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Die Wahrheit · 1932-05-27 · Heft 22 (27.5.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 22 (27.5.1932)
Date
1932-05-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sehe 6 Dg WAHRHEIT JYaßenfeeiis am Wexh An diesem deutschen Wesen .... Die letzthin veröffentlichte stattliche Liste von unerhörten Greueltaten deutscher und österreichischer Hakenkreuzler kann diesmal wieder durch zwei Vorfälle der letzten Tage ergänzt werden, für die stets nur die gleiche Charakterisierung gilt: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!" Ein Münchner Professor verweigert einem von einem Fuhrwerk überfahrenen und in sein „Katholisches Krankenhaus" eingelieferten elfjährigen Knaben die Untersuchung, lediglich deshalb, weil der arme Junge, der gleich darauf seinen schweren Verletzungen erlegen ist, auf den Namen Mandelbaum hörte. Der Herr Professor, der so unmenschlich handelte und demgemäß nach dem Ausspruche Nothnagels auch keine guter Arzt sein kann, möge sich nur daran erinnern, daß bekanntlich jüngst in dem Krankenhaus einer deutschen jüdischen Gemeinde acht Patienten untergebracht waren, die bei den letzten Wahlen — nationalsozialistisch wählten. Solche Professoren müssen natürlich gelehrige Schüler haben. In Wien fand kürzlich ein Prozeß gegen zwei Studenten statt, die einen christlichen Kriegsinvaliden unter den Rufen: „Hauen wir ihn zusammen, den jüdischen Rotzbuben!" schwer mißhandelt hatten. Der eine der beiden Angeklagten, ein 26jähriger Hochschüler der Bodenkultur, „bummelt" — nach seinen eigenen Worten — bereits vierzehn Semester auf der Hochschule herum. Dafür haben diese Gesellen auch ein Programm: „Wir sind Nationalsozialisten und unser Motto ist: Die Juden niederschlagen!" Verschärfter SornmerfrischenantisemHisiniis. Die „Deutschösterreichische Tageszeitung", kurz „D ö t z" genannt, vom 18. d. M. macht anläßlich einer Pfingstpropagandafahrt lebhafte Propaganda für die Reinigung des Kamptales von jüdischen Sommerfrischlern. Da die Pfingstausflügler auf ihrer Fahrt in ihrem Tun durch den Anblick von „Krummnäslern und Plattfüßlern" aus ihrer feuchtfröhlichen Stimmung gerissen wurden, ruft die „Dötz" in Entzücken aus: „Das Kamptal — idealer Sommerf rischenaufenthalt für Arier!" Wohl mit Wehmut stellt das Blatt fest, daß Zöbing (o. süffiger Wein!), Schönberg und auch Stiefern bereits reinarische Sommerfrischen seien, so daß sich also keine Gelegenheit zu Bübereien für Hakenkreuzer ergibt Dagegen wird G a r s durch den Besuch von Neureichen voUstänidäg verschandelt. Glücklicherweise sind die hakenkreuzlerischen Burschen und Mädchen nicht der Gefahr ausgesetzt, durch das Zusammenbaden mit „übelriechenden Juden" ihre Reinrassigkeit einzubüßen, denn, so wirtJ festgestellt, für Arier gibt es eine abgelegene eigene Badeanstalt Jüdische Sommerfrischler, die auf den Besuch von Gars nicht verzichten zu können glauben, wissen nun, was ihnen und ihren Familienangehörigen bevorsteht. Radio Wien zur Nachahmung empfohlen. Im Rahmen der Vortragsreihe „Gedanken zur Zeit" sandte die Deutsche Welle (Königswusterhausen) am Dienstag, (den 24. Mai, von 19 Uhr bis 19.35 Uhr ein Zwiegespräch ..Antisemitismus", geführt vom Chefredakteur der „Central-Vereinszeitung", Direktor Doktor Ludwig Holländer (Berlin), und dem Herausgeber der Zeitschrift „Deutsches Volkstum", Dr. Wilhelm Stapel (Hamburg). Der Veranstaltung, über die wir noch berichten werden, wurde im Zusammenhang mit dem gleichnamigen Zwiegespräch zwischen Idlem Schriftsteller von 0 ppeln-Bronikowsky und Major a. D. Borck, das Ende vorigen Monats auf der „Deutschen Welle" stattfand und1 bei dem sich der deutschnationale Major Borck wüste antisemitische Ausfälle erlaubte, allgemeines Interesse entgegengebracht Würde die Wiener Universität ebenso handeln? Die New-Yorker Medizinische Akademie hat wie die J. T.A. erfährt, wiederholt ihr zugedachte Stiftungen, bei denen es sich um große Summen handelte, zurückgewiesen, weil die Stifter die Bekfagung gestellt haben, daß die Stiftungsgelder nicht Institutionen zugeführt werden sollten, mit denen Juden in Verbindung stehen. So hat ein reicher amerikanischer Bürger der Akademie mitgeteilt, daß er der