Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 20 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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üiewAHRnm Seite a i—^s=^=sm Herrn Dr. Melkus ins Stammbuch. Mit Hinblick auf die neu angefachte Agitation der Tierschutzvereine gegen das Schächten werden wir von/ geschätzter Seite auf folgende Stelle in dem Buche „Die Familie Qomperz" von Kaufmann-Freudenthal (S. 323—24) aufmerksam gemacht: „Isaak Qomperz' Bruder Lewis, der Träger des alten Qomperz-Namens Loeb, weihte sein Leben vollständig modernen, humanitären Bestrebungen, nämlich denen des Tierschutzes. Sein 1824 erschienenes Werk „Moral Enquiries on the Situation of Men and Brutes" erregte großes Aufsehen in England und führte zur Gründung des ersten Tierschutzvereins, dessen Sekretariat er selbst verwaltete, tewis persönlich lebte in äußerster Konsequenz seiner Anschauungen als Vegetarier strengster Richtung. Vielen Dank brachten ihm seine humanen Bestrebungen nicht ein. Sein Werk wurde als christenfeindlich verschrien, so daß er 1832 aus der von ihm selbst begründeten Vereinigung ausschied und eine neue „The Animals Friend Society" riebst einer gleichbenannten Zeitschrift ins Leben rief, Unternehmungen, die, solange er ihnen seine Kraft widmen konnte, blühten, jedoch alsbald zerfielen, als er aus Gesundheitsrücksichten sich 1846 vom öffentlichen Leben zurückziehen mußte. Auch als Erfinder auf dem Gebiete der Mechanik, besonders mechanischer Heilapparate, hat sich Lewis Gomperz versucht und während seiner Mußezeit seine experimentellen Anschauungen 1851 in einer Schrift „Mechanical Inventions and Suggestions on Land and! Water Locomotion" niedergelegt, freilich ohne besondere Erfolge zu erzielen. Als einer der ersten und eifrigsten Verfechter des Tierschutzes aber wird sein Name — ein beschämendes Menetekel für den in so vielen Tierschutzvereinen heute blühenden Judenhaß — in unvergänglichen Ehren stehen. Lewis Gomperz starb am 2. Dezember 1861." * Wenn Herr Dr. Melkus schon beim Lesen ist, dann möge er sich auch folgende „appetitliche" Schilderung zu Gemüte führen, die wir in der „Metall-Arbeiter-Zeitung" fanden und die Herrn Dr. Melkus zeigen mag, wo seine und seiner Freunde Tierschutzgelüste wirklich am Platze sind: In der genannten Zeitung lesen wir von einem Versuch mit Phosgengas, der in einem chemischen Laboratorium vor geladenen Gästen vorgenommen wurde. Während die Besucher heiter und angeregt beim Essen saßen, wurden Katzen in dem Versuchsraum unter Phosgen-Wirkung gesetzt. Ein Professor Hill erläuterte nach dem Essen den Versuch. Die Katzen sprangen wie wild in dem Raum herum, aus dem sie vergeblich einen Ausweg suchten. Aus ihren Augen und d'en Speicheldrüsen des Mundes tropfte es unaufhörlich hinab. Vergebens suchten sie mit ihren Pfötchen die Augenschmerzen zu lindern. Daß die armen Tiere den Kopf möglichst hoch hielten, hatte nach Prof. Hill seinen Grund in der Sucht, besser atmen zu können. Das Gas ist schwerer als Luft und sinkt langsam zu Boden, so daß die Tiere versuchen, die oben bessere Luft einzuatmen. Durch stark beschleunigte Atmung sucht der Körper die Atemnot auszugleichen. Dann drückte der Professor auf einen Knopf, wodurch ein Ventilator in dem Versuchsraum in Bewegung gesetzt und die Luft in dem Glasraum gemischt wurde. Das Ertrinken beginnt, erläuterte Hill. Das Maul der Tiere war weit geöffnet, vor den Nasen- und Mundöffnungen bildete sich Schaum, die Gesichter wurden blau, Pupillen stark vergrößert. Nur mit großer Anstrengung vermochten die Tiere noch zu atmen. Immer langsamer und schwächer wurde die Atmung, bis eine Katze nach der andern vor Erschöpfung umfiel. Einige unter schweren Krämpfen und! Zuckungen. Selbst wenn die Tiere nun aus der vergifteten Luft herausgebracht