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Die Wahrheit · 1932-06-24 · Heft 26 (24.6.1932) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 26 (24.6.1932)
Date
1932-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ME WAHRHEIT an» t RESTAURATION JJgj in dem berühmten JOÜ- U. SdlWClelDad Bad Deutsch - Alf enbum Reelle Bedienung — Mäßige Preise Auch für Diabetiker Inhaber: Emanuel Lipschütz .Präsidialbericht und der Rechnungsabschluß pro 1931. Im Präsidialbericht fällt vor allem die Schilderung des eindrucksvollen Schewuaus-Gottesdienstes für die Jugend auf, aus dem Rechnungsabschluß wird der Leser vor allem die erfreuliche Tatsache konstatieren, daß das Defizit beinahe auf ein Minimum herabgedrückt worden ist. Damit sind in dieser Sitzung gleichzeitig zwei Ereignisse festgehalten, die so recht bezeichnend für die Tätigkeit des derzeitigen Kultusvorstandes sind und die wohl Anlaß dazu geben können, die Leistung dieses Vorstandes einmal gebührend zu charakterisieren. Diese Leistung ist mit einem Satze entsprechend gekennzeichnet: Senkung des finanziellen und moralischen Defizits. Die Ziffern, die wir oben aus dem Referate des Herrn Dr. D. Friedmann wiedergeben, kann nur ein oberflächlicher Leser nicht gebührend würdigen. Jedem, der in die wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Tage auch nur einigermaßen Einblick besitzt, müssen diese Zahlen zu denken geben. Ueberau hört man von Defizit. Industrie, Handel und Gewerbe sind von diesem Schreckbild unserer Zeit nicht verschont geblieben, alle öffentlichen Körperschaften bis hinauf zu Bund und Gemeinde leiden an dem gleichen Uebel. Es ist natürlich, daß auch die Kultusgemeinde seit Jahren mit einem Defizit zu kämpfen hat; es hatte bereits die schreckliche Höhe von rund 232.000 Schilling erreicht und auch für das vergangene Jahr war ein Defizit von rund 500.000 Schilling präliminiert gewesen; das Defizit des Jahres 1931 allein sollte also mehr als das Doppelte aller bisherigen Defizite sie auch in dieser Hinsicht in einer kritischen Zeit Bestes geleistet hat. Besonders sichtbar sind die Erfolge der nun schon acht Jahre unter der Führung des Klubobmannes der unionistischen Kultusvorsteher, Herrn Dr. Josef Ticho, stehenden Schulverwaltung der Gemeinde in zwei Zweigen des jüdischen Erziehungswesens, dem Jugendgottesdienst und Bibetecbuhmterricht. Der Jugendgottesdienst entsprang ursprünglich dem Bedürfnisse, der jüdischen Jugend, die infolge des Schulunterrichtes nicht die Möglichkeit der Teilnahme am Sabbatgottesdienst hatte, diese Gelegenheit zu bieten. Er war in Friedenszeiten obligatorisch und sein Besuch zwangsläufig also ein recht guter. Diese Situation änderte sich in dem Augenblicke, als nach dem Umsturz die Teilnahme an religiösen Uebungen nicht nur fakultativ wurde, sondern auch nicht in der Schule gefördert wurde, da jede direkte oder indirekte diesbezügliche Beeinflussung der Schüler schulgesetzlich nicht gestattet ist. Man kann also geradezu sagen, daß im Jahre 1924 der Jugendgottesdienst beinahe am Erlöschen war; lediglich an 6 Sabbaten wurde in 13 Gemeinde- und Vereinssynagogen ein solcher Gottesdienst abgehalten, der im ganzen von 6600 Schülern besucht war. Schon im ersten Jahre der Tätigkeit der neuen Schulverwaltimg wendete sich das Blatt zum Besseren. In 12 Gemeinde- und Vereinssynagogen besuchten 27.500 Kinder den Gottesdienst. Seit damals ist ein kolossaler Aufschwung zu verzeichnen; im vorigen Schuljahre waren es 72.000, heuer gar 88.000 Schüler, die den Jugendgottesdienst in 17 Gotteshäusern frequentierten. Das ist ein