Akademie eine Stiftung in der Höhe von 200.000 Dollar zuwenden wolle, deren Ertrag für medizinische Forschung verwendet werden sollte; Bedingung müßte aber sein, daß an jüld/ische medizinische Forscher keine Zuwendungen aus der Stiftung gemacht werden sollen, ferner nicht an Institutionen, deren Direktorium ein Jude angehört. Das Kuratorium klier Akademie hat einstimmig beschlossen, diese Stiftung zurückzuweisen. Zurücksetzung der Juden in Amerika. Im Mittelpunkt der am 16. Mai in Philadelphia begonnenen Konvention der Nationalkonferenz jüdischer Sozialfürsorger der Vereinigten Staaten stand eine sehr lebhaft geführte Aussprache über die Zurücksetzung von Juden in Handel, Industrie un'd! in geistigen Berufen, besonders im Unterrichtswesen, der Vereinigten Staaten. Eingehender behandelt wurde das spezielle Problem der Zurücksetzung jüdischer Lehrer, beziehungsweise Lehramtsbewerber, im Unterrichtswesen der Vereinigten Staaten auf einer gleichzeitig in Philadelphia tagenden Konferenz jütiSscher Pädagogen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten. Die Zurücksetzung von Juden auf verschiedenen Arbeitsgebieten der Vereinigten Staaten wurde bekanntlich auch auf der im Oktober v. J. in Philadelphia stattgefundenen Beratung des American Jewish Congress behandelt. Dort wurde berichtet, daß an den Hochschulen, insbesondere im Medizinstudium, die Juden gegenüber den Nichtjuden stark benachteiligt werden. Rabbi J. K. Cohen, Vorsitzender des Committee of Economic Discrimination beim American Jewish Congress, teilte Zahlen über die zunehmende Zurücksetzung von Juden auf dem Arbeitsmarkt mit Danach nehmen 91 von 100 Arbeitsnachweisen für Büropersonal jüdische Stellensuchende überhaupt nicht in die Listen der Arbeitssuchenden auf. Von 400 führenden Geschäftsunternehmungen in New York stellen 89 Prozent nur Christen an. Auf Initiative Idier Bnei Brith wurde im vergangenen Jahre eine National Conference of Jewish Employment (Institution für Arbeistbeschaffung für Juden) gegründet Hitler will „Deutschlands Judenplage" beseitigen. Der „Völkische Beobachter" nahm in seiner Pfingstausgabe folgende Stellung zu einem Kommentar des „Jüdischen Echo" betreffend den Ausgang der Landtagswahlen: Für uns Nationalsozialisten hat es zwar noch nie eine „deutsche" Judenfrage gegeben, aber wir werden Deutschlands Judenplage einmal bestimmt zu beseitigen wissen. Für alle Juden ist das einzig Mögliche, was als leuchtendes Vorbild Emil Ludwig-Cohn und Erich Maria Remarque getan haben: Sich eine andere Staatsangehörigkeit beschaffen und endlich wieder zu gehen, so wie sie alle gekommen sind! (Die von reaktionären Zeitungen verbreitete Meldung, daß Emil Ludwig und Remarque, der übrigens Nichtjude ist, ihre deutsche Staatsangehörigkeit aufgegeben haben, ist eine infame Unwahrheit. Die Red.) Deutsche Auslandwerbung. Im Rahmen eines in Zagreb gehaltenen Vortrages über das Thema „Das Ringen zwischen Dogmatismus und Naturforschung" kam der Physiker Dr. Johannes Stark, Professor in München, auch auf die Relativitätstheorie zu sprechen, über die er folgende Meinung abgab: Die Relativitätstheorie Einsteins zählt nicht mehr. Einstein hat die Position seiner Theorie in der Welt durch Zeitungsreklame und Propaganda erreicht. Als Repräsentant des wissenschaftlichen Dogmatismus hat auch Einstein die Unterstützung des sozialdemokratischen Regimes in Deutschland geiunden. Aber Deutschland geht einer besseren Zukunft entgegen. Das beweisen die Wahlen für den Preußischen Landtag. Der Träger dieser besseren Zukunft ist die deutsche „Freiheitsbewegung" (Hitlerismus), welche Deutschland politisch und ökonomisch aufhelfen, den Dogmatismus in der Wissenschaft besiegen wird. Dieser Bewegung steht auch der Vortragende nahe und ihren Führer kenne er sehr gut Hitlers Sieg werde sich auch außerhalb Deutschlands günstig auswirken .... Die unwissenschaftlichen Ausführungen und politischen Exkursionen des deutschen „Gelehrten" haben im Publikum und in Kreisen jugoslawischer Wissenschaftler allgemein starkes Befremden hervorgerufen. Günstige Mietgelegenheit. In einem eleganten Hause (Lift) ist ein Zimmer, allenfalls auch mit Bad und Küchenbenützung, zu vermieten, möbliert oder unmöbliert Mäßige Ansprüche. 