Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 15 (8.4.1932)
- Date
- 1932-04-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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fl^ftite % DIE WAHgHEn Alle wissen es, daß die in Cesrhmnrk und Qualität uniiber~ troffenen, erstklasslg«altrenommlerlen neuer besonders wohlsdbmedcend sind! Kostprobe genügt! Verlangen Sie die neue be- CDE7IAI MADITC AI D sondora schmackhafte «rEiilfllinHIIIVE u WWm Di Zentrale: N> BrodetZky. IL, Leopoldsgasse 43 Ä:I£1^Ü In allen besse r^e n Geschäften erhältlich! Erzeugt unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiuer Babad. Die Hanoto werden aus dem feinsten Mehl erzeugt! ia-MAZZOTHfl I GRIESS U. FARVEL S Randglossen zur Tagesgeschichte. Exkronprinz Wilhelm hat sich in einer öffentlichen Kundgebung (angeblich auf Befehl aus Doorn) für Hitler erklärt. Ob diese Kundgebung die Wahlaussichten des Hakenkreuzführers irgendwie beeinflussen wird, bleibt dahingestellt. Aber es ist immerhin ein Zeichen der Zeit, daß der ehemalige Thronanwärter des Deutschen Reiches auf den — Hitler gekommen ist . . . Als dem Exkronprinzen die Rückkehr nach Deutschland gestattet wurde, verpflichtete er sich, jede politische Betätigung zu unterlassen. Er hat sich auch bisher im großen und ganzen darnach verhalten. Nunmehr findet er sich veranlaßt, aus seiner Reserve hinauszugehen und gegen den Feldmarschall Hindenburg Stellung zu nehmen . . . Der Reputation des Hohenzollernhauses hat er damit sicherlich nicht genützt. Aber vielleicht glaubt er, daß man sich in einem Lande, das einem „Prinzen Domela" zujubelte, alles erlauben darf. . . . * * 3i: Der 10. April dürfte für das Deutsche Reich ein Tag von historischer Bedeutung sein. Daß Hitler den Vorsprung Hindenburgs vom 13. März irgendwie einholen und den Sieg an seine Fahnen fesseln könnte, ist selbst bei der heutigen Mentalität der breiten Volksmassen in Deutschland wohl ausgeschlossen, aber es ist charakteristisch für diese Mentalität, daß die Hakenkreuzler trotz allem die Hoffnung auf einen Sieg nicht aufgeben. Sollten sie am 10. April weitere Fortschritte erringen, dann wird sich das deutsche Volk kein Ehrenzeugnis ausstellen können. Aber es scheint schon darauf verzichtet zu haben. . . . Man hat es da mit einer Erscheinung zu tun, die direkt pathologisch anmutet. . . . * * r li: Nicht minder pathologisch mutet das an, was ,sich um den österreichischen Hitier tut. . . . Die finanziellen Schwierigkeiten des Fürsten Starhemberg waren längst bekannt; man wußte, daß der „Herr der 13 Schlösser" nicht gerade sehr solvent ist Aber daß seine Schulden nicht weniger .als 4 Millionen Schilling betragen und daß es ausgerechnet jüdische Darlehensvermittler sind, die seine Wechsel „untergebracht" haben — das hat man sich doch nicht gedacht. . . . Nun, da die volle Wahrheit bekannt geworden ist, sollte man glauben, daß „Seine Durchlaucht" es für angebracht rinden werde, zumindest für einige Zeit von der Oberfläche des politischen Lebens zu verschwinden. Aber weit gefehlt: Starhemberg will .weiter „Führer" bleiben und seine Anhänger sind mit Vertrauenskundgebungen nicht sparsam. Jede Partei hat eben die Führer, die sie verdient. . . . Aber daß man es wagt, diesen Phrasenheld weiterhin als „Retter des Vaterlandes" zu preisen, und den Mut aufbringt, ihm noch das „Ehrenzeugnis" auszustellen, sein Vermögen dem „großen Ideal" geopfert zu haben, das ist denn doch ein wenig zu arg. . . . Oder vielleicht