würden, würden die meisten nach 24 Stunden sterben. Ein Tier starb erst 14 Tage nach einem derartigen Versuch. Die Frage, ob es keine ausreichende Abwehrmittel gegen diese Giftgase gäbe, beantwortete der gemütvolle Professor wie folgt: „Keine! In einem künftigen Kriege werden die Menschen genau so exakt und! sicher vernichtet wie diese Katzen hier." Die Juden in Sowjetrußland. In dem Berliner Zentrumsblatte „Germania" fanden wir einen Artikel „Die Juden in Sowjetrußland. Noch immer Ausnahmebestimmungen für die jüdische Minderheit". Aus diesem wichtigen Aufsatz, der durch die Wucht der Tatsachen das Märchen vom jüdischen Bolschewismus widerlegt, entnehmen wir folgende Stellen: ... Betrachtet man aber die Entwicklung, die die Geschichte der Juden in den USSR. seit dem Ausbruch der Oktoberrevolution genommen hat, so kommt man zu dem Schluß, daß dieser Teil der russischen Bevölkerung eigentlich weder am Anfang noch bei der Weiterentwicklung der Revolution von den Ausnahmebestimmungen losgekommen ist, denen die jüdische Minderheit immer unterworfen war. Es ist im allgemeinen z. B. unbekannt, d&ß in der roten Armee ein „Numerus Clausus" in bezug auf Besetzung der Kommandostellen durch Juden angewendet worden ist. Das Zentralkomitee der kommunistischen Partei hat ein Geheimdekret während der Bürgerkriege herausgegeben, das in sich das Verbot enthielt, an die Spitze einer militärischen Einheit mehr wie einen Juden zu stellen. Auf diese Weise konnten an der Spitze eines Bataillons oder Regiments nie z. B. ein Kommissar und Kommandeur jüdischer Nationalität stehen. In die Flotte wurden Juden in der ersten Zeit auf Kommandfostellen überhaupt nicht zugelassen. Es ist auch in der Oeffentlichkeit bisher wenig bekannt geworden, daß z. B. die Niederlage der roten Armee in der Ukraine dem jüdischen Teil des Politischen Kommandeurkorps in düe Schuhe geschoben wurde, und jüdische politische Kommandeure massenhaft aus den ukrainischen Truppenteilen entfernt wurden und mit dlem Vermerk „Ukrainer" in den Dienstpapieren, was auf Grund eines Geheimzirkulars gleichbedeutend mit „verdächtig und unzuverlässig" war, auf andere Fronten geworfen wurden — denn man mußte einen Sündenbock haben. Die Beschränkungen in bezug auf das Niederlassungsrecht wurden zwar aufgehoben, aber der größte Teil der jüdischen Bevölkerung der westlichen Gebiete hat in seiner Eigenschaft als kleiner Händler oder Handwerker, als „Kapitalist", schwere Tage durchzumachen. Nach den Stalinschen Dekreten gehört jeder selbständige Gewerbetreibende automatisch zum „nichtwerktätigen" Element. Dieses nichtwerktätige Element fällt systematisch der Ausrottung anheim und wird mit untragbaren Steuern belegt, zahlt für die Wohnung Mietpreise, die willkürlich vom Hauskomitee festgesetzt werden; d« Kinder werden in die Schulen nicht zugelassen, genießen „selbstverständlich" kein Wahlrecht usw. Etwas besser war die Lage dieser Juden zur Zeit der.NEP. Vor allem war der Handel mit den benachbarten Grenzländern gestattet, allerdings unter Kontrolle des Außenhandelskommissariats. Ein solcher Händler hatte das Recht, über die Handelsvertretung Sowjetwaren zu exportieren und für den Erlös einige Waren, an denen bei der bäuerlichen Bevölkerung Bedarf herrschte, einzuführen. Doch dieser Grenzhandelsverkehr wurde, sobald er in Moskau ruchbar wurde, sofort unterbunden, trotzdem er von den einzelnen „autonomen" Republiken gestartet war. Jetzt noch einige Worte über „jüdische Kolonlslerung". Es wurde ein „jüdischer Kolonisationsfonds" ausgesondert und zur Verfügung gestellt. Der eine Teil davon lag zwar in der Krim, doch der Hauptteil in Sibirien, in Biro-Bidschan. Diese Gegend wurde der jüdischen Bevölkerung als ein mit allen klimatischen und sonstigen Vorzügen ausgestattetes Gebiet geschildert. Doch als die