Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1932-04-20 · Heft 17-18 (20.4.1932) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 17-18 (20.4.1932)
Date
1932-04-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064401-3064418--18822-3083892
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 10 JHEWAHRHE1T Bevölkerung Hietzings, dessen Tempelverein er seit Jahren als Vorstandsmitglied angehörte. Im Namen der Beamtenschaft der Steueradministration Leopoldstadt würdigte Oberfinanzrat Dr. Klein, umgeben von einer überaus großen Zahl von Mitarbeitern des Verstorbenen, dessen emsige vorbildliche Wirksamkeit im Dienste und seine hohen menschlichen Qualitäten als Beamter und Freund. In tiefer Ergriffenheit verließen die Trauergäste die letzte Ruhestätte Hofrat Herzkas, dessen tapferen Frau sowie dessen Sohn und Bruder sie ihre innige Teilnahme zuwandten. Die kantorale Funktion versah in Verhinderung des Herrn Oberkantors Einhorn Herr Kantor Stern vom Hietzinger Tempel. Prot Gustav Alexander. Auf dem Döblinger Friedhof wurde am Freitag, den 15. d. M., vormittags, Prof. Gustav Alexander, der vorigen Dienstag der Kugel eines irrsinnigen Mörders zum Opfer gefallen war, unter ungeheurer Beteiligung zur letzten Ruhe bestattet. Man sah Träger berühmter Namen aus allen Gebieten der Heilkunde. Die Kultusgemeinde vertrat Präsident Prof. Dr. A. Pick in Begleitung des Amtsdirektors Reg.-Rat G. Fuchsgelb. Weinend drängten sich ehemalige Patienten Alexanders in Scharen herzu und endlich erschienen auch Freunde, Bekannte und Teilnehmer aus allen Gesellschaftskreisen. Stumm öffnete sich eine Gasse in der Menge, als, mehr getragen als geführt, die greise Mutter des Ermordeten weinend hereinwankt Mit ihr kamen die übrigen Familienmitglieder, vor allem die Gattin und die Kinder. Oberkantor Marguli es stimmte die Trauergesänge ergreifend an, worauf Universitätsprofessor P i c k an die Bahre trat. Er nahm namens der Kultusgemeinde Abschied von dem Toten, der, wie er sagte, durch ein entsetzliches Geschick und auf der Höhe seines Schaffens dahingerafft worden war. Durch seine ärztliche und wissenschaftliche Tätigkeit ist Gustav Alexander zur Weltberühmtheit gelangt. Mit ehernem Griffel steht sein Name eingeschrieben in den Annalen der Geschichte. Aber er fand auch Zeit, sozialen Bestrebungen seine Arbeitskraft zu widmen, er war als treues Mitglied der Gemeinde im Kuratorium des Taubstummeninstitutes eifrig tätig. Wir verlieren in Alexander einen prachtvollen Menschen, einen hervorragenden Gelehrten. Am Schlüsse seiner Rede sprach Präsident Pick der Familie Alexanders das Beileid der Gemeinde aus. Hernach rühmte der Präsident der Gesellschaft der Aerzte. Hofrat Prof. Dr. Anton Eiseisberg, den Toten als einen der besten Aerzte und als Meister in seinem Fache. Aus der großen Zahl der gehaltenen Nachrufe sei der des Univ.- Professor Dr. Heinrich Neumann erwähnt Er führte aus: Uns übermannt ein Gefühl, ähnlich jenem, das uns beschleicht wenn ein prachtvolles Monument, ein kostbares Kunstwerk zerstört worden. Schmerzerfüllt stehen wir an der Bahre einer kraftvollen, energischen und geraden Persönlichkeit, die dahingegangen ist, geehrt und geschätzt von den Verwandten, von den Freunden, von den Schülern und jedermann. Die gesamte medizinische Welt hat durch die ruchlose Tat einen ihrer Besten verloren. Für die leidende Menschheit bedeutet dieser Verlust einen ebenso schweren Schlag wie für die Wissenschaft. Gemeinde - fUkwonib Hilfsverein der deutschen Juden. Am 31. März hielt dier Hilfsverein der deutschen Juden im Hotel „Der Kaiserhof' in Berlin seine 31. Jahresversammlung ab. Zur Feier des 80. Geburtstages des stellvertretenden Vorsitzenden, Generalkonsul Eugen Landau, wurde auf Antrag von Dr. James Simon ein Eugen-Landau-Fonds errichtet. Die Generalversammlung, die Dr. James Simon mit einer Ansprache einleitete, und bei der Direktor M. J o a c h i m s o h n als Schatzmeister des Hilfsvereines den Finanzbericht, Dr. Marc Wischnitzer den Tätigkeitsbericht erstattete, gab ein Bild von der segensreichen unermüdlichen Tätigkeit des Vereines in Deutschland und im Auslande. Rabbiner Dr. Rosen thal (Köln) dankte der Leitung dies Hilfsvereines im Namen der Generalversammlung für sein Wirken, Rabbiner Dr. S. Levi (Mainz) schilderte in einem Vortrage