Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 26 (24.6.1932)
- Date
- 1932-06-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064401-3064426--18895-3083973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT Seite 7 #iuiiiiiiiiiiyii!iiniiiiiiiiiiiiuiiiiiu« Danksagung. J§ Außerstande, allen offiziellen Persönlichg keiten, Korporationen, Freunden und Gön- 1 nera, die mir anläßlich meiner Auszeichnung §j Beweise ihrer Sympathie gegeben, schriftjf lieh zu danken, bitte ich, auf diesem Wege jj meinen verbindlichsten Dank entgegenneh- 3 men zu wollen. j| Sofie Grünfeld, 1 Präsidentin des „Ferienheim Vöslau" und f| des „Oesterreichischen Seenospis in Grado". IfllilllliM Schon seit Wochen schien seine Fröhlichkeit zu verebben, das sonst joviale Antlitz nahm straffere Züge an, über seiner Oberlippe erschien eines Tages ein kurzgeschorener Schnurrbart ä la Hitler, und als man, erstaunt ob dieser Metamorphose, fragende Blicke auf ihn richtete, ließ er in seiner Antwort ahnen, daß man bald noch ganz andere Ueberraschungen von ihm erleben würde. Zu diesen Ueberraschungen ist es nun gekommen. Das von Mesko im Abgeordnetenhaus verlesene Programm der „Partei der Ungarischen Nationalsozialistischen Landwirte und Arbeiter" enthält den Satz: „Mitglied der Nation kann nur sein, wer turanischer oder arischer Abstammung ist"; ferner die Bestimmung, daß denjenigen, die „seit 1880 in Ungarn eingewandert sind, um sich hier zu bereichern, ihr Vermögen durch den Staat weggenommen" werden soll. Die Schweiz verbietet das Hakenkreuz. Die schweizerische Bundesregierung hat eine Verordnung erlassen, die das Tragen von Braunhemden und von Emblemen der Nationalsozialistischen Partei verbietet. Zwei deutsche Nationalsozialisten, W. Mörstadt und W. Schulz, wurden wegen unerlaubter Umtriebe ausgewiesen, eine Reihe weiterer deutscher Staatsangehöriger wurde unter Androhung der Ausweisung verwarnt. Der wahre „Kulturbolschewismus". In der St. Ludgeri-Kirche in Essen-Werden wurden, wie der „C. V.-Zeitung" berichtet wird, Mittelgang und Kreuz mit Hakenkreuzen und der Aufschrift „Los von R om!" beschmiert. Die Wand der Kaplanei wurde mit den Worten „Juda verrecke!" bemalt. Die katholische „Essener Volkszeitung" bemerkt, daß die Untat aus der nationalsozialistischen Saat erwachsen ist. * Der Täter, der am 13. März die Synagoge in Vietz mit Hakenkreuzen beschmiert hatte, wurde wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 50 Mark oder zehn Tagen Haft verurteilt. Nach Verkündung des Urteils verließ der Angeklagte den Gerichtssaal mit dem Ruf: „Heil H i 11 e rl". Dafür erteilte ihm das Gericht eine Rüge. * Am Freitag vormittags wurde in Breslau, gerade unmittelbar neben dem Polizeipräsidium ein jüdischer Leichenzug von Nationalsozialisten angepöbelt. Die Hakenkreuzler riefen: „Da haut schon einer ab nach Palästina, die anderen kommen bald nach." I Jakob Weiss s. A. 1 Ein Gedenkblatt von Rabbiner Dr. M. Rosenmann. VERBAND DER SABBATFREUNDE _IL, Leopoldsgasse 16. Offene Stellen: Praktikantin für Krawattenfabrik, Kontorist, Anfänger, Weißnäherin. Praktlkantn von 14 bis 16 Jahren, Köchin, Lehrling für Pelzkonfektion, Schneiderlehrling. Stellengesuche: Kaufmännisches und gewerbliches Personal jeder Art, auf Schulung und Tüchtigkeit hin geprüft. S HEIRAT : ■ Für 26iäbriges Mädchen, religiös, häuslich, mit ■ ■ höherer Schulbildung. S 10.000.