Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 17-18 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite lt feld von der „Wahrheit". Schriftführer Max Eisner erstattete hierauf den Rechenschaftsbericht des Vorstandes für das Vereinsjahr 1930/31, aus dem hervorging, daß die Wirtschaftskrise auch die Gebarung dieses Tempelvereines äußerst ungünstig beeinflußt hat, der mit einem Defizit von S 18.500— das Verwaltungsjahr abschließt. Dieser Abgang erklärt sich vor allem aus der Verringerung der Einnahmen des Vereines und Herr Eisner appellierte deshalb an die Opferwilligkeit der Mitglieder und Gönner desselben, dem Verein in dieser schweren Zeit hilfreich beizustehen, damit er in der Lage sei, den Gottesdienst in seiner bisherigen-würdigen Form aufrecht zu erhalten. In dem Bericht wird dem Vorstand der Kultusgemeinde für das durch werktätige Hilfe bewiesene Wohlwollen der verbindlichste Dank ausgesprochen. Besonders lobend wird der stets steigenden Frequenz des Jugendgottesdienstes Erwähnung getan, an dem neben der Jugend auch die Eltern immer mehr regen Anteil nehmen. Auch der Bibelschulunterricht in drei Kursen befindet sich in einem äußerst erfreulichen Aufschwünge. Schließlich wird den Funktionären und Angestellten des Vereines für die hingebungsvolle Führung des Gottesdienstes der herzlichste Dank des Vorstandes zum Ausdrucke gebracht. Nachdem noch in pietätvoller Weise der verstorbenen Vereinsmitglieder gedacht worden war, unterstrich Obmann Börserat Ignatz Glück die Ausführungen des Jahresberichtes über die schwere Situation des Vereines durch Erklärungen verschiedener Hilfsmaßnahmen, die zur Steuerung dieser Lage seitens des Vorstandes unternommen worden waren und nur teilweise zu einem positiven Ergebnis führten. Er wandte sich gegen allzu einschneidende Ersparungen, da dadurch die Aufrechterhaltung des schönen Gottesdienstes gefährdet erscheint. Der Vertreter der Kultusgemeinde Dr. J. Ticho würdigte in groß angelegter Rede die Glaubenstreue jener Männer, die trotz der großen Sorgen, die der Wirtschaftskampf heute jedem einzelnen bereitet, ihre ganze Kraft in den Dienst der jüdischen Gemeinschaft stellen. Auch er sprach sich gegen einen allzu radikalen Abbau aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß einiges Zusammenhalten aller Faktoren den Verein in die Lage versetzen werde, die traurige Zeit zu überbrücken. Dr. Ticho sprach namens der Kultusgemeinde dem Verein seine besondere Anerkennung iür den würdigen Gottesdienst, insbesondere Jugendgottesdienst aus und dankte dem Vorstande, namentlich dessen eifrigen Präsidenten für die überaus opfervollen Bemühungen zum Wohle der Gesamtheit. In der nun folgenden Debatte wurden seitens mehrerer Vereinsmitglieder verschiedene Anregungen gegeben, auf die Börserat Ignatz Glück eingehend replizierte. Komm.-Rat S. W e i n e r, der gemeinsam mit Herrn Moritz Oesterreich er die Bücher des Vereines geprüft hatte, gab die Erklärung ab, daß dieselben ordnungsgemäß befunden worden sind, und beantragte, dem Vorstand das Absolutorium zu erteilen, was einstimmig geschah. Hierauf wurden mittels Stimmzettel die Wahlen vorgenommen. Es wurden gewählt: In den Vorstand: die Herren Max Eisner, Börserat Ignatz Glück und Friedrich Kraiisz. in den Ausschuß: die Herren Hermann David. Josef Fuchs, Rudolf Hendl, Siegmuiid K o r n m e h 1, Salamon Oesterreicher, Ignaz Walzer und Max Michael Weiss. Das Schutzdamen-Komitee des Merores- Waisenhauses (Präsidentin Baronin Ciarice Rothschild) veranstaltete Donnerstag, den 14. April, zugunsten des Waisenhauses im Kursalon eine Akademie mit anschließendem Tanz. Die Veranstaltung, die