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Die Wahrheit · 1932-06-10 · Heft 24 (10.6.1932) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 24 (10.6.1932)
Date
1932-06-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Gemeinde ~ tUkt&nifö. 70. Geburtstag. Am Dienstag, den 14. Juni feiert ein Mann seinen 70. Geburtstag, der zu den populärsten und doch bescheidensten im jüdischen Wien gehört, so bescheiden, daß wir mit Bestimmtheit wissen, daß selbst diese wenigen Zeilen, die nur eine geringe Ehrung des Jubilars darstellen sollen, ihm nicht willkommen sein werden. Aber sein Festtag verdient ehrende Erwähnung, denn Edmund H o fm a n n ist wegen seines prächtigen Charakters und seiner nimmermüden Arbeits- und Hilfsbereitschaft in weitesten Kreisen beliebt und geschätzt. Aus dem Burgenland gebürtig, kam er 1875 nach Wien und widmete sich von frühester Jugend an dem Tapeziererhandwerk. Nach Absolvierung der Lehrzeit machte er sich 1888 selbständig, und zwar damals schon im zweiten Bezirk, in dem er also viele Jahrzehnte lang ununterbrochen sein Gewerbe ausübt. Er hat es denn auch in seinem Stande zu besonders hohem Ansehen gebracht und sitzt heute im Vorstande seiner Genossenschaft. Der Mann, der von der Pike auf fleißiger Arbeit ergeben war, huldigte seit jeher der heute leider fast ganz verschwundenen demokratischen Weltanschauung, die Verständnis für die sozialen Nöte der arbeitenden Bevölkerung, aber auch für die Erfordernisse unseres Wirtschaftssystems besitzt. Er gehörte zu den ruhmreichen Vorkämpfern der alten liberalen Partei und wurde wiederholt durch das Vertrauen seiner Mitbürger in die Leopoldstädter Bezirksvertretung entsandt, der er durch 15 Jahre angehörte; seit 28 Jahren ist er Mitglied der Steuerkommission. Ruhmreich wie seine Betätigung im beruflichen und öffentlichen Leben ist auch seine ersprießliche Wirksamkeit auf jüdischem Gebiete. Er zählt seit ihrer Gründung zu den eifrigsten Mitgliedern der „Union", in deren Zentralvorstand er seit vielen Jahren mittätig ist; die Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union" schätzt in ihm ihren beliebten Obmannstellvertreter. Auf dem Programm der „Union" kandidierte er auch vor 8 Jahren in den Kultusvorstand, in welcher Körperschaft er ebenfalls sehr populär ist. Dem Wesen Edmund Hofmanns entsprechend ist vor allem seine emsige Bemühung auf jüdisch-karitativem Gebiete. Er ist Obmann des Vereines „Montefiore", zählt zu den Gründern des „Vereins zur Unterstützung armer alter jüdischer Männer", dessen Obmannstellvertreter er ist, gehört dem Vorstand der Kinderbewahranstalt an; mit einem Wort, Edmund Hofmann ist überall zu finden, wo es gilt, jüdische Not und jüdisches Elend zu lindern. Der I. Wiener Gewerbe-Verein besitzt in ihm einen tatkräftigen Obmannstellvertreter. Daß Edmund Hofmann trotz seiner bekannten Bescheidenheit so viele Ehrenstellen erworben, das verdankt er seinem ausgezeichneten Wesen, seiner edlen Güte, die ihn Verständnis und Mitgefühl für den Nebenmenschen gelehrt hat. Alle, die ihn kennen, schätzen ihn deshalb so hoch und ehren vor allem den Menschen Edmund Hofmann. Würdig an seiner Seite wirkt seine brave Gattin Henriette, mit der er seit 1889 in liebevoller Ehe verbunden ist. Möge eine gütige Vorsehung diesen beiden prächtigen Menschen noch recht viele freudvolle Jahre gewähren. O. H. Silberne Hochzeit. Am 18. d. M. begehen der seit dem Jahre 1918 am Tempel in der Schmalzhofgasse wirkende Oberkantor