Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 15 (8.4.1932)
- Date
- 1932-04-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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hdd b& Sttokoiaien und Cacao hdb btp nur in bester Qualität I. BBORBOEH s WienX VIII., Währingergürtel 15 Telephon A 28-0-64 j^^*^ erzeugt unter strenger Aufsicht ■«—-—• Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner ^_ fl. SC HENK (Talmud-Thora) Ein Scheliadi zibbur. Zum fünften Todestag M. B. Kaufmanns am 8. April (2 Nissan 5692). Jtta tauwo oliolecho jaakauw!" In strahlender Glockenreinheit klingt der unvergleichliche Bewunderungsgruß Sulzers durch die Räume des Gotteshauses, blühendes Land ersteht in jenem Tonsatz, Herrlichkeit der Nähe Brez Jisroels. und der innere Blick schaut die Zelte der Väter, wie sie in Eintracht nebeneinander lagen — das gelobte Land in der Perspektive und über sich die Schechina. Soll man aufblicken zu dem Munde, dem solche Melodie entströmt? Ein Begnadeter steht vor der Bundeslade. Das Haupt mit dem klassisch geschnittenen Profil zum Himmel erhoben, die dunklen Augen, die so beredt, so zu innerst überzeugend seinen Vortrag stets unterstreichen, in Gefilde des Ewigen entrückt. In die Seele der gespannt Horchenden schwingt jener Ausdruck tiefster, ^gläubiger Inbrunst, jenes aufwühlend Mächtige eines Erlebnisses, dessen Mittler der Sänger ist. Wahrhaftig, er vermochte es, Liebe zu entzünden zu dem Hause Gottes. Begeisterung zu dessen Dienst. Er hat die Pforten himmlischen Lichtes aufgerissen, für manche, denen Judentum und jüdische Religion schon nichts mehr als abgestorbene Ueberlieferung bedeutet hatte. Vielleicht lag es in seinem Wissen um solche Wandlungn jüdischer Seelen, daß gerade das Ma tauwo seine erhabenste Glanzleistung bot. Viel zu früh ist er aus unserer Mitte gegangen, Oberkantor M. B. Kaufmann, als er vor fünf Jahren, kurz vor Pessach. seiner letzten Berufung Folge leistete. Er ist kaum fünfzigjährig, auf der Höhe seines künstlerischen Strebens. dem Gotteshause, dem jahrzehntelang sein Erdenwallen gehörte, in den Tempel jenseits unserer Vorstellungswelt entflohen. Sein Leben weist interessante Knotenpunkte auf. 1878 in Kiew geboren, winkte er als junger Mann unter Schkolnik in Stanislau als Chorsänger. Damals gehörte zu den ständigen Besuchern des jüdischen Tempels Baron Ripp. der als Rittmeister beim 14. k. u. k. Dragonerregiment dort stationiert war. Dem überaus stimmbegabte junge Kaufmann fiel dem Baron auf. Er ließ ihn auf seine Kosten am Lemberger Konservatorium das Opernfach studieren und zeigte sich an dessen Bühnenfortschritten rege interessiert. Kaufmann trat in verschiedenen Rollen an der Oper in Lemberg auf — seine leuchtende - Tenorstimme, sein Beseelen der Bühnenmaterie mit hohen künstlerischen Impulsen, verschaffte ihm immer größere Erfolge — dann wandte er sich nach Ostpreußen, um schließlich an der Oper in Prag zu landen. Dort ließ er sich bewegen, seine Kunst wieder in den Dienst Gottes zu stellen und folgte dem Rufe der Kultusgemeinde in Prag. Nicht lange darauf wurde er von der Wiener Kultusgemeinde an den Tempel in Ottakring und endlich an den Stadttempe! berufen. Seiner Operntätigkeit verdankte Kaufmann hervorragende Darstellungskraft in Ton und Gebärde. Wer die wundervolle Art in der er die jüdische Liturgie im Vortrage zu plastischen Visionen gestaltete, den oftgehörten Gebeten mit seinem glockenreinen, unirdisch schwebenden Tenor gleichsam ein neues Leben verlieh, wer die schöpferische Dynamik seiner Kunst genossen, dem wird dieser Chasan godaul unvergeßlich bleiben. Unvergeßlich dieser jüdische Künstler, der einen Ehrenplatz in der Reihe der größten Kantoren verdient, weil er wie sie. ein Eigener gewesen ist