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Nur die Liebe bezwang alles; mit seinem Herzen überwand er alle Schwierigkeilten. „Woher nehmen Sie so viel1 Güte?" fragte ihn ein reifer Schüler, den ich als sein Nachfolger in einer Schule von ihm übernahm. Ernst, bedächtig antwortete damals Professor Diamant: „Das ist mein Judentum, ein Judentum unserer Propheten, des alten Hillel, des Jochanan ben Sakai und eines echten jüdischen Seelsorgers." In diesem Sinne war er ein echter Rabbiner, wenn er auch nicht in Wien, sondern nur in einer mährischen Provinzstadt einen Rabbinerposten bekleidet hatte. Wie mußten ihn seine Schüler geliebt haben! Im ganzen Obergymnasium verbanden sich die jüdischen Mittelschüler zu einem Ring miteinander, da er müde, verbraucht, beinahe mit dem Tode ringend, vor ihnen stand, und beschlossen, selbst Disziplin zuhalten. Während er, körperliche Qual leidend', oft sprachlos vor ihnen stand!, hielten die Klassen von selbst eiserne Disziplin und folgten einer geheimen, edlen Verabredung, nur um ihn zu behalten, da sie den kranken, guten Vater und Freund jedem Fremden vorzogen. Kann das ein anderer Lehrer von sich sagen? Sie wurden freilich oft genug belohnt. Denn er erwachte und sprach zu ihnen geheimnisvoll schöne Worte vom Judentum, von seiner urewigen Kraft, von dem Glauben an das Gute, den wir. gleichwie unser Urahn Jakob, aus tausendjährigem Kampfe ererbt haben. Warum mußten wir ihn so früh verlieren? In diesem Sinne sprach Rabbiner Dr. Weiner, sein Freund, indem er von ihm herzlich traurigen Abschied nahm. Prof. Diamant war in seinem Wesen würdig und vornehm. Ebenso vornehm klangen die Worte unseres verehrten Präsidenten Prof. Dr. Pick, als er, tief bewegt, ihm den Dank der Gemeinde bekundete. Der Obmann des Verbandes israelitischer Religionslebrer an den Mittelschulen, Prof. Dr. Pap o. der auch zu den intimsten Freunden des Verblichenen gehörte, sprach mit tränenerstäckter Stimme. Ebenso bedauerte sein Lehrkörper durch den Mund des Direktors Dr. Marcus den schweren, unersetzlichen Verlust. Im Kriege war Dr. Diamand FeJdrabbiner in einer ungewöhnlichen, ans Märchenhafte grenzenden Art. Er fürchtete nicht die Gefahr, da er seinen leidenden Glaubensgenossen helfen, sie trösten, ihnen dienlich sein wollte. Durfte er es anders, da für ihn das Judentum die Religion der ewig bleibenden Nächstenliebe war? Wie er mir einst im Gespräche sagte: Glieder sind wir einer Kette von Geschlechtern und weiterkämpfen müssen wir einen ererbten Kampf um ein lang ersehntes Gut. Den Glauben, den man uns mitgab, sollen wir weiter hinauftragen. Das Weitergeben des erlernten und erfühlten Judentums ist der Sinn eines echten jüdischen Lebens. Wie es Rabbiner Dr. W e i n e r ausgeführt hat, war sein Körper der Arbeit nicht gewachsen. Ein echter jüdischer Religionslehrer, hat einmal Diamant in den Unterrichtsstunden gesagt, gibt ein Stück seines Herzens in der Arbeit ab. Er hat, um die Familie erhalten zu können, zu viel Stunden in der Woche unterrichtet Jede Stunde war aber für ihn eine Kritik seiner Zeit, seiner Arbeitskraft, seine Sorge und die innerste Sehnsucht seines Herzens, in diese Welt der Jugend einzudringen, sie mit Liebe zum Judentum zu erfüllen, da die jüdische Jugend sehr bildsam und die neue Welt zu bilden von Gottes Schicksal berufen ist. In seinen Vorträgen in der Schule war er von der vollendeten Abgestimmtheit eines jüdischen Weisen. Sein Lebenswerk war die Schule, sein erstes und sein letztes Lied eines verbrauchten, müden und! doch' segensreichen Daseins, das zur Ruhe gekommen ist Es starb der jüdische Religionslehrer ohne Gegner, ohne Feinde, der noch in seiner letzten müden Schönheit vor den Schülern strahlte. Jüdischer Witwen, und Waisenhilfs-Verein, Wien IX. Dieser seit 25 Jahren bestehende und überaus human wirkende Verein veranstaltet Samstag, den 4. Juni, um 8 Uhr abends, in den Lokalitäten des Cafe Bauernfeld. IX., Bauernfeldplatz. eine Lag beomer-Feier, zu der alle Mitglieder und Freunde des Vereines eingeladen werden. Eine Anzahl prominenter Künstler hat bereits in liebenswürdigster Weise ihre Mitwirkung zugesagt Entree frei. Gäste willkommen.

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