Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 24 (10.6.1932)
- Date
- 1932-06-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DB WAHRHEIT UNION* FRÜHLINGSFEST Samstag, d. 2.Juli 1932 abends, im reservierten Garten des Cafe-Restaurant „Constantinhügel" (Erstklassige Akademie, Tanz im Freien, Tombola, Juxzelte etc.)» Entree S 2'50 Karten im Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Telephon A 19-2-77, in der Redaktion der „Wahrheit", IL, Heinestra&e 13, Telephon R 46-2-16, und bei den Komitee-Mitgliedern erhältlich. Das Fest wird bei ungünstiger Witterung am Dienstag, den 5. Juli abgehalten. rungssumme ist sofort nach seinem Ableben fällig. Durch Einzahlung einer doppelten oder dreifachen Prämie kann man sich auch die Auszahlung einer doppelten oder dreifachen Versicherungssumme sichern. Diese Erhöhung kann auch im Verlaufe der Versicherungsdauer jederzeit erfolgen. Die Unsicherheit unserer Zeit darf jedenfalls nicht dazu führen, daß man einfach die Hände in den Schoß legt und sagt, nach mir die Sintflut. Das Leben läuft weiter, unsere Pflichten gegen unsere Familie müssen erfüllt werden und wir müssen unsere Angehörigen so gut oder so schlecht versorgen, als es im Bereiche der Möglichkeit liegt. bringen, daß man draußen einfach Wien nicht mehr einschaltet und die Bartsch und Genossen ungehört schwätzen läßt Siegfried Scheuer, Kultusvorstand. Ein Gebot der Zeit Die wirtschaftliche Not unserer Zeit macht eine Lebensversicherung mehr denn je zur unbedingten Notwendigkeit. Wenn der Familienversorger infolge der ungünstigen Verhältnisse schon in voller Kraft und Rüstigkeit Mühe genug hat, die Lebensnotwendigkeiten für sich und die Seinen herbeizuschaffen, was sollen denn dann erst die Witwe oder die Waisen anfangen, wenn den Vater der Familie ein ungünstiges Geschick abberufen hat Anderseits bewirkt gerade die wirtschaftliche Knappheit, daß es den Familienversorgern schwer fällt, größere Beträge für eine ausreichende Versicherung zu erübrigen. Da ergibt sich nun für die meisten Kreise e i n richtiger Mittelweg, um für den Fall des Ablebens wenigstens notdürftig für seine Familie Vorsorge zu treffen. Das Wichtigste hiebei ist, daß es sich nur um ganz minimale Beiträge handelt. Ein 35jähriger hat z. B. für S 1000.— Versicherungssumme monatlich an Prämie samt allen Gebühren nur S 2.10 zu entrichten. Durch diese Billigkeit der Prämie ist es auch dem wirtschaftlich Schwächsten möglich gemacht, eine derartige Versicherung abzuschließen. Jeder Familienvater kann sich dadurch die Beruhigung verschaffen, daß wenigstens für die ersten Wochen nach seinem Ableben seine Familie der äußersten Notlage enthoben ist, denn die Versiche- | Lebensversicherungs ~ Gesellschaft I,PHÖNIX Gegründet 1882 Gegründet 1882 Versicberungsbestand per Ende 1931 .... 2800 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahme im Jahre 1930 150 Millionen Schilling Garantiemitte] per Ende 1930 .... 378 Millionen Schilling Auszahlung an die Versicherten im Jahre 1930 ... 35H Millionen Schilling Filialen in allen Bezirken Wiens sowie in den Landeshauptstädten und allen größeren Städten Oesterreichs. Tätigkeitsgebiet außerhalb Oesterreichs: Deutsches Reich. Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn. Polen. Jugoslawien, Bulgarien. Griechenland. Rumänien, Palästina, Syrien. Türkei, Aegypten. „Jüdische Volkspartei". In den letzten Nummern der „N e u e n W e 11" findet sich an der Spitze des Blattes jedesmal ein Aufruf „An die jüdischen Volksgenossen!", in dem zum Beitritt in die „Jüdische Volkspartei" (Obmann Robert Stricker) aufgefordert wird. Obwohl wir überzeugt sind, daß diesem phrasenreichen Aufrufe nicht so bald jemand Folge leisten wird, der um die Wiener jüdischen Dinge Bescheid weiß, ist es doch unsere Pflicht, auf das Bedenkliche dieser ganz famosen Parteigründung rechtzeitig aufmerksam zu machen. Denn hier verbirgt sich hinter einem „neuen" Schilde eine alte schlechte Sache. Wir sind es nun schon zum Ueberdruß gewohnt, daß gewisse radikale jüdischnationale Politiker jedesmal vor den Wahlen sich eine (schlecht schießende) Kanone kaufen und sich selbständig machen. So auch diesmal. Im Herbst sollen Wahlen stattfinden und flugs ist Herr Oberbaurat Stricker mit einer frisch lackierten „Jüdischen Volkspartei" auf den Plan getreten. Die Gründung erfolgt im bewußten Gegensatz zu allen anderen jüdischen Organisationen, ja sogar auch zum Zionistischen Landeskomitee, das bekanntlich die Beteiligung an den politischen Wahlen in Oesterreich seit längerer Zeit schon als durchaus aussichtslos ablehnt. Wer soll also dem Rufe Strickers Folge leisten, der sogar verspricht, „einen legitimen Kampf gegen alle Versuche, die jüdischen Rechte zu schmälern", zu führen. Wie auch nicht,: Herr Stricker wird im Nationalrat einen sicher gleich aussichtsreichen Kampf gegen die Antisemiten ausfechten wie seine revisionistische Partei, die nun sogar dem mächtigen England den Krieg ansagt. Xa&en&weuz am Wew& Bereitet sich eine Nazi-Internationale vor? Das Organ der englischen Labour Party „Daily Herald" erfährt, daß in diesen Tagen in Wien Vertreter faschistischer Parteien aus vier Ländern zusammengekommen waren und über eine Zusammenarbeit der Faschisten in ganz Mitteleuropa berieten. Einer der Teilnehmer war Major Pabst, ferner waren eine ungarische reaktionäre Gruppe, die Nationalsozialistische Partei Deutschlands und Oesterreichs, die österreichische Heimwehr und faschistische Gruppen anderer Länder . vertreten. Der Beratung hätten auch zwei italienische Parlamentsmitglieder und der Kommandeur des Hauptquartiers Hitlers in München, Dumoulin, beigewohnt. „Daily Herald" meint, die Wiener Beratung wäre ein bedeutsamer Schritt zur Vorbereitung einer Mitteleuropa beherrschenden faschistischen Internationale. Wieder antisemitische Brandstiftung in Saloniki. Der gerichtliche Freispruch der Führer des Pogroms in Saloniki, auf deren Schuldkonto die Niederbrennung des jüdischen Wohnviertels Campbell fiel, hat die vom Gericht erwartete Versöhnung zwischen dem antisemitischnationalistischen und dem jüdischen Element nicht gebracht Die antisemitische Hetze der Nationalisten, genährt durch Legenden von jüdischer staatlicher Untreue, wird ununterbrochen weitergeführt Die Hetze hatte zur Folge, daß in der Nacht zum letzten Sonntag eine im jüdischen Vierte] gelegene Baracke, in der vier beim Campbell-Brand obdachlos gewordene jüdische Familien Unterkunft fanden, in1 Brand gesteckt wurde. Glücklicherweise wurde der Brand rechtzeitig entdeckt, so daß die schon schlafenden Insassen gerettet werden konnten. Die jüdische Gemeinde von Saloniki wandte sich an die Behörde mit der Forderung nach strenger Untersuchung und Verstärkung der Wache im jüdischen Distrikt von Saloniki. Die Judenschaft von Saloniki fordert einmütig, daß ihr gestattet wird, eine Selbstwehr zu bilden und an besonders gefährdeten Stellen1, wie bei den neuen Wohnbaracken, ständige Wachen aufzustellen. Wie es heißt, sind die Behörden geneigt, diese