Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 19 (6.5.1932)
- Date
- 1932-05-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT der diesjährigen Vortragssaison des Vereines bekundet hatten, und schloß die letzte Veranstaltung des Jahres mit der Hoffnung, daß auch die kommende Wintersession von ebensolchen Erfolgen gekrönt werde. ib- Chewra Kadischa im XVIII. Bezirk. Am 24. April wurde die 52. Generalversammlung abgehalten, welcher in Vertretung der Isr. Kultusgemeinde Herr Kultusvorsteher Med.-Rat Dr. Jakob Deutsch beiwohnte; die Döblinger Schwestervereinigung vertrat Obmann Direktor Josef Brüll, der Währinger Frauenverein entsandte seine Vizepräsidentin Frau Gisela Winter. Der Tätigkeitsbericht des Vorstandes sowie der Kassabericht gaben den Versammelten ein anschauliches Bild über die segensreiche Wirksamkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre. Ehrenmitglied Rabbiner Dr. Feuchtwang spendete hierfür der Vereinsleitung volles Lob. Die Generalversammlung faßte den einstimmigen Beschluß, den langjährigen Obmann, Herrm Josef N o s s i g. für seine ganz besonderen Verdienste, die er sich um die Währinger Chewra Kadischa erworben, zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Nach der statutenmäßigen Ersatz-, bzw. Neuwahl setzt sich der Vorstand nunmehr aus folgenden Herren zusammen: Josef Nossig (Obmann), Med.-Rat Dr. Ignaz Winter (Obmannstellvertreter), Jacques Katz (Schriftführer). Leopold Subak (Kassier). Jakob Grotte (Rechnungsführer). Michael Billig, Hofrat Ingenieur Arthur Brückner, S. Griminger, Adolf Katz, Josef Klein, Ernst Lipa, David Lövy, Gustav Rosenberg, Oberrechnungsrat Jakob WoHner. Wohltätigkeitsjause des Vereins „Bikur Cbaulim". Am 10. April fand im Festsaal des Hotels Continental eine Wohltätigkeitsjause des Vereins „Bikur Chaulim" (Krankenbesuch) statt Der überaus zahlreiche Besuch zeigte die große Beliebtheit, deren sich diese Veranstaltungen erfreuen. Das Programm war ebenso reichhaltig wie abwechslungsreich und) geschickt zusammengestellt. In kurzen Worten begrüßte die verdienstvolle Präsidentin des Vereins. Frau Bundesfürsorgerätin Irma Rosenberg, die Erschienenen und warb um neue Mitglieder, da für den schönen, echt jüdischen und in unserer Zeit besonders notwendigen Zweck des Krankenbesuches viele mitfühlende Menschen notwendig sind. Dann folgten die Darbietungen, umrahmt von dem launigen Sprüchen des Conferenciers, Herrn Franz Schick. Besonders fiel die ausgezeichnete Rezitatorin. Frau Steffi Steiner, auf, die ernste und heitere Gedichte künstlerisch vollendet vortrug; dasselbe gilt von der Opernsängerin Frau Grete Winkler. die, von Frau Professor Rosenthal-Kanner am Klavier begleitet, mit ihren Darbietungen jedeni ernst-künstlerischen Konzert zur Ehre gereicht hätte. Reichsten und wohlverdienten Beifall fanden aber auch die Soubretten Frl. Luca Märy; die reizenden Kinderduette von Ditta Kunodi und Walter Rott; die kleinen Soloszenen von Hella Witt und Viktor Sternau und die Tänzerinnen Frl. Trude Heszky und Karla Kandelman. am Klavier begleitet von den Herren Jossi und dem jungen Pianisten Herrn L. Kender, der eigene Kompositionen zu Gehör brachte. Den unermüdlichen Bemühungen der Damen und Herren des Vorstandes war auch bei dieser Veranstaltung wieder ein ganzer Erfolg beschieden. F. T. Bukarest. In Brassov (Kronstadt), Siebenbürgen, verstarb im Alter von 94 Jahren Julius Schein, der Nestor der deutschen, Publizistik in Rumänien. Ursprünglich für den Rabbinenberuf bestimmt, besaß er ein umfangreiches hebräisches Wissen. In den Siebziger jähren des vorigen Jahrhunderts wurde