Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 20 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Settel DIE WAHRHCn Seligloiisiclircr, YoiDcfcr, Sdiodiet verheiratet, nur österreichischer Staatsbürger, ca. 30 bis 40 Jahre alt, wird per 1. August gesucht. Schriftliches Offert an die Hollasacmelnde Gänserndorf bei Wien Existenzmöglichkeiten von 200.000 Juden. Alle anderen Erwägungen sind jetzt sekundärer Natur. Einesolche Abwehrfront kann aber nicht improvisiert werden; Ad-hoc-Aktionen sind selten von dem wünschenswerten Erfolg begleitet. Man muß vielmehr rechtzeitig vorbauen und ausbauen. Wir sind uns darüber klar, daß es sich hierbei um eine überaus komplizierte Angelegenheit handelt. Gerade die österreichische Judenschaft ist parteipolitisch stark differenziert und es fällt nicht leicht, alle vorhandenen Strömungen unter einen Hut zu bringen. Aber die Schwierigkeiten, die sich der Aufgabe entgegenstellen, dürfen nicht abschreckend wirken. Auch anfängliche Mißerfolge dürfen nicht lähmend und dauernd hemmend sein. Immer wieder müßten die Bemühungen erneuert und fortgesetzt werden — bis zum realen Erfolg. Nicht nur als Juden, sondern auch als Staatsbürger wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, daß die Republik von hakenkreuzlerischen und hahnenschwänzlerischen Experimenten verschont bleiben werde. Der Erfolg der Nationalsozialisten kam ja auch diesen selbst höchst überraschend, da sie sich wohl darüber klar sind, daß ihr „Programm" keineswegs geeignet ist, anziehend zu wirken, und daß der Zulauf der Wähler, der ihnen zuteil wurde, hauptsächlich auf die infolge der bekannten Verhältnisse herrschende allgemeine Unzufriedenheit zurückzuführen ist. Der Kranke, der eine Zeitlang auf einer Seite liegt, glaubt, Linderung zu erhalten, wenn er sich zur Abwechslung auf die andere Seite dreht... Vielleicht bleibt die baldige Ernüchterung nicht aus. Aber sollte es zum Alleräußersten kommen — dann dürfen die ernsten Tage die Judenschaft Oesterreichs nicht ungerüstet finden. Der „Union österreichischer Juden", die dazu berufen ist, die Abwehraktion zu konzentrieren, harren große und schwere Aufgaben. Mit Unterstützung aller ernsten Elemente dürfte sie sich derselben gewachsen zeigen. Alle jüdischen Klassen und Schichten aber sollten bedenken, daßessichhierbeinichtumirgend eine Parteiaktion handelt, sondern um ein Unternehmen im I nteressederjüdischenGesamthcit. Gegen die Politik des Hasses. Die Schlüsselstellung für die zukünftige Gestaltung der preußischen und deutschen Politik, welche heute die Deutsche Zentrumspartei einnimmt, vertanlaßte die Redaktion des Hamburger „Israelitischen Familienblattes" zur Klärung der Lage eine Aeußerung des verantwortlichen Leiters der Zentrumspolitik herbeizuführen. Der Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei, Prälat Dr. Ludwig Kaas, hatte die Freundlichkeit, den Leiter der Berliner Redaktion des „Israelitischen Famllenblattes" zu empfangen, der ihn über die Haltung des Zentrums zum deutschen Judentum befragte. Als Antwort auf diese Fragen hat Prälat Dr. Kaas folgende Erklärung abgegeben: „Die mir seitens der Schriftleitung des „Israelitischen Famiüenblattes" vorgelegten Fragen bezüglich der Stellung der Deutschen Zentrumspartei zum Judentum beehre ich mich wie folgt zu beantworten: Seit seinem Bestehen, also seit über 60 Jahren, hat das Zentrum stets die Gleichberechtigung der Staatsangehörigen Jüdischen Glaubens anerkannt und ist für deren Gleichstellung mit den übrigen Staatsangehörigen eingetreten. An dieser Auffassung hat sich nichts geändert und wird sich nichts ändern. Wenn man in Deutschland innerhalb gewisser politischer Lager den hemmungslosen Haß gegen das Judentum predigt, Gewalttaten und Schmähungen duldet und mit weiteren Gewalttaten für die Zukunft droht, so widerspricht eine solche Einstellung und Haltung aufs schärfste unserer Weltanschauung. Das Gebot der Nächstenliebe erfaßt alle in gleicher Weise und kennt keine Ausnahmen. Das Gefühl des Hasses gegen Angehörige einer anderen Rasse oder einer anderen Religion hat im Christentum keinen Platz. Auf Grund dieser aus unserer christlichen Weltanschauung erwachsenen Gesinnung treten wir den Beschimpfungen der deutschen Juden, der Verleumdung ihrer Religion und den Angriffen auf ihre staatsbürgerliche Gleichberechtigung entgegen. Wir erkennen an, daß Angehörige des deutschen Judentums, insbesondere gläubige Juden, in Wissenschaft und Wirtschaft wie auch sonst im öffentlichen Leben Hervorragendes geleistet haben. Unsere Stellungnahme gegenüber der Gottlosenpropaganda und der Austrittsbewegung aus den religiösen Gemeinschaften ist allgemein bekannt; an ihr hat sich nichts geändert. Wir erwarten auch aus den Kreisen des gottesgläubigen Judentums überzeugte Teilnahme an dem Kampf gegen die auflösenden und zersetzenden