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Die Wahrheit · 1932-07-01 · Heft 27 (1.7.1932) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 27 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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oeite 4 DIE WAHRHEIT Marienbad jgipl .___«-___«-«-» «fp Gold. Schlüssel Rest. Für sienhof Franzensbad SIMON RAAB Den wirtschaftlichen Verhältnissen angemessen, bedeutend ermäßigte Preise. Jüdische Künstler dürfen an Staatstbeatern nicht beschäftigt werden. Der Preußische Landtag nahm in der Nacht zum 25. Juni den Antrag der Nationalsozialisten an, wonach jüdische Künstler an Staatstheatern nicht beschäftigt werden dürfen. Die Annahme dieses Antrages war nur deshalb möglich, weil bei der Abstimmung in der zweiten Morgenstunde die Gegner des Antrages, Zentrum, Sozialdemokraten und Kommunisten, die im Landtag die Mehrheit haben, nur noch recht schwach vertreten waren. Praktische Folgen wird der Beschluß des Landtages nicht haben, da er gegen die im Artikel 135 der Reichsverfassung verankerte bürgerliche Gleichberechtigung der deutschen Juden verstößt und auch in bestehende Verträge eingreift. Für die Nationalsozialisten empfahl der Abgeordnete Herr von Gregory die Annahme dieses Antrages u. a. mit der Begründung, daß „denJudenjedesVerständnis für die deutsche Kunst fehle, wie überhaupt die semitische Rasse im Gegensatz zur nordischen Rasse niemals auf dem Gebiete der Kunst schöpferisch hervorgetreten sei." Beschlagnahme des gesamten Vermögens der Qstjuden in Deutschland. Gegen 5 Uhr morgens gelangte ein Antrag der Nationalsozialisten betreffend Aenderung der Einkommensteuer-Staffel zur Abstimmung und Annahme. Punkt 4 des angenommenen Gesetzes lautet: „Die gesamten Vermögen der seit dem 1. August 1914 eingewanderten Ostjuden sind als unsittliche Bereicherung einer produktiv nicht arbeitenden, sondern rafienden Rasse zu Lasten des geknechteten deutschen Volkes in Preußen sofort restlos zu beschlagnahmen und nach einem binnen drei Wochen von der Staatsregierung im Landtag vorzulegenden Gesetzentwurf der Arbeitsbeschaffung dienstbar zu machen." Eine Durchführung dieses Gesetzes kann durch Preußen allein nicht erfolgen, abgesehen davon, daß die gegenwärtige preußische Regierung sich gewiß nicht mit der Durchführung eines solchen Gesetzes wird befassen wollen. In dem Wirrwarr der aufeinanderfolgenden Abstimmungen war nicht festzustellen, wer für und wer gegen diesen Antrag gestimmt hat. Seitens amtlicher Stellen wird mitgeteilt, daß für das Gesamtgesetz über Einkommensteuer, von dem das Gesetz über Beschlagnahme der Ostjuden-Vermögen nur ein Teil ist, Nationalsozialisten und Kommunisten gestimmt haben. Seitens der kommunistischen Landtagsfraktion wird diese Behauptung in Abrede gestellt und erklärt, die Kommunisten hätten beantragt, statt das Vermögen di:r eingewanderten Ostjuden das Vermögen der ehemaligen Landesfürs t e n zu beschlagnahmen; dieser Antrag sei abgelehnt worden. Fürden Ostjuden-Antrag hätten die Kommunisten nicht gestimmt. Schwerwiegendste Folgen könnte dieses Gesetz erst haben, wenn die Reichsregierung ihm in irgendeiner Form Folge gibt. Eine Erklärung des Centrai-Vereins. Vom Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt: „Der vom Preußischen Landtag angenommene Antrag auf Enteignung des Ostjuden-Vermögens ist als reiner Demonstrationsantrag zu werten, dem keinerlei