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Die Wahrheit · 1932-05-06 · Heft 19 (6.5.1932) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 19 (6.5.1932)
Date
1932-05-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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mf WAHRHEIT seit« o Jtfaftenfzreus am Werfe Gemeinde ~ €Aroniß Weiß der Herr Unterrichtsminister davon? In der Wiener Universität scheint man sich langsam auf die neue „Ordnung" vorzubereiten, die durch das berüchtigte Czermaksche Studentenrecht geschaffen werden soll. Es hat zwar den Christlichsozialen, die dieses Studentenrecht noch vor den Wahlen im Nationalrat eingebracht haben, nichts genützt, daß sie sich hakenkreuzlerischer gebürdeten als die wirklichen Hakenkreuzler, sie sind trotzdem geschlagen worden, aber sie haben es wenigstens erreicht, daß sich die akademischen Behörden zu allerlei Unfug berechtigt halten. Vor uns liegt das „Verzeichnis der wichtigsten Neuerwerbungen der Wiener Universitätsbibliothek im März 1932". Auf Seite 5 dieser offiziellen Druckschrift findet sich ganz oben folgende Eintragung: „Ludwig Emil (d. i. Emil Cohn), Bismarck, Geschichte eines Kämpfers, Berlin 1932, I. 502.196." Wir sind natürlich nicht der Ansicht, daß es für Emil Ludwig diffamierend wäre, wenn er unter einem Pseudonym schreiben würde und in Wirklichkeit Cohn hieße oder geheißen hätte. Er heißt aber nicht so und die Wiener Universitäts-Bibliothek beabsichtigt mit dem Zusatz: (d. i. Emil Cohn) nichts anderes als eine — allerdings dumme und läppische — politische Demonstration. Auf Staatskosten natürlich. Gerade die Wiener Universitäts- Bibliothek ist in der letzten Zeit kaum mehr benutzbar, angeblich wegen der ungeheuren Ueberlastung ihres wissenschaftlichen Personals. Das ist eine Ausrede, denn das Bücherverzeichnis zeigt, daß die Bibliotheksleitung Zeit und Muße genug hat, Forschungen darüber anzustellen, welcher Abstammung die Autoren der einzelnen Bücher sind und wie sie in Wirklichkeit heißen oder geheißen haben. Sie kommt dabei bezeichnenderweise zu falschen Ergebnissen, was ihre sachliche Befähigung zur Führung einer wissenschaftlichen Bibliothek an und für sich zweifelhaft erscheinen läßt, aber es ist wahrhaftig kein Wunder, wenn die Bibliothekare, die so sinnreiche Arbeiten zu leisten haben, nicht dazukommen, ihren eigentlichen Dienst zu verrichten. Die deutschen Schächtverbote verfassungswidrig! Auf Grund einer Anfrage einer norddeutschen Stadt hatte Anfang des Jahres der Reichsinnenminister die Erklärung abgegeben, daß Schächtverbot in Kommunen mit Schlachthauszwang gegen Art. 135 der Reichsverfassung verstoßen. Nunmehr hat sich, wie die Reichszentrale für Schächtangelegenheiten bekanntgibt, auch der preußische Minister des Innern diesem Standpunkt angeschlossen und die Regierungspräsidenten derjenigen Bezirke. in denen kommunale Schächtverbote beschlossen waren, angewiesen, die betreffenden Ortssatzungen oder Gemeindebeschlüsse als gesetzwidrig zu beanstanden. Die deutschen Nazis machen Schule. In der litauischen Stadt Alita haben junge Huligans auf dem jüdischen Friedhof große Verwüstungen angerichtet. Sie zerstörten 21 Grabsteine und einige Mausoleen bekannter Rabbiner. Drei etwa 13jährige Burschen wurden als die Täter ermittelt und in Haft genommen. Die Eltern werden nach dem Gesetz für den Schaden aufzukommen haben. Ritualmordhetze in Griechenland. Am Vorabend des Pessachfestes wurde in der griechischen Stadt Cavalla die Legende eines jüdischen Ritualmordes verbreitet. Die Frau des Schuhmachers Jean Theodortdou lief durch die Straßen und rief, Juden hätten ihr sechsjähriges Kind geraubt und ihm Blut zu Ritualzwecken abgezapft. Das Kirtd! selbst bezeichnete einen jüdischen Bürger der Stadt als den „Täter". Der Angeschuldigte konnte aber sofort 'die Grundlosigkeit der kindlichen Aussage nachweisen. Das Kind wies nun auf einen gewissen Moise Levy als den Täter hin. Sofort fiel die aufgehetzte Menge über Levy her und wollte ihn lynchen. Nur mit großer Mühe konnte die