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Die Wahrheit · 1932-04-01 · Heft 14 (1.4.1932) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 14 (1.4.1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Städtische VersichciuiHuainlalt Direktion: Wien I-, Tuchlauben Nr. S Telephon V2.7~5^40 Alle VeisicheiiiiKiszweiqe glänzend durch. Hiebei fiel Herr Pollak, der ein Baritonsolo innehatte, durch seine schöne Stimme besonders auf und fand mit den anderen Ausführenden reiche Anerkennung und Beifall. Nach der Pause eröffnete die zweite Abteilung des Programms Oberkantor Müller, mit frenetischem Beifall begrüßt, mit den Chören von Dunajewski „Mimmekomoih" und Lewandowski „Socharti loch" unter H. Hirschmanns Leitung. Diese wahrhaft echt synagogalen Kompositionen sowie Chöre, exakt und wirkungsvollst durchgeführt, mit den glanzvollen Solis Müllers, riefen stürmischen Beifall hervor, welcher noch gesteigert wurde nach dem Vortrage des in alttraditionellem Stile gehaltenen Gesangs- Rezitativs „Rächern no" nach eigener Eingebung (Stegreif). Hier entfaltete Müller seine ganze Kunst, sein großes Können chasanischer synagogaler Weisen. Seine bis in die höchsten Tenorlagen ausgeglichene schöne Stimme mit den klassisch zu nennenden kolorierten Läufen und Varianten behandelte Müller mit einer Virtuosität, wie man sie selten auf diesem Gebiete hört, dabei wirkt sein ästhetisches Empfinden besonders angenehm. Diese Glanzleistung zündete im Publikum und rief nicht endenwollenden Beifall hervor. Nun folgte der allseits beliebte Violinvirtuose Kurt Fuchsgelb mit M. Bruchs „Kol Nidre" und „Chassfdische Tänze". Beide Musikstücke wurden von dem jungen Künstler mit Innigkeit und verständnisvoller Fertigkeit, die sich besonders in dem schönen, weichen seelischen Ton seines Instrumentes ausdrückten, glänzend ausgeführt und entzückten das Auditorium, welches den Virtuosen mit rasendem Beifall auszeichnete. Nun kamen, wieder stürmisch begrüßt, die beiden Oberkantoren Abrahamsohn und Margolies mit Solovorträgen. Abrahamsohn sang Gottschalls „Rezeh" und Abrahamsohns „Elotiai Neschomo" und riß das Publikum mit seinem herrlichen Organ und seinem fachmännisch durchdachten Pastoralen Vortrag neuerlich zu Beifallsstürmen hin. Ebenso Oberkantor Margolies (mit Leo Lows „Uwaschofor Godol"), dessen schöne Stimme und Gesangskunst hier so allgemein bekannt sind, daß wir nicht viel zu sagen nötig haben, hat doch der stürmische Beifall die Beliebtheit und dankbare Anerkennung dieses Gesangskünstlers zum Ausdruck gebracht. Zum Schlüsse wurde noch Lewandowskis Psalm 100 unter Leitung von Schorr exakt und wirkungsvoll zu Gehör gebracht Den ausgezeichneten vereinigten Chören wurde in anerkennungsvollster Weise mit lebhaften Ovationen für die ausgezeichneten Leistungen gedankt Nun geziemt es sich wohl auch, der tüchtigen Chorleitung zu danken. Die beiden Dirigenten können stolz auf den Erfolg des Abends sein, sie sowohl als die vielköpfige Sängerschar haben Ausgezeichnetes geleistet. Herr B. Hirschmann, der schon Jahrzehnte als tüchtiger Synagogemchordirigent bekannt ist hat seinen Ruf als fachmännisch tüchtiger Chorleiter neuerlich bestätigt Hingegen ist Herr S c h o r r für Wien auf diesem Gebiete neu und wir freuen uns aufrichtig, zu sagen, daß sich Herr Schorr glänzend eingeführt hat und seine Fähigkeit und Tüchtigkeit als Dirigent bewiesen hat Die von ihm studierten und geleiteten Chöre haben sich durch Präzision und dynamische Effekte besonders ausgezeichnet