Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 24 (10.6.1932)
- Date
- 1932-06-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Hif wAiiKnei? s*t» a STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 haltung ihres Lebens an, wenn sie sich der Gnade des Tyrannen ergeben würden. Einstimmig wiesen sie diese Zumutung zurück; die Mordgesellen warfen Feuerbrände in die Höhle, und treu den Gesetzen ihres Gottes kamen sämtliche Männer, Frauen und Kinder um. Keine Nation hat dem heidnischen Römerreiche einen so fortgesetzten und verzweifelten Widerstand geleistet, wie das Zwergvolk der Juden. Als Pompejus den Tempel an einem Sabbath stürmen ließ, setzten die Priester in seinem Innern den Gottesdienst in gewohnter Weise fort, die jüdischen Krieger weigerten sich, am Sabbathtage die Waffen zu ergreifen und ließen sich hinschlachten, ohne sich zur Wehr zu setzen. Woher diese nahezu übermenschliche Macht im Herzen des Juden? Das ganze Dasein Israels, seine Geschichte, seine Leiden, sein Kampf um die Selbstbehauptung ist gebunden an die religiöse Idee; der stärkste Trieb der Menschenbrust, der Trieb der Selbsterhaltung, tritt zurück vor dieser Idee. (Weattem edaj) „Ewige Zeugen seid ihr, daß ich, der Herr, Gott bin" (Jes. 43, 10). Es sind vergeistigte, transzendente Wesen, wie sie nie zum zweiten Male die Geschichte aufweist. Ihre Empfindungen, ihre Gedanken, ihre Freuden, ihre Schmerzen, ihr Dichten und Trachten sind getragen vom Absoluten und finden Ausdruck in dem Gottesgeist, der sie beseelt. Der Skeptiker mag alles leugnen, mag jede philosophische Anschauung bezweifeln, mag die Möglichkeit irgend einer Erkenntnis und noch mehr die Erforschbarkeit metaphysischer Wahrheiten in Frage stellen, aber eines kann nicht bestritten noch bezweifelt werden: daß die Lehre, die uns gegeben wurde, die religiös-sittliche Entwicklung der zivilisierten Menschheit bestimmt hat. Daß wir, die direkten Nachkommen jener Männer, denen die Lehre verkündet wurde, noch heute an ihr mit derselben Innigkeit, mit derselben Hingebung hängen, wie sie seit dreitausend Jahren unsere Väter beseelt hat, daß die größten Reiche während dieser Zeit gegründet wurden, ihre Blüte erlebten und untergegangen sind, aber — Israel besteht. Auf den Höhen des Zion stellt nicht mehr der Tempel, in dem die Heiligkeit des Ewigen thronte, aber es gibt wohl kaum eine Stadt, in der nicht ein Haus dem Gotte, der sich vom Sinai herab verkündete, geweiht ist. Die philosophischen Systeme haben zu keinem bestimmten Lebensziel geführt. Unerträglich bleibt der Gedanke, daß diese ganze große Innenwelt voller Schönheit und Poesie der gänzlichen Zerstörung, dem völligen Nichts anheimfallen soll. Die Zukunft gehört dem Glauben an den Einig- Einzigen. Zu ihm werden die Bewohner der Erde zurückkehren und dieser einigende Einheitsglaube wird unwiderstehlich in die Herzen aller Völker dringen. Verödet liegt Zion. Verhallt sind längst die Gesänge, die dort dem Heiligen Israels ertönten, und die Stille der Nacht lagert sich um seine Höhen. Auf Oeden und Trümmer senken sich der Abendsonne Strahlen, die einst den Tempel des Herrn in reichster Purpurglut verklärten. Aber noch weht die Majestät Gottes um den heiligen Berg, noch schauen empor zu dir, o Ewiger, die Blicke der Völker, zu deinem Tempel, der so herrlich war. Nicht nur im Glanz der Sonne, in dem Lichte der heiteren Tage erscheinst du den Augen der Menschheit. Nein, wenni die Schatten der Nacht sich senken, in dem Trübsal des menschlichen Lebens geht heute noch alter Trost aus von dir und die Hoffnung den bangen Gemütern. Deine Gesänge tönen noch heute, zu ihnen wenden sich die Herzen der Völker und werden sie sich wenden, so lange noch Schmerz und Not und Verzweiflung und Sünde den Spuren des menschlichen Daseins folgen. Deine Lehre besteht ewig. Und am Ende der Tage wird es klar werden dem Bewußtsein der Völker und alle Enden der Welt