er Korrespondent der „Neuen Freien Presse" und) der „Vossischen Zeitung" in Bukarest. Damals schon widmete er sich' mit großer Energie dem Kampf um die Emanzipation der rumänischen Juden. Wegen dieser Tätigkeit wurde er 1885 ausgewiesen. Nach seiner 1889 erfolgten Rückkehr nach Rumänien wurde er Mitbegründer der deutschen Zeitungen „Bukarester Tageblatt" und „Rumänischer Lloyd". Das ..Bnkarester Tageoiatt" widmet dem Verstorbenen einen mehrspaltigen Nachruf, in dem es unter anderem heißt: „Er, der Mann jüdischer Abkunft, der den Deutschen weder durch Bande des Blutes, noch auch selbst der Staatsangehörigkeit verbunden war, wurde mit zwingender Selbstverständlichkeit zum Vertreter und Vorkämpfer deutschen Kultur- und Geisteslebens im fernen Slüdosten, eine Aufgabe, der er im Laufe seines nahezu ein Jahrhundert währenden Lebens mit unentwegter Hingabe treu blieb. Sein Deutschtum, das er sich in ehrlichem geistigen und seelischen Ringen erworben, erfüllte sein Denken und ia«9aum&. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft werden hiermit zu der am 10. Mai 1932. um 4 Uhr nachmittags, im Gebäude der Gesellschaft. Wien. 1. Bezirk, Am Hof Nr. 2. stattfindenden 79. ordentlichen Generalversammlung eingeladen, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen werden: 1. Rechenschaftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1931. 2. Bericht des Revisionsausschusses. 3. Antrag des Verwaltungsrates auf Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahl von Verwaltungsratsmitgliedern. 5. Wahl von vier Mitgliedern des Revisionsausschüsses. Je fünf Aktien ä Nominale S 100.— geben das Recht auf eine Stimme. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuüben, so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf <ier Rückseite der Legitimationskarte auszustellen. Wien, am 20. April 1932. Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft. Empiinden und durchdrang alle Fasern seines Wesens. Die feindlichen Strömungen und Schlagworte des Tages berührten ihn nicht und waren noch viel weniger imstande, ihn irre oder schwankend' zu machen". Grober Unfug. Unter diesem Titel hat die Israelitische Kultusgemeinde in allen jüdischen Blättern eine amtliche Verlautbarung veröffentlicht, welche die Entrüstung darüber zum Ausdruck bringt, daß ein angeblicher Rabbiner Rokach unter jüdisch-religiöser Flagge Geschäftsmachinationen betreibt, die geeignet sind, die jüdische Oeffentfichkeit irrezuführen und unter falschen religiösen Vorspiegelungen dahin zu beeinflussen. Klassenlose eines nichtjüdischen Bankhauses zu erwerben. Inzwischen macht dasselbe nichtjüdische Bankhaus für seine Klassenlose neuerlich Propaganda durch einen sich „Misrachi-Zentrale" nennenden Verein, der sich jedoch die Bezeichnung „Misrachi" unbefugt beilegt. Der genannte Verein wurde laut öffentlicher Kundmachung der „Misrachi-Weltzentrale in Jerusalem" vom 7. Adar 5691 und laut endgültiger Entscheidung in letzter Instanz der „Misrachi-Weltkonferenz in Basel" vom 20. Tamus 5691 als illegal erklärt. Trotzdem unternimmt es der genannte Verein, unter Vorspiegelung der angeblichen Förderung des Palästinawerkes den Namen „Misrachi" zu mißbrauchen und das von der Israelitischen Kultusgemeinde in Wahrung der Interessen der jüdischen Oeffentlicbkeit als „groben Unfug" qualifizierte Vorgehen des angeblichen Rabbiners Rokach zu wiederholen, wobei als einziger für Palästina in Aussicht gestellter Vorteil lediglich der Appell an die eventuellen Gewinner, aus ihrem eigenen Gewinn für Palästina zu spenden, angeführt wird. Ueber vielfache Anfragen sieht sich der gefertigte „Misrachi-Landesverband für Oesterreich" als einzige legale und vertretungsberechtigte Organisation aller Misrachisten veranlaßt, festzustellen, daß er mit diesen Werbeschriften nichts gemein hat, jede Verantwortung dafür ablehnt und gegen diesen Unfug protestiert Präsidium des Misrachi-Landesverbandes für Oesterreich. Wo überall Lindberghs Baby gesucht wird. In der ersten Sedernacht ereignete sich in Lubltn folgende tragikomische Geschichte: Während der Lubliner Ray und Leiter der Lubliner Jeschiwah mit seinen Schülern und Freunden beim Seder saß, umzingelte eine Polizeiabteilung das Gebäude. Als der Hausbesorger die Frage des Polizei-Inspektors, ob ein weinendes Kind ins Haus gebracht wurde, bejahte, kam der Inspektor in den Saal und verlangte Aufklärung. Nun stellte sich heraus, daß unter den Gästen auch der Bruder des Raw Schapira anwesend war, der sein kleines Kind zu Hause zurückgelassen hatte. Das Kind war aufgewacht, hatte zu weinen begonnen und war von einer Nachbarin zu den Eltern gebracht worden. Auf dem Wege war diese Szene von einer Christin beobachtet worden, die nichts Eiligeres zu tun hatte, als der Polizei zu melden, daß die Juden ein christliches Kind zu rituellen Zwecken dem Rabbiner brachten. Als man den Polizei-Inspektor interpellierte, wie es möglich sei, daß man heute noch inLublin an eine Ritualmordgeschichte glauben könne, behauptete dieser, daß es sich bloß um eine Fahndung nach dem verschwundenen Lindbergh-Baby gehandelt habe. Verein „Ferienheim". Der Verein „Ferienheim" (Präsidentin Sofie Grünfeld) entsendet nach Schulschluß in sein eigenes Heim Bad Vöslau (Mühlhof) erholungsbedürftige israel. Schulkinder im Alter von 7 bis 13 Jahren. Es werden 5 Mahlzeiten verabreicht und steht die Kolonie unter ärztlicher und pädagogischer Aufsicht. Freiplätze in beschränkter Zahl nur an Vollwaisen. Anmeldungen von 10—1 Uhr im Vereinsbüro, IX.. Türkenstraße 17, Telephon A 11-1-63. Der Verein „Oest Seehospiz** (Präsidentin Sofie Grünfeld) entsendet Anfang Juli zarte, zu Katarrhen und Blutarmut neigende Kinder von 6—14 Jahren, in sein eigenes Heim in Grado, unter pädagogischer und ärztlicher Aufsicht, bei Verabreichung von 5 Mahlzeiten. Anmeldungen im Vereinsbureau, IX., Türkenstraße 17, Telephon A 11-1-63, von 10—1 Uhr. Konsumrabatt „Schomra". Den Preis von S 20.—, der für Rabattbüchlein ausgesetzt wurde, die bis vor Pessach zur Einlösung gelangten, hat Frau Hilde B o n d y gewonnen. Lele Bondi-Heim. Das seit vier Jahren in Wien bestehende, sich großen Ansehens erfreuende Lele Bondi-Heim, in einer schönen Villa im Prater gelegen, hat sich entschlossen, seine Tätigkeit zu erweitern. Es gedenkt, in den Sommerferien jüdische Mädchen im Alter von 10 bis 16 Jahren, die aus der österreichischen Provinz und dem Auslande kommen, bei sich aufzunehmen. Der Aufenthalt in Wien soll dazu benutzt werden, die Kinder mit der Stadt, deren Kunstschätzen, deren Umgebung bekanntzumachen. Alles, was die Großstadt dem Kinde an Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten hat. Theater, Sport, Sprachvervollkommnung, soll diesen Kindern, auf dfe Schulferien zusammengedrängt, geboten werden. Die pädagogische Leitung liegt in den Händen einer liebevollen, mit allen Forderungen der Hygiene vertrauten Leitung, die zugleich über geriflgend Geschmack verfügt um die Kinder nur mit jenen Dfngen bekanntzumachen, die ihrem Alter und ihrer Auffassung entsprechen. Die Schlafräume sind für je 2. 