindern, daß es wieder blutige Köpfe gab. In der Straße Unter den Luiden kam es dann noch zu schwereren Zusammenstößen, wobei die Polizei mit Gummiknüppeln nach rechts und links einhieb und schließlich die Menge zerstreute. Die Universität wurde sofort geschlossen. Der Rektor hat dann nachmittags mit den Vertretern der Studentenverbände verhandelt, um den durch die Tumulte an der Universität entstandenen schweren Konflikt beizulegen. Der Deutsche Studentenverband, die sozialistische urtd? auch die kommunistische Studentenschaft gaben die Erklärung ab, daß sie sich allen Weisungen des Rektors bedingungslos unterwerfen würden. Dis Sfudentengruppe ■j'es Jungdeutschen Ordens schloß sich dieser Erklärung an. Die Vertreter der nationalsozialistischen Studentenschaft erwiderten jedoch, daß sie eine solche Erklärung ihrerseits nicht abgeben könnten, es sei denn, daß die jüdischen Studenten ans der Berliner Universität verschwinden würden. Der Rektor der Berliner Universität, Prof. Dr. Lüders, wies auf die U nh al t b a r kei t Üieser Forderung hin. Alle Bürger seiennachderVerfassungvordemGem IHilPillilllllM VORNEHME ■^till2& ^Iftllfeil w f AMILIEN - PENSION iRntairatioi.BaffBBliflDS täglich 5-Uhr-Tee SEWIERING TELEPHON 11 Hochstraße 43 _ neben Hotel Panhans B Mäßige Preise Zimmer mit PensionS 12.— aufwärts j§ Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in Jedem Zimmer. Auslranlf: Wien Tetepnea o 21-6-24. g Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer 1 setze gleich. Dieselbe Forderung, die die Nationalsozialisten bezüglich der jüdischen Studenten aufgestellt hätten, könnten ja dann von ihnen auch gegenüber den jüdischen Dozenten aufgestellt werden. Darauf erklärten die Nationalsozialisten, daß sie vorläufig noch nicht darauf bestehen würden, daß die jüdischen Dozenten entfernt würden. Doch müßten sie daran festhalten, daß die jüdischen Studenten verschwinden. Im Laufe der Verhandlungen „mäßigten" die nationalsozialistischen Studenten ihre Forderung dahingehend, daß die jüdischen Studenten zwar anü'er Universität bleiben könnten, daß ihnen aber nicht mehr gestattet werden dürfe, sich in der Vorhalle aufzuhalten oder diese beim Eintritt und beim Verlassen der Universität zu durchschreiten. Der Rektor erklärte, daß er auch diese F o r d! erung nicht annehmen könne. Der Vermittlungsvorschlag des Rektors war dahingegangen, Lebensversicherungs - Gesellschaft : I „PHÖNIX I : Gegründet 1882 Gegründet 1882; Versicherungsbestand per Ende 1931 .... 2800 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahme im Jahre 1930 150 Millionen Schilling Garantiemittel per Ende 1930 .... 378 Millionen Schilling Auszahlung an die Versicherten im Jahre 1930 . . . 35H Millionen Schilling Filialen in allen Bezirken Wiens sowie in den Landeshauptstädten und allen größeren Städten Oesterreichs. STEIN INDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Te'. U10-4-53 daß sich künftig die rechtsstehenden und die linksstehenden Studenten an zwei verschiedenen Plätzen der Universität zum Stehkonvent versammeln sollten. Die Verhandlungen wurden nach diesem provozierenden Verhalten der nationalsozialistischen! Studenl'enschiaSt ia b' g e, b r ochen, nicht ohne daß der Rektor darauf hingewiesen hätte, daß am 1. Juli der Senat zusammentreten werde. Würden die Nationalsozialisten auf ihren Forderungen beharren, so bestehe die Gefahr, daß die Universität während des ganzen Semesters geschlossen werde. Die deutschnatianalen Studenten waren in den Verhandlungen nicht vertreten, doch hatte die Gruppe der deutschnationalen Studenten dem Rektor schon am Mittag die schriftliche Erklärung unterbreitet, daß sie sich von den Vorfällen