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Die Wahrheit · 1932-04-01 · Heft 14 (1.4.1932) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 14 (1.4.1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite A Offi WAHRHEIT Amerikanische Mahnungen an Hitler. Reverend S. McCrea Cavert, Generalsekretär des Bundesrates der christlichen Kirchen Amerikas, gab in der Schlußsitzung des Seminars für Freundschaft zwischen Christen und Juden in Washington der moralischen Entrüstung des amerikanischen Volkes darüber Ausdruck, daß in Deutschland der Judenhaß zum Programm einer politischen Partei erhoben wird. Ich als Christ, sagte er, spreche unseren jüdischen Brüdern in den Vereinigten Staaten mein Mitgefühl dazu, daß ihren Brüdern jenseits des Ozeans so UeWes angetan wird, aus. Ich möchte vorschlagen, daß diejenigen unter uns, die einflußreiche persönliche Freunde in Deutschland oder Beziehungen zu deutschen Organisationen haben, diese wissen lassen, welchen Eindruck der deutsche Judenhaß im Auslande macht Reverend Dr. S. Parkes C a d m a n, der Vorsitzende des vom Bundesrat der christlichen Kirchen Amerikas gegründeten Komitees für Freundschaft zwischen Christen und Juden, veröffentlicht eine Erklärung, die besagt: Die Anhänger Hitlers proklamieren offen gesetzliche Beschränkungen gegen die Juden als einen Bestandteil ihrer Politik; sie wollen die jüdischen Bürger des Wahlrechts und der anderen Bürgerrechte berauben und sie als Fremde in einem Lande behandeln, in dem sie seit Jahrtausenden leben und zu dessen Kultur sie so Wesentliches beigetragen haben. Angesichts der jetzt in Deutschland herrschenden großen Not kann man vielleicht verstehen, daß viele einer nationalen Erlösung durch ein Wiederaufleben des Geistes teutonischen Rassetums das Wort reden, aber jeder, der dem Ideal der Freundschaft und der Verständigung zwischen den Nationen der heutigen Welt anhängt, kann nicht anders als entsetzt sein über die Aeußerungen des Antisemitismus in der nationalsozialistischen Partei. Eine solche Haßpropaganda hat ihre Rückwirkung auch auf andere Länder, selbst auf Amerika; dies aber dürfen wir nicht stillschweigend dulden. Im Anschluß an diese beiden Erklärungen veröffentlichen der Ehrenpräsident des American Jewish Congress Rabbiner Dr. Stephen S. Wise und der Präsident des Congress Bernhard Deutsch ein Statement, das u. a. besagt: Wir haben keineswegs das Recht, uns mit der inneren Politik Deutschlands zu befassen. Aber die Amerikaner sind als aufrichtige Freunde Deutschlands tief betroffen über den antisemitischen Haßfeldzug, den Hitler in Deutschland führt Die Aeußerung des Reverend Cavert will nichts anderes sein als die erste in einer Reihe amerikanischer Mahnungen an Deutschland, die dartun sollen, daß das Hitlertum mit seinem antisemitischen Evangelium für die öffentliche Meinung in der Welt den Wiederausbruch mittelalterlicher antisemitischer Barbarei bedeutet. Der American Jewish Congress glaubt, daß das deutsche Volk, als eines der großen freiheitliebenden und die Gerechtigkeit hoch haltenden Völker der Erde, ein Programm zurückweisen wird, das gegen einen Teil seiner Bevölkerung gerichtet ist, der langer als 1000 Jahre ein treuer Bestandteil Deutschlands war und Deutschlands Kultur bereichert hat. Der American Jewish Congress hat Vertrauen zu dem Kollektivwillen der Juden Deutschlands