— nebst vorkriegs- § H mäßiger Ausstattung als Heiratsgut, wird passen- ■ ■ der Bewerber gesucht. Wohnung vorhanden. ■ ■ Unter „Kultivierter Jude" an die Expedition der 5 ■ „Wahrheit". 5 Animiiniiiiiiiu,,,,,!,,,,,,,,,! Ein vortrefflicher Mensch ist heimgegangen, ein Mann, dem nicht bloß die Gattin und die Kinder, sondern auch zahlreiche Freunde schmerzerfüllt nachrufen: Du fehlst, dein Platz bleibt leer. Er war eine in sich geschlossene Persönlichkeit, voll Idealismus, glühender Begeisterung für das Judentum und unauslöschlicher Liebe für die jüdische Wissenschaft Gleich dem dritten Patriarchen, dessen Namen er trug, stand seine Lebensleiter auf Erden, die Spitze derselben aber ragte in den Himmel hinein. Schon in seiner Jugendzeit saß er zu Füßen talmudischer Koriphäen, und dieser Abglanz verließ ihn nie. Selbst als er der kommerziellen Lauibahn sich zuwandte, blieb die Erinnerung an sein einstiges „Lernen" in ihm wach und verlieh seinem Wesen Seelenadel. Wer mit ihm verkehrte, empfand bald, daß er einen rege und objektiv Denkenden vor sich habe, dessen Werturteile über Menschen und Gegenstände als begründet und berechtigt sich erwiesen. Und weil das Streben dieses prächtigen Mannes immer nach aufwärts, nach geistiger Betätigung ging, daher seine große Freude, als er in den Vorstand des Bet- Hamidrasch berufen wurde, sein Eifer für die Aufrechterhaltung und Ausgestaltung desselben und seine Hingabe für alle Agenden des altehrwürdigen Institutes. Aeußerst selten fehlte er bei einer Vorlesung und, obschon er fast jede Materie vollauf beherrschte, lauschte er auf die Worte der Vortragenden, um den Zuhörern ein leuchtendes Vorbild zu sein. Das Erdenwallen dieses reich begabten Mannes, dem sicherlich noch manche Ehren bevorstanden, wurde jäh und vorzeitig abgebrochen, und in tiefster Wehmut entringt sich allen seinen Freunden der Abschiedsgruß: Und Jakob zog seines Weges; mögen ihm die Engel Gottes begegnen! Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 19. d. M. unter außerordentlich großer Beteiligung statt Es waren alle erschienen, die den prächtigen Menschen Jakob Weiß gekannt und geschätzt hatten, insbesondere all jene, die ihn zufolge seiner rührigen Tätigkeit als Vorstandsmitglied des Beth- Hamidrasch nahegestanden waren. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. I. Taglicht der in ergreifenden Worten das Bild der edlen Persönlichkeit des Toten zeichnete. Präsident Dr. J. Ornstein nahm namens des Vorstandes des Beth-Hamidrasch herzlichen Abschied von dem treuen Mitarbeiter für diese schöne Institution. Rabbiner Dr. M. Rosenmann sprach im Namen der persönlichen Freunde des Heimgegangenen, die seinen Verlust tief beklagen. Ein Vertreter des Fürsorgeamtes der Gemeinde Wien überbrachte einen Kranz derselben. Die kantorale Funktion versah Oberkantor G. Margu- Hes in ergreifender Weise. Gemeinde - thronift Mädchenkonfirmationen. Sonntag, den 19. d. M., fand im Seitenstettentempel die Konfirmation von vierzehn Mädchen statt, die einen sehr würdigen und sehr schönen Verlauf nahm. In feierlichem Zuge betraten die Konfirmandinnen das Gotteshaus, von Oberkantor M. Alatyas mit einem eindrucksvollen Festgesang begrüßt. Rabbiner Dr. I. Tag Ii cht führte den Mädchen in formvollendeter Rede die Bedeutung des Tages vor Augen und ermahnte sie zum treuen Festhalten am angestammten