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Die Wahrheit · 1932-04-15 · Heft 16 (15.4.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 16 (15.4.1932)
Date
1932-04-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 .ERIKA Dg WAHRHEIT HOB b& Sdioholadcn nnd cacao nDB bw aar in Desler Qualität I. BBßHBOER S Cs. VERANSTALTUNGEN DER JUGEND-UNION Klublokal: Goldsaal der Caf6 Silier, L, Schwedenplatz. Dienstag, den 19. April, 'A9 Uhr abends, Kulturell-politischer Diskussionsabend. S. Taubes spricht über „Dostojewskys Stellung zum Judentum". Gäste willkommen! VonWodie zuWothe Wieder ein Schulkonflikt in Palastina? In Palästina scheint sich ein neuer Schulkonflikt anzubahnen. Die Lehrer erscheinen in Massen im Büro der Jewish Agency und fordern die Auszahlung ihrer Löhne, während die Jewish Agency, die von sich aus id'as Möglichste für die Schulen geleistet hat, nicht mehr in der Lage ist, die Summen für die Gehälter vorzuschießen, da ihr Ersuchen an die Regierung, die staatliche Subvention für die hebräischen Schulen zur Auszahlung zu bringen, bisher erfolglos geblieben ist. Die Regierung macht die Auszahlung der Subvention davon abhängig, daß ihre Vorschläge betreffend' eine strengere Regierungskontrolle für hebräische Schulen in Kraft gesetzt und durchgeführt werden. Die russische Antipessach-Kampagne. Der Zentralrat des „Verbandes der kriegerischen Apikorsim" gab mittels Zirkularschreibens allen seinen Stadt- und Rayon-Komitees Direktiven über die Art der Führung der kMesjährigen Antipessach-Kampagne. In dem Schreiben heißt es: Im Hinblick darauf, daß die kapitalistische Welt einen Ausweg aus der scharfen Wirtschaftskrisis in einem Krieg gegen die Sowjetunion sieht- und die Geistlichen aller Religionen Anteil nehmen an der Herbeiführung einer Intervention gegen die Sowjetunion, bedeutet der Kampf gegen die Religion Kampf gegen den Klassenfeind. Gegenwärtig muß der Kampfgegen das jüdischePessachfest geführt werden. Es müsse darauf gesehen werden, daß sämtliche jüdischen Arbeiter in den Pessachtagen auf ihren Arbeitsplätzen erscheinen. Schulkinder und Eltern sollen in den Vorpessachtagen über die Schädlichkeit der Religion aufgeklärt werden. Ferner sollen antireligiöse Filmvorführungen stattfinden. Unter der Maske von Pessach, heißt es in tliem Schreiben weiter, bemüht sich die ausländische jüdische Bourgeoisie, eine Verbindung mit den Resten der jüdisch-kapitalistischen Elemente in der Sowjetunion aufzunehmen, um den Fünfjahresplan zum Scheitern zu bringen. Die Antwort muß sein ein verschärfter Kampf zur Vernichtung der Reste des Kapitalismus. 100.000 Warschauer Juden hungern. Bis jetzt haben sich etwa 20.000 jüdische Familien Warschaus an die Jüdische Gemeinde und an andere Wohlfahrtsinstirutionen um Pessachunterstützung gewandt Diese Ziffer ist ein Maßstab für die allgemeine Verelendung der Warschauer Judenheit. Die 20.000 in Not befindlichen jüdischen Familien repräsentieren mehr als 100.000 Seelen, das ist ein ganzes Drittel der Warschauer jüdischen Bevölkerung. Morde und Zusammenstöße in Palästina. Der 40jährige amerikanisch-jüdische Tourist Israel Woiff wurde am 1. April in der Nähe des toi idti Wien L, Seltenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XL, Zentralfriedhol, «ttt im \. tw> Tej. v i8_0_85 Wien XVIII., Währingergürtel 15 Telephon A 23-0-5* erzeugt unter strenger Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner H.SCHENK (Talmud-Thora) tygienisdies KöniöslicM Seit vielen Jahren dasajerkannt beste Ifzeilll fiyfrnötw Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Könfgsllcht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Ollen XIV., Braunhlrschengassse 3 Telephon R J3-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. Jerusalemer arabischen Wohnviertels Maslabieu mit durchschnittener Kehle tot aufgefunden. Man fand bei ihm 700 Pfund in australischer Währung. In der Nähe des Leichnams lag ein Rasiermesser. Israel Wolff, der erst am 30. März aus Aegypten mit der Balm in Jerusalem eingetroffen war, wurde bereits bestattet. * * f Am 3. April wurde der 21jährige arabische Chauffeur Ismid Elareff in seinem Auto mit durchschnittener Kehle tot aufgefunden, und zwar ungefähr an der gleich e n S te 11 e, wo zwei Tage vorher Israel Wolff, ebenfalls mit durchschnittener Kehle, tot aufgefunden wurde. Man glaubt nunmehr, daß sowohl Wolff als auch Elareff Opfer einer arabischen Terroristengruppe sind, die die Morde zum Zwecke der Erregung