Herr Arthur Lew in und seine Frau Paula, geb. Brustein, das Fest der silbernen Hochzeit. In inniger Herzensneigung haben sie vor 25 Jahren den Bund fürs Leben geschlossen und dieser Bund war ein gesegneter; er bewährte sich in vorbildlicher Harmonie bis auf den heutigen Tag. In Treue vereint gingen sie ihren Lebensweg, halfen und stützten sie sich gegenseitig und in dem beglückenden Gefühle inniger Zusammengehörigkeit teilten sie Freud und Leid, wetteiferten sie miteinander in der Liebe und Sorgfalt für ihre Tochter Betti und sind heute stolz auf sie, die speziell in den musikalischen Kreisen Wiens als hervorragende Pianistin geschätzt ist. Ich selbst begrüße den heutigen Tag mit wahrer Herzensfreude. Gibt er mir doch nicht nur Anlaß, meinem liebwerten Freunde und Kollegen und seiner geehrten Frau die innigsten und aufrichtigsten Glückwünsche zu dem für sie so bedeutungsvollen Tag auszusprechen, er bietet mir auch die erwünschte Gelegenheit, diesem gütigen, immer gefälligen, tüchtigen, musikalisch und stimmlich hochbegabten, gewissenhaften und Zeit seines Lebens nur allzu bescheidenen Kollegen, der sich niemals vordrängte, gewiß im Sinne und in Uebereinstimmung mit allen meinen Kollegen einmal öffentlich die verdiente Anerkennung und Hochachtung feierlich auszudrücken. Zum Zeichen ihrer Hochachtung und Wertschätzung haben die Kollegen ihn ja schon lange in den Vorstand ihrer Vereinigung berufen. Seine Freude und Befriedigung über die ihm am festlichen Tage sicherlich bevorstehenden ehrenden Auszeichnungen mag eine besondere Erhöhung in dem Gedanken finden, daß der Verkehr mit dem Vorstande des Tempelvereines, in dessen Diensten er nun seit 14 Jahren sein heiliges Amt unter wiederholter Anerkennung und Auszeichnung versieht stets ein freundschaftlich harmonischer war und daß seine Beliebtheit bei den Tempelbesuchern von Jahr zu Jahr an freundschaftlicher Innigkeit gewinnt Er hat es verstanden, sich durch seinen gediegenen Charakter überall nur Freunde zu erwerben, und hat gewiß keinen Feind. Möge den Silbernen Hochzeitern die Sonne himmlischer Gnade auch bis zur Goldenen Hochzeit und noch lange darüber hinaus weiter leuchten und mögen sich ihnen all ihre Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft ihres Kindes erfüllen. Oberkantor Samuel Postolow. Zwei englische Juden geadelt. Aus Anlaß des auf den 3. Juni fallenden Geburtstages des Königs Georg von England wurde Dr. R o b e r t Mond, Bruder des verstorbenen Lord Melchett (Alfred Mond) in den Ritterstand erhoben. Die Ehrung wurde Robert Mond für seine Verdienste als Präsident der Faraday-Gesellschaft zuteil. Die Liste der aus Anlaß des Geburtstages des Königs Geadelten enthält noch den Namen eines anderen Juden, Leonard Benjamin Franklins, Schwagers von Sir Herbert Samuel. Rom. Königin Elena von Italien besuchte die den Namen des verstorbenen jüdischen Senators Vittorio Polacco tragende, von 300 Kindern besuchte jüdische Elementarschule. Die Königin wurde von der Schulbehörde begrüßt und zog auch die Kinder ins Gespräch. Vittorio Polacco war Erzieher des jetzigen italienischen Kronprinzen und ist als Schöpfer des jüdischen Schulwerkes in Italien anzusehen. Die Juden in Mähren sterben aus. Auf Grund der Ergebnisse der neuen Volkszählung aus dem Jahre 1931, die zunächst nur in Teilresultaten vorliegen, läßt sich feststellen, daß die Zahl der Juden in Mähren und Schlesien von 18.016 im Jahre 1921 auf 17.069 im Jahre 1931 zurückgegangen ist. Dieser ungeheuerliche Rückgang innerhalb von 10 Jahren ist auf den starken Geburtenrückgang, auf eine erhöhte Sterblichkeit und in geringem Maße auf die Taufbewegung zurückzuführen. Die Juden Mähren- Schlesiens, die 1921 noch 0.586 Prozent der Gesamtbevölkerung bildeten, steilen heute nur noch 0.487 Prozent dieser Bevölkerung dar. Trauung. Sonntag, den 5. d. M., fand im Schifftempel die Trauimg: .des Fräulein Stella L e i t n e r, Tochter des Herrn Kultusvorsteher Komm.