Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 14 (1.4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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OBS WAHRHEIT s«k« a AdHliin^f Beim Einkauf von Palästinaweinen achte man auf die Marke Karmel-Original auf der Etikette (nur vierfarbig), Kapsel, Plombe und Kork. Vor Falsifikaten wird gewarnt. Die aus den am Karmel im Jahre 1889 gegründeten ältesten palästinensischen Weinkellereien der Firma S. Friedmann & Söhne stammenden wohlgepflegten acht Sorten Weine sind den feinsten französischen und spanischen Natur weinen ebenbürtig. Rotweine: Alicant I und Alicante extra: goldgelbe Süßweine, Hasahron-gold. Malaga. Muscat und Zionsperle. Weißweine: Haute-Sautern. artig. Medizinal wein; Barsei, eisenhaltig. Alleinberechtigt zur Führung der Marke Karmel- Original ist N. Spindel. I„ Laurenzerberz 3. Telephon-Nr. R 29-7-34. Eine internationale rechtliche Konvention gegen den Antisemitismus. Rom, 21. März (J. T. A.). Die von Professor Guido Tedeschi gegebene Anregung zur Schaffung einer internationalen rechtlichen Konvention gegen den Antisemitismus hat in der jüdischen Presse und in der jüdischen öffentlichen Meinung in verschiedenen Ländern ein starkes Echo gefunden. Prof. Tedeschi erhielt Zuschriften von führenden jüdischen Persönlichkeiten und Organisationen, die sich mit der Möglichkeit der Realisierung seines Planes befassen. In einem Gespräch mit dem römischen Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, Dr. D. Kleinlerer, ließ sich Prof. Tedeschi abermals über seinen Plan aus. Er erklärte u. a.: „Meine Anregung zur Schaffung einer internationalen Konvention, die alle Staaten verpflichtet, einheitliche rechtliche Normen zur Bekämpfung des den Frieden in Staat und Gesellschaft gefährdenden Antisemitismus einzuführen, widerspricht nicht den Zielen, dem Wesen und der Taktik irgend einer Richtung im Judentum. Es muß gelingen, die Regierungen davon zu überzeugen, daß die Schaffung einer internationalen Konvention zur gesetzlichen Aburteilung der Judenhetzer und der Pogromhelden im Interesse des Friedens zwischen den Nationen und des Frieden^ innerhalb jeder einzelnen Nation liegt. Es handelt sich selbstverständlich nicht um die Bekämpfung der „Freiheit des Wortes" — es wird jedem Antisemiten unbelassen bleiben, in Büchern und Aufsätzen seine „Weltanschauung" darzulegen, — sondern um die Bestrafung des „Antisemitismus der Tat". Unter Strafe sollen Meinungsäußerungen und Erklärungen gestellt werden, die laut dem Kodex beleidigend für die Ehre und die Religion der Juden und des Judentums sind. Verbrechen der Aufhetzung eines Volksteiles gegen den anderen, Friedhofsschändung, Beleidigung der Religion usw. müssen schärfer bestraft werden als gewöhnliche politische Verbrechen, da sie die gesellschaftliche Ordnung bedrohen und gefährliche Psychosen hervorrufen. Die Regierungen müssen an der Bekämpfung solcher Psychosen das gleiche Interesse haben wie an der Bekämpfung des Genusses von Kokain, Opium usw. Eine internationale Konvention zur rechtlichen Aburteilung des turbulenten Antisernitismus unter den Auspizien des Völkerbundes, fuhr Prof. Tedeschi fort, istnichtganzidentischmit dem vom Völkerbund kontrollierten Minderheitenschutz. Ein Minderheitenschutz existiert nur in gewissen Ländern und hat das Ziel, den Minderheiten ihre Rechte zu garantieren. Die internationale Konvention gegen den Antisemitismus aber soll