Glauben. Die Mädchen beantworteten hieraui die an sie gestellten Fragen über die sittlichen Lehren des Judentums und gelobten schließlich einträchtig, Treue dem Judentum zu bewahren. Oberkantor Matyas, begleitet von dem ausgezeichneten Chor, rezitierte schließlich noch ein erhebendes Lied. Die schöne Feier übte auf die Anwesenden, die das Gotteshaus bis zum letzten Plätzchen füllten, einen ganz gewaltigen Eindruck aus, ihre Wirkung wird insbesondere auf die Konfirmandinnen gewiß eine sehr nachhaltige sein. — Am 1. Schewuaustage fand im Tempel des 19. Bezirkes während des Gottesdienstes eine Mädchenkonfirmation statt Schon der äußere Rahmen der Feier: das schmucke Gotteshaus in herrlicher Blumenpracht hell erleuchtet, der erhebende Gesang muß sich unauslöschlich im Gemüte der Konfirmandinnen eingeprägt haben. Nach der Thoraeinhebung hielten die Mädchen ihren Einzug und nahmen auf der Estrade Aufstellung. Ein weihevolles Lied leitete die Feier ein. Rabbiner Dr. Frankfurter hielt eine zu Herzen gehende Ansprache, in der er den Kindern die Treue und Anhänglichkeit der biblischen Ruth vor die Seele führte. Einen herzerhebenden Eindruck machte es auf alle Anwesenden, als die Mädchen, nach Beantwortung der an sie gestellten Fragen, von höchster Weihe erfüllt feierlich gelobten, dem Judentume bis zum letzten Atemzuge Treue zu bewahren. Oberkantor Bohomilny, vom gut geschulten Chore begleitet, stimmte schließlich einen herrlichen Festgesang an, und die schöne Zeremonie, die Jung und Alt mit Andacht erfüllte, war zu Ende. P. A. Jubiläumsbankett der Agudas JisroeL Anläßlich des zwanzigjährigen Bestandes der Agudas Jisroel veranstaltete die österreichische Landesorganisation am Sonntag, den 19. d. M., im Festsaale ihrer Jugendgruppe ein Jubiläumsbankett bei dem die führenden Persönlichkeiten der Bewegung, an ihrer Spitze Herr Oberrabbiner Fürst erschienen sind. Nach kurzen Einleitungsworten des Obmannes der österreichischen Landesorganisation, Herrn Wolf Pappenheim, ergriff der Vorsitzende des rabbinischen Rates, Herr Oberrabbiner Fürst, der selbst an der Kattowitzer Gründungsversammlung teilgenommen hatte, das Wort um GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMiHl UMHHHMMMMMMMMMMMa WIEN Ut, BEROOflSSS NR. 1» ftUALBi XVIil., WAJfRlNCIER STRASSE 9t Telephon Nr. A 17*99und A 18-9-34 Uafaraat für Hallanataft«» AbteilungenfsrKoscherfieisch unter Aufstellt das «km*. Rabbinatos tf«r Isr. Kultusgemaiad* Wimm. Sämtliche Pletschsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreise« in meisterhafter Weise die Bedeutung der Agudas Jisroel und ihrer Leistungen zu beleuchten. Namens des geschäftsführenden Ausschusses sprach Rabbi Ber Friedmann, Czortkow, und im Namen der Agudah- Jugend Herr Chaim Herzog. Der Festredner, Herr Dr. Leo Deutschländer, rollte das Bild der Entstehung und Entwicklung der Agudas Jisroel auf, skizzierte die bisher vollbrachten Leistungen und forderte zu noch stärkerer Teilnahme und positiver Mitarbeit auf. Reichhaltiger Beifall belohnte den Redner. Es folgten noch Ansprachen des Herrn Komm.