Erfolg, der nicht hoch genug gewertet werden kann und der nur der Zusammenarbeit aller in der Schulverwaltung der Kultusgemeinde tätigen Beamten und Lehrer, insbesondere aber der umsichtigen und energischen Führung des Obmannes der Schulkommission, Herrn Dr. Josef T i c h o, zu danken ist. Die Schulverwaltung hat es aber auch namentlich in den letzten zwei Jahren verstanden, Anschluß an die Jugend zu finden, die SchuluiBaiBiiHiiiiuuiiHBiaaaBiiHK I LauranaftciAMMiia, | S-m PENSION WEISS E n B a Zimmer mit Balkons unmittelbar am Meer. S ■ Erstklassige Küche, Vollpen- 5 ■ sion pro Tae ab Lire 25.— * ■iniMiiHMiniiisi treten und bereits in zwei Synagogen fanden Freitag-Abend-Gottesdienste statt, zu denen die reifere Jugend beiderlei Geschlechts in überaus stattlicher Zahl erschien. Im Mittelpunkt dieser Sabbatfeiern stand jedesmal ein Vortrag über ein jüdisches Problem. Die Vorbereitungen für die Fortsetzung dieser anerkennenswerten Aktion zu Beginn des nächsten Schuljahres sind im Gange. Auf dem Gebiete des fakultativen Religionsunterrichtes durch die Bibelschulen hat die Schulverwaltung der Kultusgemeinde offensichtliche Erfolge zu verzeichnen. Wie groß dieser Erfolg ist, geht am besten aus einer Gegenüberstellung hervor. Im Jahre 1924, als Dr. T i c h o als Obmann der Schulkommission an die Spitze der Schulverwaltung trat, hatte die Kultusgemeinde bloß zwei Gemeindebibelschulen; im laufenden Schuljahre wurden nicht weniger als 18 Gemeindebibelschulen geführt, in denen weit mehr als 2000 Schulkinder erweiterten Unterricht in Hebräisch, Liturgie, Pentateuch, sogar auch in Talmud erhielten. Ueberdies wird eine große Zahl von Vereins- Bibelschulen durch Subventionen gefördert. In zwei Barmizwah - Vorbereitungsschulen wurden mittellosen Knaben Möglichkeit und Gelegenheit gegeben, sich zur Barmizwah vorzubereiten. An den Bibelschulen der Kultusgemeinde werden zum allergrößten Teile Lehrkräfte der Kultusgemeinde verwendet, die im Rahmen ihrer Lehrverpflichtung Unterricht erteilen. Der Kontakt dieser Lehrkräfte mit ihren Schülern bringt es mit sieb, daß die Frequenz eine überaus gute ist, sowie daß sogar Kinder aus Kreisen die Bibelschulen besuchen, die sonst niemals das Osteirekhische Juden! Denkt an Euren Schutz! / Werbet für Eure „Union"! betragen. Daß es nicht dazu gekommen ist, daß statt des ursprünglich präliminierten Defizits von 500.000 Schilling nur ein Defizit von zirka 50.000 Schilling entstanden ist, das Defizit-Präiiminare sich also zum faktischen Ergebnis wie 10:1 verhält, das ist ein Verdienst, das in unserer Krisenzeit der Leitung der Gemeinde nicht hoch genug angerechnet werden kann. Man weiß, welchen Faktoren dieses Verdienst zuzuschreiben ist. Präsidium, Ersparungs- und Finanzkommission der Gemeinde haben hier zusammengewirkt und das Resultat erreicht, das geradezu als vorbildlich bezeichnet werden darf. Wir sind überzeugt, es ist den betreffenden Herren nicht immer leicht gewesen, selbst dort Ersparungen vorzunehmen, wo sie lieber den Wünschen der Petenten Rechnung getragen hätten. Aber der oberste Grundsatz, die Wiederherstellung des Gleichgewichts im Gemeindebudget schwebte ihnen allen vor Augen und heute können sie mit Genugtuung darauf hinweisen, daß sie ihr Ziel trotz allen gewaltigen Schwierigkeiten erreicht haben. Ein Name darf hier erwähnt werden, der des Finanzreferenten der Gemeinde, Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim. Trotz seiner hohen sozialen Stellung, die mit einer -vielverzweigten verantwortungsvollen Arbeit verbunden ist, hat er dennoch sein in diesen Zeiten besonders