Kräfte, welche die geistige Gesundheit und Lebensfähigkeit unseres Volkes und1 damit des deutschen Staates bedrohen. Die Schürung des Hasses gegen einen Teil der Bevölkerung wegen der Angehörigkeit zu einer anderen Religion oder einer anderen Rasse birgt schwere Gefahren in sich für die öffentliche Ruhe und Ordnung, und auch aus diesem Grunde wird die Zentrumspartei den genannten Bedrohungen, die sich neuerdings stärker hervorwagen, mit Festigkeit entgegentreten." Zu den Grundsätzen, die es stets unter allen Umständen vertreten hat, gehört für das Zentrum auch die staatsbürgerliche Gleichberechtigungaller Juden und die Erhaätung der Freiheit ihrer religiösen Betätigung. In diesem Punkte wird die Zentrumspolitik von der für sie gegebenen Linie nicht abweichen, weniger weil damit den Juden ein Gefallen geschieht, sondern weil religiöse und politische Toleranz zu den Grundsätzen gehören, welche die Zentrumsführung zu erhalten entschlossen ist. Die jeden Zweifel ausschließende Kundgebung des Vorsitzenden der deutschen Zentrumspartei, Prälaten Dr. Kaas, ist sicher geeignet, jeden noch in dieser Hinsicht aufkommenden Zweifel zu beseitigen. Ingenieur mit Auszeichnung, spracbenkundig (Deutsch, Russisch, Englisch. Französisch, Tschechisch und Hebräisch) sucht Hofmeisterposten, als Uebersetzer oder ähnliche Verwendung. Sehr bescheidenes Honorar. Zuschriften: XIX., Grinzinger Allee 7B 33/38. Gebildetes 21jähriges Waisenmädchen, seriös und sehr verläßlich, sucht Vertrauensstelle jeder Art in Geschäft oder Betrieb jeder Branche. Auskünfte Dr. Krügerheim, IL, Malzgasse 7, Telephon A 48-0-77. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 Frieden in Munkacs? Aus Munkacs erhält die „Jüdische Presse" die Nachricht von dem Zustandekommen eines friedlichen Ausgleichs zwischen den in zwei Gemeinden separierten Gruppen der Judenschaft. So sehr auch eine Beendigung der jahrelangen Fehde zwischen den „Munkacser" und „Beizer" Chassidim in Munkacs und damit eine Ausschaltung jenes verhängnisvollen Zwiespalts, den dieser sinnlose Kampf in der gesamten podkarpatskarussischen Judenheit hervorgerufen hat, zu wünschen wäre, so müssen wir dennoch auf Grund der bisherigen Erfahrungen vor solche Nachrichten aus jenem religiösen Wetterwinkel ein zweifelndes Fragezeichen setzen. Angeblich soll sich die finanzielle Lage der großen Munkacser Gemeinde im letzten Jahre so verschJimmert haben, daß sie nicht mehr imstande ist, die Darlehenszinsen zu tilgen und ihre ohnehin dürftig besoldeten Beamten aus dem regelmäßigen Etat zu bezahlen, so daß sie zu neuen Anleihen ihre Zuflucht nehmen muß. Hauptsächlich sollen die ungeheuren Kosten dies Parteihaders, verschiedene Neubauten und: die Gründung der formell den Namen „Kongreßgemeinde" tragenden Separatgemeinde der Beizer Chassidim an diesem finanziellen Ruin der Gemeinde die Schuld! tragen. Auch die Privatschatulle des Munkacser Oberrabbiners soll nicht mehr ausreichen, den Hader zu finanzieren. Linter dem Drucke dieser Verhältnisse ist von beiden Gruppen ein AusgJeichskomitee eingesetzt worden, das unter Leitung des Rabbinatskollegiums über die Möglichkeit und die Modalitäten eines Friedens zu verhandeln hatte. Der Munkacser Oherrabbiner soll seinen Vertretern aufgetragen haben, bei den Verhandlungen der Gegenpartei das größte Entgegenkommen zu beweisen. Seebad iCrikvenicagS,) Streng orth. ^3 Pension. Billige Preise. Feine Küche bei Wl. Josip Engel. Prospekt auf Verlangen. Dem Berichte zufolge soMen nun diese Verhandlungen mit Erfolg abgeschlossen worden sein. Der Ausgleich zwischen den beiden Gemeinden soll auf folgender Basis zustande gekommen sein: Die „Beizer" Gemeinde wird aufgelöst und tritt wieder in die Muttergemeinde ein. Der Rabbiner und die Schächter der „Beizer" Gemeinde stellen ihre Funktion ein, werden aber von der Gemeinde nicht übernommen, sondern erhalten eine angemessene Abfertigung in Geld. Die Gemeindeleitung der „Munkacser" tritt sofort zurück und den „Beizern" werden bei der Neuwahl 18 Mandate garantiert. Der gegenwärtige Gemeindepräses soll nicht wieder gewählt werden, sondern an seiner Statt eine Persönlichkeit mit „starker Hand" eventuell aus der Gruppe der „Beizer" an die Spitze der Gemeinde gelangen. Desgleichen tritt die in den Händen der „Beizer" befindliche Leitung der Chewra Kadischa ebenfalls zurück. Bei der Neuwahl in die Leitung der Chewra Kadischa erhalten wieder die „Munkacser" eine entsprechende Anzahl von Mandaten auf Basis der Parität. Die finanzielle Sanierung der Gemeinde soll dann die neue Gemeindeleitung in die Wege leiten. Bei den demnächst stattfindenden städtischen Wahlen sollen schon beide Parteien mit einer gemeinsamen Liste vor die Oeffentlichkeit treten. Wir wollen sehen! Mitglieder und Freunde der „Union" überfragen Lebens- und Elementar- Versicherungen der Städtischen Versicherungsanstalt