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Die Wahrheit · 1932-05-27 · Heft 22 (27.5.1932) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 22 (27.5.1932)
Date
1932-05-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nationalsozialismus IL Schweiz in aller Welt. Die deutsche völkische Propaganda, die seit Jahren in der Schweiz Fuß zu fassen sucht, erlitt dort bisher nur kläglichen Mißerfolg. Sie trifft auf das, was man eine „politisch gesunde Einstellung" nennt. Schweizer Patriotismus und Nationalbewußtsein vertragen sich nicht mit Judenhetze. Die Sicherheit in einem Lande, das mitten im Kontinent liegt, unberührt von den Kriegstaten der großen Mächte, schuf nicht engherzigen Nationalismus, sondern gab dem Asylrecht Existenz, verschaffte denjenigen eine Zuflucht, die sich in ihrem Heimatstaat nicht ausleben konnten. Eine enge Bindung zwischen Christen und Juden kam nicht zustande, das Verhältnis ist gerecht und korrekt. Ein latentes Differenzbewußtsein besteht in der christlichen Bevölkerung, aber nicht aus religiöser oder „rassischer" Voreingenommenheit, sondern weil die Juden zum geringsten Teil geborene Schweizer, vielmehr vorwiegend Elsässer, Deutsche, Franzosen und Ostjuden sind. Daß Juden in Lehrstellen und Staatsämtern kaum anzutreffen sind, liegt an dem geringen Ehrgeiz der Schweizer Juden nach dieser Richtung. In dieses nachbarliche Zusammenleben versuchen nun seit einiger Zeit deutsche Kreise durch Vertrieb ihrer Hetzliteratur einen Keil zu treiben, doch umsonst. Wohl stellten einige Buchhändler Fords „Internationalen Juden" aus, aber ohne Wissen um das Werk, wie einige auf Befragen zugaben. Eines Tages versuchte sogar ein Herr Alt aus Ölten in Schweizer Städten ein Plakat anzuschlagen, das geeignet war, eine Pogromstimmung zu schaffen. Der Inhalt war dem nationalsozialistischer Anschläge sehr ähnlich. Es wurde behauptet, daß die Auslandschweizer durch den „jüdischen Weltkrieg" 920 Millionen eingebüßt hätten und daß durch die jüdische Doktrin die Grundmauern des Schweizerhauses unterwühlt Wörden seien. Da der Kultusvorstand der Gemeinde Basel energisch gegen Alt vorging, wurde der Anschlag des Plakates als rechtswidrig verboten, schließlich kam es zu einer Bestrafung dieses Unruhestifters. Gegen alle derartigen Versuche hat ein schweizerischer Schriftsteller rechtzeitig seine Stimme erhoben: C. A. Loosli. Schon vor vier Jahren erschien sein Buch „Die schlimmen Juden!", in dem er scharf mit Ford und den „Protokollen der Weisen von Zion" zu Gericht geht, ihre Entdeckungen widerlegt und dabei die besonderen Bedingungen der Juden in der Schweiz ins Auge faßt. Aus Liebe zu den Juden ist das Buch keineswegs geschrieben worden, aber aus Gerechtigkeitssinn, der einer kulturschädigenden und zersetzenden Bewegung den Kampf ansagen will. Einer Bewegung, die schädigend weniger auf den Angegriffenen wirkt, denn er wird nicht schlechter, wenn er nur seines Vorhandenseins wegen geprügelt wird, wohl aber auf den Angreifer, der sich selbst ins Unrecht setzt, wenn er einen Bevölkerungsteil in völlig illoyaler Weise angreift. Also ausLiebezuden Schweizer Volksgenossen wurde das Buch geschrieben, damit sie nicht das Asylrecht den Juden gegenüber brechen, nicht der „Schmach des Jahrhunderts" anheimfallen, nicht den Namen der „freien Schweiz" entehren. Das Buch, das sicher Wahrheiten enthält, an denen sich manche aufgeregte Juden vielleicht stoßen, will hauptsächlich aufklären, die „schlimmen" Juden enthüllen, — der Titel will