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Die Wahrheit · 1932-07-01 · Heft 27 (1.7.1932) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 27 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT 5eite7 Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, llbtt im I. C«, Tel. ü 18-0-85 zeitung „Dimineiatza", deren Redaktion von der Bukarester JTA-Vertretung auf Kien starken Widerhall aufmerksam gemacht worden ist, den die von der Jüdischen Telegraphen-Agentur verbreiteten Nachrichten über diese Vorfälle im Ausland gefunden halben, die Veröffentlichung der Dokumente und Protokolle über die behördlichen Terrorakte in Bessarabien an. Das rumänisch lesende Publikum sieht dieser Veröffentlichung mit um so größerer Spannung entgegen, als die amtliche Pressestelle die JTA-Meldung über die Folterung Braunsteins, ohne vorher entsprechende Informationen eingeholt zu haben, durch die rumänische Gesandtschaft in Washington glattweg dementieren ließ. Neue Wege der jüdischen Selbstverteidigung. Den unter diesem Titel in unserer letzten Nummer erschienenen Leitaufsatz . von Markus Silberschatz, zu dem wir übrigens eine ganze Reihe von Zuschriften erhalten haben, die in unserer nächsten Nummer behandelt werden sollen, hat die Redaktion eine Notiz vorangeschickt, in der ausgeführt wird, daß der im vorigen Jahre verstorbene Vizepräsident der „Union" Hofrat Ing. Josef Löwy bereits vor mehreren Jahren den Bau einer jüdischen Ruhmeshalle geplant habe. Zu dieser redaktionellen Bemerkung schreibt uns Herr Silberschatz, daß er vom Plan des verewigten Herrn Hofrat Löwy keine Kenntnis hatte und daß seitens Wissens bis jetzt in dieser Angelegenheit keine Publikationen von anderer als von seiner eigenen Seite erfolgt sind. Gemeinde - €fironiH HiV ' Katastrophale Finanzlage der Warschauer Gemeinde. Der Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde, der größten jüdischen Gemeinde in Europa, Herr Eliah M a z u r, einer der Führer idter Agudas Jisroel, erklärte in einer von ihm einberufenen Pressekonferenz, daß die Finanzlage der Warschauer Gemeinde katastrophal geworden sei. Der Ausgabenetat für das Jahr 1932 betrifft 5,186.000 Zloty und übersteigt den vorjährigen Etat um etwa 200.000 Zloty. Der Einnahmenetat der Gemeinde ist mit 2,200.000 Zloty veranschlagt. Der Gemeindeverwaltung bleibt kein anderer Ausgleich des Haushaltes als Reduzierung der Beamtengehälter, wobei die Gehälter bis zu 300 Zloty monatlich nicht gesenkt, die höheren Gehälter aber um 10 bis 20 Prozent gesenkt werden sollen. Auf diese Weise würden etwa 250.000 Zloty erspart werden. Präsident Mazur teilte weiter mit, idlaß er dem Kultusministerium ein Memorandum überreicht habe, in welchem gegen die letzte Verordnung des Kultusministeriums, die die Einnahmen und die Tätigkeit der jüdischen Gemeinden in einer einschneidenden Weise beschränkt, Stellung genommen wird. * Proteststreik der Gemeindebeamten. In einer Versammlung der Beamten der Warschauer Jüdischen Gemeinde, die von 250 Beamten besucht war, wurde beschlossen, in einen eintägigen Proteststreik gegen den Beschluß der Gemeindeverwaltung, die Beamtengehälter zu reduzieren, einzutreten; ferner einen allgemeinen Dauerstreik zu proklamieren, für den Fall, daß die Gemeindeverwaltung an ihrem Beschluß