Freilich, er hat neben seinen zahllosen Bewunderern auch Widersacher gehabt. Nörgler, die seinen Vortrag als zu theatralisch bekrittelten, den modernen Stil seines Singens ablehnten. Im letzteren Punkt mochten sie vielleicht recht haben, jene Balbatim älterer Richtung. Aber der Singsti! gehörte eben zu Kaufmanns Gesamtauftreten, war von dessen Persönlichkeit nicht wegzudenken. . . Seit seiner Tätigkeit in Wien verband ihn innigste Freundschaft mit dem Ottakringer Rabbiner Dr. J. M. Bach. Im Dasein Kaufmanns, der unverheiratet einsam durch das Leben schritt, war solches Freundschaftsband eine seelische Kraft. Fast symbolisch dafür ist sein Sterben: Da sich hinter dem vom Krankenbesuch umkehrenden Freund das Tor des Rothschildspitales schließt, tritt auch die Seele des Zeitlebens nicht vom Glück bedacht gewesenen Sängers den Heimweg an. Fünf Jahre---als wäre es gestern geschehen. Secher zadik liwrocho. Othmar R. Schwarz. Achtung! Zu unterscheiden sind meine direkt von den Friedmannschen Weinkellereien in Petach tik Pal stammenden besten Sorten Karmel-Originalweine von den auf indirektem Wege bezogenen Palästinaweinen dadurch, daß in dem Gutachten des ehrw. Rabbinats der israelitischen Knltusgemeinde die eigenhändige Unterschrift Sr. Ehrw. Rabbiners B a b a d nicht nur das Kaschrnt bestätigt, sondern auch, daß der in der Flasche sich befindende Wein direkt aus den obigen Kellereien Stammt Man achte daher auf die Vignette mit dieser Unterschrift N. Spindel. HOMlg, BlmDeersoit, enrhen, noö bv n(uineiaden.S(iiwelz.i(OBdeDSmlidi, Hase und Schokoladen, PleUer, Ingwer (braun;, ZUM (feinst gemahlen), ESSlft Sämtliche Weine, Pai&sünawelne, Süßweine, Sllbowitz, Likör. Weinbrand. Sämtliche Spezer eiwaren DAVID $fElNflOf, Ii, Haida. 5 HOS bV Tel. A 48-3-49 Offener Brief an die ehemaligen Zog" linge des Vereines „Ferienheim". Ihr Männer und Frauen, Mädchen und Knaben, die Ihr in den 40 Jahren des Bestandes unseres Vereines in unseren verschiedenen Kolonien geweilt habt, Euch rufe ich auf zum Wiedersehen bei einer Feier, nicht bei einem Fest, zu dem leider die traurige Zeit keine Unterlage büdet! Als Kinder jener Gruppe von Menschen, die ihren Nachkommen keine Sommerwohnung bieten konnten, haben wir Euch aus schwülen Schulstuben hinausgeführt in die schöne Natur, an die lachende Sonne, haben Euch die Schönheiten von Berg und Tal und Wald lieben gelehrt und Eure unterernährten Körperchen durch kräftige, gute Kost in Höhe und Breite gebracht. Unser Lohn für die Mühen waren Eure leuchtenden Augen und Eure schmetternde Fröhlichkeit! Keine klingende Beihilfe Eurer Eltern war notwendig, denn wirklich gute Menschen haben uns bis Kriegsbeginn in unserer Arbeit beigestanden und die Möglichkeit gegeben, Tausenden von zarten und schwachen Kindern die Pforten unserer Heime zu öffnen, die wir im Laufe der Zeit unser eigen nennen konnten. Da kam der grausame Krieg mit seinen universellen Schrecken, mit den nationalen Veränderungen der Orte und allen übrigen Miseren! Viel hat er uns genommen, aber er konnte unsere Ideale nicht töten, wie vieles er auch vernichtete, und die uns so lieb gewordene Arbeit war notwendiger geworden, in dem Maße, als die Menschheit verarmte an Leib und Leben! Mit doppelter Aufopferung haben wir an unserem Werke gehangen. Heute nach 40jähriger Arbeit blicken wir auf sie mit Freude und Genugtuung zurück, wenn wir Männern und Frauen begegnen, die sich uns in dankbarer Erinnerung an die bei uns verbrachte schöne Jugendzeit mitwirkend gesellen wollen. Als Begründerin unserer Institution habe ich einen Herzenswunsch, den zu erleben der schönste Lohn meiner Arbeit wäre: Daß es mir gegönnt sei, unser Werk mit jenen Zöglingen weiter zuführen, die selbst in unserer Pflege gewesen und deren