das Vorurteil weiter Kreise zum Ausdruck bringen —, mit ihnen aber die noch schlimmeren Judengegner, die ihr Werk als wahre Dunkelmänner in der Schweiz zu keinem Erfolg führen sollen. Zur Ehre von LoosIis Landsleuten sei es gesagt: Seine von großzügiger Gerechtigkeit diktierte Schrift fandden Wegzum Volke, den Ford und Hitler umsonst gesucht, die aufschlußreichen Darlegungen Looslis wurden vielfach zustimmend kommentiert und haben zweifellos einen starken Eindruck in der Bevölkerung hinterlassen. Da aber die judenfeindlichen Wühlversuche nicht aufhörten, meldete sich Loosli mit einer zweiten Broschüre zum Wort: „Die Juden und w i r!"*) Wir Schweizer — sagte der Verfasser —, ein Volk, das keine geographische, keine rassenmäßige, keine religiöse Einheit besitzt, können innerlich nur bestehen, wenn ein Volksteil dem anderen Vertrauen und Toleranz entgegenbringt. Das lehrt die Geschichte von mehreren Jahrhunderten und beweist das friedliche Bestehen dieses Landes ständig von neuem. Aus dem Grunde der Toleranz, des Asyls, jedenfalls um unsertwillen, müssen wir bestrebt sein, den Juden in unser Land einzugliedern. Deshalb lehnt Loosli erneut jedes Unrecht und jede Bewegung gegen seine jüdischen Mitbürger ab, die er Heber in engerem Kontakt mit seinen Schweizer Volksgenossen sähe. So predigt Loosli erneut Abwehr gegen jede feindliche Strömung von außen, um seine Schweizer vor Verhetzung und Ungerechtigkeit, vor Verkennung seines Wesens und seiner Aufgabe zu schützen. *) C. A. Verlag Dr. E. Loosli: Marx. ,Die Juden und wir". Zürich. 1930. Die ewige Judenfrage. Die Londoner Zeitschrift „The J ewish Chronicle" bringt ein Interview mit Professor Albert Einstein, der gegenwärtig Gast der Universität Oxford ist. Auf die Frage, ob es in der jüdischen Rasse begründet ist, wenn Juden in der Wissenschaft so stark vertreten sind, erwiderte Einstein: Die hohe Achtung vor geistiger Leistung scheint mir Tradition des jüdischen Volkes zu sein. Das Interesse und' die Betätigung an Dingen, die Denken und Erkennen voraussetzen, ist alte jüdische Tradition. Damit erklärt sich die Tatsache, daß so viele Mathematiker und Gelehrte anderer Disziplinen Juden sind. Auf die Frage, ob er glaube, daß Juden eine besondere Gabe für Musik besitzen, erwiderte Einstein, die jüdische Rasse habe stets ihr besonderes Interesse intellektuellen Problemen zugewendet und tue sich besonders in der wissenschaftlichen Forschung hervor; er glaube aber nicht, daß die Juden spezifische Begabung für das eine oder das andere Gebiet von Natur aus mitbringen. Eher kann man von Neigungen für spezifische Betätigung sprechen. Die Rede kam dann auf den Antisemitismus in Deutschland. Einstein glaubt nicht an eine radikale Rückflut der antisemitischen Welle, die über Deutschland' hereingebrochen ist; eine Aenderung könne nur eintreten, wenn sich die wirtschaftliche Lage gebessert hat. Noch glaube er, daß etwas getan werden bessern; jedenfalls Solidarität für Hinsichtlich des stein dahin, daß er könne, um die Lage zu veraber halte er jüdische durchaus notwendig. Zionismus äußerte sich Einsetzt wie früher glaube, daß Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern in Palästina wesentlich sei für den Aufbau des Landes und das Wohl seiner Bewohner. Ohne Frieden und Zusammenarbeit kann nichts getan werden. Glauben Sie an die Lösung der Judenfrage?, fragte der Interviewer. Einstein erwiderte: Judenfrage ist Menschheitsfrage und ohne definitive Lösung. Das Nebeneinanderleben von Menschen