Kolonisten an Ort und Stelle angekommen waren, erwartete sie dort nackte Wüste und weder Hilfe in bezug auf Baumaterial noch auf Wirtschaftsinventar. Verzweifelt, beinahe verhungert und vollkommen ruiniert zogen die Kolonisten bettelnd zurück. Die Sowjetpresse schilderte zum Teil offen tadelnd die Kolo- SCHULERFEST IM AUGARTEN Zagunsten der jüdischen Volks- und Haaotscnule, II., Malzgasse 16 (Talmud Thora), Findet am 24. Mai 1932 ein groBes SdlUlavtaSt statt Beginn 2 Uhr. Riesentombola J«de Karte ein Los; ledes Los gewinnt. Wertwolle Gewinne! Haupttreffers Eine Woche unentgeK» llcher Ferienaufenthalt am Semmeruui nisation, schwenkte dann aber um und begann) über die Kolonisten zu schimpfen, die unfähig wären, zu siedeln usw. Gerade die „jüdische Kolonisierung" in der Sowjetunion, die so oft als Beweis für eine Ausnahmestellung der Juden in der Union im Auslande vielfach angeführt worden ist, zeigt in aller Deutlichkeit die elende Lage der jüdischen Bevölkerung in Rußland. Auf jeden Fall muß mit aller Entschiedenheit gesagt werden, daß die Erzählungen über eine bevorzugte Stellung der Judlen entweder grober Unwissenheit oder böswilliger Verbreitung falscher Tatsachen zuzuschreiben sind. * Erschießung eines Rabbiners in Rußland. Die polnische Regierung hat ihre Gesandtschaft in Moskau angewiesen, bei der Sowjetregierung offiziell Klage zu erheben in der Angelegenheit der Erschießung des 34jährigen Rabbiners Simcha Aptowitzer in Tiflis. Rabbi Aptowitzer wurde in Tarnopol, Galizien, als Sohn eines Rabbiners geboren. Im Kriege geriet er, der in der österreichischen Armee diente, in russische Gefangenschaft. Er blieb in Rußland bis zum Ausbruch der bolschewistischen Revolution. Es wurde ihm dann nicht mehr gestattet, in seine Heimat zurückzukehren. Die jüdische Gemeinde in Tiflis wählte ihn zu ihrem Rabbiner. Er wurde aber nicht russischer Staatsangehöriger, sondern beschaffte sich einen polnischen Paß. Er heiratete in Tiflis und wurde Vater von zwei Kindern. Vor einiger Zeit wurde er ohne jeden Grund verhaftet und trotz Intervention des polnischen Konsuls in Tiflis nicht mehr in Freiheit gesetzt, sondern ohne daß irgend ein Grund hierfür bekannt geworden ist, erschossen. Veröffentfidjungen der „Union" Bezirksorganisation Leopoldstadt Am 2. d. M. hielt der pensionierte Amtsleiter der Wiener Kultusgemeinde, Herr Rudolf Kraus, in einer sehr stark besuchten Versammlung der Bezirksorganisation II der „Union" einen interessanten Vortrag „Aus meinen Erinnerungen in der Wohlfahrtspflege". Der Vorsitzende, Obmann Direktor Gustav K o 1 m i n, konnte in seinen einleitenden Worten eine stattliche Anzahl von Gästen begrüßen, die aus Interesse für den Vortrag des Herrn Kraus, der 36 Jahre sein Amt in anerkannt gewissenhafter Weise ausgeübt hat, gekommen waren. Insbesondere bemerkte man zahlreiche Vertreter von Frauen und Wohltätigkeitsvereinen, namentlich die verehrte Präsidentin der „Weiblichen Fürsorge", Frau Direktor Ulmann, die Beamtenschaft der Kultusgemeinde, vornehmlich die der Fürsorgezentrale war stark vertreten, ferner sah man die Herren Rabbiner Prof. Dr. J. M. Bach und Rothschild vom Bethauset „Montefiore", sowie Regierungsrat Dr. W a c h s t e i n u. v. a. Der Referent sprach vor allem von den Verhältnissen in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts und erklärte, wie sich die Armenagenden nach und nach, besonders während des Krieges und nach demselben, jeweils der Zeit entsprechend, geändert haben. Er berichtete von seiner persönlichen Arbeitsleistung, von den vielen Fachvorträgen, die er gehalten, von den verschiedenen Einrichtungen, die er geschaffen, und mannigfachen Anregungen, die er zugunsten der Bedürftigen gegeben hat. Anschließend daran zählte Herr Kraus eine größere Anzahl sehr interessanter Einzelfälle auf, welche