nicht? Wir leben in einer tollen Zeit, je toller einer es treibt desto weniger scheint ihm dies zu schaden, besonders, wenn er ein Jünger Hitlers ist. . . . * * * Der zionistische Himmel hängt wieder einmal voller Geigen. Die Makkabiade in Tel Awiw war ein internationales Sportereignis; von weit und breit sind die Helden des Fußballes und der anderen Sportzweige nach dem Heiligen Lande geeilt um dort ihre Kunstfertigkeit zu zeigen, und die Presse rühmt es, daß Palästina nach zweitausend Jahren wieder einmal Vorführungen sieht, die ehemals die Römer nach dem Lande der Propheten verpflanzt haben. Gleichzeitig spricht man ruhmredig von einer „fünften Aliah", von einem neuen jüdischen Wanderstrom nach Palästina, gestützt darauf, daß etwa 2000 Juden aus den verschiedenen Ländern die billige Reisegelegenheit benützt haben, um einen Osterausflug nach dem Heiligen Lande zu machen. Es mag grausam sein, diese Freude einigermaßen stören zu wollen; aber zur Steuer der historischen Wahrheit sei daran erinnert, daß genau vor sieben Jahren das gleiche Schauspiel zur Aufführung gelangte. Damals wurde die hebräische Universität in Jerusalem mit großem Pomp eröffnet und im zionistischen Lager schwelgte man in eitel Glück und Wonne: Jerusalem sei wieder ein geistiges Zentrum geworden; von Zion wird wieder die Lehre ausgehen usw. Man weiß, was seither aus dieser Universität geworden ist — ein Schauplatz heftiger Kämpfe und zuweilen eigenartiger Szenen. Man weiß, daß man heute selbst in den zionistischen Kreisen anders und nüchterner denkt. Die Hypertrophie der „geistigen Anstalten" hat sich als höchst unpraktisch erwiesen und seit Jahr und Tag kämpfen die Lehrer der hebräischen Schulen in Palästina um ihren — Gehalt; sie mußten oft zu Streiks ihre Zuflucht nehmen und allgemein hat sich die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß TEPPICHE HÖBELSTOFFE VORHÄNGE TEPPICHHAUS S. SCHEIN A. G. NUR I., BAUERNMARKT 12 Keine Filialen in Wien 14 man nach dieser Richtung zuviel des Guten getan habe. . . . Sollte mit dem neuesten Sportspiel nicht das gleiche geschehen?! . . . Daß die allgemeine Notlage und die schwere Weltwirtschaftskrise einen stärkeren Wanderungsstrom nach Palästina begünstigt, nach dem Lande, das von den Auswirkungen der Krise weniger betroffen worden ist, ist leicht erklärlich und mag vom allgemeinen jüdischen Standpunkt aus wirtschaftlichen Gründen sogar zu begrüßen' sein. Aber gerade deswegen sollte man es sich angelegen sein lassen, das wirtschaftliche Moment stärker in den Vordergrund zu schieben und die Arbeit darauf zu konzentrieren, die wirtschaftliche Position der Juden STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentraffriedhof,3. Tor, Tel. U10-4-53 im Heiligen Lande zu stärken. Statt dessen wiederholt man das Spiel von 1925; was damals die Universität war, das ist jetzt die Makkabiah. Damals handelte es sich um das geistige Zentrum, heute kommt das „Muskeljudentum" zu Worte. . . . Aber man wird darauf acht geben müssen, daß sich die Enttäuschungen mit der Universität nicht mit dem Sportfest wiederholen. . . . Die „vierte Aliah" erlitt bald einen Rückschlag. Man sollte dafür sorgen, daß der „fünften Aliah" ein besseres Schicksal beschieden sei. Die politische Position der Juden in Palästiria läßt allerdings bis auf weiteres zu wünschen übrig. Neuerlich drohen politische Schwierigkeiten. Nach einer Meldung der „Vossischen Zeitung" hat der Oberkommissär die Palästina-Exekutive der Jewish Agency