Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 17-18 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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BUS WAHRHEIT Seite 9 --t GROSSFLEISCHHAUEREI II1GM, KORNMEHL ^■■■■■■■■^HMH^^HHHHH^^^^HMflH^HMHHHHHHHMMHB WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Mr. A 17-3-99 ond A 18-9-34 Llafarant fOr Hallanstalton ÄbteilungenfürKoscherfleisch tmter Anfsloht des ehmv. Rabbinatea d«p l»r. Kultusgemainda Wi«n. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen VonWodke zu Worte Aber die „jüdische Nationalität" ist „anerkannt." In B ö Ii m e n haben sich, wie das S t a t i s t ische Staatsamt mitteilt, 28 Personen römisch-katholischer Konfession zur jüdischen Nationalität bekannt. Den Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes ist ferner zu entnehmen, daß es in der tschechoslowakischen Armee 30 römischkatholische und 8 evangelische Geistliche, aber keinen einzigen Feldrabbiner gibt. Wirtschaftskongreß der Union rumänischer Juden. Die Hauptleitung der „Union rumänischer Juden hat die Einberufung eines allgemeinen Kongresses der Union zwecks Einleitung einer energischen Aktion zur Lösung der schwierigen Wirtschaftsprobleme der rumänischen Judenheit beschlossen. An die Ortsgruppen der Union ist ein Rundschreiben ergangen, in dem diese aufgefordert werden, lokale Wirtschaftskonferenzen einzuberufen und auf diesen positive Vorschläge für den Kongreß auszuarbeiten. Im Aufruf der Zentralrepräsentanz heißt es unter anderem: Waren die letzten Kongresse der Union in der Nachkriegszeit der bürgerlichenEmanzipationundihrer Vervollständigung seiner Gleichberechtigung mit den übrigen Kulten gewidmet, so soll der bevorstehende Kongreß ein Kongreß wirtschaftlicher Gesundung der rumänischen Judenheit sein. Massenvergiftungserscbeinungeu nach einem Weizmann-Bankett. Nach einem Keren Hajessod-Bankett in Durban, an der Bucht von Natal in Südafrika, auf dem der frühere Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann vor seiner Abreise ans Südafrika zum letzten Male gesprochen hatte, zeigten sich bei etwa 30 Personen, die an dem mit der Kundgebung verbunden gewesenen Essen teilnahmen, mehr oder weniger schwere Vergiftungserscheinung en. die anscheinend auf den Genuß verdorbenen Fleisches zurückzuführen waren. Die Gäste des Abends, Dr. Weizmann und seine Gattin Frau Vera Weizmann, sowie Dr. Alexander G o 1 d s t e i n, erkrankten ebenfalls. Während Dr. Weizmann und Dr. Goldstein sich sehr bald erholen konnten, mußte Frau Vera Weizmann einige Zeit das Bett hüten. Der Vorfall hat sehr großes Aufsehen erregt. Unter der Judenschaft Südafrikas gab sich für die Gäste, wie für die übrigen Erkrankten, groß© Sympathie kund. Die Ergebnisse der Makkabiah. Die Ergebnisse der Makkabiah für die allgemeinen Länderkonkurrenzen sind: Polen schreitet an der Spitze mit 377 Punkten, den zweiten Platz nimmt Amerika mit 285, den dritten Oesterreich mit 254, den vierten die Tschechoslowakei mit 223, den fünften Palästina mit 218, den sechsten Deutschland mit 120, den siebenten Rumänien mit 14, den achten England mit 10 Punkten ein. Der polnischen Landesgruppe fiel als der Siegerin der erste Makkabiah-Pokal zu. Die Levante-Messe in Tel Aviv. Am 7. April wurde in Tel Aviv die große Levante-Messe von Bürgermeister Dizengoff eröffnet. Unter den 2000 geladenen Gästen, die sich aus allen Teilen Palästinas, aus den Nachbarländern und dem ferneren Ausland in der Haupt-Messehalle eingefunden hatten, befanden sich der High Commissioner für Palästina General Sir Arthur Wauchope, der Patron der Messe, sämtliche Leiter der Regierungsdepartements, die Konsuln der fremden Mächte, Vertreter der großen jüdischen Organisationen und Institutionen, Vertreter auswärtiger Handelsorganisationen und Abordnungen verschiedener Auslandsregierungen. Ueber der Haupt- Messehalle wehten die Fahnen von 