-Rat Siegmund Bondi und Hersch Preminger. Sämtliche Redner hoben besonders die Leistungen der Beth-Jakoobewegung auf dem Gebiete der jüdischen Mädchenerziehung und der Jugendbewegung, die im Rahmen der Agudas Jisroel überall eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hervor. Als Herr David Bondy das Wort zur Schlußansprache erhielt hatte die Festesstimmung ihren Höhepunkt erreicht. Nach hübschen Gesangvorträgen des Herrn Oberkantor Braun und des Jugendgruppenchores gingen die Teilnehmer an dieser herrlichen Feier auseinander. Grabsteinsetzung. Mittwoch, den 29. Juni, 11 Uhr vormittags, wird auf dem Zentralfriedhof (IV. Tor, Gruppe 14, Reihe 3, Nr. 36) der Grabstein für den vor Jahresfrist verblichenen Herausgeber der „Wahrheit", Chefredakteur Ludwig- H i r s c h f e 1 d s. A., enthüllt. Trauung. Sonntag, den 26. d. M., H3 Uhr nachmittags, findet im Jubiläumstempel, V., Siebenbrunnengasse la, die Trauung des Fräuleins Pauli Fellner, Tochter des Ehepaares Max und Gusti Fellner, mit Herrn Erich Wechsler, Sohn des Ehepaares Samuel und Irene Wechsler, statt. 70. Geburtstag. Herr Isidor Trebitsch, Vorstandsmitglied des Tempelvereines, IX., Müllnergasse, und Präsident des Witwen- und Waisenvereines IX, feiert dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Zu Ehren des Jubilars, der sich allseits größter Beliebtheit erfreut, findet kommenden Samstag im Müllner-Tempel im Rahmen des Vormittagsgottesdienstes eine Feier statt. 75. Geburtstag. Der bekannte Schauspieler Theodor Weiß feierte am 18. d. M. seinen 75. Geburtstag in vollster geistiger Frische. Er war 27 Jahre am Deutschen Volkstheater erfolgreich tätig, trat oft für bedrängte arme Kollegen in Wohltätigkeitsveranstaltungen auf und ist noch heute — trotz seines Alters — für arme, hilflose Glaubensgenossen stets hilfsbereit. Todesfall. Am 16. d. M. ist der erste Vizepräsident der Chewra-Kadischa XII—XV, Herr Jonas M. S a m e k, nach kaum 36stündigem Aufenthalte im Kurorte Gleichenberg, woselbst er eine Kur zu machen beabsichtigte, plötzlich gestorben. Seine Leiche wurde von dort nach Wien überführt und vergangenen Sonntag auf dem Zentraltriedhofe (I. Tor) unter ganz besonders zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Unter den zahlreichen Trauergästen waren der Gesamtvorstand der Chewra- Kadischa, sowie der Bethausvorstand XII—XV. vollzählig vertreten, ferner entsandten alle übrigen im Bezirke befindlichen Bethaus- und Wohltätigkeitsvereine Deputationen, um dem verdienstvollen Manne das letzte Geleite zu geben. An seiner Bahre würdigte Herr Rabb. Dr. T a g 1 i c h t in ergreifender Weise die Tätigkeit des Verstorbenen, verwies auf dessen Wohltätigkeits- und Frömmigkeitssinn, ganz besonders dessen Leistungen in der Chewra-Kadischa XII—XV., welche ihn in vollster Anerkennung seiner Verdienste vor einigen Wochen zum Ehrenmitgliede ernannte, hervor. Nicht unerwähnt konnte Herr Rabb. Dr. Taglicht es lassen, daß ihn seit mehr als 60 Jahren mit dem Verstorbenen ein Freundschaftsband verknüpfte und er daher den Verlust dieses Mannes um so mehr beklage. Der Präsident der Kultusgemeinde Herr Prof. Dr. A. P i c k würdigte gleichfalls in dankbarster Anerkennung die Tätigkeit des Verstorbenen in kurzen Worten, worauf der Obmann des Bethausvorstandes Herr Komm.-Rat S. Bernhard von seinem langjährigen Freunde und Mitarbeiter in warmen Worten Abschied nahm. Die kantorale Funktion versahen die Kantoren Taschlicky, Kogan und Hirsch mit verstärktem Männerchor. Beim Grabe sprach noch Komm.-Rat Herr A. Albers dem Verstorbenen Dank und Anerkennung für dessen fürsorgliche Tätigkeit gegenüber den Bezirksarmen, zu denen er wie ein Vater war, aus.