für alle Länder gelten. Sämtliche Regierungen sollten sich verpflichten, den Kodex dieser internationalen Konvention in die Gesetzgebung ihrer Länder einzuführen. Gibt es doch bereits solche internationale Rechtsangleichungen in Sachen der Bekämpfung des Frauen- und Mädchenhandels, des Opiumhandels usw. Wenn die grpßen jüdischen Organisationen meine Gedanken aufnehmen und zunächst die jüdische öffentliche Meinung mobilisieren, wird dies der Anfang sein zur Schaffung einer Stimmung für die Konvention gegen den Antisemitismus in der internationalen öffentlichen Meinung, so daß der Gedanke der Konvention bald konkrete Formen annehmen wird. VORNEÜflE rJMUKFft- PENSION \ ^5frtatairatloB(HaffBBliaBS j WgjC^im täglich 5-Uhr-Tee SENNERIN« ySS&s^W v «äSSssl^s* .-.^S/jä^jCS :-J.^^iSrfTrB^s^i]! •^^ÄSS'^-P^'W m^MM&m ' '^r»r^£;" liiaSy TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhans Mäßige Preise« Zimmer mitPensionS 12.— aufwärts Zentralheizung fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. AUfeUlf: WICB ItiepMB B 27-*-24. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein» Besitzer werden soll? Wir sind stolz darauf, das Vertrauen der deutschen Juden zu besitzen, die wissen, alles Menschenmögliche geschieht von uns, indem wir. mit sauberen Waffen kämpfen, indem wir die unzerbrechliche Kraft unserer heißen Herzen in des Vaterlandes und des Judentums heiligen Dienst stellen. Sich wehren, bringt Ehren und auch Erfolge. Arbeiten und opfern, nicht nur spenden — gebieten uns alle diese ernsten Tage. | Rabbi Chaim Sonnenfeld ges. A. | Aus Jerusalem kommt die Hiobsbotschaft, daß der Oberrabbiner der aschkenasisch-orthodoxen Gemeinde, Rabbi Chaim Sonnenfeld, daselbst 83 Jahre alt, am Sonntag verblichen ist. Millionen orthodoxer Juden, aber auch die Gegner der Orthodoxie, die den Mann gekannt haben, sind darin einig, daß er zu den prominentesten Lichtgestalten der gegenwärtigen Judenschaft zählte. Eine solche Summe von hoher Gelehrsamkeit, tiefster Religiosität, hoher Weisheit, unbegrenzter Menschenliebe, Bescheidenheit, gepaart mit eiserner Energie, wo es sich um den Kampf für die Thora und deren Uebung und Träger handelte, finden sich nur einmal in einer Generation in einem Manne vereinigt. Unter den ärmlichsten Verhältnissen m Werbo (Slowakei) geboren, galt seine Auffassung und sein gewinnendes Weser als Wundererscheinung, als er 8 Jahre alt war. Mit 12 Jahren bezog er die Rabbinatsschule des berühmten Rabbiners Mannheimer in Werbo und kam mit 15 Jahren an die erste Jeschiwah in Preßburg, unter deren 500 bekannt tüchtigen Talmudjüngern er bald zu den besten zählte. Jungverheiratet nach Kobersdorf, schloß er sich dem dortigen Rabbiner Zwebner, der zu den ersten Kapazitäten des Rabbrnerstandes gehörte, an, als dieser nach Palästina ging. Trotz seiner großen Jugend er- Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt Sich wehren bringt Ehren! Dr. Alfred Wiener über Hlndenburgs Sieg. Unter der Ueberschrift „Tage der Entscheidung. 13. März — 10. April — 24. April" führt Dr. Alfred Wiener, Syndikus des Centraivereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, in der „C. V.