Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 15 (8.4.1932)
- Date
- 1932-04-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE WAHSHFFf im Jahre 1762. „daß die Juden außer Arnstein. Leidesdorfer und Eskeles arme Leute seien". (Dr. A. Fürst: Judenschicksale. Judentypen: der Stadlan.) Vielleicht hat dieser Bericht die Kaiserin in eben demselben Jahre veranlaßt, die drückenden Fesseln, welche die Handlungstätigkeit der Juden so überaus einengten, allmählich einigermaßen zu lockern. Mehr aber war es gewiß der Zwang der wirtschaftlichen Verhältnisse, die sie nötigten, die Juden zur Mitarbeit im wohlverstandenen Interesse ihrer christlichen Untertanen heranzuziehen, sie verlangt in ihrer Resolution vom Juli 1762 ein Gutachten, ob nicht den Juden erlaubt werden solle, ..daß sie mit inländischen Fabrikanten stuckweise handeln dürfen", dagegen wäre der Vertrieb aller „fremden" {sc vom Auslande bezogenen) Waren zu verbieten. Sie begründete diese Verfügungen durch die Erwartung, daß die inländischen Erzeugnisse dann den fehlenden größeren Absatz erlangen werden: tatsächlich gestattete die Kaiserin durch das Patent vom 24. März 1764 den Juden, insoweit sie zum Handel berechtigt waren, den Verschleiß inländischer Manufakturen unter neuerlicher, strengster Einschärfung des Verbotes des Handels mit fremden Waren, welche der Konfiskation verfallen sein sollten. In eben demselben Jahre 1762. in welchem die Erweiterung der Handelsbefugnisse der Juden angeregt wurde, wurde auch im Interesse der Belebung des österreichischen Handels die Zulassung der Juden zum Fabriksrriebe in Diskussion gezogen. (Fortsetzung folgt.) Versammlungspropaganda der „Union österreidiisdier Juden". Die wirtschaftlichen und politischen Vorgänge in der Welt und insbesondere in Oesterreich hatten in den letzten Wochen wiederholt Aussprachen unter den Mitgliedern und Freunden der „Union" in den verschiedenen Wiener Bezirken dringend notwendig erscheinen lassen. Sind es doch immer wieder wir Juden, die in einer Zeit der Krise vor allem deren ungünstige Auswirkungen verspüren, die, bedrückt und verfolgt, so leicht in Hoffnungslosigkeit versinken, wenn ihnen nicht aus dem Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft neuer Mut zugeführt wird. Die „Union österreichischer Juden", die seit fast fünf Dezennien mit Erfolg bestrebt ist, die Rechte der Juden zu wahren, bietet ihnen alle Voraussetzungen für die Entwicklung und Stärkung des jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühls. Dies bewiesen auch die durchwegs recht gut besuchten Versammlungen der letzten Zeit, in denen von fachkundigen Referenten die wichtigsten Gegenwartsfragen (Reichspräsidentenwahl, Donauföderation, Kreditanstalt, Studentenrecht, Gemeinderatswahlen, antisemitische Boykottbewegung etc.) besprochen und erörtert wurden. So sprachen in einer Versammlung der Bezirksorganisation Ottakring - Hernals (Obmann: Medizinalrat Doktor J. Deutsch) Dr. Ernst Feldsberg und Reg.- Rat Dr. Max L e n k, auf einem sehr gut besuchten Abend der Bezirksorganisation Favoriten (Obmann: Leopold Grünspan) Prokurist Ludwig Kettner, Dr. Alfred Schwarz, Dr. Lenk und Präsident Dr. J. Ornstein, in einer Versammlung der Bezirksorganisation Leopoldstadt (Obmann: Dir. Gustav Kol min!) Dr. Lenk, Obermedizinalrat Dr. H. H a a s e und Schriftführer Felix Wachsberger, in einer Versammlung der Bezirksorganisation HI/Xl (Obmann: Ing. Hugo Koditschek) Dr. Lenk, Max Back und Albert Bauer und schließlich in einer Versammlung der Bezirksorganisation VI/V1I (Obmann: Adolf Taub) Prokurist Kettner, Dr. Feldsberg, Dir. Georg Fuchs, Komm.