von einem distinguierten Publikum besucht war, darf als recht gelungen bezeichnet werden. Unter anderen hatten sich eingefunden der Obmann des Kuratoriums des Waisenhauses Vizepräsident Dr. J. Ornstein mit mehreren Kultusvorstehern, Baron Louis und Baronin Ciarice Rothschild, sämtliche Damen des Schutzdamen-Komitees, die alle eifrig zum Gelingen des Abends beigetragen hatten, zahlreiche Mitglieder der „Union" und der „Jugendl-Union". Das Programm, von Walter Steiner gut konferiert, stand auf sichtlich hohem Niveau. Nach den einleitenden Musikvorträgen des Orchesters des Neuen Wiener Konservatoriums, unter Leitung von Adolf Pauscher, entzückten mit ihren Darbietungen das Publikum die Damen Rosa Fleischmann-Königsfest, Grete D editsch, begleitet von Bela Laszky, und Hella Witt sowie die Herren Viktor Sternau und Dr. Richard Lehr. Stürme der Begeisterung entfesselten die Mitglieder des Burgtheaters Blanka G1 o s s y und Paul Pranger mit ihren feinen humoristischen Vorträgen. Sehr gut gefiel auch die von Lizzy Götzlinger geistreich konferierte Operettenklasse des Neuen Wiener Konservatoriums, die unter Leitung von Regisseur Kutzner-Perfall Proben ganz besonderen Talentes bot. Es folgte noch eine Modenschau der. Firma Julius Krupnik, die sehr geschmackvolle Modelle vorführte. Der Abend, der ein schönes gesellschaftliches Bild1 bot, war sicherlich auch von gutem finanziellen Erfolg gekrönt, was im Interesse des schönen Waisenhauses, dem sein Reingewinn galt, nur durchaus begrüßenswert ist. Chewra Kadischa, XVIII. Bezirk. Die 52. Generalversammlung dieses Vereines wird Sonntag, den 24. April d. J., K>10 Uhr vormittags, im Sitzungssaale, XVIII., Schopenhauerstraße 39, abgehalten. Der Israelitische Kranken-Ünterstützuugs-Verein „Chewra Bikur Cholim" im IX. Bezirk. Währingerstraße Nr. 52 (Sitz: Rudolf Hendl, Juwelier), hat am 10. d. M. seine Generalversammlung für das abgelaufene 64. Vereinsjahr im Cafe Josephinum abgehalten, die zahlreich besucht war. Der Obmann Adolf H a j e k begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Delegierten des Tempelvereines „Beth-Hatfilah" Herrn Max E i s n e r und den behandelnden Arzt Dr. Paul Beck. Der Obmann dankt dem Vorstande des Vereines „Beth Hatfilah" für das freundschaftliche Verhältnis, das zwischen beiden Vereinen besteht, und gibt der Horinung Ausdruck, daß dieses Verhältnis für alle Zukunft erhalten bleiben möge. Dann hielt er einen tiefempfundenen Nachruf iür die verstorbenen Mitglieder. Hierauf unterbreiteten der Vorstand seinen Tätigkeits- und Rechenschaftsbericht, sowie die Revisoren ihren Prüfungsbericht; ihr Ersuchen, dem Vorstand das Absolutorium zu erteilen, wurde einstimmig bewilligt. Der Obmann dankte namentlich Herrn S. Oesterreich er herzlichst für die Mühe, die er mit Unterstützung einiger Vorstandsmitglieder alljährlich mit der Abhaltung der Gottesdienste zu den hohen Feiertagen beim „Auge Gottes" aui sich nimmt, wodurch ein namhafter Betrag dem Verein zugeführt wurde, der es dem Vorstand ermöglicht, den gestellten Anforderungen nachkommen zu können. So wurden größere Beträge an Unterstützungen gegeben, sowie auch für Winterhilfe und Fürsorge. Mazzoth. Kohlen und Spenden für die Pfleglinge des israelitischen Versorgungshauses anläßlich des Chanukafestes verausgabt. Herr Max E i s n e r gibt seiner Genugtuung über die Unterstützungen und über die Ausgaben für Winterhilfe und Fürsorge, die der Verein „Bikur Cholim" geleistet hat, Ausdruck, und wünscht, daß es dem Vorstand beschieden bleiben soll, iür alle Zukunft in diesem Sinne auf dem Gebiete der Humanität für die Annen und Bedürftigen wirken zu