von Unruhe organisiert hat. Der jüdischen Bevölkerung hat sich eine starke Erregung und Beunruhigung bemächtigt. * * v Am 1. April haben Araber jüdische P f 1 ü g e r auf einem Felde von Kfar Chassidim, der Kolonie jüdischer Orthodoxen, angegriffen. Die Juden wiesen den Angriff zurück. Dabei wurden ein Jude und ein Araber leicht verletzt. Verhaftet wurden von der Polizei — zwei Juden. * * * Der stellvertretende Cliefsekretär der Palästina-Regierung hat die Redakteure der verschiedenen palästinensischen Zeitungen zu einer Besprechung über Fragen der öffentlichen Sicherheit eingeladen, der der stellvertretende Polizeikommandant und andere hohe Beamte beiwohnten. Der stellvertretende Chefsekretär gab im Namen des High CommissiOner eine Erklärung über die letzten Zwischenfälle in Palästina ab und ersuchte die Pressevertreter, der Regierung darin behilflich zu sein, Ruhe und Ordnung im Lande aufrechtzuerhalten. Den Pressevertretern wurde gesagt, daß die Veröffentlichung vom Gerüchten oder Kommentaren, die dazu angetan wären, den inneren Friedenzu gefährden, streng geahndet werden würde..... Ablenkungsmanöver .... GROSSFLEISCHHAUEREI flIGM. KORNMEHL UnHHHHHnBMMHHMMMMHMMHB WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17*99und A 16-9-34 Uafarant für Hallanstalton ÄbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsieht des ehrwr. Rabbfnatea dar lar. Kulluagamainda VJIaa. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlicb Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Mafzenfaeviz am Wewfc Der Pogrom in Saloniki vor Gericht. Am 2. April begann in V e r r i a in der N ä h e von Saloniki der Prozeß gegen elf Personen, die der Aufreizung zu den antisemitischen Aus^ schreitungen in Saloniki im Juli 1931 angeklagt sind. Im Verlaufe dieser Ausschreitungen wurde bekanntlich das fast ausschließlich von Juden bewohnte Campbell-Viertel in Saloniki niedergebrannt, Hunderte von Juden wurden mörderisch geschlagen, mehrere von ihnen erheblich verletzt. Es gab auch einen Toten. Der Prozeß, zu dem etwa 60 Zeugen geladen sinÜ und über dessen Verlauf und Ausgang wir noch berichten werden, findet deshalb in Venia, einer kleinen Stadt mit einer Bevölkerung von etwa 40.000 Seelen, unter ihnen 400 Juden, statt, weil man bei der Abhaltung des Prozesses in Saloniki antisemitische Kundgebungen und Unruhen befürchtete. Die Jahrmarktspogroiiie in Polen. Das Zentralbüro des jüdischen Kleinhänü'lerverbandes Polens nimmt in einem Kommunique Stellung zu den in der letzten Zeit wieder sich häufenden Ueberfällen auf jüdische Wanderhändler, namentlich auf Jahrmärkten in den Wojwodschaften Posen und Pomerellen. Bei diesen Ueberfällen werften die jüdischen Markthändler in schwerster Weise mißhandelt und der gesamten Ware b er.au.bt. In dem Kommunique wird erklärt, daß die Organisierung der Ueberfälle von (der Boykott-Organisation „Grünes Band" ausgeht. Solche Jahrmartkspogrome kamen zuletzt in Szrem, Wolsztin, Prusztsz, Mieska-Gurko, Wanbuszezsna (alle in der Provinz Posen) vor. In Fabianiz, Pruszkow und in anderen Orten der Provinz Pomereilen wird die Boykottpropaganda in der Weise getrieben, daß die jüdischen Geschäfte von Agitatoren blockiert und Käufer am Betreten derselben verhindert werden. Eine Abordnung des Kleinhändlerverbandes sprach im politischen Departement des Innenministeriums vor, wo man Üer Delegation versicherte, daß Vorkehrungen zum Schutze der jüdischen Wanderhändler auf Jahrmärkten getroffen werden. * * # Im Warschauer jüdischen Wohnviertel passierte der folgende seltsame Fall: Einige Huligans überfielen einen jüdischen jungen Mann; dieser suchte Schutz in dem Erfrischungs-Kiosk des 43jährigen Chajim Altschuler. Die Huligans stürzten in den Kiosk und demolierten ihn. Vor Schreck verlor Altschuler gänzlichdas Augenlicht und mußte ins Krankenhaus, gebracht werden. Hitler — kein geistloser Antisemit! Eine der letzten Ausgaben des „Völkischen- Beobachters" ist dem „Menschen Adolf Hitler" gewidmet. Das Blatt enthält auch einen Artikel Dr. Josef Goebbels, des Reichspropagandachefs der Nazis, in welchem auf die „Juden-- und Marxisten-Presse" geschimpft wird, die Hitler als „wütenden Judenfresser und sinnlösen Radaumenschen" darstellt. „Wenn Hitler", schreibt Goebbels, „gegen die Juden kämpft, dann nicht,. weil er einem öden und geistlosen Antisemitismushuldigt, sondern weil er im Juden das Sinnbild des; deutschen Verfalls erkannt hat."

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