praktische Bedeutung zukommt. Die Kommunisten haben in der Einzelabstimmung über die acht in dem Gesamtantrag vereinigten Anträge gegen die Ostjuden-Enteignung gestimmt Sie haben sich allerdings in der Schlußabstimmung für Annahme des Gesamtantrages eingesetzt, anscheinend deshalb, weil sie agitatorische Schwierigkeiten fürchteten. Hätten sie gegen den Gesamtantrag gestimmt, dann wäre ihnen nachgesagt worden, daß sie gegen eine Besteuerung der hohen Einkommen und gegen einen Protest gegen die Rentenkürzungen gewesen wären. Uebrigens hat sich bei der Schlußabstimmung die Sozialdemokratie der Stimme enthalten. Anscheinend waren für sie ähnliche Erwägungen maßgebend. In politischen Kreisen ist man der Auffassung, daß der Annahme des Antrages keine realpolitische Bedeutung zukommt. Das Staatsministerium braucht einem derartigen Antrag nicht zu entsprechen, weil es sich ja nicht um ein Gesetz handelt, sondern um Anregungen, die in Form eines Antrages gekleidet sind. Ii YORNEDPIE FAMILIEN - PENSION iHestauration.HatfEEhaüs täglich 5-Uhr-Tee iSErarantiNG TELEPHON 11 JHochstraße 43 neben Hotel Panhans Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.—aufwärts Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. Auskamt: Wien Telephon V 27-6-24. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer Dem Antrag wird aiso wahrscheinlich die gleiche Bedeutung zuzumesesn sein wie den täglichen Demonstrationsanträgen, die die Nationalsozialisten im Landtag gestellt haben." Der gleichen Ansicht über das Ostjudengesetz gab in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter ein hoher Beamter der Preußischen Regierung Ausdruck. Die Annahme der nationalsozialistischen Anträge betreffend die Nichtbeschäftigung jüdischer Künstler an Staatstheatern und Beschlagnahme des Vermögens der Ostjuden durch eine Zufallsmehr-_ heit des Preußischen Landtages sowie die noch nicht erledigten antijüdischen Gesetzesanträge der Nationalsozialisten beweisen, daß es unmöglich ist, sich die Nationalsozialisten, die undurchführbare Gesetze beschließen, bzw. beantragen, als Regierungspartei vorzustellen. Dies müßte einer verantwortungsbewußten deutschen Oeffentlichkeit und den verantwortlichen Männern in Preußen wie im Reiche angesichts der Vorgänge im Preußischen Landtag in der Nacht zum 25. Juni doch klar werden. In diesem Sinne haben die Vorgänge im Landtag auch ihr Gutes. Ganz ungefährlich sind solche Beschlüsse aber doch nicht. Es genügt, an den Beschluß des Dessauer Landtages (in dem die Nationalsozialisten die Mehrheit haben), jüdische Künstler im Staatstheater nicht zu beschäftigen, zu erinnern, einen Beschluß, den sich das Kuratorium des Dessauer Friedrich-Theaters sofort zu eigen gemachtund promptdurchgeführt hat. Mussolini über Judentum und Antisemitismus. Antisemitismus existiert nicht in Italien. Die jüdischen Italiener haben sich als Bürger stets bewährt und als Soldaten tapfer geschlagen. Der Verlag Paul Zsolnay (Wien-Berlin) stellt idter Jüdischen Telegraphen-Agentur aus dem in diesem Verlage demnächst erscheinenden Werk „Mussolinis Gespräche mit Emil Lud w i g" den nachstehenden Auszug zur Verfügung, der Aeußerungeh des italienischen Staatschefs über Judentum, Antisemitismus und Rassebewußtsein enthält. Emil Ludwig fragte: „Glauben Sie wirklich, daß es noch reine Rassen in Europa gibt, wie gewisse Forscher verbreiten? Daß wirklich Einheit der Rasse stärkere