Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 26 (24.6.1932)
- Date
- 1932-06-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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seite 2 Dg WAHgfflEtl IHOTEL m ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. [Kein Mahlzeitenzwang einem der hervorragendsten Meister der Feder; er leitete eine neue Kulturepoche im Norden ein; und auch die Entdeckung von Talenten, die wie helleuchtende, aber von niemandem bemerkte Sterne anmuten, ist ein Beweis, daß er einen begnadeten Blick hatte. Josef Joachim war, unter anderen, als Virtuose auch ein Vermittler, aber die von ihm herausgegebene „Violinschüle" hat Weltruf erlangt. Ferner: Sind Beer - Hofmann, Schnitzler, Wassermann, Werfel auch Vermittler? Auch folgende: die Neugestalter der Bühne Otto Brahtn und Reinhardt, die unsterblichen Schauspieler Barnay, Dawison, Dessoir, Ernst Deutsch, Friedmann, Sonnenthal; Elisabeth Bergner, Sarah Bernhardt, die Rachel? Oder die Komponisten: Bizet, Goldmark, Halevy, Mahler, Mendelssohn- Bartholdy, Meyerbeer (seine Leistungen auf dem Gebiete des musikalischen Dramas sind Wendepunkte der Kompositionskunst), Rubinstein, Offetibach? Oder die bildenden Künstler: Markus Antokolski, Bernstamm, Bakst, Jozef Israels, der auf die holländische Malerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen bedeutenden Einfluß ausübte, Max Liebermann? Und zahlreiche andere, wie Spinoza, Bergson, Husseri, Gumplowicz; Heine, denen die wirkliche Kulturwelt die größte Achtung entgegenbringt? Das waren und sind keine Vermittler, sondern Mittler zwischen der erhabenen Welt des Geistes und den Volksmassen! Was die Juden, wenn ihnen keine Fesseln auferlegt werden, zu leisten vermögen, hat das italienische Judentum bewiesen, das vor dem Kriege nicht viel über 30.000 Köpfe zählte und um dieselbe Zeit eine Reihe von Staatsmännern, Volkswirtschaftlern, Diplomaten: und über 30 Universitätsprofessoren aufwies. Es kamen also auf 1000 Juden ein Universitärsprofessor, während es viele Staaten gibt, in denen auf 1000 Menschen nicht einmal ein Student entfällt. Dem gesamten Judentum müssen seine gewaltigen Leistungen für die Menschheit voll zum Bewußtsein gebracht werden. Heranwachsenden Begabungen, an denen es im Judentum keinen Mangel gibt, soll das Ruhmeswerk ein Ansporn im Kampfe um ihre Ideen und zum Ausharren bei ihrem Stamm sein und den jüdischen Massen ein Anreiz zur Förderung jüdischen Schöpfergeistes werden! * * * Dieses Mittel wäre hauptsächlich eine innere Wappnung des Juden im Kampfe mit seinen Widersachern (wenn es auch, bei den bestehenden Beziehungen, selbst in nichtjüdischen Kreisen propagandistisch wirken würde); es ist aber unerläßlich, auch ein äußeres Bollwerk zu schaffen, an dem der Anprall der bewußten Verleumder des Judentums zerschellen und von dem aus geistige Bresche in ihr Lager getrieben werden soll: Man schaffe eine Ruhmeshalle für den jüdischen Genius! Von ihren gewaltigen Außenflächen sollen die Wappen aller Völker, an deren Kulturaufbau der Jude hervorragend mitgewirkt, weithin leuchten; von ihren Zinnen die Flaggen dieser Nationen flattern; in ihrem Innern sollen die jüdischen Bannerträger der Kultur und Zivilisation verewigt werden. Auch jene jüdischen Errungenschaften, welche umwälzend gewirkt oder von großer Bedeutung waren, sollen dem Beschauer erklärt werden. Man erlebt es täglich, daß der freundschaftliche Verkehr eines keineswegs philosemitischen Ariers mit einem Juden seine Vorurteile gegen das gesamte Judentum „abbaut": wie bekehrt müßte nun ein irregeleiteter Antisemit (kein berufsmäßiger, der in Antisemitismus macht,) einen solchen jüdischen Geistestempel verlassen! Was weiß er heute vom Juden und was würde er dann erfahren?! Jüdisches geistiges Gut ist meist sozusagen vogerfrei; Enzyklopädien verheimlichen oft bei berühmten Juden, auch wenn sie wegen ihres Judentums die schwersten Widerstände bei Durchsetzung ihrer Ideen zu überwinden hatten, die Abstammung; die Blätter, die der Antisemit liest, begeifern das Judentum. Wenn nun der Judenhasser die jüdische Ehrenhalle betritt, so wird er erfahren, daß viele Geistesgrößen, die er für Arier gehalten, zu den „schädlichen" Juden zählen. Wenn er