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Die Wahrheit · 1932-06-24 · Heft 26 (24.6.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 26 (24.6.1932)
Date
1932-06-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sehe 6 Dg WAflRHEflT Isdiias, Rheuma, öidit 14tägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwe~ fei-, Sool-, Fichten-, KohlensäurebSder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden t£glich von 8-6 Uhr HeUansiaU „Ihermia" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer 11 Judische Mädchen vor der Berufswahl II Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscheerzeugung mit Öffenütchkeitsrecht Staatsgültige Zeugnisse Einjährige Koch- und Haushaltungsschule mit erweitertem Lehrplan für allgemeine Bildung, streng rituell Dr. Kragerheim, II., Nalzgasse I Tel. A.48-0-77 Internat. Samstag schulfrei. Berufsberatung täglich von Ii bis 12 Uhr. bildenden Künste; 1817 starb Sonnenfels. Sem Name wird auch in der Geschichte des Wiener Theaters durch seinen Kampf gegen den Hanswurst fortleben; aber durch sein unerschrockenes, rastloses Eintreten für die Aufhebung der Folter wird sein Gedächtnis für immerwährende Zeiten in der Geschichte der Zivilisation der Menschheit erhalten bleiben. Die Nachwelt hat sein Andenken durch die Aufstellung seines Standbildes vor dem Wiener Rathause in pietätvoller Dankbarkeit geehrt. Sonnenfels legte den ihm am 4. Dezember 1781 zugestellten Entwurf am 19. Dezember 1781, indem er die Verzögerung in der Befolgung des ihm zuteil gewordenen Auftrages durch einen anhaltenden Augenschmerz entschuldigte, vor. Nach einem Berichte der Hofkanzlei hat Sonnenfels eine andere Einteilung des Entwurfes vorgenommen und auch sonst zu manchen Bestimmungen Bemerkungen vorgebracht; ein für die damalige Zeit jedenfalls bemerkenswerter, gewissermaßen demokratischer Zug offenbart sich in seinem Vorschlage, daß das Beiwort „gnädigst", „gnädigster Wille" überall weggelassen werden solle, „weil es ihm ungeziemend schiene, daß der Landesfürst, der im Gesetz redend eingeführt werde, sich selbst Lobsprüche erteile, von sich selbst im Komplimententone rede." Die Hofkanzlei fand es für notwendig, die Weisung des Kaisers zu erbitten, „ob derlei Ausdrücke künftig in den Patenten wegzulassen seien." Der Kaiser entschied am 29. Dezember 1781, daß es auch fernerhin bei solchen, in der Majestätssprache üblichen Ausdrücken wie „gnädigst", „höchst", „gerechtest" zu verbleiben habe, und trug weiters der Hofkanzlei die unverzügliche Bekanntmachung des Patentes auf, und so gelangte das „in der Geschichte so berühmt gewordene Toleranzpatent vom 2. Januar 1782 zur allgemeinen Verlautbarung. (Fortsetzung folgt) Der Fährer der dänischen Juden gestorben. Am Mittwoch, den 15. Juni, verstarb in Kopenhagen im 80. Lebensjahre Professor David Jacob Simonsen, der Führer der dänischen Juden und eine der populärsten Persönlichkeiten des heutigen Dänemark. David Jacob Simonsen wurde 1853 in Kopenhagen geboren, wurde zunächst HUfsrabbiner, 1892 Oberrabbiner in Kopenhagen und von der gesamten dänischen Judenheit als ihr geistiger Führer anerkannt Ende 1902 legte er das Amt als Oberrabbiner nieder, um sich fortan vollständig der Wissenschaft und der Philanthropie zu widmen. Seine philanthropische Tätigkeit blieb nicht auf Dänemark beschränkt sondern er arbeitete von je an vielen interterritorialen jüdischen Wohlfahrtswerken mit wie er auch die Wissenschaft des Judentums über Dänemark hinaus förderte und befruchtete. Auch auf politischem Gebiete griff er sehr oft zugunsten verfolgter und entrechteter Juden ein. Während des Weltkrieges war er der Vermittler zwischen den jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen in Amerika und den notleidenden Juden in Osteuropa und half auf diese Weise viel Leid mildern. Mit Leo Motzkin und anderen hat er die jüdische Welthilfskonferenz begründet und war Vorsitzender des Zentralrates dieser Konferenz. Ueber seine wissenschaftliche Persönlichkeit berichtet das Jüdische Lexikon: „Außer zahlreichen theologischen, orientalischen, geschichtlichen und bibliographischen Abhandlungen in Zeit- und Festschriften verfaßte Professor Simonsen über die Skulpturen und Inschriften aus