nationale Kräfte verbürgt? Und sind Sie nicht in Gefahr, daß die Apologeten des Faschismus, wie es Professor X getan hat, denselben Unsinn über das Lateinische verbreiten, wie die nordischen über d5e „blonde Edelrasse" und dadurch die Kriegsgefühle steigern?" — Mussolini wurde lebhaft, denn in diesem Punkt fühlt er sich, vielleicht durch die Uebertreibung gewisser Faschisten leicht mißverstanden. Schon früher hatte er mir seinen Standpunkt zwischen bestimmten Grenzen abgesteckt. Er sagte: „Natürlich gibt es keine reine Rasse mehr, nicht einmal die Juden sind unvermischt geblieben. Gerade aus : Lebensversicherungs - Gesellschaff PHÖNIX i " | Gegründet 1882 Gegründet 1882 Versicherungsbestand per Ende 1931 .... 2800 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahme im Jahre 1930 150 Millionen Schilling Garantiemittel per Ende 1930 .... 378 Millionen Schilling Auszahlung an die Versicherten im Jahre 1930 . . . 35>s Millionen Schilling Filialen in allen Bezirken Wiens sowie in den Landeshauptstädten und allen größeren Städten Oesterreichs. glücklichen Mischungen hat sich oft Kraft und Schönheit einer Nation ergeben. Rasse: das ist ein Gefühl, keine Realität, 95 Prozent sind Gefühl. Ich werde nie glauben, daß sich die mehr oder weniger reine Rasse biologisch beweisen läßt. Die Verkünrter der germanischen Edelrasse sind komischerweise alle keine Germanen: Gobineau Franzose, Chamberladn Engländer, Wöltmann Jude, Lapouge wieder Franzose. Chamberlain hat sich sogar dazu verstiegen, Rom die Hauptstadt des Chaos zu nennen. Entsprechendes wird bei uns nie vorkommen. Der Professor, auf den Sie anspielten, war ein Dichter. Der Nationalstolz braucht durchaus keine Delirien d'er Rasse." — „Der beste Beweis gegen den Antisemitismus," sagte ich. „Antisemitismus existiert nicht in Italien," sagte Mussolini. „Die jüdischen Italiener haben sich als Bürger stets bewährt und als Soldaten tapfer geschlagen. Sie sitzen in hervorragenden Stellungen an Universitäten, in der Armee, in den Banken. Eine ganze Reihe sind Generäle: der Kommandant von Sardinien, General Modena, ein General bei der Artillerie." — „Und dtoch," sagte ich, „arbeiten die Emigranten in Paris öffentlich gegen Sie mit dem Argument, Sie hätten den EintrittderJudenin dlie Akademie verböten." „Absurd," sagte er. „Bisher hatte sich nur keiner dafür gefunden. Jetzt hat D ell a Seta kandidiert, einer unserer größten Gelehrten, der die Vorgeschichte Italiens geschrieben hat." — „Sie begegnen sich," sagte ich, „in dieser Haltung mit allen großen Männern der Geschichte. Denn auch die in Deutschland verbreitete Version von Bismaircks oder gar Goethes Antisemitismus ist eine Fabel. Die Franzosen haben eine gewisse Anomalie ganz zu Unrecht le vice allemand genannt. Main sollte so den Antisemitismus nennen." „Wie erklären Sie ihn?" fragte Mussolini. — „Immer, wenn es den Deutschen schlecht geht, sollen die Juden schuld sein. Und jetzt geht es ihnen besonders schlecht." Er sagte: „Aha! Der Sündenbock!" ■ Tätigkeitsgebiet außerhalb Oesterreichs: i Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich. Spanien, Italien,! Ungarn. Polen, Jugoslawien. Bulgarien. Griechen- : land. Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, : Aegypten. Der neue Dubnow 10 Bände, ist privat sofort für S 160.— zu verkaufen, sonst S 210.—. Auskunft durch die Redaktion.

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