-RatMoritz Leitner, mit Herrn Alexander Steiner, Sohn der Frau Koloman Steiner, statt. Das große Ansehen, dessen sich die Familie Leitner und namentlich Herr Komm.-Rat Moritz Leitner allseits mit vollem Recht erfreuen, kam in der überaus großen Beteiligung bei diesem festlichen Anlasse zum Ausdruck. Der Tempel, in dem zunächst Oberkantor Braun das Minchagebet verrichtete, war überfüllt, zahlreiche Kultusvorsteher, so u. a. Vizepräsident Dr. J. O r nstein, und große Deputationen der Agudas Jisroel, sowie mehrere angesehene Rabbiner gaben durch ihr Erscheinen Zeugnis für die Hochschätzung der Familie. Den Trauungsakt vollzog unter freiem Himmel Oberrabbiner Fürst, worauf der Topolcsaner Raw und Rabbiner F1 e s c h die Segenssprüche verrichteten. Den zahlreichen Glückwünschen, die Brautpaar und Brauteltern zu teil wurden, schließt sich auch die Redaktion der „Wahrheit" aufs innigste an. Die Chewra-Kadischa XII—XV hielt am 8. v. M. im Sitzungssaale XV., Turnergasse 22 ihre 67. ordentliche Generalversammlung ab, welche einen besonders würdigen Verlauf nahm. Unter den zahlreichen Anwesenden waren als Vertreter der Israel. Kultusgemeinde Herr Komm.-Rat A. Albers, als Vertreter der Bezirkskommission Herr Komm.-Rat Tempelobmann Sam. Bernhardt als Vertreter des Tempelvorstandes Herr Ignaz B e r g e r sowie Delegierte verschiedener anderer Korporationen erschienen. Präsident Dr. Hermann K u n e r begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder sowie die oberwähnten Herren Delegierten, insbesonders Herrn Rabb. Dr. T a g 1 i c h t auf das herzlichste. Nachdem der im Vereinsjahre verstorbenen Mitglieder in pietätvoller Trauer gedacht worden war, brachte der Vizepräsident und Kassier. Herr I. M. Samek, den Tätigkeitsbericht zur Verlesung, der von der Generalversammlung mit vollster Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde. Die Revisoren beantragten die Erteilung des Absolutoriums, welchem Antrage stattgegeben wurde. Sodann wurden die Herren B. Kohn, I. M. Samek, Karl Altmann und Otto R a d i n g e r wiedergewählt Rabb. Dr. T a g 1 i c h t dankt in einer besonders würdevollen Ansprache dem Gesamtvorstande für die aufopfernde Tätigkeit der Chewra-Kadischa auf rituellem und karitativem Gebiete und bringt gleichzeitig ein Schreiben des Ehrenmitgliedes Herrn Oskar Goldschmied aus Krakau an die Chewra-Kadischa zur Verlesung, in welchem Herr Vizepräsident und Kassier I. M. Samek für seine ganz besonderen Verdienste um die Chewra zum Ehrenmitgliede vorgeschlagen wird. Der Antrag k GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM, KORNMEHL WIM IX* UMOJISSS NR. 1 FILIALE i XVIII., WAMRIN4UIISTRASSS *T Ttitphon Nr. A 17-349and A 1S-9-34 Ltataraat IHr HallanstaltM AbteilungemarKoscherfleisch Mtwp Aufsieht «•» ehnv. Ha Ii blute* tf«r Im KaltuoMMtaMfo »u. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität in den billigsten Marktpreisen wird mit sichtlicher Freude aller Generalversammlungsteilnehmer angenommen und Herr Samek als Ehrenmitglied allseitig beglückwünscht. Herr Samek, überrascht von dieser ihm ganz unerwartet zuteil gewordenen Ehrung, dankt für dieselbe aufs herzlichste und spendet aus diesem Anlasse der Chewra-Kadischa einen Betrag von 500 Schilling. Wiener-Neustadt Am 26. v. M. fand im Kulturhause der Kultusgemeinde die Generalversammlung der Chewra-Kadischa statt die einen sehr interessanten Verlauf nahm. Zu Beginn der Sitzung hielt der Obmann Herr Samuel Frankl den im Laufe der letzten Jahre verschiedenen Mitgliedern einen warmen Nachruf, namentlich dem langjährigen Obmann Herrn Adolf Mayer, welcher sich um die Chewra-Kadischa besonders verdient gemacht hat. Unter den Erschienenen konnte der Vorsitzende Herrn Kultusvorsteher Hugo Reininger, den Stellvertreter Herrn Sam. Mandl, sowie fast sämtliche Obmänner der verschiedenen Vereine Wiener-Neustadts begrüßen. Für die Kultusbeamten war Herr Sekretär Sonnenschein erschienen. Der Rechenschaftsbericht wurde vom Kassier Herrn Jakob Blum vorgetragen und wurde auf Antrag der Revisoren, der Herren Jakob Aldor und Sam. Mandl, das Absolutorium ausgesprochen. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, den Mitgliedsbeitrag in der alten Höhe zu belassen. Es erfolgte die Neuwahl des Vorstandes und wurden folgende Herren gewählt: Samuel Frankl, Jakob Blum. Adolf Jaul, Leopold Rosenberger und Armin Gipsz. Als Ersatz: David Löwy, Benno Feldmann. Schälerfürsorge-Aktion der jüdischen Religionslehrer Wiens. Am Donnerstag, den 16. d. M., halb 6 Uhr abends, findet am Konstantinhügel (Prater) bei jeder Witterung ein Gartenfest mit Tanz zugunsten der Schülerfürsorge-Aktion der jüdischen Religionslehrer Wiens statt.Ein reichhaltiges künstlerisches Programm und erstklassige Jazz sollen ebenso wie mancherlei Ueberraschungen für die Unterhaltung und Belustigung der Gäste dieses Festes sorgen und der so wichtigen und erfolgreichen Aktion neue Freunde gewinnen. Der Eintrittspreis ist der heutigen Zeit entsprechend mit S 1.— festgesetzt und es werden alle Eltern, Gönner und Freunde herzlichst eingeladen, recht zahlreich dieses Fest zu besuchen, damit der Zweck desselben, kranke und blutarme Schüler aufs Land zu schicken, voll erreicht werde. Die „Jutäa", Jugendgruppe des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", II. Pazmanitengasse 6, veranstaltet Mittwoch, den 29. Juni, um 8 Uhr abends im Palais Ratibor. I. Singerstraße 16, einen Arien- und Liederabend in hebräischer, deutscher, italienischer und rumänischer Sprache unter Mitwirkung des bekannten jüdisch-russischen Musikers Hermann G w i I! m a n n. Zur Aufführung gelangen Arien von Puccini. Bizet. Meyerbeer sowie liturgische Gesänge und hebräische Volkslieder von Gretschaninow. Steinberg und Gwillmann. Am Flügel Konzertpianistin Eschi Gwillmann. Berichtigung. In der Besprechung der ..Ansprachen" von L. W i e s n e r sind einige Druckfehler zü berichtigen. Es muß heißen: „des bin ich sicher", ferner „manches gefeilt werden müsse", auch ..Gegenstandes". flmtticQe Verfautäarungen der Jsraefitisdjen Xuftusgemeinöe Wien Kundmachung. Der Kultusvorstand hat mit Rücksicht auf die durch die Vakanz mehrerer Gemeinderabbinerstellen bedingten Schwierigkeiten bei der Heranziehung von Gemeinderabbinern zu Funktionen für die Zeit vom 1. Juni 1932 bis einschließlich 30. November 1932 Herrn Rabbiner Dr. Benjamin M u r n; c 1 s t e i n. Wien IX., Kolingasse 20, damit

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