Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 19 (6.5.1932)
- Date
- 1932-05-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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gpiiiuiiiiaiuuiuiuiiiuuiuuuiuuuiuiiuiiiiiiiniiuiiiii^ ESSET STEINMETZBROT Die Ernährungswissenschaft sagt: „Steinmetzbrot ist das gesündeste, nährendste und den menschlichen Verdauungsorganen entsprechendste Brot" Wem Gersondiät vorgeschrieben ist: das äußerst schmackhafte, leicht verdauliche, lange haltbare kochsalzfreie Steinmetzbrot iiuiuinniuuiuauiDiiiius gleitete und in dessen Betsitz seinen erhabenen Gesängen entzückt lauschte. Die viden Verehrer und Freunde des Herrn Oberkantor J. L. Müller ermessen deshalb vollauf den großen Verlust, den er und seine Gattin durch das tragische Hinscheiden ihres Kindes erlitten haben, das auch in der Schule, die es ein halbes Jahr besuchte, schöne Fortschritte zeigte. Bei dem Leichenbegängnis, das Montag, den 2. d. M., stattfand, bekundete eine stattliche Trauergemeinde das innige Mitgefühl mit der schwer geprüften Familie. Es hatten sich der Gesamtvorstand und zahlreiche Mitglieder des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" unter Führung des Obmannes Oskar Scbramek und des Rabbiner Dr. Z. T a u b e s, viele Kantoren und in Vertretung Üier Kultusgemeinde Amtsleiter Rudolf Ferst er eingefunden. Nach Verrichtung der Trauergebete wurde der kleine Sarg in die Erde gesenkt, der Vater sprach herzerschütternd das Kadisch, das alle Anwesende zu Tränen rührte. — Die „Jugend-Union" beklagt den Verlust ihres 22jährigen Mitgliedes BerthoK! May, der dieser Tage nach längerer Krankheit dahingeschieden ist. Die allgemeine Teilnahme wendet sich den Eltern des Heimgegangenen Isidor und Ilona May zu, deren einziger Sohn BerthoWi gewesen ist. Bei dem am 29. v. M. stattgehabten; Leichenbegängnis versahen Rabbiner Dr. M. G. Mehr er und I. Kantor Leo Funke in erhebender Weise die Funktionen. Die „Jugend-Union" wird ihrem treuen Mitgliede Berthold May, der der Vereinigung seit ihrer Gründung angehörte und nun in so frühen Jahren von uns gegangen ist, stets ein ehrendes Andenken bewahren. Ehrung. Fräulein Therese Schnabl, eine überaus rührige Vorstandsdame des Israelitischen Frauenvereines Floridsdorf, leistet seit Jahrzehnten hervorragende karitative Arbeit und leiht auch allen anderen jüdischen Korporationen Floridsdorfs ihre schätzenswerte Kraft. Um diese allseits beliebte Dame zu ehren, haben die jüdischen1' Vereine und Korporationen, wie Bezirkskommission und Bethausvorstand Floridsdorf, Chewra Kadischa, das Rabbinat, Talmud Thora, Chaunen Dal und jüdische Jugendfürsorge Floridsdorf beschlossen, dem Fräulein Therese Schnabl ein Anerkennungsdiplom zu widmen, das am 24. v. M. von einer Deputation, bestehend aus den Herren Obmann Gabriel Dukes, Simon Czuzka, Medizinalrat Dr. Ruß, Adolf SobeJ und Emil Fanto, überreicht wurde mit dem Wunsche, daß sie diese segensreiche Tätigkeit noch lange Jahre ausüben möge. Fräulein Schnabl dankte herzlichst für die ehrende Auszeichnung und versprach, auch weiter im Dienste der Wohltätigkeit wie bisher zu arbeiten. Emil Fanto, Auszeichnung. Am 26. v. M. wurde den Sängern der Wiener Staatsoper, den Herren Michael Stryks und Hermann Thiemann von dem Direktor der Wiener Staatsoper Prof. Clemens Kraus in feierlichster Weise die ihnen vom Bundespräsidenten für Verdienste um die Republik Oesterreich taxfrei verliehene Goldene Medaille überreicht Bei dieser Gelegenheit erhielten die beiden Ausgezeichneten vom Bundesminister für Unterricht Doktor Czermak ein persönlich gefertigtes herzliches Gratulationsschreiben, außerdem von dem Generalintendanten der österreichischen Bundestheater Dr. Schneiderhan die innigsten Glückwünsche, mit denen Dank und Anerkennung für die der-Staatsoper lange Jahre hingebungsvoll geleisteten künstlerischen Dienste verbunden wurde. Die Herren Stryks und Thiemann wirken bekanntlich seit vielen Jahren als Sänger bei der Israelitischen Kultusgemeinde (Stadttempel). Seitens des Präsidiums und des Bethausvorstandes der Kultusgemeinde, sowie von den zahlreichen Freunden und Bekannten gingen ihnen viele Gratulationen zu, was für die außerordentliche Beliebtheit der beiden Herren Zeugnis ablegt. Silberne Hochzeit. Am 