4 oder 6 Mädchen eingerichtet, die* Ernährung ist den Zeitverhältnissen entsprechend einfach, aber reichlich und schmackhaft rituell zubereitet Da das Heim nicht auf Erwerb berechnet ist, so sollen von den Eltern der Kinder nur die bescheidenen Selbstkosten gedeckt werden. Anmeldungen schriftlich und mündlich im Sekretariat des Lele Bondi-Heimes» Wien II., Böcklinstraße 59, von 11 bis 1 Ubr vorm.. Teh-Nr. R 44-0-16. trill^niJMfjOt^ Wien L, Seltenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XL, Zentralfriedhof, Mfel in I. tff, Tel. U18-0-85 Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 7. Mai d. J., findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks- Synagogen statt. Vexeinsnadkriafkten „Zukunft" — Isr. Handwerkerverein, Verein zur Erziehung und Erhaltung jüdischer Lehrlinge (IX., Grünetorgasse 26). Der Verein hält Sonntag, den 8. d. M., um 10 Uhr vormittags, im großen Saale der Bnai Brith, IX., Universitätsstraße 4, seine 92. ordentliche Generalversammlung ab. Die Chewra-Kadischa XII—XV (XV., Turnergasse 22) hält am Sonntag, den 8. d. M., H10 Uhr vormittags, im Sitzungssaale ihre 67. ordentliche Generalversammlung ab. Agudas Jisroet. Sonntag, den 8. d. M., um 4 Uhr nachmittags, findet im großen Saale der Agudas Jisroel, Jugendgruppe, Wien II., Floßgasse 1, die Generalversammlung der Agudas JisroeJ-Ortsgruppe, statt. Herr David Tür kl wird ein Referat halten: „Was ist und was will Agudas Jisroel?" Israelitische Kinderbewahranstalt des Vereines „Wohlfahrt", II., Schiffamtsgasse 15. Die 89. ordentliche Generalversammlung wird Montag, den 9. d. M., 'A7 Uhr abends, im Anstaltsgebäude abgehalten. Ein Wiener Schlager. Bei einer Wirtin wundermild. Da bin ich oft zu Gaste. in gold'nen Lettern prangt das Schild, Das Renommee noch nie verblaßte Dort kehre ich so gerne ein. Zum rituellen Mahle, Die Pfefferkarpfen schmecken fein. Durch Zubereitung ganz ideale. Der Schalet ist mein Leibgericht, Für Ritschet fehlen mir die Worte. Die Kugel wird zum Festgedicht. Und gar erst Fächertorte! Dann frag' ich nach der Schuldigkeit, Man trägt der Zeit hier Rechnung. Es kostet nur *ne Kleinigkeit. Nach der Genußberechnung. Mein Loblied klinge ä la Heine Aus vollem Herz und Magen. Daß ich nur „T o n e 11 o" meine. Muß ich wohl nicht erst sagen. Es liegt auch sicher sehr bequem Bei der Marienbrücke. Der Aufenthalt ist angenehm. Es ist der Weg zum Glücke. Ein dankbarer Gast. .. »Das Ca,e'R^taurant »Brauner Hirsch" im Prater, II., Hauptallee 6 (Volksprater, vis-ä-vis Variete' Leicht), beehrt sich die Mitteilung zu machen, daß das Etablissement nach gänzlicher Umgestaltung im Sinne der jetzigen Wirtschaftskrise in bürgerlich volkstümlicher Art bei bester Qualität der zu verabreichenden Speisen und Getränke am 30. April eröffnet wurde. Das Etablissement steht unter der selbständigen Leitung des von seinen Caf<§-Restaurants Wiener Ring-Cafe, Cafe Laiidtmannv Cafe Colonnaden bestbekannten Fachmannes Direktor Hans Chlam tatsch. Er wird seiner Tradition titeubleaend, auch hier alles aufbieten, die Gäste nach jeder Richtung hin zufrieden zu stellen. Um zahlreichen Besuch und Empfehlung im Heim und in Bekanntenkreisen wird gebeten. Munst und Sitevatm Bukarest. Im staatlichen Nationaltheater Bukarest wird gegenwärtig das Versdrama „A p o 11 o n j u s" des ruinämsch-jüdischen Autors Dr. Verea. eines Bukarester Arztes, mit großem Erfolg aufgeführt. Est ist dies das erste Mal, daß das Werk eines rumänisch-Jüldischen Dichters in das Repertoire der rumänischen Nationafbühne aufgenommen wurde Da man für die Premiere des Stückes antisemitische Kundgebungen befürchtete, hatte der Direktor des Theaters Alexander Mavrodi. der gleichzeitig Chef der Abteilung für dramatische Kunst im Unterrichtsministerium ist.