Palmyra in der Kopenhagener „Ny Carlsberg Glyptothek" ein Werk, das 1889 in dänischer und französischer Sprache herausgegeben wurde. Bei der Reorganisation des Vereins „Mekize Nirdamim" (1908) zum ersten Vorsitzenden gewählt übte er bedeutenden Einfluß auf die Veröffentlichungen dieses Vereins aus. Seit 1917 ist er Mitredakteur der dänischen Zeitschrift für jüdische Geschichte und Literatur. Anläßlich seines 70. Geburtstages haben seine Freunde und Mitarbeiter eine Festschrift herausgegeben." Die Trauer um den Hingang des großen jüdischen Philanthropen und Gelehrten beschränkt sich nicht allein auf die jüdische Gemeinschaft Dänemarks, sondern trägt den Charakter einer Volkstrauer. Die gesamte dänische Presse widmet der Persönlichkeit des Verblichenen spaltenlange Leitartikel und seitenlange Lebensbeschreibungen und bezeichnet seinen Tod als einen Verlust für Dänemark. Die älteste und größte dänische Tageszeitung, die dem Hofe nahestehende konservative „Berlin gske Tidende" bringt nähere Einzelheiten über das Ableben von Prof. Simonsen und erzählt daß er in seinem Bibliotheksraum „mitten zwischen seinen geliebten hebräischen Büchern seinen Geist aushauchte." „Berlingske Tidende" bringt drei große Würdigungen des Verstorbenen aus der Feder eines hervorragenden dänisch-christlichen Theologen, ferner des Oberrabbiners von Kopenhagen Friediger und des Professors Dr. Ismar Elbogen, Berlin. (Der Artikel Prof. Elbogens wurde vom Berliner Korrespondenten der Zeitung telephonisch nach Kopenhagen übermittelt) In der eigenen Würdigung schildert die Zeitung Prof. Simonsen als „großen Dänen, großen Juden, großen Gelehrten und großen Menschen". Sie weist im besonderen darauf hin, daß Simonsen sich mit großer Hingabe seiner verfolgten russischen Glaubensgenossen angenommen hat und teilt mit daß Simonsen erst vor wenigen Tagen seine in der wissenschaftlichen Welt berühmte einzig dastehende hebräische Büchersammlung der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen zum Geschenk gemacht hat Dadurch habe Simonsen es bewirkt daß jüdische Gelehrte aus allen Ländern der Welt die auf diese Bibliothek angewiesen sind, nunmehr mit Kopenhagen werden rechnen müssen und diese Stadt häufig aufsuchen werden. Die Bestattung Prof. Simonsens fand am Freitag, den 17. Juni, unter ungeheurer Beteiligung der Mitglieder der jüdischen Gemeinde und weiter Kreise der christlichen Bevölkerung Kopenhagens statt Im Trauerzug sah man Mitglieder der Regierung und Vertreter des dänischen Hofes. Auch die christliche Geistlichkeit war außerordentlich zahlreich vertreten. VonWo&e suWocfte Noch immer Klagemauerstreit Der Mufti von Jerusalem Haj Amin ei Husseini hat in seiner Eigenschaft als Präsident der Exekutive des All-Moslem-Kongresses ein Telegramm an den Völkerbund nach Genf gesandt, in weichein er gegen die Beschlüsse der Klagemauer-Kommission des Völkerbundes protestiert und femer die Ausfolgung der Hedschas-Eisenbahn als der Mekka-Pilger-Bahn an die Moslems fordert Die seinerzeit mit Ermächtigung des Völkerbundes durch die englische Regierung ernannte Kommission zur Regelung der Frage der Klagemauer, die aus einem Schweizer, einem Holländer und einem Schweden bestand, hatte eine Entscheidung getroffen, wonach das Besitz recht der Moslems an der Klagemauer bestätigt, aber auch das durch die Tradition erworbene Recht der Juden, ungestört an der Klagemauer beten zu dürfen, anerkannt wird. Vergebliche Liebesmüh. „Einess", das" Hauptorgan der jüdischen Kommunisten Rußlands, führt Klage darüber, daß das jüdische religiöse Leben in den Ländern der.So w jetunion ungeachtet der Tätigkeit der Gottlosen-Klubs (Organisation „Apikojres") nicht auszurotten ist. Die vom „Emess" in die Provinz entsandte Untersuchungsbrigade hat u. a. festgestellt: Das in einen Arbeiterklub umgewandelte Beth Hamidrasch des „Lubawitscher Rebbe" (Rabbi Schneersohn, der nach Erduldung zahlreicher Verfolgungen in das Ausland ging,) steht jetzt leer, da die jüdischen Arbeiter der Stadt Lubawitsch, die noch immer unter dem geistigen Einfluß des Rebbe stehen, aus Pietät das Klubhaus meiden. Nirgendwo auf ihrer Reise hat die Brigade ein Exemplar des „Emess" vorgefunden. Die Brigade stellt fest, daß selbst