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Die Wahrheit · 1932-03-25 · Heft 13 (25.3.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 13 (25.3.1932)
Date
1932-03-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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*\uite 6 PgjyAflRHEIT Herr Rcligionslehrer Josef Pick für diese einzig dastehende Herabsetzung des Judentums allein die Verantwortung trägt. Es muß noch ausdrücklich hervorgehoben werden, daß Herr Josef Pick dieselbe Beschwerde auch beim Stadtschulrat eingereicht hat. ohne, wie es scheint, eine ihm erwünschte Erledigung erhalten zu haben. Er hätte es sonst gewiß nicht unterlassen, auch diese Erledigung zu veröffentlichen. Wien, 21. März 1932. Oberverwalter Josef Popper. Obmann. Religionslehrer Aron S c h m a 1 f i n g e r. Obmann-Stellvertreter. Leopold Spitz, Schriftführer. * * * Es ist wahrlich unverantwortlich von einem jüdischen Religionslehrer, seine nur vermeintlichen Schmerzen einem Forum mitzuteilen, das für jüdische Spezialangelegenheiten sicher sehr wenig Verständnis besitzt, und noch dazu in einer Weise, die für das Judentum, dem er dienen soll, geradezu beleidigend ist. D. Red. VonWo&e zuWoche Anti-Pessach-Feldzug in SowjetruBiand. Die „A p i k o j r e s" genannte jüdische Sektion des Gottlosenverbandes hat am 15. März den Anti-Pessach-Feldzug proklamiert, der bis Ende April zu dauern hat. In der Proklamation werden die jüdischen Atheisten aufgefordert, den Aktionen der „Klei-Kojdesch" (ironische Bezeichnung für jüdische religiöse Funktionäre), sowie der Kampagne zur Beschaffung von Mazzoth entgegenzuwirken. Ferner werden die Atheisten aufgefordert, tausende neue Mitglieder für die Gottlosen-Brigaden anzuwerben. Der Plan sieht die sofortige Entsendung sogenannter Zehner-Brigaden in die jüdischen Kolonien zur Führung des antireligiösen Werkes vor. Für diese Brigaden werden Arbeiter, Studenten und Jugendliche angeworben. In den Städten werden tausende antireligiöse Proklamationen und Exemplare der Zeitung „Apikojres" verbreitet. Die jiddisch-kommunistische Tageszeitung „Emess" bedauert die vom Volkskommissar Smidowitsch in der Oeffentlichkeit abgegebene Erklärung, daß jetzt, wo die Synagogen in Arbeiterklubs umgewandelt worden sind, die Fortsetzung der antireligiösen Kampagne nicht mehr so wichtig sei. Die Zeitung berichtet, daß der Präsident eines Kollektivs im jüdischen Rayon Freidorf den Ortsrabbiner zu einer Tagung der jüdischen Landwirte eingeladen hat, bei welcher Gelegenheit der Rabbiner über das Thema der Brüderschaft Israels und der Bürgschaft der Juden für einander predigte. Nichts, fährt die Zeittung fort, beweise mehr die dringende Notwendigkeit der Fortführung der antireligiösen Propaganda als dieses Faktum. Der Mord in Kfar Chassidim. Die Polizei hat eine Belohnung von 250 Pfund für Angaben, die zur Ermittlung des Mörders des jüdischen Kolonisten Guterman in der Kolonie Kfar Chassidim im Emek führen könnten, ausgesetzt. In Haifa wurden zwei arabische Benzinverkäufer als der Mordtat verdächtig verhaftet. In ihrem Besitz wurden große Mengen Munition gefunden Andauernde Bodenstreitigkeiten in Palästina. Nach einem Zusammenstoß zwischen jüdischen Pflügern und arabischen Beduinen auf dem bei Kuskustabun im Emek gelegenen Boden hat die Polizei bekanntlich verfügt, daß bis zur gerichtlichen Beilegung des Streitfalles weder Juden noch Araber den Boden bearbeiten sollten. Während die Juden dieser Anordnung Folge leisteten, fahren die Araber zu nächtlicher Stunde fort, den Boden zu pflügen, bzw. den von den jüdischen Siedlern gepflügten Boden umzupflügen. Ein weiterer Fall widerrechtlicher Boden-Okkupation durch Beduinen ereignete sich am 13. März in der Nähe der