Polizei Levy aus den Händen der erregten Menge befreien und in Schutzhaft nehmen. Nach Feststellung der Grundlosigkeit der Aussage des Kindes wurde Moise Levy aus der Haft entlassen. Was heißt Einheitsgemeinde"? Die zionistische Jüdische Volkspartei hat nach ihrem Auszuge aus der Berliner Gemeinderepräsentanz einen Antrag eingebracht, in dem der Begriff der Einheitsgemeinde formuliert wird. Ueber den Antrag sollte in der für 'den 28. April angesetzt gewesenen Repräsentantensitzung verhandelt werden. Inzwischen wurde die Sitzung auf den 12. Mai verschoben. In der „Jüdisch-liberalen Zeitung" ergreift nun der liberale Repräsentant R.-A. Dr. Max Mayer das Wort, um unter 'der Ueberschrift „Gleichberechtigung des Zionismus in der Einheitsgemeinde?" darzutun, daß die liberale Mehrheit dem Antrag unmöglich zustimmen könne; denn der Antrag verlange — wenn auch unausgesprochen — nichts mehr und nichts weniger, als daß die Einheitsgemeinde in Zukunft nicht nur die Interessen religiöser Richtungen oder die religiösen und sozialen Interessen ihrer Mitglieder unterstützen und wahren, sondern daß sie auch jüdisch-nationale Bestrebungen und Wünsche ihrer einzelnen Mitglieder und Parteien erfüllen solle; dies aber könne von der religiösen Gemeinde nicht getan werden. Die Gemeinde werde und müsse weiter allen ihren Mitgliedern die Unterstützung gewähren, die im Rahmen der Gemeinde- Aufgaben möglich und tunlich ist. Darüber hinaus müsse sie „allen Versuchen, ihre Arbeit durch einen innerjüdischen Parteistreit zu sabotieren, unbeugsamen Widerstand entgegensetze n". isdiias, Rheuma, Oidil 14tägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensäurebäder, Diathermie Helflluft, Hohensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8-6 Uhr HellanslaU „fheriiilaH I., Franz Joseiskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Woll Somer Belgrad. Die größte Radiostation Jugoslawiens, die Belgrader Funkstation, hat am Vorabend des Pessachfestes den Gottesdienst aus der aschkenasischen Synagoge in Belgrad übertragen. Ueber die Bedeutung des Pessachfestes für das Judentum und die Menschheit sprach Rabbiner J. Schlang; Oberkantor A. Graßmann und Chordirigent S. Großmann besorgten den gesanglichen Teil. BrHftnd BpgheraisschaQiAuHa GArtneret CBNSf seetbie» Grändnngsjahr 1880 XI., Simmerlnger Hauptstraße Nr. 381 DJ. Tor, Zentralfriedhof, Haltestelle der Elektrischen 71 Telephon U14-2-61 Unter Berufung auf ,Die Wahrheit" 10*/» Rabatt Exkönig Ferdinand von Bulgarien and Justizrat Badiradi. Von dotilde Benedikt Anläßlich des Hinscheidens des großen Advokaten sei darauf hingewiesen, daß es ihm beschieden war, einmal in die Weltgeschichte einzugreifen. Die breite Oeffenüichkeit ahnt nicht, in wie weitem Ausmaße der schlichte Mann das Vertrauen des Kaiser Franz Josef genoß. Es gereicht dem Wiener Judentum durchaus zur Ehre, daß dieser ihm einmal sagte: Hätte1 ich Sie schon gekannt, als mein Sohn noch lebte, so wäre vielleicht die Tragödie von Mayerling zu vermeiden gewesen. Nicht nur diese Mitteilung verdanke ich meinem verehrten Jugendfreunde, sondern er gewährte mir auch Einblick in die Kopie einer Denkschrift, die er in der schärfsten Krisenzeit des Weltkrieges an König Ferdinand von Bulgarien gerichtet hatte und mit der er, wie er lächelnd sagte, „Weltgeschichte gemacht hat". Unter allen seinen Klienten stand Bachrach keiner in seinem Herzen so nahe wie König Ferdinand und unabläßlich schwebte ihm für den von Ihm so verehrten Manne, dem Abkömmling der Bourbonen ein ähnliches Schicksal wie das Ludwig, des XVI. vor. Die Denkschrift war mit bewährtem Scharfsinn und Weitblick abgefaßt; es gehörte der ganze Mut Bachrachs dazu, selbst einem geistig so hochstehenden Manne wie dem damaligen König zu sagen, daß hur sein Thronverzicht die Monarchie sowie das Land retten und ihm wahrscheinlich das Leben erhatten könne. König Ferdinand hat genau jeden Satz der Denkschrift durchstudiert und diese hat ihn, wfe mir Bachrach versicherte, hauptsächlich zur Thronentsagung bewogen. Da Bachrach