Segnungen am eigenen Leibe kennen lernten! Die Erinnerung an glückliche Kindertage weckt gewiß manches Herz unserer nun groß gewordenen Schützlinge. An diese wende ich mich denn: Meldet Euch zu einem glücklichen Wiedersehen, meldet Euch, so Ihr helfen wollt ein 40jähriges Werk weiterzuführen und mit uns zu beraten, wie wir mit Euch zusammen eine Feier begehen sollen, nicht um zu jubilieren, sondern um einen Denkstein der Menschenliebe aufzurichten für kommende Geschlechter und bessere Tage! Sofie Grünfeld. Anmeldungen im Bureau des „Ferienheim", Wien IX., Türkenstraße 17. Telephon A11-1-63. Semeinde ~ ttironik Die Bestattung Rabbi Ch. J. SonnenfeWs. Am Sonntag, den 27. März, wurde in Jerusalem Rabbi Chajim Joseph Sonnenfeld zur letzten Ruhe gebracht. Zehntausende Personen schritten hinter dem Sarge. Vertretungen ans ganz Palästina und zahlreiche im Lande weilende Touristen nahmen an der Bestattungsfeier teM. Der High Commissioner, der Chefsekretär, der Distriktskommissar und die Stadtverwaltung von Jerusalem sandten Vertreter zur Trauerfeier. Man sah im Trauerhause auch Vertretungen der J e w i s h Agency, des Waad Leumi und anderer großer jüdischer Körperschaften. Am offenen Grabe hielten eine große Reihe hervorragender Rabbiner Trauerreden, unter ihnen Rabbi Duschinsky aus der Slowakei, der als Tourist im Lande weilt, der hervorragendste sephardische Rabbiner Joseph Levy und die Qaonim Melzer und Epstein. Die Chewra Kadischa für den XIX. Bezirk hielt am Sonntag, den 20. v. M.. ähne VIII. ordentliche Generalversammlung ab. Der Obmann. Herr Direktor Josef Brüll, begrüßte die Anwesenden, insbesondere Herrn Rabbiner Prof. Dr. Arnold Frankfurter, den Vorstand Michael Tauber für den Döblinger Tempelverein, den Vorstand der Chewra Kadischa XVIII., Herrn David L ö w y, als Vertreter der Chewra Kadischa XII.-XV. die Herren Jakob Winter und Bernhard Kohn. ferner Frau Dr. Frankfurter und Frau Dr. Herrnstadt für den Döblinger Frauenverein. Er erstattete sodann den einstimmig zur Kenntnis genommenen Jahresbericht bei welcher Gelegenheit allen Mitgliedern und Spendern, insbesondere aber Herrn Jakob Fürst für die alljährlich zu Pessach und den hohen Feiertagen gewidmeten Naturalien aufs herzlichste gedankt wurde. Nach dem Bericht des Kassiers Herrn Israel Spiel holz über die Kassagebarung würdigte Herr Sa!. Schapira die Tätigkeit des Vorstandes .V GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL U9aHMMHHBna^^BMMHMMHi WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE ■ XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 16-9-34 Lieferant Wr Heilanstalten AbteiiungenffirKoscherfleisch unter Aufsicht riea ehrst. Rabbinatea 4er l»r. Kultusoemsiiide Van. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen und stellte den Antrag auf Erteilung des Absolutoriums.. Nun gaben die Herren Delegierten Löwy und Kohn ihrer Anerkennung über die ersprießliche Tätigkeit der verhältnismäßig jungen Vereinigung Ausdruck. Sodann charakterisierte Herr Rabbiner Professor Dr. Frankfurter die hohen Ziele der Chewra Kadischa. Er dankte den Vorstehern und Mitgliedern dieses Hortes wahrer Menschenliebe, die ihre Kräfte selbstlos in den Dienst der heiligen Sache stellen. Die ausscheidenden Mitglieder wurden wiedergewählt. Die im Anschluß an die Generalversammlung stattgehabte konstituierende Vorstandssitzung hatte folgendes Ergebnis: Obmann: Direktor Josef Brüll: Obmannstellvertreter: Gustav Oesterreicher und Kommerzialrat Rubin Königfest: Schriftführer: Salomon Frankfurter: Schriftführerstellvertreter: Eduard E. Trnka: Kassier: Israel Spiel holz; Kassierstellvertreter: Moritz Gal: Rechnungsprüfer: Salomon Schapira. „Mathilde". Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder, insbesondere Waisenkinder. Sonntag, den 27. v. M„ veranstaltete der so ersprießlich wirkende Verein „Mathilde" anläßlich des Purimfestes im Saale des Hotel „Conti mental", II., Taborstraße 4. eine Wohltätigkeitsakademie mit anschließendem Tanz. Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen besetzt, ein Beweis, wie angesehen und populär der Verein in der breiten Oeffentlichkeit ist. Unter den Anwesenden bemerkte man den Vizepräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Dr. Jakob Ornstein, sowie viele Vertreter der karitativen jüdischen Vereine, die Ehrenpro'tekforen des Vereines „Mathilde". Frau Lotte W c i n r e b, eine der eifrigsten Förderinnen des Vereines, die eigens zu dieser Veranstaltung aus Klagenfurt gekommen war, Frau Mathilde Buchsbaum, die Herren Dr. Max Jakobsohn samt Frau und Herr Kultusrat Moritz Weimer. Der Festleiter. Herr Josef Stapler, begrüßte die erschienenen Gäste und wies in seiner Ansprache in beredter Weise auf die edlen Ziele des Vereines und seine großen Leistungen im Vorjahre», in welchem 130 arme jüdische Waisenkinder bekleidet werden konnten, hin. Das Programm unter Leitung des Conferenciers Herrn Otto Demant-Dürer war erstklassigi und fand reichlichen Beifall; insbesondere das Violinsolo des Musikdirektors Max Geiger. Auch die Jugend kam auf ihre Rechnung, denn ab 11 Uhr wurde unter den Klängen der ausgezeichneten Jazz-Kapelle Max Geiger ununterbrochen getanzt. Außerdem wurde die Wahl einer Schönheitskönigin vorgenommen, als welche Frl. Stella W e i n r e b auserkoren wurde. Die Veranstaltung konnte einen großen moralischen und finanziellen Erfolg verzeichnen. Für die Vorbereitung und das Gelingen dieses Abends gebührt dem gesamten Vorstande, speziell den Damen Frau Weisz, Frau Ehrenkranz,. Frau Rappaport, dem Schriftführer Herrn Ku j, den Herren S. Buchsbaum und J. Stapler sowie der im Schöße des Vereines gegründeten Jugendsektion unter Leitung der Damen Frl. Glaser und Frl. S t a n g e r sowie den Herren S t a n g e r jun. und Gewürz die volle Anerkennung. Hietzinger Tempelverein. In der am 29. v. M. stattgehabten Generalversammlung wurde der Vorstand neu besetzt. Wiedergewählt wurden die Herren Dr. Ernst Brunner, Apotheker Marco Birnholz. Direktor Richard Epstein, Wilhelm Fisch, Salomon Friedmann, Hofrat Dr. Wilhelm Herzka, Josef Ilner, Arthur Kohn, Generaldirektor Siegfried Kubie, Eugen Lang. Komm.-Rat Heinrich Löwinger, Sanatoriumsbesitzer Dr. Oskar Mautner, Direktor Wilhelm Müller. D. Pächt Josef Smetana, Max Steiner und Komm.-Rat Bruno Weiß; neugewählt die Herren Generaldirektor Maurus Banyai, Otto Hoffmann, Simon Huber, Direktor Emil Kahane, Dt. D. Knopf, Max Morgenstern. Erich Pollak, Ludwig Reik und Dr. Emil Winter; zu Revisoren wurden bestellt die Herren Nathan Blau und Hermann Klopper. In der anschließend an die Generalversammlung vorgenommenen Konstituierung wurden folgende Funktionäre gewählt: Präsident: Generaldirektor Maurus Banyai. Vizepräsidenten: Generaldirektor Siegfried Kubie und Direktor Wilhelm Müller, Schriftführer: Dr. Ernst Brunner, Kassier: Komm.-Rat Bruno Weiß. Der neuigjewählte Präsident Herr Dr. Maurus Bamyai ist Sohn des sei. Rabbiners Joachim Breuer in Tolna (Ungarn). Er genoß im Elternhause eine streng religiöse Erziehung und hat in seiner Jugend in mehreren Jeschiwas Talmud studiert. Es wird ihm, in Gemeinschaft mit seinen Vorstandskollegen, die schon so viel Opfer für den Tempel gebracht hoffentlich gelingen, der schwierigen Lage Herr zu werden. Der Verein zur Förderuns Jüdischer Musik hafte zu einer Konferenz, die Samstag, den 2. d. leider unter ziemlich schwacher Beteiligung stattfand, alle Wiener jüdischen Organisationen eingeladen. Prof. Max Graf, der Präsident dieses Vereines, hielt die einleitenden Worte,