-Rat B. Buchwald und Präsident Dr. J. Ornstein über die erwähnten aktuellen Themen. Das Bemerkenswerte an all diesen interessant verlaufenen Veranstaltungen war, daß sie immer in Gemeinschaft mit der Jugendgruppe der „Union" erfolgten, in deren Namen Obmann Oskar Hirschfe!d, Siegfried Mauner und Walter Steiner Werbereferate hielten. Auch der „Union"- Frauen-Klub hat seine Tätigkeit mit einem Vortragsabend fortgesetzt auf dem Dr. Leo Deutschländer ein glänzendes Referat über „Entstehung und Bedeutung der Pessach-Hagadah" hielt. Die intensiven Bemühungen der verschiedenen Organisationen der „Union.1" waren von Erfolg auch insoferne begleitet, als es in fast allen Fällen gelungen ist, neue Interessenten für diese Abwehrvereinigung zu gewinnen. An die Mitglieder und Freunde der „Union"! Der Ausbau unserer Bezirksorganisationen und deren enge Zusammenarbeit mit der Zentrale unserer Vereinigung liefern derselben wohl immer wieder neues Material für ihre Schutz- und Abwehrarbeit. Dennoch kommt es in manchen Fällen vor, daß die „Union" zu spät oder auch gar nicht von eklantanten Angriffen auf Ehre und Ansehen des österreichischen Judentums erfährt. Wir wenden uns deshalb neuerlich an die Mitglieder und Freunde der „Union" und ihrer verschiedenen Unterorganisationen mit dem dringenden Ersuchen, das Sekretariat der „Union" (IX., Berggasse 4, TeL A19-2-77) unverzüglich von jedem ihnen bekannt werdenden Falle zu verständigen, in dem die bürgerliche Rechtsstellung oder die Ehre des Judentums einem Angriffe ausgesetzt werden. Die Rechtsschutzstelle der „Union" wird in jedem Falle, in dem es sich um die berechtigte Wahrnehmung jüdischer Interessen handelt, schleunigst mit aller Energie einschreiten. Sie kann dies jedoch nur dann, wenn all ihre Anhänger und Freunde die „Union" in ihrer Arbeit zumindest durch Angabe solcher Vorkommnisse (insbesondere Beachtung judenfeindlicher Plakate und Zeitungsartikel) unterstützen. Union österreichischer Juden. YORNEOflE Trauerfeier. Sonntag, den 10. April, 11 Uhr vormittags, findet beim Grabe des vor Jahresfrist verblichenen Vizepräsidenten der „Union österreichischer Juden", Hofrat Ing. Josef L ö w y s. A. (I. Tor, 51. Gruppe, 12. Reihe) eine Trauerfeier statt, zu der all seine Freunde eingeladen sind. Die Teilnehmer an diesem Gedenkakt versammeln sich um 5*11 Uhr vor der Zeremonienhalle (1. Tor). UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN in Gemeinschaft mit der Jugend-Union. Dienstag, den 12. April, 'A9 Uhr abends, im Goldsaal des Cafe Silier, I., Schwedenplatz, Vortragsabend. Professor Dr. Richard Korn. „Nietzsche über das Judentum." Gäste herzlichst willkommen! VERGNÜGUNGSSEKTION DER JUGEND-UNION Klublokal: Goldsaal des Cafe Silier, I„ Schwedenplatz. Samstag, den 9.~*ÄpriI, K9 Uhr abends, Große Klub-Akademie mit Tanz. Erstklassiges Programm. Es wirken u. a. mit vom Radio Wien Dario Medina, Trade Roth, Jenö Hofmann. Conference Walter Steiner. Stimmungs-Band „Merry Makers". Gesamtarrangement N. Koffler. Karten im Vorverkauf zu S 1.50 im Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Telephon A 19-2-77; an der Abendkassa S 2.—. EDUARD HERUNOERS Cafe Carltheater (Sitz des österr. KanJorenverbandes) INen II.. Praienlra0a ft9 Während der Pessachffeiertage Kaffee und erstklassige fiDB b& 1^5 Gelränke Herr Staatsanwalt! Ist die Aufforderung zum Mord gestattet? In den Straßen Wiens ist ein nationalsozialistisches Plakat angeschlagen, in dem die Wiener Bevölkerung mit Ausschluß der Juden zu einer Wählerversammlung eingeladen wird. Der Inhalt enthält die schon gewohnten teutonischen Verdrehungen. Durch eine geschickte drucktechnische Aufmachung springen folgende Worte dem Leser ins Auge: „Wenn Judenblut vom Messer spritzt.... Wer ist dagegen?" Glauben Sie nicht, Herr Staatsanwalt, daß auf Grund unseres noch immer geltenden Strafgesetzes ein derartiges Plakat zu konfiszieren sei? Wiener Gemeinderatswahlen. Reg.