können. Schließlich spricht der Obmann den herzlichen Dank allen Gönnern des Vereines iür die dem Verein zugewendeten Spenden, mit der Bitte, fernerhin ihr Wohlwollen dem Verein bewahren zu wollen, aus. Baden bei Wien. Samstag, den 2. April, lud der seit drei Jahren in Baden verdienstvoll wirkende Jüdische Klub, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Zentrum der Badener Juden zu sein, Herrn Oberrabbiner Dr. Hartwig Carlebach zu einem Vortrag ein. Dieser Vortrag, der im Klubsaal des Hotel Waldek stattfand, gestaltete sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis, da die Führer der Badner jüdischen Bevölkerung mit einem dichtgedrängten Kreis von Gemeindemitgliedent sich einfanden, um ihren Oberrabbiner über „J u d a H a 1 e v i" sprechen zu hören. Der Vortragende entwarf in eineinhalbstündiger fesselnder Rede ein scharf umrissenes Bild des jüdischen Dichters und seiner Ideenwelt. Der Obmann des Klubs Dr. Rudolf Lackenba c h e r dankte Herrn Oberrabbiner Dr. Carlebach herzlichst iür seine gehaltvollen, tiefschürfenden Ausführungen. Der jüdische Humanitäre und Geselligkeitsverein „KongreB-Polen", der seinen Sitz im Cafe Neptun, Wien XX., Gaußplatz 7 hat, hielt Sonntag, den 3. April I. J„ seine G r ü n d u n g s v e r s a m in 1 u n g unter dem Vorsitz des Herrn A. S i 1 b e r b e r g ab, zu welcher Herr Kultusvorsteher W a 11 u c h, sowie die Herren Dr. Mondschein, Dr. L a u i e r, Herr Lehrer L ö w- Vogel sowie der Obmann des Jüdischen Handwerkervereines „Jad Charuzim", Herr P i s t i n e r, als Gäste Hausu. Küchengeräte Porzellan u. Glas am besten und billigsten nur bei Gottfried, Taborstr. 61 erschienen waren. Unter dem Einlauf befand sich unter anderem ein Brief der Polnischen Gesandtschaft in Wien, worin dieselbe ihrem Bedauern Ausdruck verleiht, bei der General-Versammlung nicht anwesend sein zu können, und bei einer künftigen Ausschußsitzung gerne teilnehmen zu wollen. Nach Verlesung der genehmigten' Statuten gab Herr Kuimsvorsteher W a 11 u c h seiner Freude über das Zustandekommen des Vereines und über den guten Besuch der Versammlung Ausdruck. Außerdem überbrachte er die wärmsten Grüße des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde. Dr. Mondschein wünschte dem Verein ein glückliches Gedeihen. Herr Löw-Vogel wies in seiner Ansprache auf die große Bedeutung der Schaffung dieses Vereines in der Krisenzeit hin. Hieraui erfolgte die Wahl des vom Wahlkomitee vorgeschlagenen Vorstandes mit Stimmenmehrheit. Am Montag, den 4. April d. J.. tand die Konstituierung statt. Zum Obmann wurde Herr A. Silberberg, zu dessen Stellvertreter Herr A. Kampf, zum Kassier Herr N. Weizmann, zu dessen Stellvertreter Herr N. Majcher, zum Schriftführer Herr R. Kampel, zu dessen Stellvertreterin Frau M. Rosenkranz gewählt. Außerdem wurden zwölf Ausschußmitglieder und drei Revisoren bestellt. Beitritts-Aufnahmen iinden jeden Donnerstag ab 8 Uhr abends im Cafe Neptun. XX.. Gaußplatz 7, statt. Der Verein zur Errichtung und Erhaltung Jüdischer Volksküchen in Wien, welcher aui ein 5üjähriges Bestehen und aui eine ersprießliche karitative Leistung zurückblicken kann, sieht sich augenblicklich gezwungen, an die jüdische Gesellschaft mit dem Ersuchen heranzutreten, ihr Scherilein einer Institutton beizutragen, welche der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse bis heute entgegenzutreten bestrebt war, doch im gegenwärtigen Zeitpunkt iast außerstande ist, die Weitererhaltung der Küchen aus den spärlich zufließenden Beitragen zu sichern. Es bedarf keiner weiteren Erörterung, was diese Ausspeisungen — täglich 301» Gedecke, darunter 23 permanente