distanziere. Die Tore der Universität Berlin, die zwei Tage lang wegen der antisemitischen Unruhen und der Forderung der Nazi-Studenten, daß jüdische Studenten das Universitätsgebäude nicht mehr betreten sollen, geschlossen waren, wurden am Samstag morgen wieder geöffnet, nachdem die Führer aller Studentengruppen, unter ihnen die der Nazi-Studenten, das Versprechen gegeben haben, daß Burgfrieden gehabten werden wird. Man glaubt, daß das dem Rektor, dessen energische Haltung alle Anerkennung verdient, schriftlich gegebene Versprechen gehalten werden wird: | Wahlen in Rumänien. Die Wahlen für die gesetzgebenden Körperschaiten in Rumänien sollen schon in zwei Wochen durchgeführt werden. Das Volk wird also bald Gelegenheit haben, die Männer seines Vertrauens namhaft zu machen. Diese Wahl fällt gegenwärtig aber sehr schwer und gestaltet sich sogar zur Qual. Während bis nun nur wenige regierungsfähige Parteien in Rumänien die Bürgerschaft in ihren Lagern vereinigten und sich in der Regierung in einer fast regelmäßigen Reihenfolge ablösten, zählen wir jetzt nicht weniger als dreißig Parteien, die sich um das Vertrauen der Wählerschaft bewerben. Und wenn darunter auch manche aus verschiedenen Gründen Wahlkartelle eingehen, so bleibt noch immer eine verhältnismäßig zu große Anzahl von Wahllisten, welche die Vertrauensseligkeit der Bevölkerung auf eine harte Probe stellen. Unter den Parteien, die sich um die Stimmen der jüdischen Wähler bewerben, sind besonders die Union Rumänischer juden, U. E. R. und der Jüdische Reichsblock zu nennen. Vor wenigen Wochen war zwar die Rede davon, daß zwischen den Führern beider Parteien Verhandlungen wegen einer Fusion und einheitlichen Vorgehens geführt werden. Leider sind dieselben angeblich wegen intransigenter Haltung der Führer aber ohne Ergebnis geblieben. Bei einigem guten Willen und Rückstellung persönlicher Interessen hätte eine Vereinigung leicht zustande kommen können. Die jüdische Sache ist ein solches Opfer schon wert, allein wie immer sind auch hier kleinliche Meinungsverschiedenheiten im Spiele, die eine Zusammenarbeit unmöglich machen. Die Judenschaft Großrumäniens ist also nach wie vor entzweit und jeder Teil verfolgt abgesondert sein Ziel. Der Jüdische Reichsblock, welcher schon auf einen Erfolg von fünf Mandaten im früheren Parlamente hinweisen kann, zieht auch gegenwärtig unter eigener Flagge in den Wahlkampf. In seinem Wahlaufrufe wird betont: Die Jüdische Reichspartei ist nicht eine politische Partei im gewöhnlichen Sinne, sie strebt nicht wie die anderen Parteien nach der Macht, sondern nach dem Rechte im Staate, nach dem gleichen Recht mit allen anderen Bürgern als Menschen, als Bürger und als Volk. Nach Aufzählung noch weiterer Programmpunkte zum Nutzen des Staates und der Bürgerschaft, Postulate, die nur sehr wenige Aufrufe anderer Parteien um die Macht wird von diesen Parteien als ein „Die jüdische Reichsliste mit ihrem Prinzip der Nichteinmischung in die erbitterten Kämpfe der rumänischen Parteien um die Macht wird von diesen Parteien als ein vornehmes Mittel für ein friedliches und freundschaftliches Zusammenleben mit allen Bewohnern des Landes aufs Beste verstanden ..." Hat nun der Jüdische Reichsblock die jüdische Politik besonders zum Ausdrucke gebracht, : Tätigkeitsgebiet außerhalb Oesterreichs: ■ Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, : : Belgien, Holland, Frankreich. Spanien, Italien, ■ | Ungarn. Polen. Jugoslawien, Bulgarien. Griechen- : land. Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, : : Aegypten. Der neue Dubnow 10 Bände, ist privat sofort für S 160.— zu verkaufen, sonst S 210. — . Auskunft durch die Redaktion.