und zu deren Fähigkeit, an das Gewissen des deutschen Volkes zu appellieren und so die Gefahr abzuwenden, die den Juden zu drohen scheint Für alle Fälle sollen es die deutschen Juden wissen, daß die Juden überall in der Welt den Gang der Entwicklung in der deutschen Republik beobachten und daß wir, was immer geschehe, entschlossen sind, ihnen zur Seite zu stehen. * Hitler-Organisation in England. „Daily Herald", das Organ der Arbeiterpartei, berichtet über einen Plan der Leitung der nationalsozialistischen Partei in Deutschland, Geheimgruppen in England zu bilden. Hitler, schreibt die Zeitung, hofft die englische Regierung dafür zu gewinnen, seine Regierung zu dulden, auf welchem Wege immer er die Macht ergreift. Der Organisator der nationalsozialistischen Bewegung außerhalb Deutschlands, Nieland, leitete in London eine von 200 Deutschen besuchte Versammlung und nahm den Teilnehmern das Gelübte ab, Hitlers Pläne in England zu fördern. Dr. Thost der Londoner Korrespondent der deutschen Hitlerpresse, übernahm die Organisation der Hitlerleute in Südengland, Hans Erich Bening kontrolliert die Bewegung in Nordengland. Es werden Anstrengungen gemacht die hitlerfreundlichen Engländer zu organsieren. In einem Gespräch mit einem „Daily Herald'-Mitarbeiter in Liverpool sagte Bening, die Hitlerleute in England arbeiten jetzt im stillen, aber die Zeit werde kommen, wo sie offen werden hervortreten können. Seine Taktik sei, möglichst vielen englischen Klubs beizutreten und Tanzfestlichkeiten (!) zu besuchen, um in deren Rahmen für Hitler zu werben. Der Berichterstatter fand in der Wohnimg Benings Broschüren antisemitischen Inhalts, die zur Verbreitung bestimmt sind. Wenn wir zur Macht kommen, sagte Bening, werden wir die Juden aus-tre^b*»»" K-ein Jude wird irgendein Amt in Deutschland bekleiden können. Ein anderer Hitlermann in England sagte dem „Daily Herald"-Berichterstatter, die Bewegung werde in England bei der Wahl von Parlamentskandidaten ihren Einfluß ausüben und darauf sehen, daß Parlamentsmitglieder gewählt werden, die Hitlers Politik unterstützen. Nach der gleichen Richtung werde in den europäischen Ländern und in den Vereinigten Staaten für Hitler gearbeitet so daß, wenn Hitler die Macht ergreift er von Regierungen umgeben sein wird, die dem neuen Deutschland günstig gesinnt sind. Die Anglo-Germara Association an der Universität Oxford, meldet „Daily Herald", hat sich bereits infolge der Hitler-Propaganda gespalten, es wurde eine separate Körperschaft zur Förderung des Nationalsozialismus gebildet. Die Judengesetzgebung der Kaiserin Maria Theresia und das Toleranzpatent Kaiser Josef IL Festrede des Präsidenten Dr. Jakob Ornstein. (Fortsetzung.) b) Unterbringung der fremden Juden in Wien. Gegen die fremden Juden, welchen nach dem Patente der Kaiserin vom 6. November 1743 (siehe unter 3) kein ..Unterstand" im Lande Niederösterreich zu gewähren war, richtete sich das Dekret der Niederösterreichischen Regierung an die Wiener Vorstadtgrundrichter vom 14. Jänner 1847. welchen der Auftrag erteilt wurde, die Hauseigentümer zu verständigen, daß sie keinen Juden, selbst wenn er einen Passierschein vorweisen könne (siehe Punkt 3). in den Christenhäusern einen Unterstand, auch nicht für die Dauer einer Nacht gewähren dürfen, widrigenfalls sowohl der Hauseigentümer als auch der Grundrichter „in die äußerste