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Die Wahrheit · 1932-04-08 · Heft 15 (8.4.1932) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 15 (8.4.1932)
Date
1932-04-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite o KUNDMACHUNG Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach-KoschermÜCh in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die PeSSaCh- KOSChermilch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe avropo erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive mit einer Schleife versehen mit dem Aufdruck: heb S# itw sSn Wien, 27. März 1932. Wiener Molkerei. Herrn Pick in das richtige Licht zu setzen. Er „berichtigt", daß er beim Stadtschulrate keine Beschwerde eingereicht habe. In der von ihm unterfertigten, in dem mehrfach zitierten Artikel des „Oesterreichischen Lehrerblattes" abgedruckten Zuschrift an den Kultusvorstand vom 10. Dezember 1930 heißt es ausdrücklich, daß „die Vorfälle auch dem Stadtschulrate mitgeteilt werden mußten". Von wem, Herr Pick? Hat auch diese Mitteilung an den Stadtschulrat der gleiche Anonymus gerichtet, hinter den sich nun Herr Pick verbirgt, da man ihm die Verfassung oder zumindesten Veranlassung des antisemitischen Artikels in dem „Oesterreichischen Lehrerblatte" vorwirft? Wenn Herr Pick heute diese Publikation für seine Person abzuleugnen versucht, dann bleibt logischerweise nur die sozialdemokratische Gewerkschaft, die dieses „Oesterreichische Lehrerblatt" herausgibt, als jene Stelle übrig, die einen ausgesprochen antisemitischen Angriff gegen das Judentum geführt hat. Ob also der patentierte Sozialdemokrat Pick mit seinen Ableugnungsversuchen der von ihm „nicht vorausgesehenen" Art der Veröffentlichung seiner Partei einen guten Dienst erweist, muß füglich bezweifelt werden. Wir glauben, daß er — vom Parteistandpunkt gesehen — „antisozialistischer" handelt als jene jüdischen Blätter, denen er in einer Information an eine kompetente Parteistelle diese ruchlose Gesinnung vorwirft. Herr Pick mag sich beruhigen, die „Jüdische Volkszeitung", das Organ der „werktätigen", also sozialdemokratisch organisierten Juden, hat die leidige Angelegenheit auch schon in einem für den Genossen Pick nicht sehr günstigen Sinne aufgenommen. Jiafoentzreuz am Werft Das Hakenkreuz in der Tschechoslowakei verboten. Das Innenministerium hat durch einen Erlaß das Tragen von Hakenkreuzabzeichen auf dem ganzen Gebiete der Republik verboten mit der Begründung, daß dieses Emblem eine staatsfeindliche Bewegung repräsentiere. Ebenso wurde die Anbringung von Hakenkreuzen auf Plakaten, Briefpapieren, Ankündigungen jeder Art untersagt. Der Antisemitismus eine Rückkehr zur Barbarei. „L'O p i n i o n J u i v e" veröffentlicht einen „Antisemitismus und Demokratie" überschriebenen Artikel des früheren französischen Ministerpräsidenten Paul Painleve, in dem es u. a. heißt: Antisemitismus ist ein Barometer, das den Stand der Zivilisation eines Volkes anzeigt: je höher die antisemitische Bewegung ansteigt, um so tiefer sinkt der Zivilisationsstandard. Das Anwachsen des Antisemitismus unter einem Volk, das sich zu den zivilisierten zählt, bedeutet ein Zurücksinken in die Barbarei. Die antisemitischen Instinkte, die durch den Aufschwung der Demokratie im letzten. Jahrhundert in Schach gehalten worden waren, sind jetzt durch das Treiben bösartiger Agitatoren, die den Massen den Weg der Plünderung und der rohen Gewalt zeigen, wieder hervorgebrochen. In Ländern, in denen in den letzten 25 Jahren