Zum Schlüsse dürfen wir auch nicht der ausgezeichneten Begleitung des Herrn Professor Carl Lafite auf Orgel und Klavier vergessen. Dank gebührt auch nicht minder dem Vorstand des Tempelvereins „Aeschel Awrohom", der durch Uebernahme des Protektorates zum Gelingen des Abends wesentlich beigetragen hat Nach der Besprechung des etwas zu reichen Programms sehen wir uns veranlaßt im Interesse der zukünftigen eventuellen Veranstaltungen, die allseits gewünscht werden, einige Bemerkungen zu machen. Erstens ist allgemein bedauert worden, daß im Programm Prof. Sal. Sulzer s. A. gänzlich gefehlt hat, das ist unverständlich und muß in der Zukunft gutgemacht werden. Zweitens ist im Programm darauf Rücksicht zu nehmen, daß gewisse heilige Gebetstücke, wie z. B. Jehi Rozon von Rosch Chodosch benschen, Keduscho oder Teile vom Unsanetokef nicht ins Programm aufgenommen werden. Es gibt genug neutrale Synagogen-Musikstücke, die dies nicht notwendig machen würden. Isidor Löwit II' ]affa"~Orangen „Rarmer-WEine AUS DEN ROTHSCHILD-KELLEREIEN DER VER¬ EINIGTEN JÜD. WEINBAUERNGENOSSENSCHAFT RISCHON L'ZION &. SICHRON JAKOB Palästina „TOZERETH HfiflHETZ'-VERTRIEB Wien IL, Springergaase 20/n Goethe, die Bibel und die Juden. Am 100. Todestag Goethes — Dienstag, den 22. März — veranstaltete die „Union österreichischer Juden" im Festsaale des Handelsmuseums einen Vortragsabend, auf dem Vizepräsident Dr. Karl Steiner ein höchst interessantes Referat unter obigem Titel hielt. Er schilderte im ersten Teil seines Vortrages, wie Goethe schon als Knabe Hebräisch lernte und das Judendeutsch beherrschte, als Jüngling von der Bibel sich mächtig angezogen fühlte, als Mann die Kabbala studierte, wie sein philosophisches Weltbild vom Juden Spinoza genährt wurde, wie der Dichter Purimspiele, alttestamentarische Gestalten und eine Josef-Legende schuf, im „Faust" das Hiob-Motiv anklingen ließ und in „Dichtung und Wahrheit" und in „Wilhelm Meister" weise Sentenzen vom Judenschicksal einstreute. Im zweiten Teil des Vortrages wurde dargelegt, daß Goethe von Jugend auf mit Juden verkehrte, in den Berliner Salons von den großen Literaturjüdinnen gefeiert wurde, zu denen er in warmen freundschaftlichen Beziehungen stand. All diese Umstände wurden in den verschiedenen Aufsätzen unseres Blattes anläßlich des 100. Todestages des Isdilas, Rheuma, Gldit Htägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensanrebäder, Diathermie Helflloft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden taglich von 8-6 Uhr HellunsloU ..Tlaermla" I., Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer Dichters schon näher ausgeführt, so daß eine eingehende Wiedergabe des fesselnden Vortrages Dr. Steiners überflüssig erscheint Nur so viel sei gesagt, daß er dem zahlreichen Publikum — u. a. war auch Kultuspräsident Prof. Dr. A. Pick erschienen — viel Wissenswertes insbesondere zur Widerlegung der Ansicht, daß Goethe ein Antisemit gewesen wäre, zu sagen wußte. Die dankbaren Zuhörer belohnten den Referenten, der auch mit hinreißendem Schwünge einschlägige Stellen aus Goethes Meisterwerken rezitierte, mit stürmischem Beifall. VERANSTALTUNGEN DER JUGEND-UNION Klublokal: Goldsaal der Cafe Silier, L, Schwedenplatz. Dienstag, den 5. April, H9 Uhr abends, Kulturell-politischer Diskussionsabend Rechtsanwalt Dr. Fritz Flandrak spricht über „Das Verbrechen und seine- Bestrafung." Vergnügungssektion. Samstag, den 9. April, K9 Uhr abends. Große Klub-Akademie mit Tanz. Erstklassiges