Verantwortung gezogen werden würden". Demnach waren diese fremden Juden, ebenso wie die Tolerierten (siehe a dieses Punktes) gezwungen, ausschließlich in der Inneren Stadt Aufenthalt zu nehmen, und zwar wohnten sie in einem Hause, welches schon wegen des Namens eines seiner Eigentümer besonderes Interesse hervorzurufen geeignet ist: dieses bereits erwähnte Haus (siehe a dieses Punktes) hatte den Beinamen zum „weißen Stern" und war am Kienmarkt später Sfcerngasse 13. gelegen. Das Haus besteht nicht mehr; es fiel dem Durchbruch der-Marc Aurelstraße zum Opfer. Dieses Haus gehörte dem Alois Wiener von Sonnenfels: dieser war ein Sohn des in Berlin lebenden Rabbi Michael, demnach von Geburt Jude, und hieß als solcher Perlin Lipmann; er nahm jedoch mit seinen beiden Söhnen Franz Anton und Josef in Nnkolsburg die Taufe und führte als Christ den Namen Alois Wiener: er übersiedelte dann nach Wien, wurde Lehrer der orientalischen Sprachen an der Wiener Universität und Dolmetsch der hebräischen Sprache, und wurde im Jahre 1746 mit dem Prädikate von Sonnenfels geadelt Seine beiden Söhne Franz Anton und Josef, dessen Name in der Geschichte Oesterreichs zu hervorragender Bedeutung gelangte (siehe II), warfen den Namen Wiener ab und führten nur mehr den Namen Sonnenfels. Die fremden Juden kehrten nun, soweit sie nicht bei einem privilegierten Glaubensgenossen Wohnung nahmen, in dem Hause des Alois Wiener v. Sonnenfels ..zum weißen Stern", welches nach seinem Ableben in das Eigentum seines Sohnes, Franz Anton Freiherr v. Sonnenfels, fürstlich Dietrichsteinischer Hofrat überging, ein. Schon in einem Dekrete der Niederösterreichischen Regierung vom 24. Oktober 1753 wurde dieses Haus als das Einkehrhaus der fremden Juden bezeichnet Die Regierung nahm aber Anstoß an der Einkehr der fremden Juden in diesem, einem getauften Juden gehörigem Hause. Sie trug demnach dem Magistrate auf, nach einem anderen „abgesonderten Wirts- oder EDERABENDE Sl Am 20. und 21. April werden im Restaurant S ALOMON GRÜNER Wien II-, Zirkusgasse 30, Telephon R 43-1-60 Sederabende abgehalten. Beldmaiftges Festmahl a la carte Marmel- und Tlsdiwelne sdiel Pessadi. Anmeldungen rechtzeitig erbeten. anderem Hause" als Wohnung für die fremden Juden zu suchen. Trotzdem aber wurde dieses Haus auch weiterhin als Wohnstätte benützt, allerdings aber mehr für ständige „jüdische Wohnparteien" (siehe unter a. dieses Punktes). Ein Rechtsnachfolger des Franz Anton von Sonnenfels im Eigerttume dieses Hauses war Otto Edler von Soböck: dieser unterbreitete dem Vizestatthalten von Niederösterreich eine absonderliche Bitte: daß nämlich die aus seinem Hause ausgezogenen Juden gewonnen werden mögen, wieder in sein Haus „zum weißen Stern" zurückzukehren, oder aber, es möge ihm gestattet werden, fremde Juden monatsweise oder auch Christen aufzunehmen. Dieses sehnsuchtsvolle Verlangen nach der Rückkehr der Juden dürfte wohl nicht in seiner Vorliebe für jüdische Mieter, sondern vielmehr in den materiellen Vorteilen, welche die Vermietung an Juden bot. seinen Grund gefunden haben, von welchen doch ein um 30 Prozent erhöhter Zins gefordert werden konnte (siehe hier unter a und unter II. Punkt 18 des Toleranzpatentes). Der Vizestatthalter erklärte die gestellten Forderungen als gesetzlich nicht begründet. Es stehe dem Bittsteller nur frei, auch allen anderen in seinem Hause