rrnitische — iür die iiotdiiitigeil und verschämten Armen bedeuten. Gerade jetzt, wo weite Schichten des Mittelstandes von drückendster Not erfaßt und großem Elend preisgegeben sind, haben unsere bemittelten Glaubensgenossen ihre soziale Pflicht zu erfüllen, da es gilt, unsagbares Leid, wenn auch nur einigermaßen zu lindem. Wir hoüen, daß durch rasche Hilfe einer Institution geholten werden wird, die sonst ihre segensreiche Aktion einstellen müßte. Mitgliedsbeiträge (jährlich 12 S) und individuelle Geldzuwendungen, die den Volksküchen und damit zugleich den Aermsten zugute kommen, könnten ihre Weitertüliruug sichern. Wir rechnen mit Bestimmtheit darauf, daß die Juden Wiens dem Ruf Folge leisten werden, der hier an sie ergeht. Einzahlungen werden auf das Postsparkassen- Konto A N6392 der Volksküche erbeten. Vorstand des Vereines zur Errichtung und Erhaltung von Volksküchen nach jüdischem Ritus. ytmtlidje VerfauWarungen ter Jsraefitisdjen TCuftusgemeinde Wim Grober Unfug. Dem Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde Wien sind in den letzten Tagen aus dem Kreise der Gemeindemitglieder Aussendungen eines Bankgeschäftes zugekommen, welchen der Appell eines sich als Rabbiner und1 Enkel des Großrabbiners aus Beiz bezeichnenden Abraham R o k a c h angeschlossen ist. Unter Berufung auf das Pessachiest erbietet sich dieser als ein Bote der Göttlichkeit und übermittelt einen Depotschein, lautend auf ein für den Adressaten reserviertes Klassenlos. Der Vorstand der Kultusgemeinde bringt seine Entrüstung über diesen groben Unfug zum Ausdruck und stellt fest, daß jener Abraham Rokach weder im Rahmen der Kultusgemeinde, noch bei einem der dem Aufsichtsrechte der Kultusgemeinde unterstehenden Bethausvereine sich in irgendeiner Stellung befindet. Bedauerlicherweise fehlt eine gesetzliche Handhabe, um derartigen Mißbrauchen wirksam entgegen zu treten. Ebensowenig ist der Vorstand in der Lage, auf den Inhaber des Bankgeschäftes irgendweichen Einfluß zu nehmen, da derselbe unserem Glaubensbekenntnisse nicht angehört. Der Vorstand wird jedoch nicht verabsäumen, derartigen Erscheinungen sein Augenmerk zuzuwenden und die Gemeindemitglieder entsprechend1 auf dieselben aufmerksam zu machen. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 23. April 1932 findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. SOEBEN ERSCHIENEN Die luden und die lad engem ein de in PreBiiurg in flergangsniieit und Gegenwart Herausgegeben von Hueo Qold Das erste Werk der jüdischen Geschichte Preßburgs. Mitarbeiter: Samuel Bettelheim, Budapest; Dr. Ovidius Faust, Bratislava; Dr. Heinrich Flesch, Kanitz; Dr. Eugen Forbät, Bratislava; Dr. Leo Goldhammer, Wien; David Gross, Bratislava; Josef Grünsfeld, Bratislava; Prof. Dr. S. Krauss, Wien; Dr. Max Schay, New York: Dr. B. Wachstein, Wien. Aus dem Inhalt: Allgemeine Geschichte. — Aeußerer Verlauf. — Wirtschaftsgeschichte. — Gelehrtengechichte. — Die Geschichte der Jeschiba und ihrer Zöglinge. — Akten und Urkunden. — Schutzbriefe. — Tempel. — Die Beschießung Preßburgs im Jahre 1809. — Geschichte der orthodoxen Gemeinde und ihrer Institutionen. — Geschichte der neologen Gemeinde und ihrer Institutionen. — Schulen. — Vereine. — Statistik. Großoktavformat. 200 Seiten. 500 Illustrationen. Ausgabe A. (Leinenband auf Illustrationsdruckpapier)................ Kc 200.— Ausgabe B. (Halblederband auf Illustrationsdruckpapier und Goldschnitt).......... K£ 30O.— Ausgabe C. (Vorzugsausgabe auf schwerem Kunstdruckpapier und Ledereinband numeriert) . KE 600.— Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn, Rennergasse 20 Tachaehoalowaklaeti« Republik.