24 Ländern. Wie offiziell bekanntgegeben wird, sind die folgenden Regierungen auf der Messe vertreten und haben auch ihre Vertreter zur Eröffungsfeier entsandt: Palästina, England, Aegypten, Schweiz, Rußland, Cypern, Rumänien, Bulgarien, Lettland. Besonders stark ist natürlich die britische Industrie vertreten. Jtfaftenftreus; am Wenk. Cuzas Infamie. Im Verlaufe der Debatte über das Alkoholgesetz in der rumänischen Kammer beschuldigte der Antisemitenführer Prof. A. C. C u z a die Juden, daß sie als Erzeuger und Händler von Spirituosen die rumänische Bevölkerung systematisch vergiften. Diese Handlungsweise der Juden entspreche d'en Vorschriften des Alten Testaments, das sie lehre, „vom Aase nicht zu essen, sondern es dem Gojim zu geben". Eine Religion, sagt Cuza, die den Grundsatz predige, andere Menschen umzubringen, sei eine infame Religion. Der jüdische Abgeordnete Dr. Samuel Singer, der den Redner wiederholt unterbrochen und ihn aufgefordert hatte, seine Beschuldigungen zu beweisen, verlangte nun vom Vorsitzenden, Vizepräsident Topa, Cuza zur Ordnung zu rufen. Der Sitzungsleiter ließ jedoch die Beschimpfung der jüdischen Religion in offener Parlamentsstzung ungerügt. Der Abgeordnete A r t a r i a n u (üb.) rief gegen die Ministerbank gewendet: Was sagt der Kultusminister zu dieser Aeußerung? Prof. J o r g a, der Ministerpräsident und zugleich Kultusminister ist. schwieg. Nachdem Cuza weitere Beschimpfungen des jüdischen Glaubens vorbrachte, gab Abgeordneter Dr. Singer von der Tribüne die Erklärung ab, er müsse angesichts der Tatsache, daß im rumänischen Parlament eine gesetzlich anerkannte Religion beleidigt werden könne, ohne daß der Beleidiger zur Ordnung gerufen wird, feststellen, daß nichtdiejüdische Religion infam sei, sondern derjenige, der dies behauptet. Welche sind die „anderen Ursachen"? Auf eine Anfrage von Colonel Josiah Wedgwood an den Außenminister im .englischen Unterhaus, ob dieser mitteilen könne, ob und welche Vorstellungen beim Völkerbund in der Frage der Behandlung der jüdischen Minderheit in J a s s y gemacht worden sind und ob überhaupt Schritte ergriffen worden seien, um die Lage der Juden in Rumänien zu verbessern, EDUARD HERUNQERS Cafe Carltheater (Siia des österr. Kantorenverbandes) Wien PraleittfraOa SO Während der Pessachfeiertage Kafffee und erstklassige nDS bü ItPD Getränke erwiderte der Unterstaatssekretär des Foreign Office Captain Eden: Colonel Wedgwood spielt wahrscheinlich auf die Zwischenfälle in Jassy am 22. und am 23. März an, an welchen Tagen Zusammenstöße zwischen Studenten stattfanden. Ich weiß nichts von irgendeiner Klage, die an den Völkerbund gerichtet sein soll; nach kürzlich erhaltener Information ist der in Rede stehende Konflikt nicht auf antisemitische Stimmung, sondern auf andere Ursachen zurückzuführen. Antisemitischer Exzeß in Ungarn. In Nagy-Körös haben Huligans d i e Fenster der Synagoge und vieler jüdischer Häuser zertrümmert. Jüdische Firmen der Stadt, die Arbeiter in großer Zahl beschäftigen, haben ihre Betriebe geschlossen und erklärt, sie würden sie nur dann wieder öffnen, wenn die Behörden in der Lage sind, die Garantie für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu übernehmen. Zehn der antisemitischen Exzedenten wurden verhaftet. Dank vom Hause Hitler. Zur Erleichterung der Stimmabgabe von Krankenhauspatienten besuchte am Tage der deutschen Reichspräsidentenwahl ein fliegender Wahlvorstand die Berliner Krankenhäuser und nahm von Bett zu Bett von den Patienten die Stimmscheine in verschlossenen Umschlägen entgegen. Im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde in der Exerzierstraße, in welchem jederzeit auch eine Anzahl nichtjüdischer Patienten untergebracht ist, war das Ergebnis das folgende: Hindenburg 238, Hitler 8, Thälmann 22 Stimmen. Bruft- und BpabepaasschmOchunn Gärtnerei ERNST SEEfRIED Urändungsjahr 1880 XI., Slmmeringer