noch verbliebenen Juden zu kündigen. (5. Februar 1781.) So konnte wohl das Haus „iudenrein" gemacht werden und dann zum Empfang von ausschließlich christlichen Bewohnern offen stehen. Diese aus der Antwort des Vizestätthalters und aus dem Verhalten der Regierung gegenüber den tolerierten Juden sich ergebende, grundsätzliche Anschauung, daß die Juden in keinem „Christenhause" wohnen dürfen, galt während der ganzen Regierungsdauer der Kaiserin auch in Ansehung der fremden Juden. _ if INTRA"-Schokolade MDö'WHM Die einzige Schokolade unter Antsicht des ehrw. Rabbiners Josef Babad Verlanget daher nur INTRA mit moio *pt> «m arwi nravn Oberall erhältlich Lüdlerg. % In dem Vorschlag eines Anonymus an die Kaiserin vom 29. März 1762. dessen das ganze Gebiet der Judengesetzgebung umfassenden Anträge die Judenordnung vom 5. Mai 1764 wesentlich beeinflußt haben, wird beantragt, daß die fremden Juden entweder bei den tolerierten Juden oder „bei der verwittibten Bibliotheksclireiberin Veronica Aaronin" Aufenthalt nehmen dürfen: eine Zuwiderhandlung sollte mit „scharfer Geldbestrafung" oder dm Falle der Mittellosigkeit mit „12 Stockstreichen" geahndet werden. Inhaltlich der Irttimation der Kaiserin an den Magistrat vctm 22. Oktober 1768 wurden zwei jüdische ..Garkucheln", welche in „abgesondert, von keinen Christen bewohnten Häusern" zu errichten waren, zur Beherbergung der fremden Juden, d. L der „nur auf einige Zeit allhier sich aufhaltenden Juden" bestimmt. Nach dem oberwährtten Vorschlage des Anonymus war die in demselben genannte Veronika Aaronin zur Haltung einer solchen Garküche befugt. (Fortsetzung folgt.) Großes liturgisches Konzert Mittwoch, den 23. März, fand im großen Konzerthaus-Saal unter dem Protektorat des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" das große liturgische Konzert der vereinigten Chöre „Hasimra" und „Jüdische Konzertvereinigung" unter Mitwirkung der Herren Oberkantoren M. Abrahamsohn (Budapest), S. Lander er, G. Margolies, L. Müller, der Klaviervirtuosin Gr-etl Koller und des Violinvirtuosen Kurt Fuchsgelb statt. Die Chöre standen unter der Leitung der Dirigenten B. Hirsch mann und H. Schorr. Das abwechslungsreiche Programm wurde mit drei Kompositionen von Weintraub „Schoschahas Jaakow", „Rezeh-Modim" und „Jehi Rozon", Solo und Rezitativ Oberkantor Landerer, eröffnet; die Chöre sowie der Solist Oberkantor Landerer, der mit seiner wohlklingenden, echt lyrischen Tenorstimme und sicheren Koloraturen sich auszeichnete, wurden vom Publikum mit reichem Beifall belohnt. Hierauf folgte der Chor B. Schorr's: „El Erech apajim"; Oberkantor M. Abrahamsohn, vom Publikum stürmisch begrüßt, führte den Solopart in dieser herrlichen Piece mit seiner großen, prachtvoll klingenden Stimme präzise durch und wurde mit dem Chore und dem Dirigenten, Herrn Schorr, für die glanzvolle, starken Effekt erzielende Ausführung mit stürmischem Beifall ausgezeichnet. Nun erschien Frl. Gretl Koller, welche zwei jüdische Tanzstücke für Klavier mit feinfühligem Verständnis und bravouröser Ausführung zu Gehör brachte und lebhaften Beifall erntete. Hierauf kam Oberkantor Margolies, ebenfalls lebhaft begrüßt, als Solist in den Chören von Dunajewski „Min hamezar" und „Wesseorew". Er führte seinen Part ebenso wie: der unter Hirschmanns Leitung stehende Chor

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