14. d. M. feiert der allseits verehrte Oberkantor am Stadttempel der Isr. Kultusgemeinde, Heinrich Fischer mit seiner Gattin Fanny, geb. Roth, das Fest der Silbernen Hochzeit und zugleich sein 25jähriges Kantorenjubiläum. Seder-Feiern der Schulkinder. Gleich wie im Vorjahre hat auch heuer die Schulverwaltung der Kultusgemeinde Vorsorge getroffen, daß tunlichst .alle Schulkinder, die aus irgend einem Grunde im Elternhause keine Sederfeier halten können. Gelegenheit finden, an einer solchen teilzunehmen. In vier verschiedenen Bezirken haben, wie wir seinerzeit in den „Amtlichen Nachrichten" mätteflten, solche Feiern stattgefunden. Besonders schön und feierlich gestaltete sich die Sederfeier im Krüger-Heim. Sie war für Schulkinder des 1. Bezirkes bestimmt Die Damen des Krüger-Heims, an ihrer Spitze Frau Obermedizinalrat Dr. Krüger, haben aHes darangesetzt, um den Kindern ein besonders schönes Fest zu bieten. Mehr afls 100 Kinder waren der Einladung der Kultusgemeinde gefolgt. Die weißgedeckten Tische waren mit Blumen reichlich geschmückt und zahlreiche Silberleuchter gaben dem Seder-Tisch ein feierliches Gepräge. Auf dem Platz eines jeden Kindes war neben der Haggadah eine kleine SederschüsseJ mit all den zum Seder vorgeschriebenen Dingen. Nachdem Herr Inspektor Oehler namens des Kultusvorstandes die Kinder und die Eltern derselben auf das herzlichste begrüßt harte, begann die eigentliche Feier, die vom Herrn Religionslehrer Emil Lehmann als M'ssadah geleitet wurde. In überaus lihberessanter und kindertümücher Weise erläuterte er die Bedeutung des Pessachfestes und verstand es, die Kinder durch seine Vortragsweise zu fesseln. Ein herzerhebender Anblick war es, die Kinder voll Spannung und Erwartung am Sedertische sitzen zu sehen und ganz besonders, als sie im Sprechchor die vorgeschriebenen Segenssprüche über die Mazzoh, Morraur usw. verrichteten und ebenso, als sie nach der ihnen gebotenen Jause gemeinsam das Tischgebet sprachen. Von ihren Lehrkräften für die Feier sowohl liturgisch als auch gesanglich vorbereitet, haben die Kinder an allen Vor-, gangen des Sederfestes aktiv teilgenommen und jedem, der die altgewohnte Melodie des „Adir-Hu" von den 100 Kindern so lieblich ertönen hörte würd dieser Abend unvergeßlich bleiben. Außer den Eltern der eingeladenen Kinder hatten der Feier zahlreiche Gäste beigewohnt unter denen man auch die Herren Kultusvorsteher Obermedizinalrat Dr. Haase. Herrn Professor Rath und Herrn Arnheiter Förster bemerkte. Mit dem Hinweis des Herrn Inspektor Oehler an die erschienenen Eltern, die abgehaltene Feier aäs einen Anschauungsunterricht für ihre Kinder zu betrachten, und dem Ersuchen, das Bestreben der Kultusgemeinde um die religiöse Jugenderziehung zu unterstützen, schloß die schöne Feier, die sowohl auf die Kinder als auch auf die Erwachsenen einen ausgezeichneten Eindruck gemacht hatte. Besondere Anerkennung verdienen außer den Damen des Krüger-Heims auch die Lehrkräfte der Kultusgemeinde. Herr Emil Lehmann. Fräulein Lotte Intrater. Flräulein! Gertrude Adler und Fräulein Stella Wolf, die sich um den glänzenden Verlauf dieser Dnßcnlsdics Königsliciu Seit viejenjahren dasa_erkannt beste rnotM Man achte auf die gas. gesch. Mark« „Hyglan. Könlssllcht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. GROSSFLEISCHHAUEREI IUGM. KORNMEHL vmmmmmmu^mmmimmmmmmammmmmmmmm^mmmmm WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE ■ XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 16-9-34 Lieferant für Hallanstaltan AbteilungenforKoscherfleisch ■nlar Aufsieht des ehrar« Rabbtaates dar Isr. Knltusgemsinds Wlan. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen schönen Feier verdient gemacht haben. Auch die übrigen drei von der Kultusgemeinde veranstalteten Sederfeiern im 15.. 18. und 20. Bezirk waren, wie wir hören, sehr gut besucht und verHefen sehr feierlich und eindrucksvoll. Auch da hatten sich zahlreiche Damen und Lehrkräfte der Gemeinde freiwillig in den Dienst der guten Sache gestellt. Im 15. Bezirk waren die Herren Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t und Herr Kultusvorsteher Kommerzialrat Albers, im 18. Bezirk Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang und Herr Obermedizinalrat Doktor Winter erschienen. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang hielt an die Jugend eine sehr lehrreiche und eindrucksvolle Ansprache. Im 20. Bezirk erschien Herr Kultusvorsteher Singer und Herr Obmann K o h n. Herr Rabbiner Dr. Murmelstein leitete den Seder und war um die Ausgestaltung desselben besonders bemüht. Das gelungene Arrangement besorgten auch die Damen Blum, EngeJberg, Höchberg und Sali t e r. Als Sederieiter wirkten ferner im 15. Bezirk Herr Religionslehrer Emil Grünberg und im 18. Bezirk Herr Oskar Antscherl. Mit diesen vereint haben sich auch die Lehrkräfte Herr Siegmund Margulies. Herr Siegfried Huber. Herr Isak Herzberg und Herr Isidor Gollerstepper. ferner Fräulein Betty Gollerstepper, Dora Schächter und Janina Nußbaum besonders verdient gemacht. Im 18. Bezirk erhielt die Talmud- Thora-Schule aus Anlaß der besonders gelungenen Feier eile sehr schöne1 Sederschfissel als Geschenk von Frau Adele Schlesinger, die gemeinsam mit den Damen des Frauenvereines Frau Medizinalrat Dr. Winter, Frau Iraia Silber knöpf, Frau Hedwig Schick und Frau Dozent Dr. Willlei m das Arrangement der Sederfeier übernommen hatte. All jene, die sich zu dem Gelingen dieser schönen Feiern in uneigennütziger Weise der Kultusgemeinde zur Verfügung stellten, werden ihren schönsten Dank in dem Bewußtsein finden, an einem Erziehungswerk mitgewirkt zu haben, das der Jugend zum Wohle und dem Judentum zur Ehre gereicht Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Auch die letzten im Rahmen des Vereines stattgefundenen Vorträge haben die Wichtigkeit der Verbreitung der Kenntnis vom Judentum und seiner Geschichte in hervorragender Weise zum Ausdrucke gebracht. In seinem „Don Joseph Nassi und Papst Paul IV." betitelten Vortrage bot Herr Ludwig. Boto, Vizepräsident des Vereines, eine überaus lehrreiche Skizze aus dem Leben eines großen jüdischen Staatsmannes. Das warme Eintreten Don Josephs für die von Papst Paul eingekerkerten Marannen in Ancona, die dem Feuertode überliefert werden sollten, wurde vom Vortragenden in lebhafter Schilderung vor Augen geführt. Die Intervention des Sultans Suleiman beim Papste, der durch dessen Drohungen zum Teil eingeschüchtert worden war, kennzeichnet den großen Einfluß und die hohe Stellung, die Don Joseph am türkischen Hofe inne hatte. Besonders ausführlich gestaltete sich die Erörterung der wirtschaftlichen Maßregeln, die der jüdische „Fürst" ergriff, um den venezianischen Hafen von Ancona zu boykottieren, wobei die diesbezügliche Stellungnahme der maßgebenden rabbinischen Autoritäten den Ausschlag gab. Die äußerst interessanten Ausführungen, die einen Ausschnitt aus einem werdenden Werke darstellten, fesselten das Publikum durch die klare Sprache und insbesondere durch die packende Darstellungskraft. Einen gleichfalls interessanten Vortrag lieferte der Kustos des jüdischen Museums, Herr Prof. Dr. Jakob Bronner, in seinem „Familiantenprozeß aus dem Jahre 1780". Er verstand es, in durchaus lebhafter Darlegung seine Zuhörer mit dem alten schlesisch-jüdischen Gemeindeleben eingehend vertraut zu machen- Der Vortragende beleuchtete die schweren Existenzkämpfe, die der schlesische Jude damals infolge des sogenannten Familiantengesetzes durchmachen mußte,, welche Tragik sich im jüdischen Familienleben oft dadurch ergab, daß junge Ehepaare auseinandsergerissen werden mußten, um \,gesetzlichen" Normen „gerecht"" zu werden. Er erörterte auch an Hand eines speziellen Falles, dessen Urkunde er aus dem Archiv des jüdischen Museums mitgebracht hatte, die Leiden und" Qualen einer jüdischen Familie; er kam ferner auf das „Toleranzpatent" Josefs II. zu sprechen, wobei er festzustellen suchte, daß diese Judengesetzgebung im großen und ganzen nur den großen Städten wie etwa Wien zustatten gekommen wäre, in den kleinen Gemeinden aber alles beim alten blieb. Auch dieser Vortrag erntete lebhaften Beifall. Die Debatten, die sich an beide Vorträge anschlössen und an denen insbesondere die Herren Rabbiner Dr. M. Rosenmann und Obermedizinalrat Dr. H. Haase sich beteiligten, kennzeichneten das hohe geistige Niveau des Vereines. Der Vorsitzende und Präsident des Vereines, Herr Prof. Dr. Sam. Krauß, dankte allen Mitgliedern und Gästen für das zahlreiche Erscheinen und die Beteiligung, die sie in-