wichtiges Ressort mit einem Pflichteifer verwaltet, der ihm die Dankesschuld der Wiener Judenschaft sichert. Wir sind es in diesen Zeiten gewöhnt, daß Hand in Hand mit dem finanziellen Defizit auch ein moralisches geht. Nicht zuletzt die Politisierung der Jugend hat es mit sich gebracht, daß in deren Kreisen eine gewaltige Demoralisierung eingerissen ist. Ihr entgegenzuwirken, ist Aufgabe pflichtbewußter Lenker und Leiter der Jugend, und die Wiener Kultusgemeinde darf sich rühmen, daß iugend zu besonderen religiösen Veranstaltungen heranzuziehen und sie insbesondere an die Feier der Feste und Gedenktage in ebenso zweckmäßiger wie kindertümlicher Weise zu gewöhnen. Kein Anlaß durfte vorübergehen, der nicht dazu benützt worden wäre, die Schuljugend mit dem praktischreligiösen Leben vertraut zu machen. In hellen Scharen strömte die Jugend herbei, wenn in den Gotteshäusern Wiens das Chamischo-Ossor-Fest, Purim, Pessach, Schewuaus und Simchas-Thora in eigenen Festgottesdiensten gefeiert wurde. Zu Chamischa-Ossor kamen zu den Festgottesdiensten mehr als 100 Schulfeiern, so daß die gesamte Wiener jüdische Schuljugend diesen Gedenktag festlich beging. Aber alle diese Feiern und Gottesdienste dienten nicht bloß der intensiven Belehrung der Jugend, sie fesselten auch die tausende erwachsenen Begleiter, Eltern und sonstige Angehörige an den angestammten Glauben. Jedesmal waren die Gotteshäuser so gefüllt, wie man es sonst nur zu den höchsten Festtagen des Jahres beobachten kann. Die segensreiche Einwirkung des Jugendgottesdienstes auf das Alter ist vielleicht aus folgendem Fall zu erkennen: In einem der exponiertesten Gotteshäuser Wiens, in dessen Umgebung eine so geringe jüdische Bevölkerung ansässig ist, daß die Gesamtzahl der jüdischen Schulkinder bloß 42 beträgt, wurde ausnahmsweise der Jugendgottesdienst auf Wunsch des dortigen Tempelvorstandes auf den Freitag-Abend verlegt. Und nun ergab sich folgendes Resultat: Von den 42 Schulkindern, zu denen auch die der ersten Volksschulklasse gehörten, erschienen nicht weniger als 35 jeden Freitag, zum großen Teil in Begleitung ihrer Eltern. Auf diesem Wege wurde also das Interesse der Erwachsenen für den Gottesdienst wachgerufen. Auch der Frage des Gottesdienstes für die reifere Jugend wurde im letzten Jahre näherge- Bedürfnis gehabt hätten, eine Erweiterung ihrer religiösen Kenntnisse zu suchen. An allen Bibelschulen der Gemeinde sowie in allen Kursen ist der Unterricht vollkommen unentgeltlich. Besonders erfreulich ist die Zunahme der für Mittelschüler bestimmten Bibelschul-Kurse; deren gab es im vergangenen Jahre nicht weniger als 15 mit nahezu 400 Schülern. Alles in allem: Hier wurde ein Werk geschaffen, auf das unsere Gemeinde stolz sein darf, stolz vor allem deshalb, weil in so furchtbar schwerer Zeit dieses erhaben große Werk ermöglicht wurde. h. * I Lebensversicherangs - Gesellschaft! I PHÖNIX : » > Gegründet 1882 Gegründet 1882 Versicherungsbestand per Ende 1931 .... 2800 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahme im Jahre 1930 150 Millionen Schilling Garantiemittel per Ende 1930 .... 378 Millionen Schilling Auszahlung an die Versicherten im Jahre 1930 . . . 35'A Millionen Schilling Filialen in allen Bezirken Wiens sowie in den Landeshauptstädten und allen größeren Städten Oesterreichs. Tätigkeitsgebiet außerhalb Oesterreichs: Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien. Italien, Ungarn. Polen. Jugoslawien, Bulgarien. Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien. Türkei, Aegypten.

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