davon in Kenntnis gesetzt, daß er den „Gesetzgebenden Rat" zu errichten beabsichtigt, der in dem „Weißbuche" des LordPassfield vorgesehen ist. Die M o s 1 e m- Konferenz, die heute die Mehrheit der Araber hinter sich hat, hat die Errichtung des Rates in Besprechungen mit dem Oberkommissär verlangt. Nach dem Weißbuche soll der Rat nach, denselben Grundsätzen gebildet werden, wie es 1922 vorgeschlagen war, also aus 10 vom Oberkommissär ernannten und 12 von der Bevölkerung gewählten Vertretern, darunter etwa zwei Juden. Die . Jewish Agency ließ den Oberkommissär auf seine Mitteilung sofort wissen, daß sie die Errichtung des Rates ablehnt. Aber diese Ablehnung durch die Juden vorausahnend, gab das Weißbuch dem Oberkommissär das Recht, für einen die Wahlen etwa boykottierenden Bevölkerungsteil die Rats- .mitglieder durch Ernennung zu schaffen. Sollte nun der Oberkommissär tatsächlich so weit gehen, würde die politische Lage; im Lande noch schwieriger sich gestalten. Von den Führern der Moslemkonferenz ist dem Oberkommissär vorgeschlagen worden, den Rat einfach ohne Juden zu ernennen, falls diese ihre Teilnahme verweigern. Es muß abgewartet werden, ob und in welchem Ausmaße diese Meldung der „V. Z." sich bestätigen werde. Aber wenn man die Haltung der Regierung in bezug auf die Landfrage in Palästina in Betracht zieht erkennt man, daß der Geist des Lord Pasfiel d noch immer herumspukt und daß der K abinettsWechsel in England die Haltung der Regierung nach dieser Richtung nicht im geringsten beeinflußt hat. Von zionistischer Seite müßten daher alle Anstrengungen gemacht werden, um die drohenden Gefahren abzuwehren, denn gegen diese würde auch der schönste Erfolg der Makkabiade nichts fruchten. Ob die zionistische Organisation gerade jetzt stark genug sein wird, diese Abwehr zu leisten, muß bezweifelt werden. Spectator. Die Ausschreitungen der „EisernenQarde"injassy. Beispielloser Vandalismus. — Autodafe vor der verwüsteten Synagoge. Abgeordneter Michael Landau, der nach den pogromartigen Ausschreitungen in Jassy telegraphisch aus Kischineff nach Jassy berufen wurde, machte nach seinem Eintreffen in Bukarest folgende Mitteilungen über die Ergebnisse seiner Erhebungen an Ort und Stelle: Die „Eiserne Garde" in Jassy hatte für den 23. März eine Versammlung im Zusammenhang mit der gegenwärtigen studentischen Bewegung gegen die neue Universitätsstudienordnung emberufen. Die Einladungen und Plakate zu dieser Veranstaltung ließen nicht im mindesten darauf schließen, daß eine judenfeindliche Aktion geplant war. Trotzdem hatten die Behörden umfassende Volkehrungen getroffen. Auf einer Seite des Platzes, auf dem das Heim der „Eisernen Garde" steht, war eine Eskadron Kavallerie aufgestellt. Gendarmerie riegelte die Zugänge des Platzes zu den benachbarten Geschäftsstraßen ab. Nach Versammlungsschluß drangen die Mitglieder der „Eisernen Garde", durch Straßenmob verstärkt, in die kleine, an das dem Heim der „Eisernen Garde" gegenüberliegende Hotel Bejan angebaute Synagoge ein, ohne auf ernsthaften Widerstand seitens der in gewaltiger numerischer Uebermacht befindlichen Sicherheitsorgane zu stoßen. In der Synagoge hausten die Exzedenten in wahrhaft vandalischer Weise. Alle Fensterscheiben wurden ausgeschlagen, Fensterrahmen und Fensterkreuze wurden herausgerissen und zerhackt. Alle Türen wurden eingestoßen. Der Thoraschrein wurde erbrochen, die Thorarollen wurden zerrissen und auf die Straße geworfen, der silberne Thorarollenschmuck