das Wort „Pogrom" nur Widerwillen hervorrief, fordern jetzt Menschen ein Regierungsprogramm, das Massakers und Austreibung der Juden enthält. Es ist eine der Ruhmestaten der französischen, Revolution, daß sie vor 150 Jahren allen Menschen gleiche Rechte gab. Die Juden Frankreichs haben sich des in sie gesetzten Vertrauens würdig erwiesen; sie sind Franzosen und demVaterlandeebenso ergeben wie die Urfranzosen. Sie stellen ihre ganze Begabung im den Dienst des Fortschritts des französischen Volkes. Painleve schließt: Nieder mit dem Antisemitismus! Dies soll ein Kardinalprinzip der Demokratie sein im Interesse ihrer eigenen Existenz und der Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung. Der Erzbischof von Köln für inneren Frieden. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Köln des Centrai-Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Heinrich Frank, gleichzeitig Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Köln, der Gemeinderabbiner Dr. R o s e n t h a 1 in Köln sowie der Syndikus des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin, Dr. Alfred Wiener, wurden vor kurzem von dem Generalvikar des Erzbistums Köln, Dr. David, empfangen. Sie unterbreiteten eine Reihe von Materialien über die Zügellosigkeiten des politischen Kampfes gegen die Juden. Kardinal S c h u 11 e hat daraufhin Isdilas, Rheuma, Gidit Htägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensäarebader, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden taglich von 8-6 Uhr HellanstfaU „Thermla" I., Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer Herrn Gemeinderabbiner Dr. R o s e n t h a 1 in Köln das nachstehende Schreiben zugehen lassen: Köln, den 10. März 1932. Der Erzbischof von Köln. Euer Hochwürden! Von den überaus rohen und jeder Gesittung hohnsprechenden Beschimpfungen Ihrer Glaubensgemeinschaft, namentlich von den Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen, worüber Sie meinen Herrn Generalvikar — da ich verhindert war — persönlich und nachher mich durch Ueberreichung von gedrucktem Material unterrichteten, habe ich mit tiefstem Bedauern Kenntnis genommen. Ich kann Ihre innere Empörung und Entrüstung nur teilen und sehe in diesen Vorkommnissen eine neue ernste Mahnung an alle Gutgesinnten, der zunehmenden Verwilderung der Sitten in unserem Volke ohne Säumen und mit aller Energie entgegenzuwirken. In größter Hochschätzung bin ich Ihr stets ergebenster gez. Kardinal Schulte, Erzbischof von Köln. Pogrom und Boykotthetze in Polen. I» der Posen benachbarten Stadt C u r n i k kam es es nach einer Versammlung der Großpolen (Nationaldemokraten), irt der scharf gegen die Juden gehetzt wurde, zu schweren antijüdischen Ausschreitungen. Die Versammlungsteilnehmer zogen zum Marktplatz, wo gerade ein Jahrmarkt abgehalten wurde, fielen über die Warenstände jüdischer Händler her und raubten sie vollständig aus. Polizisten, die einschreiten wollten, wurden fürchterlich geschlagen. Erst als der Polizeikommandant von der Waffe Gebrauch machte und einen der Räuber durch Bauchschuß ver- Eruftand BrflbBPaBsschmQcriunB Gärtnerei ERNST SEErRIED Uründnngsjahr 1880 XI., SImmeringer HanptstraSe Nr. 381 III. Tor, Zentralfriedhof, Haltestelle der Elektrischen 71 Telephon ü 14-2-61 Unter Berufung auf „Die Wahrheit" 10° 0 Rabatt letzte, zogen sich die Exzedenten zurück. Es wurden 22 Personen, unter ihnen die groüpolnischen Führer des Ortes, verhaftet. * & Aus Mijesko-Gura, Kreis Rawicz, wird berichtet, daß am 30. März mittags, als