Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1932-05-27 · Heft 22 (27.5.1932) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 22 (27.5.1932)
Date
1932-05-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064401-3064422--18857-3083931
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WAHRHEIT S«ite o „hvria" wird vorzügliche Arbeit geleistet. Wir gewähren den jüdischen religiösen Schulen Subventionen, um sie in die Lage zu versetzen, der wachsenden Zahl von Kindern, deren Eltern keine Schulgelder zahlen können, eine religiöse Erziehung angedeihen zu lassen. Bernhard S e m e l, Ehrensekretär der Gesellschaft, berichtete über das System der Lizenz-Erteilung an jüdische religiöse Lehrer und bemerkte, daB die ungewöhnlichen Notzeiten viele Eltern von der Notwendigkeit überzeugt haben, ihren Kindern einen verstärkten jüdischen religiösen Unterricht zugänglich zu machen, um ihnei! auf diese Weise eine moralische Lebensgrundlage zu bieten. Das religiöse Qeiühl unter den jüdischen Massen ist jetzt viel kräftiger entwickelt als in den Zeiten der Prosperität. Veröffentfidlungen der ,Jugenb~7Iniona_ Am Dienstag den 17. d. M. hielt im Rahmen der allwöchentlichen Vortragsabende der Jugend-Union Herr Dr. Ernst Feldsberg einen Vortrag über das Thema „Jüdisches im Christentum". Bevor der Vortragende in die Details seiner Ausführungen einging, gab er ganz allgemein die Gründe an, warum er sich entschlossen habe, gerade im Kreise der Jugend über dieses Thema zu sprechen. Die Tatsache, daß das Christentum aus dem Judentum hervorgegangen, d!aß die ganze Ethik und Morallehre Christi jüdischen Ursprungs sei, ist wohl den meisten Katholiken bekannt, nicht aber allen Juden, die diese Tatsache als bestes und wirksamstes Kampfmittel gegen die immer stärker werdende Welle des Antisemitismus nützen könnten. Gerade in der Großstadt scheint das Streben, sich möglichst weit von jüdischer Tradition zu entfernen, in manchen Kreisen zum guten Ton zu gehören und gerade unter den Juden, Idfie heute noch durch ihre finanzielle Kraft viel für das Judentum leisten könnten, sind die Vertreter dieser sicher zu verurteilenden gesellschaftlichen Anschauung zu finden. Wenn man auch heute nicht mehr imstande sein wird, Idtiese Juden auf den richtigen Weg des Verständnisses für Ehrgefühl und Menschenwürde zurückzuführen, so muß unter allen Umständen verhindert werden, daß die heranwachsende jüdische Jugen/dl in die Fußstapfen dieser mächtigsten und gefährlichsten Judenfeinde tritt. Durch die Gegenüberstellung jüdischer und christlicher Dogmatik gelang es dem Vortragenden, der Jugend tfleutflich. vor Augen zu führen, daß alle Versuche des Christentums, den Zusammenhang mit der jüdischen Glaubenslehre zu verwischen, daß aller Kampf des Christentums gegen das Judentum nicht imstande sind, die Tatsache aus 'dler Welt zu schaffen, daß jeder antisemitische Angriff von christlicher Seite gegen das Judentum für den Wissenden eine Selbstbeschimpfung darstellt. Der Vortragende schloß seine Ausführungen mit dem dringenden Appell an die Jugend, stolz auf ihre Vergangenheit zu sein, selbstbewußt für gleiches Recht der Juden mit allen Menschen einzutreten, vor allem aber von jenen Juidten abzurücken, die in feiger Weise durch Fahnenflucht versuchen, sich aus den Klauen des Antisemitismus zu retten und in der Achtung der Antisemiten zu steigen. Der Moloch antisemitischer Unduldsamkeit wird auch vor den Türen jener Juden, ffie sich nicht zu erkennen geben wollen, nicht halt machen. Vorigen Dienstag hielt die Jugend-Uniion ihren letzten Vortragsabend in dieser Saison ab. Es tut mir leid, daß nun — die allwöchentlichen Dienstag-Zusammenkünfte finden wohl weiter im Prater statt — in der Reihe idter Vortragsabende selbst eine längere Pause eintreten wird, denn ich hatte gerne