über „Erlebnisse an der Ostfront in den Jahren 1914 bis 1918" die furchtbare Lage der jüdischen Bevölkerung in der Kriegszone. Der Hilfsverein habe sich an den Hilfsaktionen dort führend beteiligt, wie er auch jetzt im Osten seine Hilfsarbeit, besonders in Gestalt von Jugendfürsorge und Berufsausbildung der heranwachsenden Jugend, in segensreichster Weise durchführe. Die Generalversammlung und der anschließende Gesellschaftsabend waren außerordentlich gut besucht. „Die Gemeinde spricht. Ein Bericht und ein Bekenntnis", war das Motto des Gemeindeabends, den die Jüdische Gemeinde Berlin im Marmorsaal des Zoo kürzlich veranstaltete. Der Vorsitzende des Vorstandes, Dr. h. c. Wilhelm Kieemann, verfocht in seinen Ausführungen mit allem Nachdruck den Gedanken der Einheit der Gemeinde, die als religiöse und soziale Institution im Geiste unserer Väter weiterzuführen sei. Einheit und Einigkeit seien in dieser stürmisch bewegten Zeit Voraussetzung für Leben und Gedeihen der jüdischen Gemeinschaft. Bankdirektor Wilhelm G r a e t z gab ein ins einzelne gehendes aufschlußreiches Bild von der Finanzlage der Gemeinde und trat für die energische Durchführung einer gesünderen, fruchtbringenden Verwaltungspolitik ein. Wie sehr das in judenfeindlichen Kreisen immer wieder auftauchende Gerede von den „reichen Juden" heute in den Bereich der Legende gehört, ging deutlich aus dem Referat von Direktor Heinrich Stahl hervor, der die wirtschaftliche und soziale Lage besonders der Berliner Juden schilderte und! die außerordentlich umfangreichen und mannigfachen Aufgaben und Maßnahmen des Wohlfahrtsamtes der Berliner Jüdischen Gemeinde und seiner Unterabteilungen kennzeichnete. Moritz Rosenthal forderte im Schlußworte, die Einheitsgemeinde müsse Raum für die Freiheit der religiösen Uebung und Meinung haben. Die Veranstaltung, deren Nachahmung unserer Wiener Gemeinde nur wärmstens empfohlen werden könnte, war von ausgezeichneten musikalischen Vorträgen umrahmt. 70 Jahre jüdische Gemeinde Zürich. In der ordentlichen Gemeindeversammlung der Israelitischen Kultusgemeinde Zürich gab der Vorsitzende, Herr Sally Braunschweig, einen Ueberblick auf die Ereignisse des abgelaufenen Jahres, das durch die große Wirtschaftskrise und durch das starke Aufkommen des Antisemitismus in Deutschland und seine Ausstrahlungen nach der Schweiz gekennzeichnet sei. Man hat sich, fuhr er fort, gelegentlich gewundert, daß man nicht von berufener Seite dieser Agitation entgegengetreten ist Aber der gesunde Sinn des Schweizervolkes dürfte Gewähr dafür bieten, daß die Hitler-Bewegung in der Schweiz keinen Nährboden findet. Der Vorsitzende erinnerte daran, daß es am 29. März 70 Jahre waren, daß die Kultusgemeinde Zürich von 10 Männern begründet worden ist. Der Gedanke der Toleranz hatte damals zur Emanzipation der Juden in der Schweiz geführt. Die Gemeinde wuchs bald an Zahl und ist heute die an Zahl stärkste Gemeinde der Schweiz. Wir alle, schloß der Präsident, sind der Schweiz in Liebe zugetan und wir werden immer unsere Pflichten mit Freude erfüllen. Die Schweiz ist die Synthese einer wahren Volksgemeinschaft. In treuer Erfüllung aller staatsbürgerlichen Pflichten dürfen wir ohne Bedenken auch unserer Verbundenheit mit der Judenheit auch außerhalb der Landesgrenzen Ausdruck verleihen. Die Budgets der tschechischen Großgemeinden. In der letzten Sitzung der Repräsentanz der Prager jüdischen Gemeinde wurde das Budget für das Jahr 1932 in der Höhe von 2,353.000 tschech. Kronen angenommen. Das Budget ist mit 800.000 tschech. Kronen gedeckt. Der Rest wird durch Steuern aufgebracht. Es wurde festgestellt, daß der Steuerrückgang im Vt-rwaitungsjahr 1931 82.000 tschech. Kronen betragen habe. Um diese Summe mußte das neue Budget verkürzt werden. Der Voranschlag sieht für Religionsunterricht an öffentlichen Schulen 51.800 tschech. Kronen ifQülentsdies KOnigsiiciri ERIKA Seit vielenjahren dasa.erkannt beste M^-notM Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. nos Sdrokoiadeii und cacao hdb nur In bester QnalltOi I. BRDHSOER 8 Co. Wien XVIII, Währingergürtel 15 Telephon A 38-0-54 erzeugt unter strenger Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner H. SC HENK (Talmud-Thora) vor (die Subvention der Prager Stadtgemeinde zu diesem Posten beträgt nur etwas über 3000 