verschiedener Traditionen schafft immer und überall ein Problem. Aus eben diesen Tradra'onsunterschiedenj erwächst der Antisemitismus. Solange Juden als Juden existieren werden, wird eine Judenfrage bestehen. Auch Palästina kann sie nicht lösen, da in Palästina selbst eine Judenfrage besteht. Orth. T»3 Orth. UM in dem berühmten JO<t- ■. SfflWeleUMtf RESTAURATION Bad Deutsch-Altenburq Saison hat bereits begonnen Reelle Bedienung — Mäßige Preise Aach für Diabetiker Inhaber: Emanuel Lipsdtütz Bar Kochba. Wie war er schön in seiner Jugend Pracht. Auf seinem Antlitz glänzt des Adels Weihe. Ein Ziel erfüllt ihn mit gewalt'ger Kraft, Daß er sein Volk vom Römerjoch befreie. Den Sternensohn, der Rabbi nannte ihn, Von seiner Sendung tief durchdrungen. UnÜ) mit ihm Tausende von Tapfern ziehn, Die Römers Willkür in den Staub gerungen. Bar Kochba zur Begeisterung entfacht Das Heer der Treuen, Todbereiten. Von Sieg zu Sieg, von Schlacht zu Schlacht Der Freiheit sie entgegenschreiten. Bezwungen von dem Heldengeist Mit Löwenmut sie kühn sich schlagen. Das Volk ihn als Messias preist, Der Judas Krone stolz wird tragen. Doch nie der gold'ne Reif sein Haupt umspannt. — Verrat nur konnte ihn besiegen. Verrat und Hunger zogen durch das Land, Dem schmählichen Bund, er mußte ihm erliegen. Bar Kochba fiel, vollendend sein Geschick. Und während Rom vom Siegesjubel trunken, Starb mit dem Heldenjüngling Jufclias Glück. Ein Stern, der aufgeglüht, er war versunken. Beate Baumgarten. Pogromland Polen. Beschwerden werden unbeantwortet gelassen. Der Verband polnischer Juden in Amerika veröffentlicht durch die Jüdische Telegraphen-Agentur eine Erklärung gegen die polnische Gesandtschaft in dien Vereinigten Staaten, die die Beschwerde des Verbandes gegen das Urteil des Wilnaer Gerichts in dem Prozeß gegen den jüdischen Studenten Wulfin unbeantwortetgelassen hat. Der Verband polnischer Juden in Amerika hat am 22. April dem polnischen Gesandten in Washington, Filipowicz, eine Erklärung zugehen lassen, in welcher der Empörung der in den Vereinigten Staaten lebenden polnischen Juden Ausdruck gegeben wird über die vom Wilnaer Gericht in der Begründung des Urteils gegen den jüdischen Studenten Wulfin aufgestellte Behauptung, daß die Juden gegen dlie Christen im allgemeinen und die Polen im besonderen einen tiefen Haß im Herzen tragen, der noch von den Zeiten der Inquisition, da die Juden auf Autodafes verbrannt wurden, herrührt. Der Verband fragte in dem Protestschreiben, ob Artikel 22 des russischen Strafgesetzes betreffend Rassenhaß, der gegen Wulfin angewandt wurde, auch gegen die christlichen Studenten Anwendung gefunden har, die die antisemitischen Ausschreitungen hervorgerufen und aktiven Anteil an ihnen genommen haben. Der Brief blieb unbeantwortet. » Brandherd Wilna. In Wilna überfielen Huligans jüdische jugendliche Ausflügler und verletzten mehrere von ihnen. Einer der Verletzten, Aron Lewin, mußte in das Hospital überführt werden, mehrere andere wurden in einem Ambulatorium verbunden. Die Huligans wurden von christlichen Straßenpassanten unterstützt, gegen die die angegriffene jüdische Jugend sich zur Wehr setzte. Herbeigerufene Polizei verhaftete drei jüdische junge Leute und) leitete gegen sie ein Ver- III 'lllliilillllllllllllll Mitglieder und Freunde der „Union" "Sa^A^^äS^ Sommermonate jeden Dienstag, ab 728 Uhr abends, im reservierten Teil des Cafe-Restaurant »Zum braunen Hirschen'', IL, Prater Hauptallee.

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