jüdische Forderung positiv in Erwägung zu ziehen. Polnische Justiz. Das Warschauer Gericht verurteilte fünf jüdische Studenten, die während der Unruhen an der Warschauer Universität im November 1931 einen antisemitischen Studenten namens Miller, der jüdische Passanten in der Nähe der Universität geschlagen hatte, feststellen ließen. Polizeikommissar Krakowski, der die Feststellung vornehmen sollte, ließ nicht nur Miller, sondern auch die fünf jüdischen Studenten verhaften. Vor Gericht sagte Krakowski aus, er habe gesehen, wie die jüdischen Studenten Miller, der ihnen antisemitische Schimpfworte zurief, attackierten. Das Gericht verurteilte daraufhin Miller und die fünf jüdischen Studenten zu je 50 Zloty Geldstrafe. Eine Reihe christlicher Studenten, die sich in dem gleichen Prozeß wegen Ueberfällen auf Juden zu verantworten hatten, wurde freigesprochen. Schächtverbot für ganz Preußen? Die nationalsozialistische Fraktion des Preußischen Landtags hat einen Wirtschaftsausschuß gebildet, der alle Fragen wirtschaftspolitischer Art behandeln soll. Als eine seiner ersten Arbeiten bereitet dieser Ausschuß — wie die JTA erfährt — einen Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes für ganz Preußen vor, der demnächst dem Landtag zugehen wird. In jüdischen Kreisen erwartet man bestimmt, daß die nichtnationalsozialistischen Parteien im Preußischen Landtag einen solchen Antrag der Nationalsozialisten, der gewiß keine anderen als a n t i s e m i t ische Motive hat, nicht ernstlich in Betracht ziehen werden. Das Folterungs-System in Bessarabien. Deputierter Dr. Michael Landau begab sich dieser Tage nach Bukarest, um die verantwortlichen Regierungsstellen über das Folterungs- System in Bessarabien zu informieren. Seinem Bericht war zu entnehmen, daß der schwer gefolterte Simson Braunstein in Jedinetz seinen Leiden nicht erlag, aber noch immer in Lebensgefahr schwebt. Die bestialischen Folterungen wurden vom Kommandanten der Gendarmerie in Chotin Hauptmann Panisora anbefohlen und von den Gendarmen Ghitiga und Balei ausgeführt. Mehrere hundert Personen, Juden und Bauern, durchwegs ehrsame und makellose Bürger sowie angesehene Landwirte, wurden in Städten und Dörfern unter dem Verdachte, Kommunisten zu sein, verhaftet, eine Anzahl von ihnen wurde Torturen unterzogen. Ein Bauer, der gefoltert wurde, erhängte sich in einem unbewachten Augenblick. Der jüdische Parlamentsklub wird beim Innen- und Justizministerium Schritte unternehmen, um eine Abschaffung des Tortur-Systems und eine Bestrafung der schuldigen Beamten zu erwirken. Retten dürfen sie, aber . . . Im Aprilheft der „Mitteilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins" veröffentlicht ein Mitglied der Sektion Austria in Wien einen „Oeffentlichen Dank für lobenswertes Verhalten" an sechs Studierende der Bundeslehranstalt für Textilindustrie, die ihn nach einer Sturzverletzung „bei tiefstem Neuschnee unter großer Mühe ins Tal beförderten und so rasche ärztliche Hilfe ermöglichten, die seine Heilung beschleunigte". Mindestens zwei von den Genannten, G o 1 d f a r b und Jonas, sind Juden, sind also von den hakenkreuzgeschmückten Hütten der Sektion Austria, die bekanntlich die Wortführerin der antisemitischen Treibereien im Alpenverein war, ausgeschlossen. Ob die „löbliche Kameradschaftlichkeit", die ihr eigenes Mitglied hier jüdischen Bergsteigern dankend bestätigt, den Vorstand der Sektion Austria zu einer Aenderung seiner Haltung veranlassen wird? Unwahrscheinlich. W. L.