diesen Abenden beigewohnt und hatte, vieles auf jüdisch-kulturellem Gebiete zulernen können. Was mich aber jeden Dienstag zu den Abenden der Jugemdi-Unionhinzog, das war die Freude, mit ansehen zu können, wie junge Menschen sich bemühen, trotzdem sie der Schule entwachsen sind, auf politischem, kulturellem und wissenschaftlichem Gebiete weiter zu lernen. Die Dienstag-Abende bewiesen, daß man nicht nur durch politische Verhetzung oder Ülurch Veranstaltung von Tanzabenden und dergleichen, sondern auch durch ernste Arbeit die Jugend zusammenhalten könne. Es war sicherlich keine leichte Aufgabe, die Auswahl der Vorträge und! Vortragenden zu treffen, da man ja doch darauf Rücksicht nehmen mußte, daß diese Vorträge für junge Menschen bestimmt sind. Es ist ein großes Verdienst der Leitung der Jugend-Union, in umsichtiger und vor allem taktisch richtiger Weise die Jugend-Union organisiert und zur Teilnahme an kulturell-wissenschaftlichen Vorträgen erzogen zu haben. Das war keine kleine Aufgabe. Ich habe von Anbeginn an jedem Jugend-Abend beigewohnt und gesehen, wie immer mehr und) mehr Anhänger sich fanden und wie die Leitung sich bemühte, alles Erdenkliche zu tun, um die Jugend an den Verein zu fesseln. Es ist selbstverständlich, daß eine Sportsektion, eine Tennissektion, eine Vergnügungssektion usw. geschaffen wurden, d!aß gemeinsame Ausflüge für die Vertiefung des Freundschaftsgedankens sorgten und nun, da die Jugend- Union sich rühmen kann, auf festen Füßen zu stehen, wird es in erhöhtem Maße ihre künftige Aufgabe sein, die Jugend1 immer mehr in das Gebiet jüdischer Geschichte, - jüdischer Erziehung und jüdischer Lehre und Wissenschaft einzuführen. Ich glaube, mit diesen Worten sicher der unaufgeforderte Dolmetsch der Ansichten aller jener zu sein, welche die Jugend-Union entstehen und werden sahen. Die Jugend-Union zu fördern, wird Pflicht alter jener sein, die nicht dem Augenblicke leben, sondern auch ah die Zukunft und an das Schicksal ihrer Kinder denken. Dr. Ernst Feldsberg. Bruft- und 5räheraHssclimQctiung Gärtneret ERNST SEEfttlEH üründuagsjahr 1880 XI., Simmeringer Hauptstrafte Nr. 381 UI. Tor, Zentraifriediiof, Haltestelle der Elektrischen 71 Telephon U 14-2-61 Unter Berufung auf .Die Wahrheit" 10% Rabatt Zu unserem Doppeljubiläum sind uns von nah und fern eine so große Zahl von Adressen, Briefen und Telegrammen zugegangen, daB wir außerstande sind, hiefür jedem einzeln zu danken. Wir bitten deshalb alle, die an diesem festlichen Tage unser liebevoll gedacht haben, den Ausdruck unseres innigsten Dankes einstweilen auf diesem Wege entgegennehmen zu wollen. Wien im Mai 1932. Oberkantor Heinrich Fischer und Frau. Isdiias, Rheuma, Ghht Htägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensäurebäder, Diathermie Heißluit, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alte sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden taglich von 8-6 Uhr HellanstaM „Tbermla" L, Franz Joseiskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer Ein Gebot der Zeit Die wirtschaftliche Not unserer Zeit macht eine Lebensversicherung mehr denn je zur unbedingten Notwendigkeit. Wenn der Familienversorger infolge der ungünstigen Verhältnisse schon in voller Kraft und Rüstigkeit Mühe genug hat, die Lebensnotwendigkeiten für sich und die Seinen herbeizuschaffen, was sollen denn dann erst die Witwe oder die Waisen anfangen, wenn den Vater der Familie ein ungünstiges Geschick abberufen hat. Andererseits bewirkt gerade die wirtschaftliche Knappheit, daß es den Familienversorgern schwer fällt, größere Beträge für eine ausreichende Versicherung zu erübrigen. Da ergibt sich nun für die meisten Kreise e i n richtiger Mittelweg, um für den Fall des Ablebens wenigstens notdürftig für seine Familie Vorsorge zu treffen. Das Wichtigste hiebei ist, daß es sich nur um ganz minimale Beiträge handelt. Ein 35jähriger hat z. B. für S 1000.