erkennen wird, daß viele Genies, die er von allen Seiten rühmen hört und die anzugreifen sogar seine hetzenden Führer nicht mehr wagen und daher über sie mit Stillschweigen hinweggehen, jüdischer Herkunft sind und berühmte, auch für ihn wertvolle Erfindungen von Juden stammen, so wird er vom Wert des allgemeinen Urteils volksvergiften- _der Demagogen über das Judentum die richtige Vorstellung bekommen. Der Antisemit soll wissen, daß seine Führer ihre Propaganda gegen den von ihnen als geistig inferior bezeichneten Juden mit Hilfe jüdischer Errungenschaften, Erfindungen und Ideen führen. Er soll es eingeprägt bekommen, daß den Juden, die oft unter Gejohle der Menge gefoltert worden waren, die allgemeine Abschaffung der dem Volke gefährlichen Tortur im alten Oesterreich zu verdanken ist (Sonnenfels); daß der Jude, den man einmal in Europa als Brunnenvergifter und Verbreiter des schwarzen Todes verschrien, die abscheulichste Seuche, die Lues, eingedämmt und lange um ihre Eindämmung sich bemüht hatte, denn noch vor Ehrlich, dem Erfinder des Saivarsans, und Wassermann hatten sich andere berühmte jüdische Mediziner um die Bekämpfung dieser menschheitsbedrohenden Krankheit, wenn auch nicht mit dem Erfolg Ehrlichs, verdient gemacht; daß der Jude, von gewissenlosen Verleumdern als Blutabzapfer und Menschenschlächter für „rituelle" Zwecke hingestellt, durch den Aufbau der Blutgruppentheorie Verblutenden rascheste Hilfe durch einwandfreie Transfusion ermöglichte (Landsteiner); daß die Juden auf allen medizinischen Gebieten Grandioses und Neuartiges hervorgebracht (wie töricht nimmt sich oft die Ablehnung eines jüdischen Arztes durch einen Anti- •semiten aus, wenn im betreffenden!Falle das Heilmittel jüdischen Ursprungs ist; wie volksfeind- Jich ist es, Juden von Forschungsinstituten fernzuhalten, denn es gibt noch ungeheuer viel auf medizinischem Gebiete im Interesse der leidenden Menschheit zu schaffen; man sage nicht ein anderer werde r^flSSs^gen;' denn~ Erfindungen STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-052 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 können nur schwer auf Kommando herbeigezaubert werden; hätte man Ehrlich, der keine staatliche Hilfe erlangen konnte, nicht privat gefördert, so hätte er seine grandiose Schöpfung nicht vollbracht und es gäbe noch Millionen Unglücklicher; man kann sich ein Bild machen, wie es nach dem Kriege ohne Salvarsan ausgesehen hätte? Ehrlieh ist sozusagen in letzter Stunde als Retter aufgetreten); der Antisemit soll erfahren, daß der Jude, lange von den Bildungsanstalten ferngehalten, sich mit dem erfolgreichen Kampf für die Einführung der allgemeinen Volksbildung revanchierte; daß der Jude, als Volksfeind hingestellt, so ungeheuer viel zur Verbesserung der Lage der Massen getan (Ricardo, Marx, Lassalle, Singer, Bernstein, Haase und sehr viele andere; viele mögen sich zu mancher dieser Personen stellen, wie sie wollen: es bleibt eine Tatsache, daß sie die soziale Lage der Arbeiterschaft bedeutend gehoben haben); daß er in Industrie und Handel zum Aufschwung von Städten beigetragen, in deren Weichbild die Scheiterhaufen mit den stammestreuen Juden brannten. Der Antisemit kann jüdische Missetaten nicht vergessen, die sich gar nicht abspielten, der Jude aber hat meistens ein kurzes Gedächtnis für ihm angetane Schmach. Der Antisemit soll ersehen, daß fast die ganze jüdische Geschichte ein einziges Heldenepos ist, nicht nur im Kampf und im Sieg, sondern auch im Ertragen von Leid und Niederlage. Der Jude hat an der Errichtung vieler Museen, an der Bildung vieler Sammlungen, an der Aufstellung von Denkmälern gearbeitet: möge er doch einmal an sich selbst denken; er würde mithelfen, den Judenhaß abzubauen und dadurch auch die Hasser von der Schmach, die viele Jahrhunderte verdunkelte, befreien helfen. ■-- Die Leistungen des Wiener Kultusvorstandes. Donnerstag, den 16. d. M.. fand unter Vorsitz meinde das dringende Begehren zu stellen, daß namens des Präsidenten Prof. Dr. A. Pick eine Plenarder gesamten Judenschaft Schritte ziir Abwehr gegen Sitzung des Wiener Kultusvorstandes die immer ärger werdenden Verunglimpfungen und statt, deren erster Teil öffentlich war. Der Eingegen das die körperliche