werden widerhallen von dem Worte, daß „von Zion aus die Lehre geht und das Wort Gottes von Jerusalem". G. ■«■■■«■■■■■••■■•nsaaBuauuUM« ■■•■■■«•■«nnw Jlidit Jin&st, sondern Jibwetkrl Die Ereignisse der letzten Woche, besonders der Sturz des Kabinetts Brüning und der Ruck nach rechts in Deutschland haben in den jüdischen Kreisen Deutschlands und Oesterreichs begreiflicherweise lebhafte Besorgnisse ob der kommenden Dinge ausgelöst. Das Kabinett Papen-Schleicher wird allgemein als Vorstufe eines Hitler-Regimes aufgefaßt und es wird nicht mit Unrecht darauf hingewiesen, daß eine Machtergreifung durch Hitler im Reiche zweifellos auch die Position der Hakenkreuzler in Oesterreich stärken müßte. Da Hitler kaum imstande sein dürfte, sein sonstiges nebuloses Programm irgendwie zu verwirklichen, so dürfte er sich in der Hauptsache darauf verlegen, sein „Judenprogramm" zur Verwirklichung zu bringen; und da die Hakenkreuzler in Oesterreich angesichts ihrer vorläufig numerischen Unterlegenheit außerstande sind, weitere Erfolge zu erzielen, so verlegen sie sich hauptsächlich darauf, Exzesse gegen die Juden zu arrangieren und Gewalttätigkeiten zu verüben. Grund genug also, sich zu ängstigen und den kommenden Dingen mit besonderer Besorgnis entgegenzusehen. So begründet diese Befürchtungen auch sind, erachten wir es jedoch für verfehlt, wenn gewisse Angstmeier den Versuch unternehmen, unter den Juden eine Panikstimmung hervorzurufen. Besonders ängstlich ist man in den Kreisen der in Deutschland und Oesterreich lebenden Ostjuden, haben doch die Hakenkreuzler offen angekündigt, daß sie für den Fall, daß sie zur Macht gelangen, nicht nur die ausländischen Juden ausweisen, sondern auch die seit dem Jahre 1914 von Juden erworbenen Staatsbürgerschaften einer „Revision" unterziehen würden. In Deutschland beträgt die Zahl der dort lebenden ausländischen Juden etwa 60.000; die genaue Zahl der in Oesterreich wohnenden ausländischen Juden ist nicht näher bekannt, doch dürfte es sich auch hier um eine beträchtliche Gruppe handeln. Alle diese würden naturgemäß zu allererst und am allerärgsten von den angekündigten „Maßnahmen" der neuen Machthaber betroffen werden — und da heute eine Massenemigration infolge der fast überall eingeführten Einwanderungsbeschränkungen unmöglich ist, fühlen sich diese Juden überaus bedroht und sind einer Verzweiflung nahe, die durch gewisse Angstmeier noch genährt wird, die es für angebracht erachten, den Teufel noch schwärzer zu malen, als er in Wirklichkeit ist. Wir sind weit entfernt davon, die große Gefahr irgendwie zu unterschätzen oder die Situation irgendwie beschönigen zu wollen. Der Gedanke ist furchtbar genug, daß Juden in mitteleuropäischen Kulturstaaten überhaupt mit der Möglichkeit von Entrechtung und Ausweisung rechnen müssen. Aber so verfehlt eine Vogel-Strauß- Politikwäre, nochverfehlterwärees, sich einer Panikstimmung hinzugeben. Die Angst hat große Augen und ist immer ein sehr schlechter Berater. Man darf wohl das Allerschlimmste befürchten, aber wenn man den kommenden Dingen mit einiger Besonnenheit entgegensieht, wird man finden, daß nichts so heiß gegessen als gekocht wird und daß es, wenn es zum Aeußersten kommen sollte, nicht an Abwehrmitteln fehlen werde — dies um so mehr, wenn sich die maßgebenden jüdischen Faktoren rechtzeitig zur Abwehr rüsten würden. Angenommen den Fall, daß in Deutschland das Regime Papen wirklich nur die Vorstufe eines Hitler-Regimes bildet und daß die am 31. Juli stattfindenden Neuwahlen tatsächlich den Hakenkreuzlern die Mehrheit bringen und ihnen somit den Weg zur Ergreifung der Macht ebnen würden; angenommen also, daß man es in absehbarer Zeit mit einer Hitler-Regierung im Reich zu tun haben werde, so darf man sich wohl darüber keiner Täuschung hin- RESTAURATION n0£j in dem berühmten Jod- II. SdlWetelDOH Bad Deutedt-Altenbiira Saison hat bereits begonnen Reelle Bedienung — Mißige Preise Aach für Diabetiker Inhaber: Emanuet Lipsdiütz geben, daß den in Deutschland lebenden ausländischen Juden eine ernste Gefahr droht — dennoch dürfte es kaum zu einer Massenausweisung kommen. Die ausländischen Juden im Deutschen Reich rekrutieren sich hauptsächlich aus den osteuropäischen Ländern, aus Polen, Rußland, Rumänien usw. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese Staaten, so wenig sie sonst für die Juden übrig haben, es sich nicht gefallen lassen werden, daß ihre jüdischen Staatsbürger allzu harten Schikanen ausgesetzt würden. Das Deutsche Reich unterhält mit diesen Ländern zu enge wirtschaftliche und politische Beziehungen, als es darauf ankommen zu .lassen, allzu scharfe Konflikte hervorzurufen. Auch ein Hitler-Regime wird mit den Stimmungen der großen Welt rechnen müssen und es dürfte ihm nicht besonders angenehm sein, wenn diese Staaten etwa die Intervention des Völkerbundes anrufen würden. Zu einer Massenausweisung dürfte es daher kaum kommen. Allerdings würde auch schon die Ausweisung einer beträchtlichen Anzahl von Juden an und für sich ein großes Unglück bedeuten; aber dieses würde sich doch voraussichtlich in wesentlich bescheideneren Grenzen halten, als von hakenkreuzlerischer Seite angedroht und von jüdischer Seite befürchtet wird. Was ferner die „Revision" der von Juden seit 1914 erworbenen Staatsbürgerschaften betrifft, so stellt sich eine Annullierung dieser Staatsbürgerschaft wesentlich komplizierter dar, als allgemein angenommen wird. Das neue Regime im Reiche hätte es wohl in der Hand, auf kurzem Wege alle diese Juden wiederum als „Ausländer" zu deklarieren — aber es wäre dies eine einseitige Verfügung, die kaum von den anderen Ländern anerkannt werden dürfte. Diese ehemaligen polnischen, russischen, litauischen usw. Bürger haben ja durch die Erwerbung der deutschen Staatsbürgerschaft ihre frühere Staatsbürgerschaft verloren und die in Betracht kommenden Staaten würden sich zweifellos dagegen wehren, diesen Juden die frühere Staatsbürgerschaft wieder zuzuerkennen und ihnen die Grenzen ihrer Länder zu öffnen. Es würde also eine neue Kategorie von „Staatenlosen" entstehen, die kein Land aufnehmen würde und die daher in Deutschland verbleiben müßten. Kann man im Ernst daran glauben, daß das neue Regime im Reich diese „Staatenlosen" ganz einfach in Konzentrationslager einsperren oder sie von Grenze zu Grenze treiben werde? Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Ländern sind zur Zeit allzu sehr verflochten, der Völkerbund bildet immerhin eine öffentliche Welttribüne, als daß derartige Dinge möglich wären. Hitler, zur Macht gelangt, wird also nicht nur sein allgemeines Programm einer einschneidenden Revision unterziehen, sondern auch sein Judenprogramm wesentlich — wenn der Ausdruck gestattet ist — „beschneiden" müssen .... Wohl müßten sich die Juden im Reiche, die inwie die ausländischen, auf allerhand Belästigungen und Drangsalierungen gefaßt machen und man kann es den Einzelnen nicht verargen, wenn sie daran denken, sich rechtzeitig aus der drohenden Hölle zu retten, falls ihre wirtschaftlichen Verhältnisse ihnen hiezu die Möglichkeiten bieten. Aber es wäre verfehlt, eine Massenflucht zu predigen und so den Hakenkreuzlern gewissermaßen in die Hände zu arbeiten... Was schließlich die Exzesse der Hakenkreuzler — oder der „Hackinger", wie die neueste nur allzu berechtigte Bezeichnung lautet, — in Oesterreich betrifft, so darf nicht übersehen werden, daß vorläufig alle ihre Versuche, sich breit zu machen, auf einen ernsten Widerstand gestoßen sind. Nolens volens mußten sich die maßgebenden Faktoren zur Eindämmung der Bewegung, wenn diese allzu krasse Formen annahm, bereit finden und sie dürften dies auch fernerhin tun müssen, mögen sie auch nur mit halbem Herzen dabei sein. Oesterreich ist noch mehr als das Reich auf das Wohlwollen der anderen Staaten angewiesen und könnte es noch