festhält. Kulturarbeit der Union rumänischer Juden. Am 20. Juni wurde im Bukarester jüdischen Viertel Dudesti das Volksheim der Union rumänischer Juden feierlich eröffnet. Das Volksheim enthält einen Vortragssaal, einen Bibliotheksraum und mehrere Sitzungs- und Büroräume. Es wird die im Entstehen begriffene Volksbibliothek Union, eine Rechtsschutzstelle, eine Zweigstelle des Berufsberatungsamtes der Union aufnehmen und gleichzeitig der Jugend-Unton rumänischer Juden als Heim dienen; es soll hier eben ein Brennpunkt jüdischen politisch-kulturellen Lebens entstehen. Die Eröffnungsfeier leitete der Vorsitzende der Bukarester Union Horia Carp; der Präsident der Gesomt-Union Dr. Fildlermann setzte in einer längeren Ansprache die Aufgaben der neuen Institution, die der staatsbürgerlichen und kulturellen Fortbildung der jüdischen Massen dienen soll, auseinander. Oberrabbiner Dr. I. Niemirower führte aus, die Erfolge der Union auf kulturellem Gebiet seien eine eindrucksvolle Ergänzung zu dien von dieser Organisation auf politischem Gebiet, insbesondere durch ihre entscheidende Mitwirkung an der Emanzipation der rumänischen Juden, erzielten Erfolge. Es folgten Anspradhen jüdischer Führer aus Bukarest und dem Reiche. Die Feier endete mit einer Huldigung für Dr. Filde r m a n n. Synagogen-Einweihung im XX. Bezirk. Zwölf Jahre lang hat der Vorstand des Bethaus¬ und Unterstützungsvereins „Bene Berith". Wien XX., mit Energie und Aufopferung gearbeitet, um das große Werk, die Errichtung einer Synagoge, zu schaffen. Nun ist es gelungen. Sonntag, den 19. Juni, fand die Einweihung der Synagoge (XX.. Kaschlgasse 4) statt, die sich zu einer erhebenden Feier gestaltete. Nach dem „Mah Tauwuh" und „Ledaur Mismaur", von Oberkantor Müller und seinem Chor feierlich vorgetragen, wurde die Bundeslade geöt'fnet und es erfolgte die Einstellung der Thorarollen. Hierauf wurden die versammelten Festgäste durch den Vereinsobmann Herrn S. Arak begrüßt Die Festrede hielt nach dem Anzünden des ewigen Lichtes Rabbiner Dr. David Feuchtwang. der in formvollendeter und inhaltsreicher Weise die Bedeutung dieser Neuschöpfung hervorhob. Gerade in den schlimmen Zeiten, in den Tagen seelischer und wirtschaftlicher Not. erklärte Dr. Feuchtwang, kann der Tempel zum Sammelpunkt aller Kräfte des Judentums werden. Nach Begrüßungsreden des Rabbiners B a b a d und des Präsidenten Professor Alois Pick, der die herzlichsten Glückwünsche der Kultusgemeinde übermittelte, hielt der Vizeobmann Herr J. S e i d m a n n an die erschienenen Festgäste und Vereinsmitglieder eine längere Ansprache, in der er den Sinn und die Bedeutung des neuen Tempels darlegte. In seinen Gotteshäusern, führte Herr Seidmann historisch und gedanklich ^aus, hat das jüdische Volk gelernt, sich zusammenzuschließen und die Gebote der Heiligen Schrift sich einzuprägen. Hier wurden die Gelder der Zedakah, die Mittel für die Erhaltung der armen Stammesbrüder, beschafft, hier fand der Jude Trost in allen Tagen der Verfolgung und des Leidens, hier war auch der Ort, wo unsere Kinder die erste Erziehung genossen und wo die Grundlage und Pflegestätte der jüdischen Kultur von Anbeginn geschaffen wurde. Die Juden haben alle Jahrhunderte hindurch im Gotteshaus seelische Erbauung gefunden. In der Lehre liegt die Kraft — diese Weisheit hat sich beim jüdischen Volk stets bewahrheitet Zum Schluß hob Herr Seidmann die Tätigkeit des Vereinsvorstandes und der hilfsbereiten Mitglieder hervor, dankte allen Gönnern und Spendern für ihre Mithilfe, gedachte der seit Beginn des religiösen Werkes verstorbenen Mitglieder und ertlehte den Segen des Allmächtigen für die ganze jüdische Gemeinde. Seine ausgezeichnete Rede wurde mit tiefer Andacht aufgenommen. Dem feierlichen Eröffnungsakt wohnten zahlreiche Rabbiner, Vertreter der Kultusgemeinde, der Bezirkssektionen, der Bauleitung, zahlreiche Delegierte jüdischer Bethausvereine und viele Tempelvorsteher bei. Mit einem von Oberkantor Müller und Chor herrlich ausgeführten „Hallelujah" schloß nach Verrichtung des Mincha- und Mairiw-Gebetes die erhebende Feier. Trauung. Sonntag, den 26. d. M., fand im Jubiläumstempel, V., Siiebenbrunnengasse, die Trauung des Fräuleins Pauli F e 11 n e r, Tochter des Ehepaares Max und Gusti F e 11 n e r, mit Herrn Erich Wechsler, Sohn des Ehepaares Samuel und Irene Wechsler, statt. Die Beliebtheit, deren sich die Eltern von Braut und Bräutigam in weitesten Kreisen erfreuen, kam an diesem Freudentage der beiden angesehenen Familien zum sinnfälligen Ausdruck; insbesondere waren all jene erschienen, die dem im Wiener jüdischen Vereinsleben ungemein segensreich tätigen Ehepaare W e c h s 1 e r die herzlichsten Beweise ihrer besonnteren Sympathie bekunden wollten. So sah man in dem dichtgefüllten schönen Gotteshause neben den Angehörigen und den Chefs des Hauses Adelberg, Mislap & Winter, in dem Herr Samuel Wechsler seit Jahrzehnten tätig ist und in dem nun auch sein Sohn arbeitet, zahlreiche Vertreter jener Vereine, denen Herr und Frau Wechsler ihre besten Kräfte leihen. Abordnungen hatten entsanjdtt die „Union österreichischer Juden", der Vorstand des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", die Bezirkskommission I der Kultusgemeinde, die Chewra Kadischa, der Verein reisender Kaufleute, die Wohltätigkeits- GROSSFLEISCHHAUEREI SIK3M. KORNMEHL WUN IX., BERQOASSE NR. 1» FILIALE XVIII., WAHRINQERSTRASSE »T Telephon Nr. A 17 3-49und A 194-34 Lieferant für Hallanstaltal» AbteilungenfflrKoscherfleisch unter Aufsieht (■•■ ehrw. tar. KultusgeaMlad« Rabbfaates d«r Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen vereine „Einheit" und „Kurfürsorge" u. v. a. Besonders zahlreich war die „Jugend-Union" vertreten, in deren Leitung der Bräutigam tätig mitarbeitet. Der Trauungsakt war äußerst feierlich, insbesondere wurde die ausgezeichnete kantorale Funktion des Herrn Oberkantor Katz viel beachtet. Rabbiner Dr. M. G. Mehrer hielt an das Brautpaar eine innige Ansprache, in der er dem jungen Paare die großen Verdienste seiner Eltern vor Augen führte und es ermahnte, diesem edlen Beispiele zu folgen. Er hob rühmend die Achtung und Wertschätzung hervor, deren sich diese so hilfreich tätigen Menschen überall erfreuen, und schloß seine Ansprache mit dem Wunsche, daß auch die Kinder sich gleich große Sympathien erwerben mögen. — Eine Gratulationsjause im Restaurant Tonelfo vereinigte Freunde und Anhänger der beiden Familien zu einer stimmungsvoll verlaufenen Feier, in der durch herzliche Toaste neuerlich zum Ausdruck gebracht wurde, wie beliebt die beiden Ehepaare und