Sicherheit bedrängende lauf und Präsidialbericht wurde von Amts- Treiben unternommen werden. direktor Regierungsrat G. Fuchsgelb zum Vortrag Das Präsidium hat sich bestimmt gefunden, für gebracht Aus diesen Mitteilungen entnehmen wir u. a.: den 30. April d. J. die Vertreter sämtlicher innerhalb Vom Matrikenamte liegen die statistider Wiener Judenschaft bestehenden Parteien und sehen Ausweise hinsichtlich der Bevölkerungs- Gruppen zu einer Aussprache einzuberufen, über deren bewegung für die Monate April und Mai 1932 vor. Die- Ergebnisse die Vertreter ihren Mandanten zu berichten selben weisen folgende Daten auf: und die Stellungnahmen dem Präsidium der Kultusge- -r.__________ ,_. meinde bekanntzugeben übernommen haben. Seither Gesamtzahl der Trauungen.........17 ist dne Reihe solcher Aeußerungen eingetroffen und die " rT,TI .ni Aussprache wird in nächster Zeit fortgesetzt Geburten..........194 WftrHPn davon 105 männlichen und 89 ^«raen. . . ., , . weiblichen Geschlechtes. Dr. D. F r l e d m a n n berichtete m Vertretung „ Sterbefälle........ . 418 des beurlaubten Finanzreferenten Dr. H. O p p e n- ,. Austritte . ......... 163 heim über den Rechnungsabschluß iL» *» * *• ™"^"v,™ sc108 sind in der Zeit von Anfang April bis Ende Mai 1932 ™t Einnahmen von S 6,283.917.19 und Ausgaben unter den aus dem Judentum ausgetretenen Personen von S 6,332.685.78, so daß sich ein Defizit von 44 Kultussteuerträger zu verzeichnen. Von diesen waren S 48.768.59 ergab; zuzüglich der Defizite der 18 Personen mit einer Kultussteuer von S 1.— bis r ... To, „„„ c oatonTii K^so-f oiot h« S 10.-: 15 Personen mit einer solchen von S 10.— bis früheren Jahre von S 231.907.11 betragt also das S 50.—: 4 Personen mit einer Kultussteuer von S 100.— Gesamtdefizit S 280.675.70. Gegenüber dem Prä- bis S 150.—. je eine Person mit einer solchen von liminare sind Mehreinnahmen von S 378.984.19 und S 200.- und S 300.- Kultussteuer bemessen. geringere Ausgaben von S 74.303.22 zu verzeich- Der Festgottesdienst für die Schul- « R . h {rpir^T11"1hp.r A^m PrälimiTiarp Pin jugend amSchowuaus wurde in allen Gottesnen< *° dali sich gegenüber dem präliminare ein häusern, in denen Jugendgottesdienste stattfinden, demgünstigeres Ergebnis von S 453287.41 einstellte, nach in 17 Gemeinde- und Vereinssynagogen, abge- Für das Jahr 1931 war ein Defizit von S 502.056 halten. Nahezu 6000 Schulkinder hatten sich - viele veranschlagt gewesen, tatsächlich betrug das auch in Begleitung ihrer Eltern — zu dieser Feier einn . ., .?, . , , ~, ., „„„ _ - gefunden. Der Verlauf der Gottesdienste war ein sehr Defizit nicht einmal den zehnten leil dieses prawürde- und ausdrucksvoller. Sehr gut scheint sich die liminierten Betrages. Das Gesamtdefizit war mit Heranziehung der Kinder zum Vertrage der• Zehn Geg 733.963 präliminiert, der faktische Abgang bebote in hebräischer und deutscher Sprache bewahrt zu , _ . . _.„„_+ M.n c 0an erta tt\ haben. Diese aktive Betätigung bereitete nicht nur den ira£t. wie gesagt, bloß S 280.675.70. Kindern viel Freude, sondern schien auch auf die Eltern * * * und sonstigen erwachsenen Besucher der Gottesdienste , „„ Ci, „„„ ,„„„ i„+„fo j„c einen guten Eindruck gemacht zu haben. oh™ erwähnte Sitzung war die letzte des Das vom Kuitusvorstande gewidmete, auf das Kultusvorstandes vor den Sommerferien, für die Schowuausfest bezughabende Gedenkblatt wurde an die auch die usuelle Geschäftseinteilung des Präsidiums anwesenden Kinder zur Verteilung gebracht. getroffen wurde. Die Sitzung war in mancherlei Mit dieser Feier schloß der allwöchentliche Jugend- Hinsicht geeignet, einen Rückblick auf eine Reihe gottesdienst des laufenden Schuljahres. von Leistungen des Kultusvorstandes, der in sei- ^^S^S^^S^iXa0^ heutigen Zusammensetzung ziemlich unverdentlichsten Formen gegen die jüdische Bevölkerung ändert schon acht Jahre die Geschicke der Wiener und die jüdische Studentenschaft unentwegt verübt Gemeinde leitet, zu werfen. Im Mittelpunkt der wurden, haben zahlreichen jüdischen Korporationen soöffentlichen Sitzung standen, wie aus der obigen wie einzelnen Gememdemitgliedern Veranlassung ge- .. *» ' . ~ . . _ boten, in Zuschriften an das Präsidium der Kultusge- Wiedergabe zu entnehmen ist, zwei Referate: Der