— Versicherungssumme monatlich an Prämie samt allen Gebühren nur S 2.10 zu entrichten. Durch diese Billigkeit der Prämie ist es auch dem wirtschaftlich Schwächsten möglich gemacht, eine derartige Versicherung abzuschließen. Jeder Familienvater kann sich dadurch die Beruhigung verschaffen, daß wenigstens für die ersten Wochen nach seinem Ableben seine Familie der äußersten Notlage enthoben ist, denn die Versicherungssumme ist sofort nach seinem Ableben fällig. Durch Einzahlung einer doppelten oder dreifachen Prämie kann man sich auch die Auszahlung einer doppelten oder dreifachen Versicherungssumme sichern. Diese Erhöhung kann auch im Verlaufe der Versicherungsdauer jederzeit erfolgen. Die Unsicherheit unserer Zeit darf jedenfalls nicht dazu führen, daß man einfach die Hände in den Schoß legt und sagt, nach mir die Sintflut. Das Leben läuft weiter, unsere Pflichten gegen unsere Familie müssen erfüllt werden und wir müssen unsere Angehörigen so gut oder so schlecht versorgen, als es im Bereiche der Möglichkeit liegt. Jtus alter Welt Zur Schächtfrage. Der Senat des Freistaates Irland hat die vom irischen Parlament bereits angenommene Bill betreffend humanes Schlachten von Tieren angenommen; dadurch ist die Bill zum Gesetz geworden. Das neue Schlachtgesetz, welches ein betäubungsloses Schlachten verbietet, macht ausdrücklich eine Ausnahme für das jüdische rituelle Schächten, welches nach wie vor ohne Betäubung erlaubt ist. Der Senat nahm einen Zusatzantrag zu der vom Parlament beschlossenen Bill an, demgemäß das Schächten nur durch solche Schochtim vorgenommen werden darf, die hierzu eine Autorisation vom britischen Oberrabbiner haben. Eine vom Ortsrabbiner erteilte Schächtlizenz hat nach dem Gesetz keine Gültigkeit. * Der Landwirtschaftsminister Estlands hat Ende Jänner d. J. eine Erklärung zugunsten des Schächtens abgegeben. Gegen diese Erklärung, die auf Grund eingehender Untersuchungen der Veterinär-Abteilung des Landwirtschaftsministeriums erteilt war, wandte sich der Tierschutzverein Estlands und klagte das Agrarministerium beim Reichsgericht. Im Verlauf des langwierigen Prozesses nahm auch der Direktor der Veterinär- Abteilung zu der Frage Stellung und erklärte das betäubungslose Schächten als den Forderungen des Tierschutzes durchaus entsprechend. Die seitens des Tierschutzvereines beigebrachten Gutachten, führte er weiter aus, gingen von theoretischen Erwägungen aus, kaum einer der Gutachter habe wissenschaftliche Versuche angestellt. Demgegenüber ständen jedoch zahlreiche auf Experimentalforschungen beruhende Erklärungen anerkannter europäischer Kapazitäten. Sollte jemand das Schächten dennoch als tierquälerisch bezeichnen, so könnten wir auch nicht stillschweigend an einem größeren Mißbrauch vorübergehen; denn ohne Zweifel ist die Schlachtweise in unseren Export - Schweineschlachthäusern bedeutend qualvoller. Der Prozeß ist nunmehr, wie die Reichszentrale für Schächtangelegenheiten in Berlin bekanntgibt, in höchster Instanz zur Entscheidung gebracht. Das Reichsgericht hat die Klage des Tierschutzvereins gegen die schächtgünstige Entscheidung des Landwirtschaftsministers als unberechtigt abgewiesen. Somit betrachtet die Regierung Estlands die Behandlung der Schächtfrage als endgültig abgeschlossen. 18 Juden im französischen Parlament. Der neugewählten französischen Kammer gehören folgende 18 Juden als Deputierte verschiedener französischer Parteien an: Leon Blum. Louis Dreyfus, Louis Gros, Levy Alphandery, Georges Mantel, Leon Meyer, Moch, Sclaffer, Jacques Stern, Henri Torres, Joseph Vidal, Georges Weill. Fribourg, Andre; Messe, Max Hymans, Mendes-France, Theodore Valensi. Wallach.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.