tschech. Kronen), 54.000 tschech. Kronen für die Talmud Thora-Schule, 30.000 tschech. Kronen für das Krankenhaus, 11.000 tschech. Kronen für das Jüdische Lehrlingsheim. Für verschiedene jüdisch-kulturelle Institutionen sind 7000 tschech. Kronen, für den Karen Hajessod 5000 tschech. Kronen vorgesehen. — Das von der Jüdischen Gemeinde Brün n beschlossene Budget beträgt 1 'A Millionen tschech. Kronen. Der Steuerrückgang im Jahre 1931 betrug 5 Prozent der vorgeschriebenen Beträge. Personalausgaben und Tempelerhaltung sind mit 928.000tschech. Kronen dotiert, jüdische Unterrichtszwecke mit Sl.OOO tschech. Kronen. Jugendförderung mit 10.000 tschech. Kronen, Bibliothek mit 15.000 tschech. Kronen, Baufonds für soziale Institutionen und Arbeitslosenfürsorgebeitrag mit 40.000 tschech. Kronen. Subventionen mit 115.000 tschech. Kronen. Leipzig. Rabbiner Dr. Felix Goldmann in Leipzig, der bekannte Schriftsteller und Kämpfer für das Judentum, wird in dieseii Tagen 50 Jahre alt. 1882 in London geboren, wurde er 1907 Rabbiner in Oppeln. 1917 in Leipzig und gehört von je zu den Führern des jüdischreligiösen Liberalismus in Deutschland. Als einer der Führer des Centraivereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens steht er in den vordersten Reihen des literarischen, wissenschaftlichen und rednerischen Abwehrkampfes gegen den Antisemitismus. Unbeschadet seiner Ablehnung des Nationaljudentums setzt er sich für praktische Siedlungsarbeit in Palästina ei;r. Von seinen Werken sind zu erwähnen: „Taufjudentum und Antisemitismus" (1923); „Warum sind und bleiben wir Juden?" (1924); „Wesen des Antisemitismus" (1925). Von Goldmanns wissenschaftlichen Abhandlungen sind zu nennen: „Oelbau in Palästina zur Zeit der Mischnah" (1907): „La figue en Palestine" (1909): „Eigentumserwerb durch Spezifikation im jüdischen Recht" (1909) und „Die Theorie des Faustpfandvertrages" (1908). Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom" (Pazmanitentempel). Dienstag, den 12. d1. M.. fand im festlich beleuchteten und herrlich dekorierten Sitzungssaale des Tempelvereines eine Festsitzung des Vorstandes statt, deren Anlaß die feierliche Ueberreichung des Ehrendiploms an den in der Generalversammlung des Vereines zum Ehrenmitglied gewählten Herrn Obmann Oskar Schramek bildete. Obmannstellvertreter Isidor Schön herz eröffnete mit herzlichen Worten der Begrüßung die Sitzung, zu der sich neben dem gesamten Vorstand1 auch die Funktionäre des Vereines eingefunden hatten. Obmannstellvertreter Dr. Leonhard Mayer übergab dem Gefeierten die schöne Urkunde. Dieselbe wurde von Rabbiner Dr. Z. Taubes zur Verlesung gebracht, der in einer innigen Ansprache die hervorragenden Verdienst« des Obmannes um den Tempelverein und um die jüdische Gemeinschaft würdigte. Rabbiner Dr. Taubes teilte auch mit, daß die von ihm geleitete neu gegründete Jeschiwah sich zu Ehren dieses wackeren Mannes den Namen „Beth Jehudah" gegeben habe. Namens dter Gabboim und Tempeliesucher beglückwünschte Herr S. Leenmann in gehaltvollen Worten Herrn S c h r a m e k zu der wohlverdienten Auszeichnung. Oberkantor J. Müller überbrachte die herzlichsten Gratulationen der Funktionäre. Obmann Oskar Schramek dankte tief gerührt für die ihm gewordene Ehrung und versprach, auch weiterhin seine Kräfte in den iHenst d'er schönen Sache zu stellen. Er bat seine Vorstandskollegen, ihm auch in Zunkunft zur Seite zu stehen, damit es gelinge, das herrliche Werk, dem sie alle dienen, aufrecht zu erhalten. Israelitischer Bethaus-Verein „Chewra Beth Hat- Hlah" IX, (Müllnertempel). Mittwoch, den 13. d. M.. fand im Zeremoniensaale unter Vorsitz des überaus verdienstvollen Obmannes. Börserat Ignatz Glück, die 64. ordentliche Generalversammlung des genannten Tempelvereines statt. Der Vorsitzende begrüßte zunächst die Erschienenen, insbesondere den Vertreter der Kultusgemeinde Dr. J. T i c h o, ferner Herrn Kultusvorsteher Kommerzialrat M. Reif, den Obmann des Polnischen Tempels Herrn Kultusvorsteher Dr. L. Landau, die Delegierten des Tempelvereines X Obmann B. Scher und L. Grünspan, die Herren Dr. R a s c h k e s vom Spital der Kultusgemeinde und Oberverwalter Popper vom Versorgungshaus, Regierungsrat Dr. M. Lenk für die „U n i o n" und Herrn Chefredakteur Oskar Hirsch-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.