in den jüdischen Kollektiven die Religionstark verwurzelt ist. In vielen Kollektiven wird derSabbathtraditionellbeobachtet, sind an den Türen der Wohnhäuser, ja sogar der sogenannten „roten Ecken" (Klubs, die ausschließlich kommunistischer Propaganda dienen sollen), „M e s u s o t h" angeschlagen. Z u Pessach wurden in allen Kollektiven Mazzoth gebacken. Alles schon dagewesen .. . Kürzlich wurde in Warschau das Tagebuch des vor einigen Tagen verstorbenen weltberühmten Psychiaters und Gehirnpathologen Doktor Eduard Flatau, Entdeckers des Gehirn- Krebses, veröffentlicht. Darin schildert er wissenschaftlich die Entwicklung seiner Krankheit (Dr. Flatau ist selbst an Gehirn-Krebs gestorben) und teilt dabei mit, daß ihm vor mehreren Jahren eine Professur an der Warschauer Universität mit der Bedingung angeboten wurde, daß er sich tauft Flatau hat es aber vorgezogen, dem jüdischen Glauben treu zu bleiben, und verzichtete auf die Professur. JKa Jleiiftreiis am Wexh Tatarengerüchte. „Die Juden verlassen Berlin. Sie begeben sich unter den Schutz der katholischen Kirche nach München aus Angst vor dem Hitler-Regiment in Norddeutschland." Das meldet der „Daily Express" und er fügt hinzu, daß die Juden dort wahrscheinlich die bayerische Separationsbewegung unterstützen. Keine dieser Nachrichten ist zutreffend. Weder fliehen die Juden nach Bayern, — es sei denn, daß manche ihren Ferienurlaub in den bayerischen Bergen und an bayerischen Seen verbringen wollen — noch unterstützen die Juden irgendein politisches Unternehmen, das gegen den Bestand des Reiches gerichtet ist. Man würde denken, daß diese Nachricht aus nationalsozialistischer Quelle stammt, denn die Nationalsozialisten scheinen ihr Ansehen dadurch vergrößern' zu wollen, daß sie von jüdischer Panik vor einem Hitler-Regiment berichten. Der „Völkische Beobachter" meint eine „Judenflucht aus Deutschland" feststellen zu können und prophezeit, daß „der Hauptstrom der aus Deutschland verduftenden Juden bei der Uebernahme der Regierungsgewalt durch die NSDAP, sieh nach Spanienergießen" würde. Woher der „Völkische Beobachter" diese Nachrichten bezieht, wissen wir nicht. Jedenfalls beruhen sie weniger auf Tatsachen als auf nationalsozialistischen Wunschträumen. Der „Daily Express" aber verfolgt offenbar andere Absichten. Er will das Ausland über die bedrohlichen Zustände^ in Deutschland informieren und zugleich Deutschland warnen, denn er schließt seine Notiz mit den Worten: „Durch die ganze Geschichte hindurch gab es Länder, in denen Juden bedrückt und verfolgt wurden. Eins nach dem anderen dieser Länder stürzte von seiner Größe. Möge Hitler aus der Geschichte lernen, während er sie mach t" Schächtverbot in Frankfurt a. M. abermals abgelehnt. Im wirtschaftspolitischen Ausschuß des Frankfurter Stadtparlaments wurde ein abermaliger nationalsozialistischer Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes für die Schlachtungen im Städtischen Schlachtviehhof abgelehnt. Einzug des Hakenkreuzes in Ungarn. Die Sitzung des ungarischen Abgeordnetenhauses vom 16. Juni war gekennzeichnet durch den Einzug des Hakenkreuzes: Der Abgeordnete Zoltan Mesko erschien zu Beginn der Sitzung in brauner Hitler-Uniform, erbat sich das Wort zur Tagesordnung und erklärte, er sei der Präsident der soeben auf dem flachen Lande konstituierten „Ungarischen Nationalsozialistischen Landwirte- und Arbeiterpartei". Er verlas das Programm dieser Partei, das nichts anderes ist als eine genaueNachbildungdesHitler- Programms in Deutschland. Zum Schluß erbat sich Mesko die Erlaubnis, das Abzeichen der Nationalsozialistischen Partei „im Angesicht des Landes" aufzustecken. „Dies Abzeichen", sagte er, „ist das Hakenkreuz und ich melde an, daß es alle seine Träger zu unbedingt gehorsamen Soldaten des soeben verlesenen Programms weiht und zu unerschütterlicher Treue zum ungarischen Staatsoberhaupt verpflichtet". Die ungarische Presse bemerkt, daß das Auftreten Meskos von dem Abgeordnetenhause „mit lächelnder Nachsicht" aufgenommen wurde. „Pester Lloyd" berichtet, Zoltan Mesko war bisher der Spaßmacher des Abgeordnetenhauses und als Spender guter Laune in allen Parteilagern beliebt.

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