Hauptstraße Nr. 381 III. Tor, Zentralfriedhof, Haltestelle der Elektrischen 71 Telephon U 14-2-61 Unter Berufung auf „Die Wahrheit" 10°, u Rabatt Todesfälle. Regierungsrat Dr. Adolf Bachrach Montag vormittags ist nach langer Krankheit der hervorragende Rechtsanwalt Regierungsrat und Geheimer Justizrat Dr. Adolf Bachrach im 79. Lebensjahre gestorben. Dr. Bachrach war nicht nur in Wien und in Oesterreich, sondern in der ganzen Welt dadurch bekannt, daß er der Berater vieler regierenden Häuser war. Er war zunächst in der Kanzlei des Dr. Florian Meißner, des Verfassers der „Memoiren eines Polizeikommissärs", tätig. Als Dr. Bachrach cl'ann selbständig wurde, hatte er sich bald eine ausgebreitete Klientel erworben, die bis in die höchsten Kreise reichte. Kaiser Franz Josef hörte ihn gerne, auch Kaiser Karl ließ sich von ihm beraten und auch die koburgischen Fürstlichkeiten, namentlich den Prinzen Philipp von Koburg, vertrat er. Auch viele Aristokraten des alten Regimes gehörten zu seiner Klientel. Dabei nahm er. der stets ein guter Jude war, sich immer mit reger Menschenliebe und mit der ganzen Wucht seines tiefen juridischen Wissens selbstlos der Armen und Bedrängten an. Der Ruf Dr. Bachrachs als eines der schärfsten Juristen schuf ihm eine überragende Position in der Wiener Anwaltschaft. Er gehörte ehrenhalber dem ständigen Schiedsgericht der Wiener Kultusgemeinde an und bewies auch in dieser Eigenschaft wiederholt seinen scharfen Geist. Dr. Bachrach war in seinem Leben vielfach ausgezeichnet worden; so war er herzoglich sächsischer Geheimer Justizrat. In den letzten Jahren war er von schweren Schicksalsschlägen betroffen. Er verlor seine geliebte Tochter Hedwig, die mit dem Rechtsanwalt Dr. Paul Abel vermählt war, und stand an der Bahre seiner feinsinnigen Gattin Louise. Diese Schicksafsschläge sind an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Hofrat Dr. Wilhelm Herzka. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf in der vergangenen Woche die Nachricht von dem plötzlichen Hinscheiden dieses nimmermüden Mannes und aufrechten wackeren Juden die große Schar seiner Freunde und Verehrer. Knapp vor der Beendigung seiner Beamtenlaufbahn, die ihn hoch hinauf an verantwortliche Stellen des Finanzdienstes geführt hatte, riß ihn ein unerbittliches Schicksal aus dem Kreise seiner Familie, für deren Wohl er rastlos gearbeitet und der er sich nun an seinem Lebensabend vollends zu widmen gedachte. Doch Berufstätigkeit und Familienleben erschöpften nicht das Wirken dieses edlen Menschen, dessen Heimgang für eine große Zahl von humanitären Vereinen einen schweren Verlust bedeutet. Nicht zuletzt war Hofrat Herzka auch ein treues Mitglied der „Union österreichischer Juden", die ihn ob seiner hervorragenden Fähigkeiten und seines ernsten Strebens vor Jahren in den Kultusvorstand ewtsendet hatte. Die Beliebtheit dieses bescheidenen, stets hilfsbereiten Mannes kam auch zum Ausdruck in der überaus großen Beteiligung an dem Leichenbegängnis. Die Freunde des Verblichenen hörten mit tiefer Ergriffenheit die Worte des Herrn Rabbiners Dr. I. T a g 1 i c h t, der in knappen Zügen die seltene Persönlichkeit Hoirat Herzkas, seine Hingabe an seine Familie, an seinen Beruf und die jüdische Gemeinschaft schilderte. Herr Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n hielt dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf und rief die allseits anerkannten Verdienste des Heimgegangenen um die Wiener Judenschaft in Erinnerung. Nachdem die Vertreter von humanitären Vereinen, deren fürsorgliches Vorstandsmitglied Hofrat Herzka gewesen war, gesprochen, wurde die sterbliche Hülle zu Grabe getragen. Herr Rabbiner Dr. Lewin entwarf ia einer längeren Abschiedsrede ein lebenswarmes Bild der vielseitigen Wirksamkeit Hofrat Herzkas und betonte insbesondere sein nie erlahmendes Interesse für die Kulturbedürfnisse der jüdischen