nichts dagegen hatte, daß ich diese Tatsache in einem längeren Artikel noch zu seinen Lebzeiten veröffentliche, den ich damals zu schreiben gesundheitlich verhindert wurde, trage ich kein Bedenken, die kleine Reminiszenz als Abschiedsblume auf das Grab des verehrten Freundes zu legen, der vergangene Woche unter den Gesängen des Oberkantors Ma tyas und wenigen, aber ergreifenden Worten Rabbiier Dr. Bachs schlicht und einfach am Zentralfriedhofe zur Ruhe gebettet wurde * In dem in unserer letzten Nummer veröffentlichten Nachruf sind die Schlußsätze dahin richtigzustellen, daß Justizrat Dr. Adolf Bachrach und seine feinsinnige Gattin Louise den Tod ihrer geliebten Tochter Hedwig zu beklagen hatten. | Hofrat Dr. Josef Löwner. | Am 29. v. M. wurde der Nestor des Vorstandes der „Union österreichischer Juden", Hofrat Dr. Josef Löwner, zur ewigen Ruhe geleitet, der tags vorher nach längerer Krankheit schmerzlos sein Erden wallen beendigt hatte. Der geehrte und geschätzte vieljährige Vizepräsident der „Union", deren Ehrenmitglied er gewesen, besaß ein tiefes jüdisches Bewußtsein, dem er auch im Laufe seiner hervorragenden richterlichen Karriere nicht untreu wurde. Seine innige Zugehörigkeit zum Judentum führte ihn in die Reihen verschiedener jüdischer Institutionen, so der „A11 i a n z", deren Vizepräsident er ebenfalls gewesen, und des Israelitischen Waisenvereins. Vornehmlich aber galt sein Interesse der „U n i o n", in deren Vorstand er sich an jeder Debatte beteiligte. Immer wieder hatte man Gelegenheit, seine kluge Erfahrung zu bewundern, die stets den taktisch richtigen Weg wies. Er war von einer fundamentalen Begeisterung für jüdisches Recht und jüdische Ehre erfüllt; der Vorstand der „Union" wird den klugen Rat dieses prächtigen, allezeit liebenswürdigen und hilfsbereiten Menschen sehr vermissen. Sein Leichenbegängnis fand unter überaus starker Beteiligung statt. Es hatten sich u. a. eingefunden: Das Gesamtpräsidium der Kultusgemeinde mit mehreren Herren des Kultusvoi Standes, dem der Verewigte einige Jahre angehört hatte, starke Abordnungen der verschiedenen jüdisch-politischen und jüdisch-humanitären Vereinigungen, in denen Hofrat Löwner unermüdlich gearbeitet hatte, zahlreiche richterliche Kollegen des Dahingeschiedenen u. v. a. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. I. Taglicht, der in innigen Worten ein Bild von dem Menschen und Juden Hofrat Löwner entwarf. Es sprachen ferner namens der Kultusgemeinde Präsident Professor Dr. Alois Pick, für die „Union" und die „Allianz"1 Präsident Dr. J. O r n s t e i n sowie ein Vertreter der B.-B. herzliche Abschieds- und Dankesworte. Am offenen Grabe verrichteten zwei Waisenknaben, die mit den Deputationen ihrer Kameradinnen und Kameraden aus den beiden Waisenhäusern Probtisgasse und Ruthgasse gekommen waren, ein tief ergreifendes Kaddisch. Die kantorale Funktion versah Oberkantor M. M a t y a s. Die allgemeine Teilnahme wendet sich der gramgebeugten Witwe und der Familie des Heimgegangenen zu, dessen Andenken stets geehrt bleiben wird. — Der Zentralvorstamd der „U n i o n" hatte bereits am Abend des Sterbetages seines viel jährigen Vizepräsidenten gelegentlich einer Vorstandssitzung durch eine gehaltvolle Gedenkrede des Präsidenten Dr. J. Ornstein von dem Hinscheiden des Herrn Hofrat Löwner Kenntnis erhalten. Der Zentralvorstand der „Union" beteiligte sich auch fast vollzählig an dem Leichenbegängnis; in den letzten Versammlungen der „Union", bzw. der Jugend-Union wurde vor Eingehen in die Tagesordnung des Heimgegangenen in ehrender Weise gedacht. — Einen tragischen Verlust haben der Oberkantor des Pazmanitentempels J. L. Müller und seine Gattin Rosa erlitten. In der vergangenen Freitagnacht starb ihr sechseinhafbjähriges prächtiges Kind Herbert an den Folgen einer Diphtherie. Den furchtbaren Schmerz der gramgebeugten Eltern können alle jene verstehen, die das aufgeweckte hübsche Kind gekannt haben, das wiederholt den geliebten Vater in den Tempel be-

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