Programm. Karten zum Vorverkaufspreis von S 1.50 bei den Leitungsmitghedera und im Sekretariate der „Union", IX., Berggasse 4. * Gäste bei allen Veranstaltungen willkommen! Bruftnpd BraberansschmüEttunfl oarlierel ERNSI SEEfBl» Grundnogsjahr 1S80 XL, Simmerlnger Hauptstraße Nr. 381 III. Tor, Zentralfriedhof, Haltestelle der Elektrischen 71 Telephon U 14-2-61 Unter Berufung auf .Die Wahrheit" 10% Rabatt Erklärung. In der letzten Nummer der „Oesterreichischen Lehrerzeitung" ist ein Artikel mit der typisch antisemitischen Ueberschrift „Jüdische Unduldsamkeit" erschienen. Als Grundlage dieses Artikels dient die Veröffentlichung eines Briefwechsels zwischen dem Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde und der „Vereinigung der städtischen Religionslehrer". Für diesen Artikel trägt einzig und allein der städtische Religionslehrer Herr Josef Pick die Verantwortung. Denn der städtische Religionslehrer Herr Leopold Weiss hat dem Vorstande der Kultusgemeinde erklärt, daß er mit der fraglichen Veröffentlichung nichts zu tun hat, diese ohne sein Wissen erfolgte und daß er eine solche Veröffentlichung nicht billigen könne. Die Religionslehrer der Kultusgemeinde erklären, daß das Vorgehen des städtischen Religionslehrers Herrn Josef Pick sich von selbst richtet. Herr Pick hat nicht das Recht, im Namen der gesamten jüdischen Religionslehrerschaft zu sprechen, da die im Dienste der Kultusgemeinde stehenden Religionslehrer jedes Zusammengehen mit ihm in jedweder Angelegenheit rundweg ablehnen. Die Vertreter der Religionslehrer der Kultusgemeinde haben die in seinem Briefe an den Vorstand angeführten Beschwerden genau untersucht und sie als v o 11ständig ungerechtfertigt gefunden. Daß der städtische Religionslehrer Herr Josef Pick Angriffe gegen den Vorstand der Kultusgemeinde in einer nichtjüdischen Zeitung veranlaßt hat, charakterisiert ihn als Religionslehrer eindeutig. Die Religionslehrer der Kultusgemeinde geben der jüdischen Oeffentlichkeit bekannt, daß die dadurch bewirkte Herabsetzung der jüdischen Ehre Herr Josef Pick allein zu verantworten hat. Zum Schlüsse sei noch bemerkt, daß das Inspektorat der Kultusgemeinde sich stets größter Sachlichkeit bemüht und daß dank der Loyalität des Stadtschulrates Bevorzugungen einzelner Religionslehrer in der Stundenzuweisung auf Kosten anderer Religionslehrer nicht stattfinden. Für den Fachausschuß der Religionslehrer der Kultusgemeinde: Rudolf Müller, m. p. Aron Schwertfinger, m. p. Obmann. Obmann-Stellvertreter. Hermine Tauber, m. p. Schriftführerin. * * Wie wir hören, versucht Herr Religionslehrer Josef Pick in einem Rundschreiben seinen Kollegen einzureden, daß er den fraglichen Artikel in der „Oesterreichischen Lehrerzeitung" nicht selbst verfaßt, sondern „nur" den Briefwechsel einer der Zeitung nahestehenden Stelle übergeben habe. Mit dieser Ausflucht macht Herr Pick die Sache nicht besser. Man hätte ihm schon dann die Vorwürfe nicht ersparen können, wenn er mit vollem Namen den Angriff gegen die Kultusgemeinde geführt hätte, aber daß er es für richtig fand, Nichtjuden die Angelegenheit antisemitisch ausschroten zu lassen, das ist eben der Chillul Haschern, dessen er mit Recht geziehen wird. D. Red. ERIKA nos b& SdHMfoiatfcB uMcacMnofi bv mm in bester Qualität KUOiaOEHSEo. WienXVIIf.,WährfaiKergfirtel» Telephon A 38-0-S* erzeugt unter strenger Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner H. SC SENK (Talmud-Thora)

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