-Rat Doktor Max Lenk, der seit zwei Wochen im Ausland weilt, ersucht in einer Zuschrift unsere Redaktion um die Feststellung, daß er nicht beabsichtigte, in den bevorstehenden Gemeinderatswahlen zu kandidieren, und daß die Veröffentlichung der Kandidatenlite der Wahlgemeinschaft „Oesterreichische Wirtschaftspartei", worin auch sein Name genannt erscheint, ohne seine Zustimmung erfolgt ist FAMILIEN - PENSION RBStünration.HaffßEbays täglich 5-Uhr-Tee SENMER1NG TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhans Mäßige Preisei Zimmer mit PensionS 12.— aufwärts Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. Aushunli: Wien Telephon 0 27-6-24. Zum Besuch ladet höflichst eil Eckstein, Besitzer EDERABENDE Am 20. nnd 21. April werden im Restaurant SALOIION GßCNCD Wien II-, Zirkusgasse 30, Telephon R 43-1-60 Sederabe ■* «M abgehalten Reldihaiflges Festmahl ä ia Carle Marmel- und Tisdiwelne sdiel Pessadi. Anmeldungen rechtzeitig erbeten Wir erhalten folgende Zuschrift: W i e n, am 28. März 1932. An die verehrliche Redaktion „Oesterreichische Wochenschrift Die Wahrheit", Wien. Auf Grund des § 23 des Preßgesetzes fordere ich Sie hiermit auf, in der nächsten oder zweitnächsten Nummer der „Wahrheit" nachstehende Berichtigung Ihrer in der Nummer 13 der „Wahrheit" vom 25. März 1932 unter dem Titel „Erklärung" auf Seite 5 und 6 erschienenen Mitteilung an derselben Stelle, mit denselben Lettern zu veröffentlichen: 1. Es ist unwahr, daß der im „Oesterreichischen Lehrerblatt" vom 15. März 1932 unter dem Titel „Jüdische Unduldsamkeit" erschienene Aufsatz über Veranlassung des städtischen Religionslehrers Herrn Josef Pick erschienen ist. ff INTR A" - Schokolade noa bo "rco Die einzige Schokolade unter Autsicht des ehrw. Rabbiners Josef Babad Verlanget daher nur INTRA mit nK3»o epv wm aroi nrown 1. Adlern.!f Te1.R23-9.s2 Wahr ist vielmehr, daß Herr Religionslehrer Josef Pick diesen Artikel weder selbst geschrieben, noch dessen Abfassung veranlaßt hat, daher auch keinen Chillul Haschern begehen konnte. 2. Unwahr ist, daß Herr Religionslehrer Josef Pick für diese „einzig dastehende Herabsetzung des Judentums" allein die Verantwortung trägt. Wahr ist vielmehr, daß Herr Josef Pick für diese Veröffentlichung keine wie immer geartete Verantwortung trifft, da er diese Art einer Veröffentlichung nicht voraussehen konnte. 3. Unwahr ist, daß Herr Religionslehrer Josef ' Pick dieselbe Beschwerde auch beim Stadtschulrat eingereicht hat, ohne, wie es scheint, eine ihm erwünschte Erledigung erhalten zu haben, und daß er es sonst nicht unterlassen hätte, auch diese Erledigung zu veröffentlichen. Wahr ist vielmehr, daß Herr Religionslehrer Josef Pick dieselbe Beschwerde beim Stadtschulrat nicht eingereicht hat, so daß der Stadtschulrat gar nicht in die Lage kommen konnte, sich mit der gegenständlichen Beschwerde zu befassen. Josef Pick, städt. isr. Religionslehrer. * Anmerkung der Redaktion: Wie vorauszusehen, hat uns der städtische Religionslehrer Josef Pick mit einer „Berichtigung" „beehrt". Wir haben im obenstehenden dieser „Berichtigung" Raum gegeben, obwohl wir nicht bemüßigt gewesen wären, diese an die „Oesterreichische Wochenschrift Die Wahrheit" gerichtete und auch ansonsten der Form nach dem Gesetze nicht entsprechende Zuschrift zu publizieren. Wir taten dies aber, weil diese „Berichtigung" besonders geeignet ist, die Methoden des