das Geschält am" dem dortigen Jahrmarkt in vollem Gange war. eine Bande Huligans die jüdischen Händler überfiel, sie mörderisch schlug und des gesamten Warenbesitzes beraubte. Die flüchtenden Händler wurden von den Huligans bis auf die Landstraßen verfolgt, zum großen Teil dort eingeholt und abermals geschlagen. Die Fuhrwerke der Händler wurden zertrümmert. Die Polizei verhaftete einige Huligans, mußte sie aber freilassen, da die Exzedenten eine drohende Haltung gegen die Polizisten einnahmen. * « * Antisemitische Boykott-Agitatoren greifen neuerdings zu folgendem Mittel, um christliche Käufer von jüdischen Geschäften fernzuhalten: Vor jüdischen Geschäftsläden werden Stinkbomben zur Explosion gebracht oder übelriechendes Pulver ausgestreut. Auf dem Lodzer Marktplatz wurden am Gründonnerstag von Studenten, die die Boykottpropaganda leiten, solche Tumulte inszeniert, durch welche alle Käufer vertrieben wurden. Zahlreiche jüdische Händler, die monatelang auf eine solche Verdienstmöglichkeit warten, wurden so um ihre Hoffnung betrogen. VouWothe xuWodke Ein jüdischer Vertreter im englischen Oberhaus? Im Zusammenhang mit der geplanten Reform des englischen Oberhauses erhebt die Londoner Wochenschrift „J e w i s h C h r o n i c 1 e" im Leitartikel ihrer letzten Nummer die Forderung, daß im Oberhaus auch ein Vertreter der jüdischen Religion sitzen soll. Nach dem jetzigen Oberhaussystem, das einige Jahrhunderte alt ist, nehmen 26 Bischöfe die Interessen der verschiedenen christlichen Religionen wahr. Wenn man nun, meint die Zeitung, darangeht, dieses System zu reformieren, so müsse der jüdischen Gemeinschaft in England, die inzwischen an Zahl und im sozialen Standard sehr gewachsen ist, ein Sitz im Oberhaus eingeräumt werden. Der Oberrabbiner des Britischen Reiches sollte im Oberhaus die Interessen der jüdischen Religion vertreten. TüQ parh-llotel Herzog BAD PIESTANY 8 Tage volle Pension zum Pessachfest Kc.450.—. Aller Komfort. Voranmeldung erbeten Jüdische Vordringlichkeit. Viel Aufsehen erregt es, daß bei der in Warschau vorgenommenen Preisverteilung im Internationalen Chopin- Wettbewerb für Pianisten von 15 zur Verteilung gelangten Preisen 14 an jüdische Pianisten fielen. Die Jury verlieh den ersten Preis dem russisch-jüdischen Pianisten Alexander U n i nski, den zweiten Preis dem blinden ungarischen Juden Imre (Akba Jizchak) Ungar, den dritten Preis Abraham Lufer (Kiew), weitere Preise erhielten Borislaw Cohn (Warschau), Ludwig Kempner (Ungarn), Sagalow (Rußland), Leon Barinski (Polen), Gutmann (Rußland), Karoiy (Ungarn), Kurt Engel (Wien), Grossmann (Rußland), Joseph Wagner (Breslau), Marilo Jonas (Warschau), Lilli Herz (Ungarn), Susanne de Meyer (Holland), Iso Ellinsohn. Sämtliche Genannten sind Juden. Die polnische antisemitische Presse regt sich darüber auf, daß die internationale Chopin-Konkurrenz fast nur jüdischen Pianisten Siege gebracht hat, und tadelt die internationale Jury, daß sie auf polnischem Boden solche Entscheidungen gefällt hat. »Die Koscherküche einst und letzt". Ueber dieses interessante Thema spricht unter besonderer Berücksichtigung! der Pessach-Feiertage Frau Emma Löbl, staatl. gepr. Haushaltungsschullehrerin, Montag, den H. ds. und Dienstag, den 12. ds. im Restaurant Kohn, XX., Heinzelmanngasse I. Mittwoch, den 13 ds. und Donnerstag, den 14 ds. Im Esplauaden-Caie, IX.. Aiserbachstraße 41. Beginn atler Vorträge um halb» 4 Uhr nachmittags, bei freiem Eintritt!

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