-Zeitung" u. a. aus: Hitler und seine Getreuen haben zweifellos eine Niederlage erfahren, eine arge Enttäuschung erlitten. Die 11,338.571 Hitler-Stimmen sind ersichtlich die Höchstzahl der Stimmen für den Gründer und Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, wohlgemerkt nicht für die Partei. Wie viele Hunderttausende werden der Person Hitlers, nicht seiner Partei ihre Huldigung und ihr Vertrauen am Entscheidungstag ausgedrückt haben. Wir reden uns gewiß nicht ein, alle Hindenburg-Wähler hätten mit ihrem Stimmzettel für den verehrungswürdigeh Reichspräsidenten Protest gegen die Haßgesinnung der Nationalsozialisten einlegen wollen. An fast der Hälfte aller deutschen Wähler und Wählerinnen ist aber die judenfeindliche Propaganda in Wort und Schrift abgeprallt. Und wie Klobiges und Gemeines ist dem deutschen Volke vorgesetzt worden. Derselbe Mann, der andere Parteien beim Reichspräsidenten mangelnder Ritterlichkeit zeiht, hat nichts dagegen einzuwenden, daß einer der Seinen, der bekannte sächsische Landtagsabgeordnete von K i 11 i n g e r, erklärt: „Für die jüdische Hochfinanz und die jüdischen Literaten in Berlin werden wir im Dritten Reich nicht die Hundepeitsche nehmen, sondern Maschinengewehre, die besser und gründlicher funktionieren." „Bangemachen gilt nicht!" Das ist richtig. 11,300.000 Hitler-Wähler erfüllen uns trotz Hindenburgs Sieg mit Besorgnis, um Deutschlands willen, um der Juden willen. Sie sind keinesfalls alle grimmige Judenfeinde. Und selbst unter diesen schämen sich viele der von Aufgehetzten umgestürzten Leichensteine und der mit Hakenkreuzen besudelten Gotteshäuser. Aber sie schweigen und sie dulden, daß in Versammlung und Zeitung die Juden als Freiwild hingestellt werden. Sie erkennen nicht die ungeheure Gefahr dieser zügellosen Haßgesinnung für Deutschland und für den Nationalsozialismus selbst. Ob 9, ob 10 Millionen — wird nicht die Parteileitung alles daransetzen, die Wähler des 13. März als dauernde Anhänger zu gewinnen? Unsere Aufgabe, unser Ziel sind klar. Wir müssen alle unseren deutschen Volksgenossen immun zu machen suchen gegen das antisemitische Gift. Wir müssen die hundert, die tausend möglichen Wege der Aufklärung über Juden und Judentum kraftvoll weiter beschreiten. Wie es durchgeführt kannte der weltberühmte damalige Oberrabbiner I. L. Jiskin m ihm den Kehn eines hervorragenden Menschen und pflegte intimsten Verkehr mit ihm. Durch Jahrzehnte saß er in Jerusalem, außer seinem Studium und Gottes- und Menschendienst nichts kennend, und trat nie hervor. Als die Gründung des zionistischen Staates mit der Einsetzung eines Oberrabbinates und Errichtung eines äußerst bibelkritischen Gymnasiums begonnen wurde, mit der ausgesprochenen Absicht, das heilige Land in einen religiösen Sumpf zu verwandeln, sah sich die Orthodoxie nach einem würdigen Führer um und aller Augen fielen auf Rabbi Sonnenfeld. Er, der ruhige, friedliebende Stubengelehrte mit dem weichen Herzen, erfaßte die Gefahr der Stunde vollauf und brachte das Opfer, in die Oeffentlichkeit hinauszutreten. Was dieser feinfühlige, edelsinnige Mann geleistet hat auf dem Gebiete der Abwehr zionistischer antireligiöser Bestrebungen, ist geradezu unbeschreiblich. Bis vor wenigen Monaten, da ihn die Krankheit niederwarf, hat er noch mit einem Feuereifer, der nur durch seine Friedensliebe gedämpft war, an allen Beratungen der Agudas Jisroel und des Waad Hoir Aschkenazy, sowie an allen Konferenzen mit den Regierungskreisen lebhaftesten Anteil genommen und war geistig vollkommen auf der Höhe. Was das Judentum an einer solchen Persönlichkeit und die Orthodoxie an einem solchen Führer verliert, läßt sich mit Worten nicht schildern. Sein Andenken wird stets zum Segen sein. W. P.