jüdischen Arbeitersiedlung Jad-Jur, wo arabische Hirten mit ihrem Vieh sich auf jüdischem Boden niederließen. Ein arabischer Polizist, der versuchte, die Hirten am Betreten des Bodens zu verhindern, wurde von ihnen schwer mißhandelt Jfafcenfcveuz am Werft Friede seinem Staube! Der „Tiroler Antisemiten-Bund", der nach Kriegsende gegründet wurde und dem einst der frühere Minister T h a 1 e r und der gegenwärtigen Heimwehrführer Dr. Steidle angehörten, ist nun, nachdem seine Führer - seit Jahren in anderen Organisationen tätig sind, w egen „mangelnder Betätigung" gemäß Vereinsstatut behördlich aufgelöst worden. Es ist dies der erste Fall, daß die Behörde eine antisemitische Organisation wegen mangelnder Betätigung auflöst. Noch immer die „Protokolle der Weisen von Zion". Die Madrider Zeitung „Criterio" kündigt an, daß sie demnächst mit der Veröffentlichung des Pamphlets „Die Protokolle der Weisen von Zion" in spanischer Sprache beginnt. In der Ankündigung führt ein unter dem Pseudonym „Fabio" schreibender Schriftsteller aus, die „Protokolle" enthüllen eine Verschwörung der Weltjude n h e i t, die das Ziel hat, die christliche Welt unter jüdische Herrschaft zu bringen. Das Streben der spanischen Juden war immer, die Welt unter jüdisches Zepter zu bringen. (Deshalb ließen sie sich wohl aus Spanien vertreiben. D. Red.) Oh, diese Rassentheorie! Vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte hatten sich kürzlich drei Studenten der Berliner Universität wegen Teilnahme an den Krawallen am 29. Juni zu verantworten. Sie hatten sich an der Mißhandlung des Universitätsassistenten Dr. Bergmann und einiger linksgerichteter Studienten beteiligt. Im Disziplinarverfahren sprach der Senat der Universität einen der drei Angklagten, Besuchen Sie das neurenovierte Familien-Cafe-Reslaurant jrciNcnor (IrUhcr Cafe Nord) Wien II., Heinestraße 15 Telephon R 40-2-25 ♦ Nur erstklassige Speisen und Getränke Zivile Preise / Aufmerksamste Bedienung Sämtliche Tageszeitungen liegen auf Frenzel, frei und: erkannte gegen die beiden anderen auf VerWeisung von der Universität. Vor dem Schöffengericht wurde neben den Verletzten auch der Rektor der Universität. Prof. Deissmann, vernommen. Er bekundete, daß im ganzen Sommersemester 1931 eine schwüle und gespannte Stimmung an der Universität herrschte. Die rechtsgerichtetenStudent e n liatten ihr Versprechen, d!ie Ruhe zu bewahren, nicht gehalten. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob es möglich war festzustellen, wer Nazis, wer Kommunisten waren, erwiderte der Rektor Prof. Deissmann: „Das war ganz unmöglich; es gibt Kommunisten mit blondem wallendem Haar und Nazi-Studenten von ausgesprochen östlichem Typus." Das Gericht sprach Frenzel frei, verurteilte aber den zweiten Studenten zu einem Monat Gefängnis und den dritten zu 50 Mark Geldstrafe. Kein Brot für hungernde Juden in Warschau. Die polnische Regierung hat von den 60 Millionen Zloty, die die Arbeitslosensteuer bei Kino. Post und Telephon erbracht hat, 7 Millionen Zloty für Speisung der Hungrigen in Warschau bereitgestellt. Obwohl die Warschauer Juden ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen, wurde für jüdische Arbeitslosenhilfe fast nichts ausgegeben. Unter 22.000 Hungernden, die aus diesem Fonds gespeist wurden, waren weniger als 1000 Juden, obwohl beim jüdischen Rettungskomitee 8000 jüdische Hungernde Gesuche um Ausfolgung von Mahlzeiten gestellt haben. Das Vorgehen der Regierung wird in jüdischen Kreisen scharf kritisiert. Auch der Warschauer Stadtmagisträt hat die bewilligteSubveritioii an das jüdische Rettungskomitee nicht ausgezahlt. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL UMBflBMBfliH^HBB^BMHi^^BHiMH^B WIEN IX., BEROOASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHR1NGERSTRASSE «7 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 164-34 Lieferant für Hallanstaftea AbteilungemnrKoscherfleisch unter Aufsieht des ehr«. Rabbfnatas dar Isp. Kultusgameinda Wian. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Gemeinde - tfkionifc Festgottesdfenst. Rabbiner Dr. Israel Taglicht, der kürzlich in vollster geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag feierte, hatte sich den aus diesem Anlasse ihm zugedachten wohlverdienten Ehrungen an seinem Jubeltage durch eine Reise ins Ausland entzogen. Als er jedoch von derselben zurückkehrte, da ließ es sich der Bethausvorstand des Turnertempels, in dem Dr. Taglicht seit beinahe 30 Jahren als geistliches Oberhaupt segensreich wirkt, nicht nehmen, den allseits beliebten und hochverehrten Rabbiner einen solennen Beweis der unendlich großen Sympathien zu geben, die er mit vollem Recht in seiner dankbaren Gemeinde genießt. Am Freitag, den 18. d. M. abendls wurde ihm zu Ehren ein herrlicher Festgottesdienst im Turnertempel abgehalten. Lange vor Beginn war das große Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Zunächst fand im Sitzungssaale des Bethausvorstandes die feierliche Enthüllung eines prachtvollen Bildes des Jubilars, das Meister Jehudö Epstein mit wahrer Liebe gemalt hatte, und die Ueberreichung einer sehr schön ausgestatteten Dankadresse aller jüdischen Vereine der Bezirke XII/XV. statt. Sodann geleitete ein großer Zug Dr. Taglicht zu seinem Sitze. An der Spitze schritten Präsident Prof. Dr. A. Pick und Vizepräsident Dr. J. Ornstein mit zahlreichen Kultusvorstehern, Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. D. F e u c h t w a n g, die Präsidien des Bethausvorstandes, der Bezirkskommission und der Chewra Kadischa XII/XV. und Regierungsrat G. F u c h s g e 1 b. Der Jubilar wurde von Oberkantor Taschlitzky mit einem eindrucksvollen Boruch habo empfangen. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g. der, ausgehend von dem Wochenabschnitt der „Erinnerung", in dankbarer Erinnerung all die großen Verdienste des Rabbiners und Gelehrten Dr. Taglicht aufzeigte, der trotz dieser gewaltigen Leistungen immer ein bescheidener Mensch geblieben ist, ein Mann mit echt jüdischer Seele. In tiefer Ergriffenheit betrat hierauf Dr. T a g 1 i c h t selbst die reich geschmückte Kanzel und dankte dem Allmächtigen, daß es ihm vergönnt war, nach Jahren härtester Arbeit und schwersten Ringens diesen schönen Tag zu erleben. Er skizzierte den Weg, den er bis nun gegangen, und das Ziel, das er sich stets vor Augen gehalten, seiner Gemeinde ein Führer und Lehrer in Freud und Leid zu sein. Nach dem schönen Gottesdienst drängte sich alles zum Sitze des Jubilars, um ihm aus vollstem Herzen die innigsten Glückwünsche darzubringen. Die zahlreichen Besucher aus allen Bezirken Wiens — m. a. bemerkte man auch Nationalrat Förster und Staatsanwalt Wottawa — hatten diesmal auch Gelegenheit, den herrlichen Gottesdienst zu bewundern, der nun im Turnertempel abgehalten wird. Die stimmlichen und kantoralen Qualitäten des neuen Oberkantors Taschlitzky sind tatsächlich ganz hervorragende, sein eindrucksvoller Gesang, der insbesondere in Piano ungemein ergreifend wirkt, wird glänzend unterstützt durch den von dem talentierten Dirigenten Kurt Fuchsgelb meisterhaft geleiteten Chor. Es war eine erhebende Feier, würdig des verdienstvollen Mannes, an dessen Ehrung das ganze jüdische Wien herzlichsten Anteil genommen hat - ..... Promotion eines Blinden. Der Zögling. des Blindeninstituts Hohe Warte, Max Geffner, wurde dieser Tage an der Universität in Wien zum Doktor der Philosophie promoviert.

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