ihre Kinder sind. Es sprachen Regierungsrat Dr. Max Lenk namens der „Union", Redakteur Oskar Hirschfeld namens der „Jugend-Union", Frau Bundesstaatlicher Fürsorgerat Dr. K r i s s für die „Kurfürsorge", Herr S. K o h n für die Bezirkskommission I, Dr. Ernst Fel'dsb e r g für die Chewra Kadischa, Herr Felix Wachsberg er namens der Bezirksorganisation II der „Union" und! Herr Georg Schönherz für die „Jutäa". Jüdischer Witwen- und Waisen-Hilfsverein für den IX. Bezirk. Anläßlich des 70. Geburtstages seines Ehrenmitgliedes, Herrn Isidor Trebitsch, beglückwünschte im Rahmen einer am 25. d. M. nachmittags im Caf6 Bauernfeld stattgehabten intimen Feier der Obmannstellvertreter des Vereines, Herr Ministerialrat Doktor W e i n e r, den Jubilar und würdigte die besonderen Verdienste, die sich derselbe als Obmann des Vereines durch Jahrzehnte erworben hatte. Das Vorstandsmitglied des Vereines, Herr J. Klein, pries in seiner Rede die Gattin des Jubilars als eine wahrhaft jüdische Frau, die mit ihrem Gatten auf dem Gebiete der Wohltätigkeit wetteifere. Herr Börserat Ignatz Glück beglückwünschte in gewohnt launiger Weise den Jubilar, aber auch gleichzeitig den Verein selbst, der sich rühmen darf, einen Mann wie Isidor Trebitsch seinen Obmann zu nennen. Herr Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz hob in seiner Rede besonders jene Wohliahrtstätigkeit des Jubilars hervor, von der die Außenwelt nichts weiß, die im stillen geübt wird. Isidor Trebitsch gehört zu jenen Wohltätern, die geben, ohne daß die Armen wissen, wer ihr Wohltäter ist Diese echt jüdische Tugend übt Isidor Trebitsch gemeinsam mit seiner Gattin seit jeher. Alle Redner wünschten dem Jubilar vom ganzen Herzen, daß es ihm noch recht lange gegönnt sein möge, in körperlicher und geistiger Frische glücklich im Kreise seiner Familie zu leben und auf dem Gebiete der Nächstenliebe und Wohltätigkeit zu wirken. Der Vorstand des Vereines hatte schon in seiner letzten Generlaversammlung einstimmis den Beschluß gefaßt, seinen Obmann Isidor Trebitsch zum Ehrenpräsidenten des Vereines zu ernennen. * Am Vormittag wurde Herr Isidor Trebitsch, der langjähriges Vorstandsmitglied des Tempelvereines IX. Müllnergasse ist, durch eine Feier im Rahmen des Sabbath-Gottesdienstes in diesem Tempel geehrt. Oberkantor Postolow rezitierte für den zur Thora gerufenen Jubilar einen feierlichen Mischeberach. Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz und der Obmann des Tempelvereines Börserat I. Glück richteten an ihn herzliche Ansprachen, in denen seine hervorragenden Verdienste um den Tempelverein gebührend gewürdigt wurden. 70. Geburtstag. Das Vorstandsmitglied des Tempelvereines XIX., Herr Adolf Waldstein, feierte Samstag, den 25. d. M.. seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde Herr Waldstein von Herrn Oberkantor B o h o m i I n y feierlichst zur Thora gerufen. Der Chor sang unter persönlicher Leitung des Oberkantors das große Halleluja von Lewandowsky. Oberkantor Bohomilny. der die kantorale Funktion in gewohnt ausgezeichneter Weise versah, rezitierte eindrucksvoll einen Mischeberach. Rabbiner Dr. Frankfurter schilderte in einer herzlichen Ansprache den Lebensweg des Jubilars und sagte, die Achtung und

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